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Nimbus,

die Ausstrahlung des göttlichen Lichtes und heiligen Feuers aus den heiligen Personen, insbesondere aus ihrem Haupte, der Strahlenkreis, der sie umgibt. Er verhält sich in der christlichen Vorstellungsweise und Kunst keineswegs wie etwa der Sonnennimbus der heidnischen Sonnengötter, worunter die Sonnenscheibe selbst gemeint ist. Vielmehr drückt der christliche Nimbus die Macht des Geistigen im Leiblichen aus, die den Leib gleichsam überfluthet und über ihn hinaus strahlt, das, was die neuere Physiologie den Nervengeist oder das magnetische Fluidum zu nennen pflegt. An den Augen hat man von jeher diese geistige Uebermacht zuerst wahrgenommen. Daher die erste nimbusartige Erscheinung, deren das alte Testament erwähnt, die Strahlen sind, die dem Moses aus den Augen gingen, als er aus Gottes Nähe vom Sinai herabkam. 2. Mos. 34, 29. An vielen Heiligen hat man eine Phosphorescenz, eine magische Erleuchtung des ganzen Körpers in den Momenten heiliger Ekstase wahrgenommen. Görres, Mystik II. 310.

Der Nimbus ist aber zugleich Auszeichnung, Kennzeichen der Heiligkeit, darum wurde er schon von Durandus (rationale I. 3.) mit der Krone des Lohnes identificirt, deren Buch der Weisheit 5, 17. gedacht ist. Vgl. die Artikel Jungfrau und Krone, in welchen erklärt ist, wie die heilige Macht der Jungfräulichkeit den Kranz und die Krone zum Zeichen hat. Das ist aber eben die Jungfräulichkeit, ohne die es gar keinen Heiligen gibt, das ist die Macht des reinen Lichts, die durch den undurchsichtigen Körper eben so strahlt, wie sie mitten im Sturme ruhig und unauslöschlich verharrt.

In der Kirchenmalerei erscheint der Nimbus ausserordentlich vielgestaltig. Die griechische Kirche erlaubt ihren Malern, ja schreibt ihnen vor, den Nimbus bei allen Personen anzubringen, denen eine dämonische Macht innewohnt, sey es auch nur die böse. Hier wird der Nimbus lediglich [159] das Kennzeichen eines aus dem gemeinen Kreise der Natur heraustretenden höheren Wesens. Daher nicht blos Judas Ischarioth, sondern auch der Teufel selber und der höllische Drache den Nimbus trägt. Didron, manuel p. 252. Demnach kommt hier auch allen Patriarchen und Propheten des alten Testamentes der Nimbus zu. Daselbst p. 133. Ganz anders die abendländische Kirche, die den Nimbus als Heiligenschein ausschliesslich auf die göttlichen Personen und auf die christlichen Heiligen einschränkt. Die griechische Kirche sucht indess den Unterschied durch die Farben auszudrücken. Judas z. B. hat einen schwarzen Nimbus. Didron, man. p. 234.

Der eigentliche Nimbus umkleidet nur das Haupt, die Gloria nennt man dagegen den Glanz, der die ganze Figur oder auch eine Gruppe von Figuren umgibt. Ist dieser Glanz mandelförmig, was der Länge der aufrecht stehenden Figur entspricht, so heisst er in Italien mandorla; in Deutschland, wo die Mandeln wenigstens ehemals seltner vorkamen, verglich man diese längliche, oben und unten zugespitzte Glorie lieber mit einem Fisch, dem Symbol Christi. Diese Form war besonders auf kirchlichen Sigillen beliebt. Die sogenannte aureola ist das Nämliche und hat diesen Namen nur von der Goldfarbe. Vgl. Didron, annales I. 6. 12. Ist die Fischform in der Mitte getheilt, so heisst sie Fischblase, weil der Fisch eine aus einem grössern und kleinern Theil zusammengesetzte Blase hat. Vgl. Kreuser, Kirchenbau I. 551. Diese Form erscheint unter mancherlei Abänderungen: 1) als eine Mandel, die so quer durchgeschnitten ist, dass der obere Theil um zwei Drittel grösser ist, als der untere; 2) als eine Fischblase, ganz in derselben Weise, nur dass beide Theile sich selbstständig abrunden und nicht mehr so fest aneinander hängen; 3) in der Form der Zahl 8, als zwei übereinandergeschobene Kreise. Diese Form kommt sehr oft auf altdeutschen Bildern des Weltgerichts vor, indem Christus den blauen Himmelskreis zur Lehne des Hauptes, den grünen Erdkreis aber zur Stütze der Füsse und beide zugleich doch auch zur Glorie hat.

[160] Die den ganzen Leib umschliessende grosse Glorie kommt in der Regel nur den drei höchsten göttlichen Personen und der Gottesmutter zu; dagegen der kleinere Nimbus um’s Haupt allen Heiligen. Die Glorie lässt, vermöge ihrer Grösse und ihrer Bestimmung, eine ganze Figur einzunehmen, auch eine weite ornamentale Ausdehnung zu: 1) die Ausstrahlung einer Sonne in lange glänzende Strahlen, z. B. die Glorie um’s heilige Sakrament des Altars in den grossen spanischen Monstranzen, ganz aus Diamanten zusammengesetzt; 2) die Flammenglorie, wenn statt der graden und feinen Sonnenstrahlen dickere und zackige Flammen den Rand bilden, besonders häufig an Marienbildern; 3) der Regenbogen, wenn der Rand weder aus Strahlen noch Flammen, sondern aus drei oder sieben parallelen Farbenreihen gebildet wird, was oft in alten Miniaturen vorkommt.

Der Nimbus um das Haupt muss immer ein einfacher seyn, weil er sonst das Haupt zu sehr belasten und gegen den übrigen Körper zu schwerfällig erscheinen lassen würde, was in der That zuweilen der Fall ist bei Christus- und Marienbildern, deren Nimbus in allzu lange und schwere goldene Strahlen ausgeht, und bei Heiligenbildern, deren Nimbus zu massiv und schwer wie ein Mühlstein auf ihren Häuptern lastet. Doch kann andrerseits auch die Leichtigkeit des Tragens übertrieben werden. Die Kirchenmaler haben in den verschiedenen Jahrhunderten mit gewissen Moden, den Nimbus zu tragen, gewechselt. Auf den ältesten Bildern stehen die heiligen Köpfe en face mitten in der goldenen Scheibe, die mehr hinter ihnen liegt, als von ihnen getragen wird. Indem die Köpfe nach und nach mehr Bewegung annahmen und sich im Profil zeigten, erhob sich auch der Nimbus und legte sich als dünne, nur in der Quere gesehene Scheibe über ihr Haupt oder gar nur als feiner Goldreif wie ein Kranz um dasselbe. Auf manchen Bildern nun nimmt dieser Nimbus etwas Kokettes, Barettartiges an, was keineswegs zur Heiligkeit stimmt. Die Scheibe wurde dick und schwebte wie eine Pelzmütze über dem Kopf (vgl. Didron, [161] icon. p. 104.), oder der Reif wurde immer zarter und enger und schwebte nur noch wie ein Ring über den Köpfen. Endlich verschwand der Nimbus ganz. Schon im 16ten Jahrhundert wurden viele Heilige ohne Nimbus dargestellt, indem die Maler sich darauf verliessen, dass die Genialität, die sie in die Apostelköpfe gelegt, den Nimbus entbehrlich machen würde. Aber ein zarter Lichtnimbus thut dem malerischen Effect gewiss keinen Abbruch, während die Anmassung, Heilige ohne Nimbus darzustellen, zu grosser Verweltlichung und Ununterscheidbarkeit der Heiligen von unheiligen Pathetikern geführt hat.

Gott Vater hat auf Kirchenbildern nicht selten ein goldenes gleichseitiges Dreieck als Nimbus, hinweisend auf die Dreieinigkeit. Zuweilen gehen erst von diesem Dreieck Strahlen nach allen Seiten wie von einem Sterne aus. Auch kommt ein Nimbus Gott des Vaters vor, in dem zwei solche Dreiecke quer übereinander gelegt sind, dass sie einen sechseckigen Stern bilden. Didron, icon. p. 37. Oefter jedoch ist Gott dem Vater, Sohn und Geist der durchkreuzte Zirkel als Nimbus zugesellt und ausschliesslich vorbehalten. Das Kreuz im Kreise bezeichnet überall und immer eine der Personen der heiligen Dreieinigkeit und kann nie einem Heiligen zukommen. Da aber der Fuss des Kreuzes vom Kopfe selber auf dem Bilde gedeckt wird und man nur die beiden Seitenarme und die Spitze in drei Ausstrahlungen gegen den Kreis hin erblickt, so ist das Kreuz hier zugleich Sinnbild der Dreieinigkeit. Auf Bildern der griechischen Kirche stehen über den beiden Armen des Kreuzes im Nimbus häufig die Worte: ό ὤν, der da ist. Auf abendländischen Bildern nie. Didron, man. XLI.

Christus trägt als zweite Person der Gottheit den durchkreuzten Zirkel als Nimbus. Das Kreuz wird mannigfach aufgefasst, häufig nimmt es an den vier Spitzen, wie sie sich dem Kreisrande nähern, lilienartige Ausbiegungen an. Oft wird es nur durch leichte Einbiegungen des Kreises in den vier Abtheilungen desselben angedeutet. Manchmal wird es [162] sehr dick und verengt dadurch den Kreis. Seit dem 15ten Jahrhundert fällt auf Christusbildern der Nimbuszirkel öfters ganz weg und bleibt nur das Kreuz allein übrig, so dass man nur die höchste Spitze desselben über dem Scheitel des Heilands und die beiden Arme an den Schläfen desselben sieht. Diese drei Kreuzglieder stellen sich dann aber insgemein als divergirende Lichtstrahlen oder als convergirende Flammen dar. Zwischen ihnen stehen zuweilen die Buchstaben r – e – x (König). Neuere Maler haben des Heilands Haupt häufig nur mit einem nebelhaften Lichtschein, oder mit einer massiv goldnen Sonne umgeben. Auf Bildern des Weltgerichts wird der Nimbus des Heilands zuweilen durch perspectivische Engelchöre angedeutet. – Auch das Lamm, wenn es Christum bedeutet, hat den Nimbus der drei höchsten göttlichen Personen. Die Hostie dagegen hat als Nimbus eine Sonne, gleichsam nur die Fortsetzung und Ausstrahlung ihrer runden Scheibe.

Dem heiligen Geist kommt, mag er in menschlicher oder Taubengestalt dargestellt seyn, stets der durchkreuzte Zirkel als Nimbus zu.

Die Madonna mit dem Kinde schwebt entweder in einer grossen, ihre ganze Gestalt umgebenden Glorie, oder hat den Nimbus um’s Haupt, wie das heilige Kind den seinigen, oder beide Nimben und die Glorie finden sich beisammen. Oft ist die Glorie nicht eine Sonne, oder ein Flammenkreis oder Regenbogen, sondern ein Kreis von Engeln, auf ältern Bildern auch ein Kreis von sieben Tauben, die Gaben des heiligen Geistes bezeichnend. Didron, annales I. 218. Der Nimbus um’s Haupt der Gottesmutter ist nie durchkreuzt, sondern immer eine reine Rundscheibe oder ein Reif, ein Lichtschein, eine Sonne, ein Kranz von Sternen. Der Sternennimbus kommt ausser der Gottesmutter nur noch dem heiligen Johannes von Nepomuk zu. Vgl. den Artikel Stern.

Der Nimbus um das Haupt der Heiligen ist immer nur die runde Scheibe oder der Reif, durchgängig golden, nur wo der Unterschied eines niedern Heiligen von den göttlichen [163] Personen ausgedrückt werden soll, auch silbern. Inschriften im Rande des Nimbus kommen nur bei heiligen Kaisern und Königen vor. Didron, icon. p. 77. Ein viereckiger, jedoch einfach goldener Nimbus unterscheidet die noch lebenden Päpste und solche Personen, denen die Heiligkeit noch nicht ertheilt, aber vorbehalten ist. Daselbst p. 83. Einen blossen Nimbus statt des Kopfes trägt der heilige Felix und ist daran auf Kirchenbildern kenntlich. Als er nämlich enthauptet worden, erschien der Nimbus über dem Halse, um seinen Rumpf als den eines Heiligen zu bezeichnen.

Auf grossen Bildern des Weltgerichts, der himmlischen Huldigungen etc. gruppiren sich häufig die Engelchöre in Reigen, die als Glorien die heiligen Personen umgeben. Solche lebende Glorien finden sich besonders oft in Kuppeln italienischer Kirchen, und auch Dante hat sie als Dichter in seiner Beschreibung des Paradieses vorgebracht. Auch aus blossen Wolken werden solche Glorien gebildet. Didron, icon. p. 176. Raphael liebte, in diese Glorienwolken geisterhaft zarte Engelköpfe zu malen.