Das Geburtsjahr Kaiser Heinrich’s VII.

Textdaten
<<< >>>
Autor: Nicolas van Werveke
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das Geburtsjahr Kaiser Heinrich’s VII.
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 8 (1892), 146–154.
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
De DZfG 1892 08 146.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[146] Das Geburtsjahr Kaiser Heinrich’s VII. Nach der gewöhnlichen Annahme wurde Heinrich VII. am 12. Juli 1262 zu Valenciennes geboren; der Ort wurde bestimmt durch eine Urkunde Heinrich’s VII. vom 5. März 1311[1], das Datum nach der Angabe des [147] Albertus Mussatus[2], dass der Kaiser in einem Alter von 51 Jahren, 1 Monat und 12 Tagen gestorben.

An der Richtigkeit dieses Datums ist schon lange gezweifelt worden; Wurth-Paquet zuerst[3] sprach sich dahin aus, es sei Heinrich’s VII. Geburt eher in das Jahr 1272 als 1262 zu setzen; H. Brosien[4] glaubte sich für das Jahr 1269 entscheiden zu müssen, so dass also Heinrich in einem Alter von 18–19 Jahren Graf von Luxemburg, 39 Jahre alt deutscher König geworden, und bei seinem Tode nicht 51, sondern nur 44 Jahre gehabt hätte.

Beide Annahmen sind zu verwerfen, Heinrich VII. wurde aller Wahrscheinlichkeit nach erst im Jahre 1276 geboren.

Die Schwierigkeit der Forschung war von jeher erschwert durch den Umstand, dass uns über die Heirath Heinrich’s VI., des Vaters des Deutschen Kaisers, bestimmte Nachrichten fehlten.

Nach Brosien[5] erscheint Beatrix von Avesnes, Heinrich’s VII. Mutter, zuerst in einer Urkunde vom 22. Mai 1265 als Heinrich’s VI. Gattin, scheint jedoch noch keine Söhne zu haben. In dieser Urkunde[6] erklärt Margaretha, Gräfin von Flandern und Hennegau, dass Heinrich, Graf von Luxembourg, ihr Schloss und Stadt Laroche mit den Appendenzen, die er von ihr zu Lehen hat, übertragen, um damit ihren Sohn Balduin von Avesnes, Herrn von Beaumont, und dessen Erben zu beerben, derart, dass nach dem Tode des Grafen von Luxemburg und seines Sohnes ihr eigener Sohn oder dessen Erben, Herren von Beaumont, Schloss und Stadt Laroche haben sollen, „tant com Béatris, nostre nièche, fille le devantdit Bauduin, femme Henri, fil de conte de Lusselbourg devantdit, vivera, et après le décies Béatris devandite li chasteaus et la vile et les apertenances et li pourfit devandit retourneront au .. conte de Lusselbourg devandit ou à son hoir, conte de Lusselbourg.“

Halten wir uns an die gewöhnliche Bedeutung des Wortes femme, so war allerdings Heinrich VI. damals schon mit Beatrice verheirathet; doch hat dasselbe auch vielfach nur die Bedeutung von fianciée, Verlobte, und nur in diesem Sinne kann es hier aufgefasst werden. [148] Die Urkunde vom 22. Mai 1265 gehört nämlich zu einer grösseren, nur theilweise erhaltenen Gruppe von Urkunden, die sämmtlich die Erledigung der Namürer Streitigkeiten betreffen. Am 20. Juli 1253 hatte Johann I. von Avesnes, ältester Sohn der Margaretha von Flandern, die Grafschaft Namür dem Grafen Heinrich VI. übertragen, der wegen seiner Mutter Ermesinde Ansprüche auf dieselbe hatte. In der Christnacht des Jahres 1256 hatte dann Heinrich V. Namür erobert. Es kam nun zu einem längeren Kriege mit Guy von Dampierre, einem Sohn aus zweiter Ehe der Margaretha von Flandern, dem die Kaiserin Maria von Courtenay, als rechtmässige Erbin des Landes, ihre Rechte verkauft hatte. Durch Vermittelung Johann’s II. von Avesnes, eines Enkels der Margaretha, kam es im Mai des Jahres 1264 zum Frieden.

Die meisten der auf diesen Frieden bezüglichen Urkunden[7] sind im Original erhalten, theils zu Lille, theils zu Paris. Von besonderer Wichtigkeit für uns sind zwei derselben, beide vom Monat Mai 1264.

Die erste ist der eigentliche Friedensvertrag[8]. Heinrich V. verzichtet in demselben auf Namür; zugleich wird eine Doppelheirath verabredet zwischen dem Grafen Guy von Flandern und Heinrich’s Tochter Isabella, einerseits, und anderseits zwischen einem der jüngeren Söhne Guy’s (l’ainsnei fil le devantdit conte de Flandres, après Robert, ki clers ne sera), und der zweiten Tochter Heinrich’s „dedans demi-an après ce qu’il averont aage de marier“. Heinrich V. verspricht zudem, diesen Vertrag durch seinen ältesten Sohn bestätigen zu lassen, und zwar thut er das in Worten, die für uns von der höchsten Wichtigkeit sind. „Et est à savoir ke j'ai promis et promet ke je ferai et procuerrai [sic] ke mes ainsneis fius dedans demi-an après ce k'il sera aagiés, prometera et aura en convent par foi et par serement sollempnel à gréer et à tenir fermement de tant com à lui apertenra et puet apertenir, en boene foi, toutes ces convenances et ke jamais ne venra encontre ne par lui ne par autrui et qu’il donra de ce ses letres pendans.“

Es geht also daraus hervor, dass Heinrich’s VII. Vater im Mai des Jahres 1264 noch nicht grossjährig, das heisst noch nicht 16 Jahre alt war. Er kann also damals nicht wohl schon verheirathet gewesen sein, und andererseits ist es rein unmöglich, dass ihm bereits im Jahre 1262 ein Sohn geboren worden, der spätere Kaiser Heinrich VII.

[149] Die im Friedensvertrag vorgesehene Heirath zwischen Guy, dem Grafen von Flandern, und Isabella von Luxemburg kam wirklich zustande; aus der zweiten, in demselben Vertrag vorgesehenen Heirath dagegen wurde nichts, und zwar scheint man schon gleich beim Abschluss des Vertrages das Nichtzustandekommen dieser Heirath vorausgesehen zu haben. Durch eine weitere Urkunde, ebenfalls, wie die erste, von 1264, el mois de mai[9], verzichtet Heinrich V. gänzlich auf alle Ansprüche auf die Grafschaft Namür, und die ihm eventuell zu zahlenden 40,000 Pfund, wenn die Heirath nicht zustande käme: se defaute estoit de par mainsnée fille après Ysabel devantdite, tant comme ele ne seroit en la garde le conte de Flandres devantdit ou de la contesse, sa mère, ke ele ne preist à baron le devantdit fil le conte de Flandres dedens le demi-an après ce ke les persones seroient aagies et couvenables à mariage.

Wesshalb diese zweite Heirath nicht zustande kam, weiss ich nicht. Wohl aber scheint festzustehen, dass als Ersatz derselben bereits im folgenden Jahre die Heirath Heinrich’s VI. mit Beatrix von Avesnes, Tochter Balduins und Enkelin der Margaretha von Flandern, verabredet wurde. Aber während wir über den Friedensvertrag des Jahres 1264 vollständig unterrichtet sind, fehlen uns über diese neuen Verhandlungen fast alle Nachrichten; nur die oben erwähnte Urkunde vom 22. Mai 1265 gibt uns einige, doch nicht volle Kunde.

In dem Bündnisse zwischen Ferry, Herzog von Lothringen und Heinrich V. von Luxemburg, vom 8. März 1269, wird mit klaren Worten darauf hingewissen, dass Heinrich’s V. Sohn noch keinen männlichen Nachkommen hat. Besonders deutlich tritt dies hervor in der Gegenurkunde Ferry’s von demselben Datum: ancor est assavoir que Hanris, mes cousins, ne Walerans (se li contez H escheoit), ne sunt mie à moi alié encontre les homes liges mon oncle le conte de Lucembourc, denn es konnte Walram doch nur in dem Fall Graf von Luxemburg werden, wenn sein älterer Bruder Heinrich kinderlos starb.

Auch das Codicill zu seinem (verlorenen) Testament, das Heinrich V. am 14. April 1270, vor seiner Abreise zum zweiten Kreuzzuge Ludwig’s IX. von Frankreich machte, gibt keinen festen Anhaltspunkt für die Entscheidung der Frage, ob damals Heinrich VI. schon einen Sohn gehabt oder nicht. Schon Brosien[10] bemerkt indessen, dass er in demselben keinen Beweis für das Vorhandensein Heinrich’s VII. um 1270 sehen möchte. Nur geht aus diesem Codicill [150] wenigstens soviel hervor, dass die mit dem Grafen von Flandern verabredeten Heirathen noch nicht eingegangen sind, und dass also auch wohl die Verhandlungen über Heinrich’s VI. Ehe noch keinen vollen Abschluss gefunden hatten[11].

Entscheidenden Aufschluss liefert dagegen das Vaticanische Archiv.

Am 13. December 1274 gestattet Papst Gregor X. dem Grafen Heinrich von Luxemburg, dass er eine ihm im vierten und selbst im dritten Grade verwandte Dame ehelichen könne, nachdem derselbe dargelegt hatte, dass er sonst keine nach Rang und Geburt ihm ebenbürtige Gattin finden würde[12]. Dass es sich hierbei nicht um Heinrich V. handeln kann, erhellt aus dem Umstande, dass dessen Gemahlin, mit der er seit 1240 verheirathet war, erst im November 1275 starb; es kann also nur Heinrich VI. sein, dem der nachgesuchte Dispens ertheilt wird, und wir sind zu der Annahme berechtigt, dass Heinrich VI. erst im Jahre 1275 Beatrix von Avesnes geheirathet, und Heinrich VII. demgemäss im Jahre 1276 geboren worden.

[151] Mit diesem Resultat stimmen die Ergebnisse fast aller anderen Ueberlieferungen vollkommen überein.

Heinrich VI. nennt sich vom Jahre 1270 an beständig ainsneis fils le comte de Luxembourg; erst seit 1274 nimmt er einen eigenen Titel an, indem er sich Henri de Luxembourg, sires de la Roche, Henricus dominus Rupensis etc. nennt. Diese Annahme des neuen Titels hängt ohne Zweifel mit seiner Heirath zusammen, da Laroche seiner Gemahlin Beatrix als Wittum angewiesen war; die seit 1265 schwebenden Verhandlungen werden also jetzt zum vollen Abschluss gelangt sein, Laroche dem Sohne Heinrich’s V. übertragen, damit er es bei einzugehender Ehe seiner Gemahlin zuweisen könne.

Im Jahre 1288 fiel Heinrich VI. auf dem Schlachtfelde von Wöringen, sein ältester Sohn hatte also damals erst 12 Jahre, sein dritter Sohn Balduin, geboren im Jahre 1285, erst drei Jahre. Die Gesta Balduini haben daher vollständig Recht mit der Klage über den Tod des Grafen: Hic ploratus et ululatus de tam parwulis pupillis, Henrico, Walramo et Baldewino, qui Baldewinus tunc temporis nondum tertium aetatis suae annum complevit. Quibus sic patre orbatis, quid essent acturi quoque diversuri, a nonnullis querulose in altum elevatur.

Dazu kommt ferner der Umstand, dass Heinrich VII. bei seines Vaters Tode noch minderjährig war und während der nächsten Jahre unter der Vormundschaft seiner Mutter stand. Brosien[13] hat freilich diese Vormundschaft zu leugnen gesucht. Seither aufgefundene Documente beweisen indessen auf das deutlichste die Unhaltbarkeit seiner Hypothese.

Zunächst kommt ein Schreiben Heinrich’s VII. an Johann von Avesnes, Grafen von Hennegau, in Betracht; er bittet diesen am 6. März 1289 um Aufschub für die Huldigung, die er ihm zu leisten hat: Je vous prie et requier ... que vous me voelliés tenir pour excuset de çou que je ne sui aleis à vous, pour faire hommage de ce que je doi tenir de vous, car vous savés, sire, que je ne suis mie ore en point de men cors conduire à me volentei[14].

Die Vormundschaft wird ferner auf das klarste bewiesen durch den am 1. Oktober 1290 zwischen Gui von Flandern und Beatrix, Heinrich’s Mutter, abgeschlossenen Vertrag; denn Beatrix urkundet [152] ausdrücklich pour nous, pour Henri, no fil, pour les nos et pour no terre; sie verpflichtet sich ausserdem, ihren Sohn Heinrich mit der Tochter des Herzogs nur mit Rath und Einwilligung des Grafen von Flandern zu verheirathen: et nous Béatris, contesse de Luxembourch, ne poons faire alliance ne mariage de Henri, no fil, ale fillie le duc de Braband, se ce n'est par le conseil, l'ottroy et l'assentement de no chier oncle Guyon devant nommeit. Es ist rein undenkbar, dass Beatrix solche Ausdrücke gebraucht haben sollte, wenn ihr Sohn bereits grossjährig gewesen wäre[15].

Am 6. November 1290 versprechen Beatrix, Gräfin von Luxemburg, und Graf Heinrich, ihr Sohn, alles zu erfüllen, was in betreff der Heirath Heinrich’s mit Margaretha von Brabant durch Guy von Flandern vermittelt werden wird. Heinrich verpflichtet sich, auf die Aufforderung seines Onkels zu ihm zu kommen und nicht eher von dannen zu weichen, bis alle vereinbarten Bedingungen erfüllt sein werden, während Beatrix sich ihrerseits verpflichtet, „ke ces couvenenches je ferai .. Henri, men fill, tenir plainnement.“[16].

Es passt vortrefflich, wenn ferner Mussatus von Heinrich VII. erwähnt, er habe Margaretha von Flandern „adolescentem imberbis et ipse“ geheirathet.

In den ersten Jahren seiner Regierung führt Heinrich häufig den Namen damoiseau. Ich möchte den Namen nicht einfach darauf beziehen, dass Heinrich in jenen Jahren noch nicht zum Ritter geschlagen war, sondern vielmehr darauf, dass er unter Vormundschaft stand. Er trägt ihn zuletzt am 3. September 1293. In manchen Urkunden erscheint er sogar erst in zweiter Linie neben seiner Mutter, unter einer Bezeichnung, die ihn keineswegs als regierenden Grafen erkennen lässt: „Beatrix, comitissa de Luxenburg et Henricus, filius meus, verus heres et comes ibidem[17]; Beatrix .. contesse de Luxembourch et de la Roche, et nous, Henris, ces ainsneis filz, damisiaus de Luxembourch[18]“. Beide Bezeichnungen aber haben in den gleichartigen Luxemburger Urkunden immer eine Bedeutung, die etwa den Worten Kronprinz oder Erbprinz gleichkommt.

Als Beweis für die Nichtexistenz einer Vormundschaft führt Brosien an, dass die Urkunden, in denen neben Heinrich Gräfin Beatrix mitwirkt, sich fast ohne Ausnahme auf private oder Familienangelegenheiten [153] beziehen, wogegen die Urkunden, die Heinrich allein thätig zeigen, viel zahlreicher sind. Er führt von diesen letzteren für die Zeit vom 1. Januar 1289 bis 28. October 1291, nach Wurth-Paquet, 19 Urkunden an[19]. Aber von diesen 19 Urkunden sind nur vier (Nr. 12, 18, 34 und 59) in Heinrich’s Namen ausgestellt, und, was besonders ins Gewicht fällt, Heinrich besiegelt nur die erste dieser Urkunden, eine unbedeutende Quittung, allein, wogegen die drei anderen neben seinem Siegel noch dasjenige seiner Mutter, mit dem des Grafen Ludwig von Chiny (Nr. 18), oder des Herrn Gottfried von Esch (Nr. 34) oder alle drei zusammen tragen. Beide Herren aber haben gemeinsam mit Beatrix die Vormundschaft geführt.

Auch das von Heinrich VII. in den Anfängen seiner Regierung geführte Siegel weist auf ein sehr jugendliches Alter des Inhabers hin. Er erscheint nämlich unter den Zügen eines 15- bis 16jährigen Knaben, den Falken auf der Faust, also mit demselben Typus, den Johann, Heinrich’s VII. Sohn, nachweislich im gleichen Alter geführt hat. Er behält dieses Siegel bis in das Jahr 1294 bei, also bis zum Alter von 18 Jahren; aber schon im Jahre 1290 verweist er darauf, dass er bald sein Siegel ändern werde. In einer in französischer Sprache geschriebenen Urkunde vom 10. Februar 1290, in welcher er einen Gütertausch mit Marienthal beurkundet, verspricht er, das angehängte Siegel später durch ein anderes zu ersetzen, oder vielmehr [154] unter seinem späteren Siegel eine neue Urkunde auszustellen: promech ke, s’il avient par proches de tans ke je mue saiel, je ferai ces convenanches renouveler de celui saiel[20]. Aehnlich im Januar 1290, in der Bestätigung der Privilegien der Stadt Luxembourg: nous avons fait saieler ces présens lettres de nostre saiel, et promettons ke, si nous renuvons cest nostre saiel, ke nous resaullerons ces lettres dou nostre saiel renuveit[21].

Halten wir nun an dem gewonnenen Resultat fest, dass Heinrich VII. im Jahre 1276 geboren worden, so war er bei seiner Königswahl erst 32, bei seinem Tode 37 Jahre alt, bedeutend jünger also, als bisher allgemein angenommen wurde.

Während aber alle anderen Quellen darauf hinweisen, dass Heinrich VII. unmöglich im Jahre 1262 geboren sein kann, erzählt Mussatus, bei Erwähnung seines Todes, „ubi (ad Bonconventum) 8. septembrias kal., hora nona, ipso sancti Bartholomaei festo expiravit, anno aetatis suae uno et quinquagesimo, mense uno, diebus 12, regni sui anno 5., imperii vero anno primo, mense uno et diebus vigintiquatuor[22].“ Dass dabei irgend ein Irrthum obwalten muss, ist einleuchtend. Dass Mussatus, der den Kaiser persönlich kannte, sich in seiner Angabe um volle 14 Jahre geirrt haben sollte, ist indessen kaum anzunehmen; eher müssen wir eine fehlerhafte Ueberlieferung annehmen. Der Herausgeber dieser Zeitschrift veranlasste deshalb die Vorstände der beiden Bibliotheken, den betreffenden Passus der Codices Ambrosinus A 261 und Estensis VI G 1 zu collationiren; das Resultat war ein negatives, da beide Handschriften übereinstimmend geben: „anno etatis sue uno et quinquagesimo.“ Es bleibt daher nur eine Annahme möglich: sollte nicht Mussatus vielleicht in seinem Concept die betreuenden Zahlen in arabischen Ziffern geschrieben haben, so dass die Reinschreiber später sich versahen und aus 37 – 51 machten? Es ist vielleicht ein gewagter Vorschlag zur Emendation, doch ist er, glaube ich, der einzig mögliche; man müsste denn annehmen, dass der obenerwähnte Dispens erst nach der Heirath ertheilt worden, Heinrich VII. schon 1274 geboren und also bei seinem Tode 39 Jahre gehabt habe; dann könnte man glauben, aus anno etatis sue undequadragesimo sei unter der Hand des Abschreibers uno et quinquagesimo entstanden[23].
N. van Werveke.

  1. Bertholet, Histoire de Luxembourg, t. V p. 101 des preuves: in mansione --- sita in parochia S. Nicolai oppidi Valenchienis --- in qua nativitatis originem sumpsimus.
  2. Caesar --- ad Bonconventum contendit --- ubi 8. septembrias kal. hora nona ipso s. Bartholomaei festo expiravit, anno aetatis suae uno et quinquagesimo, mense uno, diebus 12, regni sui anno 5., imperii vero anno primo mensi uno et diebus viginti quatuor: Muratori X, 568.
  3. Public. soc. hist. Luxembourg, XVI p. 31.
  4. H. Brosien, Heinrich VII. als Graf von Luxemburg, in den Forschungen z. Deutschen Gesch. XV p. 476.
  5. l.c.
  6. Original zu Lille, unter B 103, Nr. 1409. Text: Saint-Génois, Droits primitives de Haynaut, Paris, 1782, I. 268.
  7. Wurth-Paquet, Table chronologique de Henri V. (Publ. soc. hist. Luxbg.), Nr. 260–270 (ad a. 1264 Mai) und Nr. 279 (1266 Febr. 5), Nr. 287–289 (1265 Mai 29), Nr. 290 (1265 Juni 7).
  8. Wurth-Paquet, l.c., Nr. 261. Original zu Lille, B 100, Nr. 1371.
  9. Wurth-Paquet, l.c., Nr. 265. Original zu Lille, B 101, Nr. 1380.
  10. Forsch. z. Deutschen Gesch. XV, 476
  11. Bertholet, hist. de Luxembourg, V., preuves, p. 64: Je veult que si une de mes filles qui encor sont à’marier, estoit alleurs mariée qu’à l’un des enfans de Flandres, après les convenances accomplies des enfans de Flandres et de mes filles.
  12. Kaltenbrunner, Actenstücke zur Gesch. des Deutschen Reiches unter den Königen Rudolf I. und Albrecht I. (Wien 1889), p. 77. Durch die gütige Vermittlung des Kgl. Preuss. Hist. Instituts in Rom bin ich in den Stand gesetzt, den Text selbst mitzutheilen. Er lautet: Nobili viro Henrico comiti Lucceburgen. Cum summus pontifex collatis sibi in persona beati Petri ab eo, qui eterna providentia celestia simul et terrena disponit clavibus regni celestis, ligandi obtineat pontiticium et solvendi, nonnunquam supra ius de iure dispensans, necessitatis vinculum, quo ad ipsius iuris observantiam cuncti tenentur, laxat provide de sue potestatis plenitudine circa quosdam. Sane pe[titio] tua nobis exhibita continebat, quod licet tu, ad bona nuptiarum aspirans, legitimo uti desideres consortio coniugali, quia tamen in illis partibus aliqua te gradu affinitatis ad contrahendum cum ea matrimonium prohibito non contingens nequit comode inveniri, que status tui ac originis nobilitate pensata tuis convenire sponsalibus videatur, nobis humiliter supplicasti, ut circa id de oportune dispensationis gratia providere misericorditer dignaremur. Nos itaque tuis supplicationibus inclinati, tibi, quod cum aliqua nobili, etiam si tibi sit quarto et tertio affinitatis gradu coniuncta, matrimonium contrahere valeas et in contracto etiam remanere, devotioni tue auctoritate presentium duximus concedendum. Nulli ergo nostre concessionis etc. Dat. Lugdun[i], Id. Decembris, anno tertio. (Rom, Vat. Arch., Registr. 37, fol. 160b, epist. 77 tertii anni, copia membr. coaeva.)
  13. l.c., p. 477.
  14. Original im Staatsarchiv zu Lille. – Bull. des séances de la comm. de l’hist. d. Belgique, 4. série, XII, 345.
  15. Wurth-Paquet, l.c., Nr. 82 (Text); de Reiffenberg, Monuments inédits, I, 30 (Text).
  16. Wurth-Paquet, l.c., Nr. 88 (Regest.).
  17. Wurth-Paquet, l.c., Nr. 40, ad a. 1289, Juli 2.
  18. Wurth-Paquet, Cartulaire de la ville de Luxembourg, p. 16, ad a. 1289 Juli 23.
  19. Nr. 12, 16, 17, 18, 19, 21, 22, 25, 30, 34, 39, 54, 59, 69, 97, 101, 102, 107, 108. In Nr. 12, 1289 Jan. 1 (1290, N. St.), nennt sich Heinrich damoisiaus et cuens de Luxembourch. – Nr. 16 ist nicht von Heinrich VII. selbst gegeben; Theoderich, Herr v. Ulmen, erklärt, unterm 25. Januar 1290, dass er seine Burg Ulmen zu Lehen trage ab illustri viro domino comite Luccillinburgensi; Heinrich selbst ist nicht mit Namen genannt. – Nr. 17, d. d. 1290, Febr. 9, ist ganz gleichen Inhaltes; Therricus v. Ulmen und Walter, sein Sohn, bekennen Ulmen als Lehen zu haben ab illustri domicello Henrico, comite Lucelburgensi. — In Nr. 18, dd. 1290, Febr. 10, beurkundet Henricus conies Lucenburgensis einen von ihm mit dem Kloster Marienthal vorgenommenen Gütertausch; neben ihm siegeln seine Mutter Beatrice und Ludwig, Graf von Chiny. — In Nr. 19, dd. 1290, Febr. 11, quittirt Tirricus v. Ulmen über 100 Pfund Turnosen, die er erhalten von Henrico comite Luccelburgensi, filio domine Ermendise, comitisse Luccelburgensis, et Henrico, domicello, eius nepote. — Nr. 30 und 31, dd. 1289, N. St., Febr. 23 und 28, sind Lehenserklärungen Rainals von Neufchastel für Güter, die er von Heinrich zu Lehen trägt; dieser wird hier conte de Lucembourch, resp. Henri, damisel et comte de Lucelbourg genannt. – Auch Nr. 25, dd. 1290 März 11, ist eine Lehenserklärung für Güter, die von damoiseal Henri, comte de Luxembourg et de Laroche rühren. – Aehnlich Nr. 30, 39, 52, 69, 97, 101, 102, 107 und 108.
  20. Cartul. d. Marienthal I, 187.
  21. Wurth-Paquet, Cartulaire de la ville de Luxembourg p. 18.
  22. Muratori X, 568
  23. Die Collation der Maussatus-Codices ergab folgende nicht unwichtige Varianten: VIIII°. (nono sept.) septembrias kal., statt 8. sept. kal. – mense uno diebus VII statt mense uno diebus 12.