« Kapitel B 25 Beschreibung des Oberamts Weinsberg Kapitel B 27 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Steinsfeld mit Lehren. Lehren-Steinsfeld.


Gemeinde III. Classe. a) Steinsfeld mit 597, b) Lehren mit 319, zusammen 899 Einw., worunter 7 nach Affaltrach eingepfarrte Katholiken und in b) 99 Israeliten mit Synagoge. Evang. Pfarrei und b) Rabbinatssitz.


Am nördlichen Fuße des Höhenzuges, welcher vom Wartberge (bei Heilbronn) an bis zu den Löwensteiner Bergen ansteigt und das Sulmthal im Süden umgränzt, liegt der Ort an einem gedoppelten, leichten Thaleinschnitte, welchen der aus gedachtem Höhenzug entspringende und weiter unten mit dem Ellbach sich vereinigende, unterhalb Ellhofen in die Sulm ausmündende, kleine Lauchbach, andererseits das sogen. Häldenbächlein, das durch den Inselsee lauft und| unterhalb desselben mit dem Lauchbach sich vereiniget, bildet. Er ist 5/4 Stunden (geom.) von der Oberamtsstadt entfernt und durch eine Vicinalstraße, welche unter Ellhofen in die Weinsberg–Löwensteiner Poststraße einmündet, mit ihr verbunden, während ein, die gerade Linie einhaltender, nur einstündiger Fußweg, den diese Fahrstraße bildenden Winkel abschneidet und über b) Lehren führt. Rings umschlossen von leichteren oder stärkeren Vorsprüngen des südlichen Höhenzuges ist der Kessel nur gegen Norden offen, und vom Hauptzuge des Sulmthales gegen Nordosten und Osten durch dazwischenliegende, nicht unbedeutende Hügel getrennt. Gegen Süden setzt sich die gedachte, das Dorf durchschneidende Vicinalstraße in neuer Anlage fort, übersteigt hier den erstgenannten südlichen Höhenzug und stellt die Verbindung des Sulm- und Schotzachthales, mittelbar des Bottwarthales über Ober- und Unter-Heinrieth her.

Ein Theil der ländlichen, in der Mehrzahl einstockigen, unansehnlichen Wohnungen senkt sich gegen die Bachsohle hinab, ein anderer Theil, worunter ansehnlichere, liegt zu beiden Seiten der den Ort von Südwesten nach Nordosten durchziehenden gekandelten, einerseits mit Trottoirs eingefaßten Hauptstraße. Im östlichen Winkel des Dorfes, unfern von der Kirche und dem Pfarrhause, ist ein im Sommer stagnirender, 11/8 Morgen großer, der Gutsherrschaft gehöriger See, der nach Dr. Rösch schon kalte Fieber veranlaßt hat. Er ist mit Fischen, besonders Karpfen, besetzt und umschließt eine kleine Insel, auf welcher Gebüsch und Bäume mit ehemaligen Anlagen sich befinden, und wohin eine alte hölzerne, auf steinernen Pfeilern ruhende Brücke führt. (Inselsee.) Noch zwei andere Seen sind, etwas entfernter vom Dorfe südöstlich, im oberen Lauchbachthälchen, dessen Quelle durch sie durchfließt. Mit Fischen, besonders Karpfen, sind beide besetzt.

Die Niederung ist überhaupt quellenreich und das Dorf erhält sein, Selenit- und Gypsniederschlag gebendes Trinkwasser, aus sechs öffentlichen laufenden und drei Privatpumpbrunnen. Periodisch fließende Quellen findet man vier auf der Markung.

Am östlichen Ende des Dorfes, an einer Krümmung der Ortsstraße, aber tiefer als sie und im Niveau des erstgedachten Sees, daher etwas feucht und dumpfig, liegt die unansehnliche und etwas finstere Kirche, mit einem noch unansehnlicheren, sehr niederen Thurme, welcher nach der vorhandenen Jahrszahl an seiner Ostseite, resp. an der Ostseite des Chors im Erdstocke des Thurms, im Jahr 1466 wahrscheinlich erstmals erbaut, hernach, wenigstens seinem oberen, hölzernen Theile nach, im Jahr 1698 ganz neu gebaut wurde| und ein mit Ziegeln gedecktes sogen. Satteldach hat. Von den drei Glocken, welche darauf hängen, ist die größte im Jahr 1493 von Joh. Bernh. Lachmann, die mittlere 1632 von Paul Arnold von Heilbronn gegossen. An der kleinsten steht: “Ludwig von Schmidtberg und Maria Magdalena von Menzingen, sein hohes Gemahl. Alles nach Gottes Willen. 1650. † ." Das Schiff der Kirche ist nach den alten Heiligen-Rechnungen und nach der Jahreszahl über dem rundbogigen Eingangsportale der Südseite im Jahr 1702 von Grund auf im Geschmack der damaligen Zeit ganz neu aufgebaut und die innere Einrichtung neu hergestellt worden. An ihrer Südseite ist ein einziges großes spitzbogiges Fenster mit einfacher Füllung und zu dessen beiden Seiten bedeckte Eingangstreppen, a) auf die Männerempore, b) zu einer kleinen sogen. Kirchenstube, deren Fenstern auf die gegenüberstehende Kanzel gerichtet sind, für die adelige Grundherrschaft. Sie ruht, rundgeschweift, in der Mitte auf einer Säule. Auf der gleichen Seite am Chor, resp. dem Thurme, liegt die sehr engräumige Sacristei mit einem engen, rundbogigen Eingang von außen. Der mit dem Schiffe durch einen breiten, rundbogigen Triumphbogen verbundene kleine, viereckige Chor hat im Süden und Norden zwei spitzbogige Fenster und schließt, außer dem frei darin stehenden Altar, auf der Ostseite eine Querempore für den Gemeinderath in sich. Bedeckt ist er mit einem Kreuzgewölbe, das in Rosetten zusammenläuft. An der nördlichen Wand des Chores ist ein großes steinernes Epitaphium von einem frühverstorbenen Sohn und letzten Erben von Carl Aug. Eman. v. Schmidtberg, letzten Abkömmling von Ludwig v. Schmidtberg, franz. Feldmarschall, gest. zu Carlsruhe 1777, mit den Wappen des Vaters v. Schmidtberg und dessen Ahnen, und der Mutter v. Günderode und deren Ahnen zu beiden Seiten. Die auf der Nordseite des Schiffes angebrachte Empore für die defecte kleine Orgel und die übrigen Emporen der West- und Südseite tragen viel zu Verfinsterung der kleinen Kirche bei. Unter dem runden Triumphbogen steht ein hohler fein ausgearbeiteter Taufstein, kelchartig, von marmorartig mit Ölfarbe angestrichenem Sandstein. Neben der Sacristeithüre im Schiff ist das Grabmal von Ludwig v. Schmidtberg franz. Feldmarschall und Oberst, † 1657; daneben das seiner Frau, † 1703. An der westlichen (Giebel-) Seite ist der Haupteingang vom Dorfe her, drei Staffeln abwärts in’s Schiff führend, ein rundbogiges Portal mit der Jahreszahl 1702 zwischen zwei viereckigen nur 4′ hohen Fenstern. Auf der Nordseite von der Ortsstraße her ist eine gute, steinerne, zur Empore und Orgel führende Staffel. Die Baulast hat die Gemeinde.

| Der auch hier, wie fast überall, die Kirche umgebende Kirchhof, in welchen vom Dorf aus drei Thorstaffeln hinabführen, ist wegen seiner sumpfigen Lage schon seit langer Zeit verlassen und fast 1/8 Stunde von der Kirche entfernt, draußen auf einer kleinen Anhöhe, vor dem nordwestlichen Ende des Dorfes, zwischen Steinsfeld und Lehren, ein Gottesacker angelegt worden, der mit einer Mauer umgeben und durch eine gutsherrschaftliche Grabkapelle sehr verengt ist, so daß eine Erweiterung im Jahr 1859 vorgenommen werden mußte, wodurch jetzt hinlänglicher Raum geschafft ist. Die Grabkapelle wurde 1816/17 in modernem Style erbaut, ist vorne offen mit einer Vorhalle, und an der Seitenmauer stehen Grabdenkmale von vormaligen Gutsherren und Beamten.

Das ziemlich niedrige und engräumige Pfarrhaus, welches das geringe pium Corpus im Bau zu unterhalten hat, steht in geringer Entfernung von der Kirche an der Hauptortsstraße, mit einem kleinen Hofraume und Gärtchen zur Seite, und einer kleinen Scheuer im Hintergrunde, an welche ein größerer, bis an den See reichender Garten anstoßt, welcher der Herrschaft gehört und vom Pfarrer gepachtet ist.

Weiter oben, wo die nach Heinrieth führende Vicinalstraße von der Hauptortsstraße abbiegt, steht an letzterer die ziemlich hohe und breite Ortskelter mit vier Bäumen, in deren oberem Stocke das Rathhaus mit Zubehör und das Ortsgefängniß ist, zu welchen eine steile Stiege durch den Kelternraum emporführt. Auf dem Dach ist ein Thürmchen, sogen. Dachreiter, mit Uhr und Glocke. Das Gebäude, an welchem die Jahrszahl 1521 steht, ist Eigenthum der Gemeinde. Die Kelter gehörte früher der Gutsherrschaft, ist aber seit der Ablösung auch in das Eigenthum der Gemeinde übergegangen.

Das früher ganz nahe an der Südseite der Kirche stehende Schulhaus wurde im Jahr 1850 wegen Engräumigkeit und zum Theil Baufälligkeit verlassen, das vormalige gutsherrschaftliche Amthaus an der Hauptortsstraße im oberen Dorf von der Gemeinde zur Schulwohnung angekauft und im unteren Stock desselben wurden zwei helle, freundliche Lehrzimmer eingerichtet. Sowohl dieses, als das auf der anderen Seite der Straße liegende Wohnhaus eines größeren Güterbesitzers, sind mehr in städtischem Style aufgeführt und verblendet.

Am oberen, südwestlichen Ende des Dorfes steht, von der Ortsstraße durch Mauern und Ökonomiegebäude getrennt, in einem großen, gepflasterten Hofe, in welchen ein Staketenthor von der Straße aus einführt, das gutsherrschaftliche Schloß, ein| massives, 3 Stockwerk hohes, ca. 125′ langes Gebäude mit Staffelngiebeln zu beiden Seiten. Seine Erbauung fällt nach unten stehendem zwischen 1500 und 1600. Es diente schon zu Anfang des vorigen Jahrhunderts den Besitzern nur zum zeitweisen Sommeraufenthalt. Im J. 1707 erscheint der damalige Besitzer von Schmidtberg unter den, beim großen Stadtbrand von Weinsberg mit einem ihm dort eigenthümlich angehörigen Hause, Abgebrannten. Die nachfolgenden Gutsherrschaften (s. unten) hatten ihre Residenz in anderen, ihnen zugehörigen Orten. Ein 31/2 Morgen großer, mit einem hohen Staketenzaun zwischen steinernen Pfeilern umfriedigter, mit trefflichen Obst- und Zierbäumen besetzter Schloßgarten, worin auch ein Gewächshaus und eine Baumschule nicht fehlt, dehnt sich im Rücken des Schlosses gegen das Feld hin aus. Ein sehr schöner, hochgewölbter Schloßkeller dehnt sich unter dem ganzen Schloß aus.

Im Jahr 1859 wurde ein massives Gemeindebackhaus erbaut, welches auf einem freien Platz unterhalb des Rathhauses steht.

Das Armenhaus der Gemeinde steht in Lehren und ist besetzt.

Die Einwohner haben im Allgemeinen den Typus der Sulmthaler Weingärtner; ihr Gesundheitszustand wird zeitweise durch die eigenthümlichen klimatischen Verhältnisse alterirt (s. oben See- und Trinkwasser) und der Ort gehört zu denjenigen Theilen des Bezirks, wo der Cretinismus ungewöhnlich häufig vorkommt. Dr. Rösch fand im Jahr 1844 unter 901 Einwohner 16 Cretinen, = 1,77 Procent. Die Haupterwerbsquellen bestehen in Feldbau, Weinbau und Viehzucht. Von Gewerben sind außer den gewöhnlichen für örtliche Bedürfnisse arbeitenden Handwerken eine Schildwirthschaft, eine Speisewirthschaft, zwei Krämereien und eine Mahl- und Gypsmühle mit einem Mahl- und Gerbgang zu nennen. Selbstausschank des producirten Weines kommt auch hie und da vor.

Anders sind die Verhältnisse in Lehren, wo die Israeliten wohnen (s. unten Lehren).

Die Vermögensverhältnisse sind im Allgemeinen ziemlich mittelmäßig zu nennen. Der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt 60–63 Morg., der mittlere und gewöhnlichere 10–15 Morg., der geringste 11/2–2 Morg. Ganz Besitz- und Mittellose, die sich nur mit Taglohn oder Handwerk fortbringen, oder der öffentlichen Unterstützung anheimfallen, gibt es Mehrere.

Das Klima ist ziemlich mild; Hagelschlag kommt selten, Frühlingsfrost dagegen öfter vor.

Der zum Theil ebene, zum Theil wellenförmige, großentheils aus Diluviallehm oder Keupermergel bestehende Boden der Markung| ist sehr fruchtbar. Die besten Felder liegen in der Nähe des Orts und auf der nördlichen Seite des Dorfes.

Die 2002 Morgen große, im Süden an das Oberamt Heilbronn angränzende, Markung enthält: 55 Morgen Gärten und Länder, 664 Morg. flürlich und 19 Morg. willkührlich gebaute Äcker, 248 Morg. Weinberge, wovon nur 9 Morg. zu anderen Culturen verwendet sind, 273 Morg. zweimähdige und nur 5 Morg. einmähdige Wiesen, 64 Morg. Laub-, 11 Morg. Nadel- und 528 Morg. gemischte Waldung, 11 Morg. Weiden, 29 Morg. Öden, 5 Morg. See, 1/2 Morg. Steinbruch; davon gehören der Grundherrschaft: über 14 Morg. Gärten, 17 Morg. Weinberge, wovon einer zu anderen Culturen verwendet, 188 Morg. Äcker, 52 Morg. Wiesen, 5 Morg. Laub-, 11 Morg. Nadel- und 455 Morg. gemischte Waldung; 3 Morg. Weiden, 2 Morg. Öden, 5 Morg. See; der Gemeinde: 10 Morg. Äcker (verpachtet), über 3 Morg. Wiesen, 44 Morg. Laub- und 54 Morg. gemischte Waldung, 6 Morg. Weiden; der Stiftung: 1 Morg. Grasgarten, 1 Morg. Wiesen.

Die Landwirthschaft wird mit allgemeiner Anwendung verbesserter Ackergeräthe, des Brabanter Pflugs, der Walze etc., wobei die herrschaftlichen Gutspächter ermunternd vorangehen, sehr fleißig und umsichtig betrieben und zur Besserung des Bodens Gülle, Compost und beim Futterkräuterbau Gyps und Asche angewendet. Von Getreide wird vorzugsweise Dinkel, Gerste, etwas Roggen, Waizen und ziemlich viel Haber gebaut. In der fast ganz angeblümten Brache werden Kartoffeln, viel Futterkräuter, dreiblättriger und ewiger Klee, Esper, Angersen, Rüben, neuerdings auch Zuckerrüben zum Füttern, etwas Reps, Ackerbohnen, Welschkorn, etwas Flachs und Hanf und in einigen Ländern Kraut gezogen. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens wird, bei einer Aussaat von 7–8 Simri Dinkel, 3–31/2 Sri. Gerste, 2 Sri. Roggen und 4 Sri. Haber, zu 8 Schff. Dinkel, 4 Schff. Gerste, 2 Schff. Roggen und 5 Schff. Haber geschätzt. Die höchsten Preise eines Morgens Acker betragen 700 bis 800 fl., die mittleren 400 fl., die niedersten 200 fl. Der Absatz des Getreides von den Pächtern und größeren Güterbesitzern geht auf die Schranne von Heilbronn oder an Bäcker der Nachbarschaft.

Die Wiesen, welche ungefähr den siebenten Theil der Markung ausmachen und großentheils in der Sohle der Quellbäche liegen, im Allgemeinen mehr der Ent- als der Bewässerung bedürfen, liefern an nahrhaftem Futter per Morgen ungefähr 25 Centner Heu und 8–10 Ctr. Öhmd. Die Preise eines Morgens bewegen sich, je nach der Lage, zwischen 200 und 600 fl.

| Die Weinberge machen den achten Theil der Markung aus und haben keine hohe Lage an den südlichen Gehängen oberhalb (südöstlich) und unterhalb (nordöstlich) vom Dorfe. Man pflanzt vorzüglich Silvaner, Elblinge, Gutedel, auch Clevner, schwarze Rißlinge, Trollinger. Das Erzeugniß wurde bei der amtlichen Classification von 1809 in die dritte (niederste) Classe gesetzt, hat sich aber seither durch bessere Cultur unstreitig gehoben und giebt einen guten, angenehmen Wein, der im Jahr 1846 48 fl., 1848 18 fl., 1850 12 fl., 1852 22 fl., 1854 45 fl., 1857 48 fl. kostete. Der Absatz geht hauptsächlich nach Heilbronn, Stuttgart, Tübingen, Ulm und in’s Hohenlohische. Der Ertrag eines Morgens wird durchschnittlich in günstigen Jahren zu vier Eimern geschätzt. Die Preise eines Morgens Weinberg bewegen sich zwischen 200 fl. und 600 fl. Bau und Beziehung ist die im ganzen Sulmthal gewöhnliche.

Die Obstzucht ist von ziemlich bedeutendem Belang. Man zählte im Jahr 1854 auf der Markung gegen 3500 Kern- und gegen 2700 Steinobstbäume mit einem ungefähren Ertrag von 4800 und 800 Simri. Außer den gewöhnlichen Mostsorten kommen, besonders in den gutsherrschaftlichen Gärten, auch sehr edle Sorten von Tafelobst vor, von den gutsherrschaftlichen Gärten in die der Bürger übergegangen. Zwetschgen-, Kirschen- und Nußbäume sind viele zu finden. Eine Baumschule ist im gutsherrschaftlichen Garten vorhanden. Jungstämme werden von den Bürgern in den Weinbergen gezogen. Außer der Verwendung zum Most findet auch Verkauf nach Außen statt.

Die der Gemeinde gehörigen 98 Morgen Waldungen gewähren durch Rindenschälschläge der Gemeindekasse eine Einnahme von 800–900 fl. Nach dem neuen Nutzungsplane kommt aber, bis die Schälschläge wieder kommen, nur 11/2 Morgen zum jährlichen Schlag. Für Laubstreue hat die Gemeinde ein Nutzungsrecht in fürstlich Löwensteinischen Waldungen.

Weiden und Erlen an den Bächen und Seen gewähren Einzelnen auch etwas Holz.

Der gutsherrschaftliche Pächter läßt auf seinem Pachtgute nach der letzten Aufnahme 142 Stück Landschafe laufen.

Pferdezucht wird nicht getrieben. Es waren bei der neuesten Aufnahme im Ganzen nicht mehr als 9 Pferde vorhanden.

Die Rindviehzucht ist von verhältnißmäßig mittlerem Belang. Man zählte bei der jüngsten Aufnahme unter 313 Stücken: 3 Landfarren, 46 Ochsen und Stiere, 155 Kühe, 96 Stück Schmalvieh, 13 Kälber. Vorherrschend ist der sogen. Neckarschlag. – Die| Farrenhaltung besorgt der Gutspächter gegen 130 fl. Geld und Nutznießung von 11/2 Morgen Wiesen. Viehmastung kommt nicht vor. Man sieht mehr auf Melk- und Zugvieh, mit dem auch auf den Viehmärkten von Heilbronn etc. Handel getrieben wird, besonders durch Vermittlung der Juden von Lehren. Milch- und Butterhandel wird nach Heilbronn getrieben.

Schafzucht (s. oben Weiden). Wollenabsatz findet auf dem Wollenmarkt von Heilbronn statt, auf dessen Schafmarkt auch das Vieh abgesetzt wird.

Die Schweinszucht ist nicht unbedeutend. Es waren bei der neuesten Aufnahme vorhanden: 4 Mutter-, 48 Mastschweine 24 Läufer und Milchschweine, im Ganzen 76 Stücke. Doch werden mehr Ferkel ein- als ausgeführt, und dieselbe theils zu eigenem Gebrauch, theils zum Verkauf an auswärtige Metzger gemästet.

An Ziegen, welche von Ärmeren gehalten werden, zählte man neuestens 17 Stücke.

Die Bienenzucht ist von einigem Belang und wird von Einzelnen auch nach neuerer, rationeller Weise getrieben. Es waren bei der letzten Zählung 48 Bienenstöcke im Dorfe vorhanden.

Geflügel – Gänse, Enten, Hühner – wird viel gezogen und damit ein kleiner Handel, besonders mit den gewonnenen Eiern, auf den Wochenmarkt nach Heilbronn getrieben.

Die der Gutsherrschaft gehörigen Seen sind an den Gutspächter verpachtet und meist mit Karpfen besetzt.

b) Lehren liegt nur 1/8 Stunde von Steinsfeld nordwestlich entfernt und durch einen vortrefflichen Weg mit ihm verbunden, am Gehäng eines seichten, bogenförmigen Thaleinschnittes, welcher mit seinem Bächlein zwischen Ellhofen und Steinsfeld in den Ellbach ausmündet. Der kleine Ort ist, neben 217 Evangelischen, von 99 Israeliten bewohnt und der Sitz eines israelitischen Rabbinen, zu dessen Rabbinat gehören: 1) Lehren, 2) Affaltrach, 3) Eschenau, vom diesseitigen Oberamt; sodann: 4) Kochendorf mit Neckarsulm, Ödheim und Gundelsheim, im Oberamt Neckarsulm; 5) Sontheim mit Horkheim und Thalheim im Oberamt Heilbronn; 6) Massenbachhausen mit Massenbach und Bonfeld im Oberamt Brackenheim.

Die kleine Synagoge, Eigenthum der israelitischen Gemeinde, ist am südwestlichen Ende des Orts, verbunden mit der Wohnung des Rabbinen und mit einem kleinen Lehrzimmer für dermalen 20 israelitische Kinder, welche vor dem Gesetz von 1828 die christliche Schule in Steinsfeld besuchten, sodann in Folge dieses Gesetzes einen eigenen Lehrer aufstellten, der zugleich Vorsänger war. Erst in| neuerer Zeit wurden diese israelitischen Kinder, in Ermanglung eines eigenen israelitischen Lehrers, wieder der christlichen Schule zugetheilt, bis ihnen wieder ein Lehrer ihrer Religion gesendet werden könne, was dermalen wieder der Fall ist.

Das kleine, im Ganzen nicht unregelmäßig gebaute Dorf wird von einer ziemlich breiten, jetzt reinlichen Straße durchzogen, zu deren beiden Seiten minder ansehnliche Wohngebäude liegen. Nur die der vermöglicheren Israeliten haben einen städtischen Anstrich, sind aber zum Theil, wie selbst eine israelitische Schildwirthschaft, nur einstockig.

Von den israelitischen Einwohnern, welche bei Weitem die Mehrzahl ausmachen, treiben Mehrere, wie die christlichen Einwohner, auch Landwirthschaft und Viehzucht. Die Übrigen nähren sich mit Handel, besonders Viehhandel. Einer hält auch einen kleinen Kramladen. An Schildwirthschaften sind zwei, an Speisewirthschaften eine vorhanden. Handwerke treibt keiner der Israeliten. Sie haben ihren eigenen Kirchenvorstand, den Begräbnißplatz gemeinschaftlich mit Affaltrach bei Affaltrach. Ihre bürgerliche Aufnahme fanden die Israeliten schon im 17. Jahrh. Im Jahr 1652 wohnten in Lehren drei Juden als Schutzverwandte.

Trinkwasser erhält der Ort von zwei öffentlichen und drei Privatpumpbrunnen, welche nach Rösch Selenit- und Gypsniederschlag geben, woher er es leitet, daß der Cretinismus hier in noch höheren Formen vorkomme, als zu Steinsfeld.

Auch der von Lehren westlich gelegene Thaleinschnitt hat zwei kleine, der Gutsherrschaft gehörigen Seen, welche Fische, besonders Karpfen beherbergen. Diese zwei Seen liegen aber schon auf Ellhofer Markung an der Gränze.

Über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tab. III. Eigene Armenstiftungen sind einige vorhanden, so die Schwanheimer Stiftung von 270 fl. und eine Gemming’sche etc. Der Ortsschulfond besitzt ein Vermögen von ca. 500 fl.

Gefällberechtigt war hier zur Zeit der Ablösungsgesetze von 1848/49: die Grundherrschaft und das Cameralamt.

Das Dorf stand unter der Oberherrlichkeit der Herren von Weinsberg, welche im Jahr 1378 dem Sigfried von Michelfeld erlaubten, ein Haus in dem Burgstadel zu Steinsfeld zu bauen (Ludewig Reliq. 12, 609) und im Jahr 1393 die von Weiler mit einem Theile Gerichts und Zehnten hier belehnten (Scheffer 35). Mit dem anderen Theile scheinen schon damals die von Gemmingen belehnt gewesen zu sehn. Im Jahr 1465 – wo die halbe Herrschaft| Weinsberg schon an den Pfalzgrafen Friedrich verkauft war – verkaufte Dietrich von Weiler den vierten Theil an Gericht und Vogtei der beiden Dörfer Steinsfeld und Lehren nebst Zehnten und Gefällen daselbst um 600 rhein. Gulden an Hans Heil, des Pfalzgrafen Thürhüter. Bei der Wiedereinsetzung Herzog Ulrichs in den Besitz seines Landes gehörte Steinsfeld nach einem Bericht von 1535 dem Freiherrn Philipp von Gemmingen. Ein wüster Burgstadel hier, heißt es in diesem Bericht, ist seit langer Zeit (also nicht erst im Bauernkriege von 1525) zerstört. Auf dessen Area ist wohl das noch jetzt stehende Schloß erbaut. Im Jahr 1585 erhalten die von Gemmingen von Herzog Ludwig von Württemberg gegen Verzicht auf einen Besitz in Meimsheim und Dürrenzimmern das Jagdrecht auf Steinsfelder Markung mit Schießen und Bürschen des hohen, rothen und schwarzen Wildprets und das kleine Weidwerk auf der Markung unter Vorbehalt des Mitjagens. Im Jahr 1649 verkaufen Joh. Leonhard von Menzingen, Weiprecht von Gemmingen und Johann Heinrich Schertel von Burtenbach Schloß und Dorf Lehren-Steinsfeld nebst Adersbach an Ludwig von Schmidtberg, franz. Feldmarschall (Betrachtungen über den Blutbann der Reichsritterschaft in Schwaben 71). Diese Familie von Schmidtberg, welche auch eine (1707 abgebrannte) Wohnung in Weinsberg hatte, erscheint sofort als Grundherrschaft, bis mit Johann Friedrich Karl, Freiherr von Schmidtberg im J. 1777 der Mannsstamm erlosch (Mader reichsrittersch. Magaz. 5, 339; 6, 585). Darauf kam Lehren-Steinsfeld an die Miterbinnen der Schmidtbergischen Güter, die Freifrauen von Waldenfels, von Kechler und von Hygle, Enkeltöchter August Schmidtbergs, im Erbvergleich von 1778 (Mader a. a. O. 6, 589. 597). Nachher wurden Grundherren die von Gemmingen-Hornberg, welche sich sofort von Steinsfeld schrieben. Im Jahr 1823 erbte Luise Dorothee von Gemmingen-Hornberg Patronatrecht, Besitzungen und Rechte allhier von der Familie von Gemmingen-Steinsfeld, womit diese an ihren Gatten, den Freiherrn von Göler-Ravensburg, übergiengen und nach seinem Tode der Wittwe zurückfielen. Zu Ende des Jahres 1856 verkaufte die von Göler’sche Familie das Gut mit allen Rechten an den Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein, für welchen es nunmehr verwaltet wird. – Mit Aufhebung der Reichsritterschaft und der ritterschaftlichen Kantone durch Decret Napoleons I. vom 19. Nov. 1805 wurde auch diese ritterschaftliche Besitzung der württemb. Oberhoheit unterworfen. Die Episcopalrechte giengen an Württemberg über (Reg.-Bl. von 1807 S. 251). Das Patronatrecht aber verblieb der Guts- und Grundherrschaft.


« Kapitel B 25 Beschreibung des Oberamts Weinsberg Kapitel B 27 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).