Bilder aus der Hygiene-Ausstellung (1)

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Autor: Unbekannt
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Titel: Bilder aus der Hygiene-Ausstellung. 1. Verkehr auf dem Wasser
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 423-426
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bilder aus der Hygiene-Ausstellung.
1. 0Verkehr auf dem Wasser.0 (Mit Illustrationen von A. v. Roeßler.)
Die Gartenlaube (1883) b 423.jpg

Die „kalte, unerbittliche Vernunft“ thront über den Entschlüssen und Thaten der Völker des neunzehnten Jahrhunderts. Praktisch! Praktisch! ist die Losung, welche in dem Leben der heutigen Tage allgemeine Geltung findet. Vergebens suchen wir nach den Aeußerungen jener Schwärmerei, die noch vor wenigen Jahrzehnten die Gemüther beherrschte und selbst im politischen Wirken den idealen Gefühlen die Oberhand verlieh. Kühl, vernünftig ist heute die Politik, welche die Diplomaten und die Völker zur Richtschnur ihres Handelns wählen, ein eisiger Verstandeshauch weht durch die moderne wissenschaftliche Forschung, ein frostiger Realismus beherrscht selbst das blüthenreiche Gebiet der Künste. Fast scheint es, als ob in diesem großen Kampfe um’s Dasein, welchen die Völker und Menschen führen, kein Raum da wäre für die milderen Regungen des Herzens.

So wehklagen wenigstens die Feinde des Fortschritts, so greifen sie an die Resultate der freien Forschung, welche die Concurrenz, den Kampf um’s Dasein und ähnliche Gesetze als leitende Mächte in der Entwickelung der Menschheit erkannt hat, und indem sie sich für die alleinigen Apostel der wahren Menschenliebe ausgeben, suchen sie vor den Augen der Menge den freien Geist der Neuzeit ob seiner Herzlosigkeit in den Staub herabzuziehen.

Aber sie sind in blindem Wahne befangen, und schwarze Verleumdung ist ihre Rede. Denn niemals wahrlich hat die Nächstenliebe schönere Werke gezeitigt, als in unserem Jahrhundert, niemals wehte so hoch über allen Völkern des Erdenrunds das reine Panier der Barmherzigkeit.

Ist es denn nicht diese von freier Geistesforschung beherrschte Zeit gewesen, welche durch das Genfer Kreuz die Schrecken der blutigen Kriege milderte? Verdanken wir ihr nicht die zahllosen [424] Asyle für Obdachlose, die Volksküchen für Hungrige, die mit allen möglichen Hülfsmitteln glänzend ausgerüsteten Lazarethe für Kranke, die Spitäler für Blinde und Taube? Hat nicht dieses Jahrhundert den Wahnsinnigen, welche frühere verblendete Zeiten dem Scheiterhaufen oder den Peitschenhieben eines rohen Aufsehers auslieferten, jene vom echten Geist der Humanität durchwehten Irrenhäuser geöffnet?

Wohl thront heute die Vernunft über unseren Entschlüssen und Thaten, aber mit ihrer Herrschaft ist das Bewußtsein der Menschenwürde zur volleren Reife gelangt, und mit ihm hat die Nächstenliebe nur um so festere Wurzeln in den Herzen der Aufgeklärten geschlagen.

Ein Gang durch die Hygiene-Ausstellung in Berlin führt uns auf jedem Schritt laute Verkünder dieser Ansicht entgegen. Schutz für Kinder, Schutz für Arbeiter, Rettung für Verunglückte, das sind die Schlagwörter, die uns von allen Seiten entgegenleuchten. Es wäre in der That lehrreich, neben dieser Ausstellung eine andere des Rettungswesens in einem der früheren Jahrhunderte zu errichten, man würde dann vergleichen und seltsame Schlüsse ziehen können. Man würde zu der Ansicht gelangen, daß die Barmherzigkeit und Opferfreudigkeit früherer Zeiten zu denen der heutigen Tage sich nicht anders verhalten, wie die Almosenspenden eines Kindes oder von Mitleiden gerührten Jünglings zu der thatkräftigen Hülfe des besonnenen Mannes. Durch alle die Werke des Samariterthums, gleichviel welchen Namen sie tragen, welche uns die Berliner Ausstellung vorführt, zieht sich ein Gedanke: das berechnende Nützlichkeitsprincip, das mit den geringsten Mitteln die größten Erfolge zu erzielen strebt. Darum ist heute der Gang unter den Bogen der Berliner Stadtbahn neben dem Lehrter Bahnhof auch vom allgemein menschlichen Standpunke so überaus lehrreich, denn er zeigt uns die Werke der Moral des neunzehnten Jahrhunderts, von dem man behauptet, daß es sich von aller Moral losgesagt hat und die Völker der Verwilderung des Herzens zutreibt – diese Ausstellung ist in der That eine gewaltige Rechtfertigungsschrift für unsere Zeit, ein Buch, welches auf jeder seiner Seiten die Idealisten und vom Weltschmerz ergriffene Schwärmer Lügen straft.

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Eisleiter.

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Schiffsbank mit luftdichten Ballons als Rettungsboot für sechs Personen.

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Rettungsboot für zwölf Personen. Hergestellt aus Gitterwerk und luftdichten Kasten, welche für gewöhnlich als Schiffsbänke dienen.

Blättern wir in demselben!

Wir führen unsere Leser zunächst vor die Gruppe, welche den officiellen Titel: „Verkehr auf dem Wasser“ trägt. Da fällt uns sofort in’s Auge die interessante Ausstellung der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“. Ihr Name ist wohlbekannt im deutschen Vaterlande, denn wer kennt nicht ihre Entstehungsgeschichte, wer nicht die Heldenthaten ihrer Mitglieder? Wem sollte es nicht bekannt sein, daß diese Gesellschaft durch ihre Vertreter der wahren Nächstenliebe zum Siege verhalf unter den rauhen Bewohnern der Seeküsten, deren Eltern noch einen „günstigen Strand“, das heißt möglichst viele gestrandete Schiffe, in ihren Kirchen vom Himmel erflehten? Was wir dort sehen, ist uns schon von früher her zum großen Theil bekannt. Da sind die Rettungsboote, die Schwimmgürtel, die Bojen, die wir sofort nach ihrer Erfindung unsern Lesern in Bild und Wort vorgeführt haben.

Aber aus der Masse dieser Rettungsapparate taucht bei näherer Betrachtung manches Neuere und weniger Bekannte auf, und diesem wollen wir vornehmlich unsere Aufmerksamkeit schenken.

Ein alter Bekannter winkt uns entgegen: ein Rettungsboot, aus cannelirtem Eisen gebaut und zum Rudern und Segeln eingerichtet. Wir wissen ja schon, daß das Material, aus welchem dieses Fahrzeug gebaut ist, sich von dem Holze, aus dem man früher alle Böte zimmerte, durch viele Vorzüge unterscheidet. So ein hölzernes Boot wird bei [425] trockener Witterung im Schuppen manchmal leck, das eiserne dagegen erträgt Trockenheit und Hitze, ohne irgend einen Schaden davon zu tragen, und dabei ist es merkwürdiger Weise leichter und selbstverständlicher Weise widerstandsfähiger als sein hölzernes Brüderlein.

Wir mustern seine Ausrüstung. Die Pumpe im Boote ist uns längst bekannt. Was bedeutet aber der Sack aus grobem Segeltuche? Der sachkundige Cicerone, der uns auf diesem Wege begleitet, sagt:

„Das ist der Lenzsack.“

„Wie? Lenzsack?“ fragen wir.

Der von den Seewinden und Seereisen gebräunte Herr scheint keine Lust zu haben, sich mit uns in eine lange Unterhaltung einzulassen.

„Der Herr sind ein Schriftgelehrter,“ meint er, nicht ohne Malice auf unsere Landrattenwenigkeit herabblickend, zieht einen Druckbogen aus der Tasche und fügt hinzu: „Hier ist auch der Lenzsack beschrieben.“

Für Jeden zum Gebrauch. Bekanntmachung. Zur Rettung in Gefahr. R. Henkel XA. ER

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Rettungsvorrichtung in Seebädern.

Wir nehmen mit höflicher Verbeugung das Blatt entgegen und sehen: es ist die „Hygiene-Ausstellungs-Zeitung. Organ für die Interessen der öffentlichen Gesundheitspflege und des Rettungswesens in Deutschland“.

Beim Anblicke eines neuen Blattes vergißt der Journalist alles Andere und versetzt sich, einer höheren Macht der Geistesverwandtschaft unter den Ideen folgend, in die Lage seiner ihm unbekannten oder bekannten Collegen.

„Glückliche Zeitschrift,“ denken wir uns, „deren Lebenslauf so regelrecht geordnet ist. Der Verleger bestimmt im Voraus nicht nur ihren Geburtstag, sondern auch die Stunde, in der sie zum letzten Male hinausgetragen wird. Mit dem Schlusse der Ausstellung hat auch für sie die Glocke geschlagen, und der Redacteur geht, ohne dem ausgelösten Unternehmen eine Thräne nachzuweinen, ohne an dem hochwichtigen 1. October, dem Beginne der Winter-Lese-Saison, sich um die Zahl der Abonnenten zu kümmern.“

Da fällt inmitten dieser Betrachtung unser Blick wieder auf das Stück Segeltuch, und dieses gemahnt uns an die Berichterstattungspflichten, die wir auf uns genommen, und in dem Wirrwarr und Labyrinth der Gehirnzellen tönt wieder die Frage:

„Was ist der Lenzsack?“

Da lesen wir nach kurzem Suchen in der genannten Zeitschrift

„Für ganz schwere Fälle, wenn das Boot vor dem Wind und hoher See läuft, ist auch noch der Lenzsack oder Schlepper im Boot; es ist dies ein kegelförmiger Sack aus starkem Segeltuch von der Gestalt eines Zuckerhutes, an der Mündung etwa 60 Centimeter weit und 1,4 Meter lang. Er dient dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und damit zu steuern, wenn durch die hohe See das Hintertheil des Bootes so gehoben wird, daß Steuerreemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen; hätte man dann keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer geworfen und übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Oeffnung nach vorn, an einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem spitzen Ende befestigt ist. Da beim Schleppen die Mündung nach vorn ist, so füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen beträchtlichen Widerstand und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft man das stärkere Tau an der Mündung los und holt die dünne Leine an dem spitzen Ende ein, so wird der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann mit leichter Mühe in’s Boot geholt werden. Auch ist der hinter dem Boote schleppende Sack ein vorzüglicher Brandungsdämpfer, indem sich die hinter dem Boote aufrollende See stets daran bricht. Seit Einführung der Lenzsäcke haben die Vormänner die bisher zum Inventar der Rettungsböte gehörenden Oelkannen im Boot als überflüssig erklärt.“

Wir scheiden nun von dem unscheinbaren und doch so wichtigen Tuchsack und gedenken der Oelkrüge, deren die Meereswellen besänftigende Macht noch vor Kurzem mit so großem Pomp gepriesen wurde und die in unserer so rasch vorwärtsschreitenden Zeit schon einen Concurrenten gefunden.

Die Mannschaft des Rettungsbootes wird auch mit dem Cordes’schen Gewehre ausgerüstet, aus welchem sie keine Kugeln, sondern Leinen abschießt, durch welche zwischen dem Boot und dem Schiff eine Verbindung hergestellt wird, wenn das erstere an das Wrack nicht gelangen kann. Die Wurfweite des Gewehrs beträgt 70 Meter.

In neuester Zeit hat man auch floßartige Rettungsböte construirt, welche gewöhnlich als Bänke auf dem Schiffe benutzt und im Augenblicke der Gefahr über Bord geworfen werden können.

[426] Unsere Abbildungen auf Seite 424 veranschaulichen uns die Gebrauchsweise dieser Schiffsbänke. Der Künstler zog es vor, die ausgestellten Objecte so zu zeichnen, wie sie im wirklichen Leben angewandt werden, anstatt einfache Abbildungen der Modelle etc. zu liefern, und unsere Leser werden ihm wohl dafür Dank wissen. Auf der Ausstellung sind z. B. die Modelle der Schiffsbänke kleinem Kinderspielzeug nicht unähnlich, und erst die durch das Bild angeregte Phantasie gewährt uns einen besseren Einblick in den hohen Nutzen derselben.

Ein anderes Rettungsboot, welches nicht allein mit dem flüssigen, sondern auch mit dem festen Element der See zu kämpfen hat, ist das Eisboot. Oft kommt es vor, daß durch ein plötzlich eintretendes Eistreiben die Fischer von der Küste abgeschnitten und in die See hinausgetrieben werden. Da war es bis jetzt für die Mannschaften der Rettungsstationen mit sehr großen Schwierigkeiten verknüpft, Eismassen mit gewöhnlichen Rettungsböten zu überwinden. Für solche Fälle wird nun das Eisboot verwendet. Wie uns unsere Abbildung (Seite 421) zeigt, ist dasselbe mit einem Schlitten versehen, sodaß es durch Menschen- oder Pferdekräfte auf festem Eise leicht fortbewegt werden kann. Es ist ebenso wie die anderen Rettungsböte aus cannelirtem Eisenblech gebaut und wiegt im Ganzen 750 Kilogramm.

Außer Proviant, Compaß, Apotheke, Fangleinen etc. ist dieses Boot noch mit zwei Paar Eissporen, zwei Eisstampfen, einem Flaschenzug und Hau-Anker ausgerüstet. Soll das Boot nach vollbrachter Rettungsthat aus dem Wasser wieder auf das Eis gebracht werden, dann wird es mittelst des in das Eis eingehauenen Ankers und des Flaschenzuges in’s Trockene hinaufgezogen.

Verlassen wir aber für einen Augenblick die Seeküsten und wenden wir uns den Gewässern des Festlandes zu. Auch hier fordern jahraus jahrein die Flüsse und die Teiche ihre Opfer. Das Rettungswerk der Verunglückten ist namentlich im Winter besonders schwierig. Selbst dem besten Schwimmer gelingt es oft nicht, wenn er einmal auf dem Eise eingebrochen ist, sich wieder emporzuarbeiten. Die Eiskante, an der er sich festklammern will, bricht nur allzu oft ab, und die schwere Winterkleidung vermehrt, da sie bald immer mehr Wasser ansaugt, in ungünstigster Weise das Gewicht des Körpers. Zu den verschiedenen projectirten Rettungsmitteln in dieser Gefahr, wie den Holzkugeln und Leinen, kommt als letztes Glied in der Kette noch die Eisleiter.

Sie ist aus leichtem Holz gearbeitet und soll dem Eingebrochenen auf dem Eise zugeschoben werden. Ihr vorderer Theil ist so gebaut, daß er, sobald die Leiter an die freie Stelle im Eise gelangt, von selbst sich senkt und so eine Trittleiter bildet, auf welcher der Verunglückte in gewissem Sinne bequem hinaufsteigen kann. Diese Eisleiter kann auch an den Seeküsten Verwendung finden, und unser Bild (Seite 424) veranschaulicht uns einen derartigen Rettungsact im größeren Stil. Den Verunglückten waren schon vorher Schwimmgürtel zugeworfen worden, hierauf wurde rasch die Eisleiter auf dem zweirädrigen, am Ufer haltenden Karren herbeigeschafft und die Rettung gelingt in der geschilderten Art.

Die Eisleiter dürfte bei uns auf Schlittschuhbahnen nicht fehlen. Vereine und Behörden sollten ihr Augenmerk auf dieses einfache, aber praktische Rettungsinstrument richten.

Wir machen jetzt vor einem Gerüst Halt, wie es durch unsere letzte Abbildung (Seite 425) veranschaulicht wird. Es ist mit verschiedenen Rettungsapparaten behangen. Um seinen Zweck und Nutzen zu begreifen, müssen wir uns an den Strand irgend eines Seebades mitten unter das aus Curgästen bestehende Publicum versetzen. Daß auch dort Unglücksfälle vorkommen, ist allgemein bekannt. Die meisten von ihnen werden dadurch verursacht, daß die Badenden bei ihren Schwimmübungen plötzlich auf tiefere Stellen gelangen und, sobald sie keinen Grund unter den Füßen fühlen, die Besinnung verlieren. Um ihnen aus dieser gefährlichen Situation zu helfen, sollen nun am Badestrande jene Gerüste aufgestellt werden, auf denen sich allerlei Rettungsapparate befinden: „Für Jeden zum Gebrauch“ und „Zur Rettung in Gefahr“.

Da sehen wir neben den Rettungsringen und Wurfkugeln mit Leuten zwei am Fuße der Bretterwand angebrachte leichte Stangen, mit deren Hülfe man die Verunglückten auf seichtere Stellen ziehen kann. Das links unten hängende Sprachrohr dient zur Verständigung mit den Badenden auf weitere Entfernungen.

In der Mitte der Bretterwand ist ein Raum freigelassenworden für Bekanntmachung der Ortsbehörde zum Schutze der Einrichtung und für Anweisung zur Behandlung scheinbar Ertrunkener.

Die Pflicht der Badewärter und -Wärterinnen ist es ferner, die Rettungsapparate vor dem Beginn der Badestunden an den richtigen Ort zu hängen und dieselben nach Ablauf derselben aufzubewahren, und im Interesse des Publicums selbst liegt es endlich, sich mit dem Gebrauch der Apparate vertraut zu machen, was übrigens bei den oft langweiligen Strandpromenaden eine recht interessante Unterhaltung abgeben dürfte.

Unser Führer durch die Ausstellung erklärt uns noch den Gebrauch des danebenstehenden Raketenapparates, dessen einer Theil, die Anker-Raketen, weniger bekannt ist.

Ist bei hoher See der Abgang des Bootes vom Strande nicht zu erreichen, so schießt man gegen die anprallenden Wogen eine Rakete ab, an deren Ende eine Leine mit einem Anker befestigt ist. Sobald der Anker sich auf dem Meeresgrund festgesetzt hat, ziehen die vordersten Männer im Boote die Leine an, und während die übrigen ihre Ruder in Bewegung setzen, stößt das Fahrzeug der stürmenden See zum Trotz vom Lande ab.

Wir schließen hiermit unsern Gang durch diesen Theil der Ausstellung. Unser Bericht macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn wir haben nur das hervorgehoben, was gerade von allgemeinem Interesse zu sein schien und bis jetzt in den Spalten dieses Blattes nicht beschrieben wurde.

Dem Fachmann bietet diese Gruppe ein reiches Material zu vergleichenden Studien, wie überhaupt die Hygiene-Ausstellung erst dann voll gewürdigt werden und wirklichen Genuß bieten kann, wenn man sich in das Studium der einzelnen Theile vertieft.

Nur Eins möchten wir noch hervorheben. Alles, was wir in dem imposanten Krystallbau, unter den gewölbten Steinbögen der Stadtbahn und in den zahlreichen aus grünem Gebüsch hervorschauenden Pavillons erblicken, ist das Resultat der deutschen Arbeit und der deutschen Erfinder.

Die Schöpfer der Ausstellung können mit Stolz auf ihr Werk herabblicken. Ein ernstes Wollen und Treiben blickt uns dort von allen Seiten entgegen. Ein großartiges Bild des Kampfes der Menschen gegen die vernichtende Gewalt der wildtobenden Elemente entrollt sich hier vor unseren Augen, und wir verzagen nicht bei seinem Anblick, denn wir sehen, wie Sieg auf Sieg errungen wurde, und unwillkürlich steigt in unseren Herzen empor der Hoffnungsstern einer glänzenden, glücklicheren Zukunft.