Das Central-Bureau „Felicitas“ in Bern

Textdaten
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Titel: Das Central-Bureau „Felicitas“ in Bern
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aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 371–372
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[371] „Das Central-Bureau ‚Felicitas‘ in Bern“. In kürzester Zeit erhielten wir aus unserem Leserkreise ein halb Dutzend Zuschriften, sämmtlich begleitet von lithographirten Briefen des obigen „Bureau Felicitas“ und von Anfragen über den Charakter dieses Unternehmens. Die durch viele Zeitungen laufenden an „!Damen – Herren!“ gerichteten Aufrufe dieses Berner „Bureau“ versprachen „an allen Orten Europas sowohl schreibkundigen Damen als Herren jeden Standes unter guten Gehalts- und Provisions-Bedingungen Anstellungen, welche sich besonders für ein rentables Nebeneinkommen eignen, indem ein Verlassen des Wohnorts dabei nicht nöthig wird. Die Beschäftigung erfordert nicht einmal eine schöne Schrift und nimmt täglich nur einige Stunden in Anspruch.“ – Wer dieses seltenen Glückes theilhaftig werden will, hat sich brieflich, aber mit Einlage von „acht Neugroschen in landesüblichen Briefmarken für Rückantwort und Francatur“ zu melden und diesen Meldebrief „sub C. B. F. Nr. 2042 zur Weiterbeförderung an die Annoncen-Expedition der Herren Sachse u. Comp. in Bern (Schweiz) zu adressiren.“ – Die „Rückantwort“ ist eben der bezeichnete lithographirte Brief. Wir erfahren aus demselben noch immer nichts über das Wesentliche der darin angebotenen „Assistentenstelle“. Dagegen heißt es gleich im Eingange: „Da wir jedoch mit dieser Anstellung zugleich bemüßiget sind, Ihnen Ausarbeitungen übersenden zu müssen, welche uns einen Werth von (die folgende Zahl ist mit Tinte geschrieben) acht Thalern ausmachen, so erlauben wir uns vorher die ergebene Anfrage, ob Sie geneigt wären, uns zur Deckung dieses Risicos, welches sich durch die Anstellung von Beamten an allen Orten Europas enorm steigert, die Hälfte dieses, vier Thaler (ebenso geschrieben), einzusenden.“ … Später heißt es noch: „Ihre Bezüge an Gehalt, Provision und Pension sind aus den Anstellungsdocumenten ersichtlich, die Sie gleichzeitig mit den übrigen Papieren nach Eingang des Theilrisicos zugesandt erhalten, vor dessen Empfangnahme wir uns in keinerlei Verhandlungen einlassen können.“

[372] Wir sind überzeugt, daß unsere Leser sich ihr Urtheil über diese „Felicitas“ nach diesen wenigen Mittheilungen bereits gebildet haben. Wahrscheinlich ist es dasselbe, was sich auch in den Briefen der für acht Neugroschen Gemeldeten ausspricht. Wir wollen das Unsere noch zurückhalten, bis uns die Frage beantwortet ist: Hat Jemand die vier Risico-Thaler daran gewagt und was war der Erfolg? – Niemand lasse sich durch ein falsches Schamgefühl zum Schweigen hierüber verleiten. Von den Deutschen unserer Zeit kann man verlangen, daß sie, wo es das öffentliche Wohl fordert, ohne Scheu mit der Wahrheit heraustreten. Wir werden die Namen solcher Einsender verschweigen, müssen sie aber kennen, anonyme Mittheilungen sind für uns werthlos.

Ebenfalls die freie Schweiz preist als sein Vaterland ein andrer Menschenbeglückungsverein, genannt „L’Alliance horlogère in Chaux-de-Fonds“. Hier thut’s der Uhrenhandel: „Wenn Sie in Ihrer Mußezeit nur hundert Subscriptionen (auf Uhren aus der Fabrik dieser Allianz) einsammeln, so können Sie sich dadurch ein Einkommen von zwei- bis dreitausend Franken gründen, mit der Versicherung, es viele Jahre hindurch zu behaupten.“ So steht es im Programm gedruckt zu lesen. Der geschriebene Brief verlangt eine Baareinsendung von zweihundert Franken, worauf der Betreffende „die Uhren sofort in schönen Schmuckkästchen, sammt Drucksachen und Diplom“ erhalten soll. – Auch über dieses Unternehmen geben uns vielleicht Erfahrene Belehrung zum allgemeinen Besten.