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Titel: Das Brausepulver
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aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 323
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[323] Das Brausepulver. Allgemeiner Beliebtheit erfreuen sich die kohlensäurereichen moussierenden Getränke von dem Selterswasser bis hinauf zum blumigen Sekt der Witwe Cliquot. Nun lassen sich aber die treibenden Stoffe eines solchen moussierenden Getränks auch in fester pulverförmiger Form aufbewahren, als Brausepulver, das nur eines Aufgusses voll Wasser bedarf, um einen lebhaft schäumenden angenehmen Trank zu erzeugen.

Die Aufbewahrungsfähigkeit eines Gases in fester Form regt doch zum Nachdenken an und legt die Frage nahe: Woraus besteht denn eigentlich das Brausepulver?

Es sind darin zwei Bestandtheile enthalten, die im trockenen Zustand friedlich nebeneinander ruhen, die aber, sowie sie durch Wasser aufgelöst werden, heftig aufeinander wirken und jenes Aufbrausen des Wassers erzeugen. Der eine ist das doppeltkohlensaure Natron. In ihm ist die Kohlensäure, sonst unter gewöhnlichen Verhältnissen ein Gas, an das Metall Natrium gebunden. In dem winzigen Raum, den das Pulver einnimmt, schlummert gleichsam, durch die chemische Kraft an das Natron gefesselt und damit in den festen Zustand gezwängt, ein gewaltiges Volumen Kohlensäure.

Welches Mittels bedarf es nun, um die Kohlensäure als Gas der Freiheit wiederzugeben, sie dem Natron zu entziehen und dieses anderweit zu entschädigen? Es bedarf dazu nur einer Säure, deren chemische Wahlverwandtschaft zum Natron eine größere ist als die der Kohlensäure. Fast jede Säure erfüllt diese Bedingungen; als ebenfalls in Form eines festen Körpers darstellbare und erfrischend schmeckende Säure hat man die Weinsäure, die man aus dem Weinstein gewinnt, dazu gewählt. Sie ist der andere Bestandtheil des Brausepulvers. Sowie nun das Wasser hinzukommt, das sowohl das doppeltkohlensaure Natron als auch die Weinsäure in reichlichem Maße in sich auflöst, wirken die gelösten Körper, nunmehr mit chemischer Angriffsfähigkeit begabt, aufeinander. Die Weinsäure drängt sich an die Stelle der Kohlensäure, indem sie mit dem Natron zu weinsaurem Natron sich vereinigt und schickt die Kohlensäure in die Freiheit, die sie in heftigem Brausen durch das Wasser hindurch zu gewinnen sucht.