Circular-Schreiben wegen eines neuen Gebet- und Gesangbuchs für das Hochstift Wirzburg

Textdaten
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Autor: Franz Ludwig von Erthal
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Titel: Circular-Schreiben wegen eines neuen Gebet- und Gesangbuchs für das Hochstift Wirzburg
Untertitel: den 17ten April 1793
aus: Journal von und für Franken, Band 6, S. 684-688
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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Circular-Schreiben wegen eines neuen Gebet- und Gesangbuchs für das Hochstift Wirzburg.pdf
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III.
Circular-Schreiben wegen eines neuen Gebet- und Gesangbuchs für das Hochstift Wirzburg. den 17ten April 1793.
Seine Hochfürstlichen Gnaden sehen bey dem dermahligen Stande der Volksaufklärung die unumgängliche Nothwendigkeit ein, dem gemeinen Manne solche Erbauungsbücher in die Hände| zu liefern, welche sowohl in Sprache als Sachen mit dem verbesserten Schulunterrichte, mit dem geläuterten Kanzel-Vortrage und verschiedenen Polizey-Anstalten in genauem Verhältnisse stünden. Höchst Sie haben zwar schon die Verfügung getroffen, daß auf dem platten Lande die besseren neueren Gebet- und Gesangbücher, und von den alten, nur verbesserte und von Ungereimtheiten gereinigte in Umlauf kommen können; nichts destoweniger bleibt auch bey der großen Anzahl von guten und neuen Erbauungsbüchern, die in verschiedenen katholischen Staaten herausgekommen sind, ein zweckmäsiges Gesang- und Gebetbuch für unsere Diöcesanunterthanen immer noch ein Bedürfnis. Jeder Verfasser richtet sich nach den Localverhältnissen seines Landes, die Sprache selbst, weil sie populär seyn muß, trägt die Eigenheiten der Sache nach dem Sinne des Volkes vor, und daher sie in einer andern Provinz unverständlich wird. Jede Diöcese hat ihre besondere Liturgische Formeln, die in einem Gebetbuche für das Landvolk nicht vermischt werden dürfen, und überdieß stehen dergleichen Gebetbücher, da sie durch den Buchhandel zu uns kommen, in viel zu hohen Preisen, als daß dadurch die schlechten und wohlfeilen verdrängt werden könnten. Seine Hochfürstlichen Gnaden wünschen daher, diesem Bedürfnisse durch ein neues Diöcesan- Gesang- und Gebetbuch abzuhelfen, und sind zum Voraus überzeugt, daß es unter| ihrem Clerus gar nicht an Männern fehlen werde, die mit vereinigten Kräften an dieses nützliche Geschäft Hand anlegen, und alles gern beytragen werden, um zur Beförderung der wahren Gottseeligkeit, zur Ehre der Religion und zur Aufnahme der soliden Andacht nach den gegenwärtigen Zeitumständen etwas zweckdienliches und passendes zu Stande zu bringen.

 Dieser höchsten Absicht zu folgen, wird hiemit den sämmtlichen Ruraldecanen der Auftrag gemacht, nicht allein ihren Kaplänen, sondern auch Ordensgeistlichen, die wirklich in Cura stehen, diese gnädigste Willens Meinung Seiner Hochfürstlichen Gnaden mittels dieses Circular zu erkennen zu geben, und zugleich zu bedeuten, daß diejenigen, welche gesonnen sind, sich diesem nützlichen und patriotischen Geschäfte zu unterziehen, vorläufig

 A) einen Entwurf zu einen Gesang- oder Gebetbuch nach seinen Haupttheilen und Rubricken, worin alles, was zum öffentlichen Gottesdienste nach der Diöcesanliturgie und zur Privat-Andacht eines jeden Christen erforderlich und dienlich ist, enthalten wäre, einzusenden, dann

 B) einige schon verfertigte Gebete oder Gesänge, um Sprache, Ton, Popularität d. g. beurtheilen zu können, beyzulegen, und

 C) auch zu bemerken hätten, was für Gebeter oder Gesänge aus andern Büchern benutzet| oder von den bisherigen beybehalten werden könnten, oder wo ganz neue bearbeitet werden müßen.

 Überhaupt würde es sehr zweckdienlich seyn, und die Arbeit ungemein erleichtern, wenn sehr viele einzelne und verstreute Gebete, und Gesänge, die schon an verschiedenen Orten eingeführt, und wohl aufgenommen worden sind, zusammen getragen, also aus den guten die besten gewählt, und aus bisherigen gleichsam verbesserten Bruchstücken des öffentlichen Gottesdienstes für unser Volk ein Ganzes gemacht würde.

 Auch von jenen Seelsorgern, welche vielleicht nicht Muse genug haben, oder durch andere Hindernisse zurücke gehalten werden, unmittelbar Hand an diese Arbeit zu legen, erwartet man doch, daß sie zu diesem, für unsern Clerus sowohl, als alle Diöcesan-Unterthanen wichtigen Vorhaben durch ihre Bemerkung und auf Localkenntnisse und Erfahrungen gegründete Vorschläge das Ihrige auch beytragen werden, damit es als die Sache des ganzen Clerus angesehen, und dann mit desto mehr Betriebsamkeit und Theilnahme ausgeführt werden könne.

 Der Wirzburgische Clerus hat sich jederzeit durch Eifer für die gute Sache und Geschicklichkeit ausgezeichnet. Es stehet also gewiß zu erwarten, daß sich alle bestreben werden, bey dieser allgemeinen, und den oberhirtlichen und wohlthätigsten Absichten Seiner Hochfürstlichen Gnaden| werkthätig zu entsprechen. Gegeben Wirzburg den 17ten April 1793.