Das Ende der „Vaucanson’schen Ente“

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Titel: Das Ende der „Vaucanson’schen Ente“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 39
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Jacques de Vaucanson: Die mechanische Ente (1738)
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[39] Das Ende der „Vaucanson’schen Ente“. Von einem Freunde unseres Blattes erhalten wir aus Charkow in Rußland folgende Zuschrift: „Soeben lese ich im Jahrg. 1882, Nr. 46 Ihres Blattes (in dem Artikel über die Universität Helmstädt) eine Bemerkung über die berühmte Vaucanson’sche Ente, die sich einstmals auch in dem Besitze des Professors Beireis befunden hat. Vielleicht interessirt es Sie und die Leser Ihrer ‚Blätter und Blüthen‘, das dramatische Ende dieses alten, vielbewunderten Automaten zu erfahren.

Es war, wenn ich nicht irre, im Sommer 1879, als das Curiositätencabinet des Herrn Gaßner aus Petersburg nach Charkow übergesiedelt war und sich hier auf einem freien Platze in einer großen Bretterbude den stromartig hinwallenden Schaulustigen öffnete. Neben einer Menge von Wachsfiguren und wirklich interessanten Antiquitäten, figurirten dort der eben erfundene Phonograph und – die alte Vaucanson’sche Ente. Meine Frau und ich gingen eines Tages auch hin und hatten nun den Spaß, das alte Kunstwerk in Thätigkeit zu sehen. Die Ente stand frei auf einem Kasten, der den ganzen bewegenden Mechanismus enthielt, dessen Zugdrähte allein durch die Beine des Thieres in den Körper gelangten. Sobald der Mechanismus aufgezogen war, richtete sich die Ente auf, schlug mit den Flügeln, schnatterte, fraß Körner und trank eine Untertasse Wasser aus, schien sich auch einer gesunden Verdauung zu erfreuen; kurz, das Thierchen machte uns viel Spaß, und wir hatten durch die Freundlichkeit des Besitzers auch die Gelegenheit, die innere Einrichtung des höchst complicirten, sinnreichen Mechanismus zu bewundern.

Einige Tage darauf befanden wir uns in unserem Garten, als plötzlich meine Frau, die mit sehr feinem Geruchssin begabt ist, behauptete, es rieche in der Luft nach Spiritus und brennendem Wachse: am Ende brenne das Gaßner’sche Museum. Gleich darauf hörten wir Feuerlärm und bekamen die Nachricht, daß wirklich das ganze Gaßner’sche Raritätencabinet abgebrannt sei.

Eine Gasflamme hatte den baumwollenen Schnee einer Winterscenerie mit Wachsfiguren in Brand gesetzt und nur die in der Bude anwesenden zahlreichen Schaulustigen hatten sich retten können. Alles Andere war verbrannt. Als ich am Nachmittag die Brandstätte besuchte, fand ich nur die mit Asche und Kohlen bedeckte Erde vor. Auf dem Platze, den die Ente eingenommen hatte, lagen ein paar verbogene Zahnräder, die armseligen Ueberbleibsel ihres ruhmreichen Erdenwallens.“