<<< St. Marcus >>>
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St. Marcus,

der Evangelist, schloss sich besonders an Petrus an und hat daher auch im kräftigen Ausdruck etwas mit ihm Verwandtes. Wie Petrus der Fels ist, so Marcus der Löwe. Auf dem grossen Obelisken vor der Peterskirche in Rom steht geschrieben: „Und es wird überwinden der Löwe vom Stamm Juda.“ Und auf der hohen Steinsäule des Marcusplatzes in Venedig steht der geflügelte Löwe des Evangelisten. Das Attribut des Löwen kommt dem Marcus zu, weil sein Evangelium mit Johannes dem Täufer beginnt, „der Stimme des Rufenden in der Wüste.“ Im mystischen Sinne bedeutet der Löwe aber auch die göttliche Kraft im Evangelium. Marcus wird insgemein, seinem Attribut entsprechend, als ein kräftiger Mann abgebildet, untersetzt, kahl wie Petrus, aber starkbärtig, mit schönen Augen, aber tiefen Augenbrauen (nach der legenda aurea).

Nach dem Tode des Heilands kam Marcus nach Aquileja, wo er viele Menschen bekehrte. Dann ging er nach Alexandrien, als Vorstand der ersten christlichen Gemeinde daselbst, und erlitt das Martyrium, indem er zu Tode geschleift wurde, 25. April. Später holten die Venetianer seinen Leichnam heimlich ab und brachten ihn in ihre Stadt, als deren Patron er grosse Verehrung geniesst. Sein Ring, der auf dem Grunde des Meeres lag, wurde von einem Fisch heraufgeholt. Ein Fischer brachte ihn dem Senat zum Zeichen, dass Venedig [78] niemals durch eine Ueberschwemmung des Meeres untergehen soll. Berühmtes Bild von Bordone. Diese Legende steht im Zusammenhange mit der jährlichen Vermählung der Republik Venedig mit dem Meere durch einen hineingeworfenen Ring. Aber wie die Stadt, so hütet St. Marcus auch die Flotte Venedigs vor den Stürmen des Meeres. Denn bei einem wüthenden Sturm soll einst der Heilige hinausgefahren seyn und ein Schiff voller Teufel, die den Sturm erregten, entdeckt und vertrieben haben. Bild von Palma vecchio (Vasari III. 2. 173.) und von Giorgione (Waagen, England II. 8.). Nicht minder beschützte er die Venetianer, die im Orient in die Gewalt der Muselmänner geriethen. Einem, den die Türken auf's Grausamste marterten, stand er bei, dass plötzlich alle Bande sich lösten und alle Folterwerkzeuge zersprangen. Bild von Tintoretto in Venedig.

Die berühmte St. Marcuskirche zu Venedig gehört zu den schönsten Werken byzantinischer Baukunst mit übereinanderstehenden Säulen, orientalischen Kuppeln, heiligem Dunkel im Innern, ungeheurer Ueberladung von Schmuck und Mosaiken etc. Vgl. Ausland 1840, S. 236. Gräfin Hahn, Jenseits der Berge II. 369. Auf dem St. Marcusplatz daselbst steht eine hohe Säule mit dem Heiligen, eine andere mit dem geflügelten Löwen (dem Wappen der Stadt). An seinem Fest wurde ehemals jährlich ein Ochs in seine Kirche geführt und sein Evangelium, das man dem Ochsen zwischen die Hörner legte, verlesen. Hielt sich der Ochs ruhig, so war es ein gutes, wenn nicht, ein schlimmes Zeichen für die Republik. Berckenmeyer, kur. Antiquit. I. 18. Auch in Spanien herrschte die Sitte, die als skandalös am 10. März 1598 durch eine Bulle Clemens VIII. verboten wurde (Nieremberg, hist. nat. 397.).

Eines der berühmtesten Wunder des Heiligen ist das, was er nach seinem Tode verrichtete, indem er einen Sklaven aus grässlichen Martern, mit denen er eben gequält wurde, befreite. Er wird daher in Qualen um Schutz angerufen. Der venetianische Maler Tintoretto malte die erschütternde [79] Scene in einem grossen Bilde (Landon, annales IХ. pl. 13.), beging aber die Unschicklichkeit, den vom Himmel zum Schutz des armen Sklaven niedersteigenden Heiligen in vollem Sturz kopfüber aus dem Himmel herabfallen zu lassen. Das ist einer von den vielen Belegen, wie arg die Kirchenmalerei mit den ernsten, würdigen und heiligen Gegenständen umgegangen ist, und wie die Maler nach den barokesten Effekten haschten, ohne mehr zu fühlen, was sie der Kirche schuldig seyen.