Beschreibung des Oberamts Tübingen/Kapitel B 5

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Derendingen.

Gemeinde II. Klasse mit Bläsiberg, Hof, Bläsibad, Hof, und Waldhörnle, Haus, mit 657 Einwohnern, worunter 14. Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Tübingen eingepfarrt. 1/2 Stunde südlich von Tübingen gelegen.

Beim Eintreten des lieblichen, abgeschiedenen Steinlachthales in das weite, großartige Neckarthal liegt ganz in der Thalebene am Fuße der Ausläufer des Rammerts, halbversteckt von herrlichen Obstbäumen, der schöne Ort, der eigentlich nur aus einer breiten, malerisch sich lang hinkrümmenden Straße besteht. Seine hübschen Häuser lagern ziemlich zerstreut, mit Gärtchen und Obstbaumgruppen freundlich abwechselnd, an den reinlichen, wohlgekandelten Straßen. Auf dem südlich vom Ort sich erhebenden Rindenberge genießt man eine prachtvolle Aussicht an die Alb, an den Schwarzwald, in das Neckar- und in das Steinlachthal.

Die einfache, spätgothische Pfarrkirche am Südende des Dorfes| hat einen halbachteckig geschlossenen, mit Strebepfeilern besetzten Chor und im Westen einen dreistockigen Thurm, der im dritten Geschosse rundbogige Schalllöcher zeigt und noch von dem alten Satteldache bekrönt wird. Über den zwei spitzbogigen Eingängen der Nordseite steht 1514 und 1562. Im schlichten Inneren ist Schiff und Chor flachgetäfelt, der Triumphbogen spitzig; die nördlich an den Chor angebaute Sakristei hat ein Netzgewölbe und im Chore sind noch die Ansätze der ehemaligen Gewölberippen erhalten. Die 3 Glocken auf dem Thurme wurden 1865 gegossen von Knittel in Canstatt. Die Baulast ruht auf der Gemeinde.

Der ummauerte Begräbnißplatz umgibt die Kirche.

Das wohlgebaute, vom Spital Tübingen zu unterhaltende Pfarrhaus liegt mit Garten und Scheune freundlich an der Hauptstraße.

Das Rathhaus wurde aus einem Privathaus hergerichtet, ebenso im Jahre 1861 das Schulhaus; letzteres enthält 2 Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters.

Ein öffentliches Backhaus und ein Armenhaus besteht.

Sehr gutes Trinkwasser liefern hinreichend 1 laufender und 6 Pumpbrunnen; schon bei 28–30′ Tiefe stößt man überall auf Wasser. Die Markung ist nicht sehr reich an Quellen, aber sie führen treffliches Wasser; ganz besonders gutes, den Kranken zuträgliches, soll der Brunnen, der aus der Tauchklinge in das Waldhörnle geleitet wird, spenden; sogenannte Hungerbrunnen finden sich bei der Schleifmühle und in den Holzäckern. An munteren fließenden Wassern fehlt es der Markung nicht, wie die Steinlach, der Mühlbach, der Landgraben und der im Orte selbst beginnende Goldergraben.

Vicinalstraßen gehen von hier nach Tübingen, Weilheim und Cresbach.

Über die Steinlach führen 3 hölzerne Brücken, wovon 2 die Gemeinde und die dritte der Besitzer von Cresbach unterhält.

Die Einwohner sind gesunde, kräftige Leute; gegenwärtig zählen 3 von ihnen über 80 Jahre, Siebenziger gibt es viele; sie sind fleißig, sparsam, geordnet, nur zeigt sich bei einzelnen ein Hang zum Processiren; Pietisten befinden sich 15–20 im Orte; die kleidsame Volkstracht hat sich zum Glücke noch ziemlich erhalten.

Haupterwerbsquellen sind Feldbau, Obstbau und Viehzucht; früher wurde auch der auf der Höhe liegende Stubensandsteinbruch ausgebeutet, jetzt aber wird er, weil er zu harte Steine liefert, nicht mehr betrieben; dagegen besteht eine Kies-, eine Sand- und eine Lehmgrube, auch gewinnt man in der Nähe des Steinbruches Töpfererde.

| Unter den Gewerbetreibenden sind Küfer, Schmiede, Wagner und Weber am häufigsten; letztere arbeiten auch nach außen, namentlich nach Tübingen.

Im Ort besteht eine Mühle mit 3 Mahl- und einem Gerbgang und einer Säge; ferner bestehen 3 Kramläden und 3 Schildwirthschaften, worunter das Waldhörnle mit einer Bierbrauerei.

Im Mühlbach werden Krebse gefangen.

Die Vermögensumstände gehören zu den mittleren; der reichste Bürger besitzt 20, der Mittelmann 10–12, der weniger bemittelte 1/2–1 Morgen Feld, einzelne haben auch gar keinen Grundbesitz; Gemeindeunterstützung genießen gegenwärtig 3 Personen.

Die klimatischen Verhältnisse sind etwas rauher als in der nächsten Umgegend, weil hier zwei Thäler zusammentreffen und bedeutende Luftströmungen verursachen, daher schädliche Fröste ziemlich häufig vorkommen; dagegen gehört Hagelschlag zu den Seltenheiten.

Auch der Boden der größtentheils ebenen Feldmarkung ist minder ergiebig als in dem nahe gelegenen Weilheim; er besteht vorherrschend aus Geröllen, mit schwarzem Humus gemengt, der indessen westlich vom Ort von einem fruchtbaren Lehm überlagert wird. An den Berggehängen, die jedoch mit wenig Ausnahme dem Waldbau dienen, erscheinen die thonigen Zersetzungen der Keupermergel und auf der Hochebene die sandhaltigen Böden des weißen Stubensandsteins. Zur Besserung des Bodens kommt außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch Gips, etwas Kompost und sehr viele Jauche in Anwendung, welch letztere in gut angelegten Düngerstätten sorgfältig gesammelt wird.

Die Landwirthschaft wird mit Anwendung des flandrischen Pflugs gut und fleißig getrieben, auch zwei Walzen und eine Dreschmaschine sind im Ort. Von den Getreidearten baut man vorzugsweise Dinkel und Gerste, weniger Einkorn und Haber; in der Brache kommen hauptsächlich Kartoffeln, sehr viel Futterkräuter, Angersen, Kraut, Wicken, Ackerbohnen und Kohlraben zum Anbau. Hanf zieht man für den eigenen Bedarf und Hopfen werden jährlich 200–300 Ctr. erzeugt. Von den Getreidefrüchten können in günstigen Jahren 600 Schfl. Dinkel und 400 Schfl. Gerste nach außen abgesetzt werden.

Der Wiesenbau ist nicht ausgedehnt, liefert aber ein gutes nahrhaftes Futter.

Der früher bedeutende Weinbau ist bis auf etwa 5 Morgen abgegangen und hat dem Hopfen- und Obstbau Platz gemacht. Das Erzeugniß gehört zu den mittelmäßigen.

Das Obst gedeiht nicht gerne, daher auch die Obstzucht, welche| sich mit gewöhnlichen Kernobstsorten und ziemlich viel Zwetschgen beschäftigt, nicht einmal das örtliche Bedürfniß befriedigt.

An Waldungen besitzt die Gemeinde 640 Morgen, deren jährlicher Ertrag zu 145 Klaftern und 2500 Stück Wellen angegeben wird; hievon erhält jeder Bürger 1 Klafter und 50 St. Wellen, überdieß fließt noch der Erlös aus dem verkauften Holz mit 17 bis 1900 fl. in die Gemeindekasse.

Allmanden sind 75 Morgen vorhanden, die den Ortsbürgern gegen je 24 kr. Allmandzins zur Benützung überlassen werden, auch besitzt die Gemeinde 100 Morgen Güter, aus denen sie 3–400 fl. jährlich Pachtgelder bezieht.

Die Rindviehzucht, welche sich mit einer Kreuzung von Simmenthaler- und Neckarschlag beschäftigt, ist gut, und wird durch 3 Farren (2 Simmenthaler und einen vom Neckarschlag) immer zu verbessern gesucht. Der Handel mit Vieh ist unbedeutend, dagegen bringt der Milchverkauf nach Tübingen jährlich 15–1800 fl. in den Ort.

Eigentliche Schweinezucht wird wenig getrieben; die Ferkel (englische, halbenglische und Landrace) werden meist auf dem Tübinger Markt gekauft und theils für den eigenen Bedarf, größtentheils aber zum Verkauf an Tübinger Metzger aufgemästet.

Die Zucht des Geflügels und der Bienen ist von keinem Belang.

Eine von Rottenburg herkommende Römerstraße führt durch den Ort; von ihr geht in der Nähe der Kirche ein Römerweg gegen Bläsiberg ab. Auf den Äckern hinter der Kirche findet man Spuren von römischen Gebäuden.

Im südwestlichen Theil des Orts kommt die Benennung Käpele vor, was auf eine abgegangene Kapelle hindeutet.

In D. (Tarodingen 12 Jh., Täredingen 1282) kreuzte sich einerseits die gräflich Achalm-Urachische, andererseits die gräflich- (pfalzgräflich-) Tübingische Oberherrlichkeit. Aus den milden Händen dieser Familien, beziehungsweise der hier begüterten Dienstmannen derselben, setzte sich das Kloster Zwiefalten in namhaften Besitz, in einigen auch das Kloster Bebenhausen. Graf Liutold von Achalm vergabte um 1089 zur Verköstigung der Zwiefalter Mönche die Hälfte des Orts samt aller Gerechtigkeit über diese Hälfte, dabei 12 Huben besten Baulandes, ferner Wiesen, Wälder, zwei Mühlen, Zehntantheil, Hörige und die Hälfte der Kirche. (Ortlieb – schrieb um 1140 – bei Pertz Script. 10, 73, Berthold eb. 10, 98.) Auch sein Dienstmann Ernst, welcher sich in Zwiefalten als Mönch einkleiden| ließ, beschenkte dieses Kloster mit Grund und Boden (Berthold a. a. O. 105). Ein Paar Huben des Klosters Hirschau, etwa im 11. Jahrhundert, von Burkhard von D. demselben vergabt, kamen durch Kauf gleichfalls an das Kloster Zwiefalten (Cod., Hirs. 69 a, Berthold a. a. O. 108) und letzteres machte noch ins 15. Jahrhundert hinein allda Erwerbungen. – Hiesiger Besitz des Klosters Bebenhausen wird 1229 unter dessen Witthumsgütern aufgeführt (Wirt. Urk. Buch 3, 253). Ein Viertel des Zehnten vergabten ebendahin im Jahr 1282 Friedrich von Gomaringen und dessen gleichnamiger Sohn, wozu der freie Herr Schwigger von Blankenstein, von dem es zu Lehen rührte, seine Zustimmung ertheilte. (Mone Zeitschr. 3, 426), – Vor 1323 war auch das Dominikanerinnenkloster Offenhausen allhier begütert, welches damals seinen Besitz an Konrad von Schwärzloch verkaufte. (Mone Zeitschr. 20, 224).

Die Kirche war zwar blos Kapelle mit einer Frühmesserei (Schmid 399), Filial der Kirche zu Weilheim, welche, im Besitz der andern Hälfte derselben, Rechte auf die ganze geltend machen wollte. Die Zwiefalter Mönche machten zwar die Probe des kalten Wassers, um sich zu versichern, daß sie Recht hätten und fanden die Entscheidung zu ihren Gunsten (Berthold a. a. O. 99); gleichwohl kam die Sache lange nicht zum Austrag und wurde endlich durch einen Vergleich beigelegt, der in der Hauptsache zu Gunsten der Pfarrei Weilheim lautete. (Hdschr. der k. öff. Bibl. in Stuttg. theol. Fol. Nr. 211, Bl. 132b.)

Mit Tübingen wurde der Ort 1342 württembergisch. Die Güter des Klosters Zwiefalten, welches schon um 1620 seine Mühle an Joh. Joachim von Grünthal, Obervogt in Tübingen, veräußert hatte, kamen durch Vertrag vom April 1750 nach ihrem damaligen Bestand ebenfalls an Württemberg.

Im Jahr 1466 wurde das Filial zur Pfarrkirche erhoben. Nach der Reformation gingen mit der Besetzung der hiesigen Pfarrei mancherlei Änderungen vor. Bald wurden die berühmtesten Männer als Pfarrer angestellt, bald wurde nur ein Vicarius gesetzt, öfters aber auch mit dieser Pfarrei die Special-Superintendenz bald über das Tübinger- und Bebenhäuser-Amt zugleich, bald über das erstere allein verbunden. (Binder 402). Das Patronat über Weilheim und das Filial D. erkaufte der Tübinger Spital 1441 von der Gräfin Henriette von Württemberg, welche es von Jakob Herter von Dußlingen und Herter von Herteneck erworben hatte; derselbe| blieb im Besitz des Nominationsrechtes in beiden Orten, bis dieses im gegenwärtigen Jahrhundert an die Krone kam. (Eifert 67).

Zu der Gemeinde gehören:

Bläsiberg 1/2 Stunde südöstlich vom Mutterort und 3/4 Stunden südlich von Tübingen gelegen.

Wenn man von Derendingen oder Tübingen das Steinlachthal hinaufpilgert, so erscheint links an den waldigen Thalgehängen beinahe frei vortretend ein schön gerundeter Hügel, auf dessen Stirne sich ein einfaches dreistockiges Steinhaus erhebt; der untere Stock des Gebäudes stammt aus spätgothischer Zeit, was seine geraden Sprossenfenster und ein Gurtgesimse an der Westseite beweisen. Ein Theil der Blasius-Kapelle, welche früher hier gestanden hatte, wurde zur Erbauung des Schlosses benützt, wofür ein an der Westseite des Gebäudes eingemauerter Rundbogen spricht. An dieser Seite des Schlosses dehnt sich ein großer geschmackvoll angelegter Garten und an der Ostseite liegt ein geräumiger Hof mit Brunnen und einigen Ökonomiegebäuden. Garten und Hof sind mit einer Mauer umfriedigt. Die Aussicht von dem Garten und noch mehr von dem Schloß ist äußerst ansprechend, das Auge schweift hier über das anmuthige Steinlachthal hinweg an die jenseitigen Höhen, auf denen aus üppigen Waldungen das Schloß Cresbach hervorschaut und im ferneren Hintergrunde erhebt sich majestätisch der Hohenzollern.

Das zu Bläsiberg gehörige Gut umfaßt 125 Morgen, von denen 20 Morgen Wiesen, 12 Morgen beständige Weiden, 2 Mrg. Hopfenland, 12 Morgen Luzerne und 79 Morgen Ackerfeld sind; es ist an den Professor der Forst- und Landwirthschaft, Dr. Weber in Tübingen, verpachtet, der es auf das musterhafteste bewirthschaftet, weßhalb wir hier eine ausführlichere Beschreibung des wirthschaftlichen Betriebs geben. Von den 79 Morgen Ackerfeld werden 15 Morgen der geringsten Felder als Weidewirthschaft in folgender Fruchtfolge behandelt: 1) Brache, 2) Wintergetreide, 3) Kleegras zum Mähen, 4) Kleegrasweide und 5) Haber. Durch diese Weidewirthschaft in Verbindung mit 12 Morgen beständigen Weiden, nebst der Stoppelweide und der Herbstweide auf den Wiesen, wurde es ermöglicht, auf dem Gute einen kleinen Schäfereibetrieb (100–120 Stücke Bastarde) einzuführen, welcher sich durch die Pferchdüngung für die Ertragsfähigkeit des Gutes sehr bewährt. Die Schafweide selbst ist verpachtet. Die übrigen 64 Morgen des Ackerfeldes werden in siebenschlägiger Fruchtwechselwirthschaft, übrigens nicht strenge in der Reihenfolge der Gewächse, behandelt, die ursprüngliche Reihenfolge| ist: 1) Brache, 2) Reps oder wenn das Feld für Reps ungeeignet, Winterweizen, 3) nach dem Reps Dinkel, oder wenn im Schlag 2 Winterweizen stand, Gerste, 4) Runkelrüben, Kartoffeln und Ackerbohnen, 5) Gerste, 6) Klee und 7) Dinkel. Aus dem angeführten geht hervor, daß bei der Bewirthschaftung des Guts, vorzugsweise auf den Futterbau, welcher mehr als die Hälfte desselben einnimmt, Rücksicht genommen wird; das Futter wird außer der Schäferei durch Milchvieh (12–14 St. Kühe), von welchen die Milch nach Tübingen zum Verkauf kommt, und während des Winters durch Mastung verwerthet; die letztere wird durch Ankauf von Biertrebern aus der benachbarten Bierbrauerei im Waldhörnle wesentlich unterstützt. Außer dem schon angeführten Viehstand sind noch zwei Arbeitspferde, vier Arbeitsochsen und 4–6 Stück junges Vieh aufgestellt; Nachzucht wird wenig getrieben, die ausgemolkenen Kühe werden fett an Metzger verkauft, dagegen neumelkende oder hochträchtige wieder zugekauft, daher es sich hier um keine bestimmte Racezüchtung handeln kann.

Die verkäuflichen Erzeugnisse sind demnach außer den Handelsgewachsen, Hopfen und Reps, Milch und Mastvieh, sodann untergeordnet Getreide, namentlich Gerste, und hiezu kommt noch das Obsterzeugniß, welches bei einem Obstbaumbestand von etwa 800 Stämmen in obstreichen Jahren kein unbedeutendes ist.

Den Berg und die Kirche zum h. Blasius schenkte Graf Liutold von Achalm († 1098) an seine Stiftung das Kloster Zwiefalten (Necrol. Zwif. bei Hess Mon. Guelf, 246, Ortlieb bei Pertz Script. 10, 99; letzterer sagt aecclesiam sancti Blasii in supercilio cujusdam ruinosae civitatis positam nulli alteri aecclesiae subditam et duos mansus juxta montem). Von diesem Kloster kam der Hof Bläsiberg an die Tübinger Familie Last. Zu Ende des 15. Jahrhunderts verkaufte ihn Dietrich Last an das Stift Tübingen und dieses 1558 an Stephan Conberg, Untervogt in Tübingen, welcher in demselben Jahr ihn an Herzog Christoph von Württemberg zu einem Mann- und Erblehen auftrug (Burgermeister Thes. eq. 1, 399), die abgegangenen Güter wieder in Aufnahme brachte und das Schlößlein baute († 1566). Im Jahr 1583 besaß ihn Kaspar Hirsch von Tübingen. Im Jahr 1593 kaufte ihn Gedeon von Ostheim, Obervogt in Tübingen, von diesem 1604 Hans Urban von Closen, welchen Herzog Johann Friedrich den 30. Juli 1619 damit belehnte (Lünig R. A. 12, 558). Heinrich von Closen verkaufte das Gut, wozu die niedere Gerichtsbarkeit gehörte, 1768 an den Freiherrn| Erasmus von Hopfer † 1787, von welchem es sich auf den Tochtermann Johann Friedrich Karl Schott von Schottenstein (genannt von Hopffer) † 1789 vererbte. Fortan blieb die Familie des letzteren im Besitz dieses württembergischen Lehens und gegenwärtig ist der Freiherr Karl Friedrich Wilhelm Schott von Schottenstein genannt von Hopffer – Herr zu Bläsiberg.

Auch die Pfründe der St. Blasiuskapelle war im erblichen Besitz der Familie Last, bis Georg Last sie 1480 an das Stift Tübingen für zwei Pfründen in Darmsheim und Weil im Schönbuch vertauschte.

Bläsibad[1] am Fuß des Bläsibergs zunächst der Landstraße von Tübingen nach Dußlingen freundlich gelegen, hat seine frühere Bestimmung als Bad verloren und dient gegenwärtig als Wirthschaft mit schattigen angenehmen Anlagen im nahe gelegenen Walde.

Auf die Heilkraft des Wassers soll ein Hirte, welcher einen schadhaften Schenkel damit heilte, aufmerksam gemacht haben. Im Jahr 1470 erscheint das Bad erstmals, mit dem Namen „Neues Bad“; Paul Breuning, ein Glied der bekannten Tübinger Familie, war damals Besitzer. Der spätere Name rührt vom nahen Bläsiberge. Einen Ruf erhielt es durch die Empfehlung in den Institutiones medicae des Tübinger Professors Fuchs (1533–66) und es wurde noch im 17. Jahrhundert ziemlich besucht. Der Tübinger Professor Hafenreffer empfahl es gegen Wassersucht, Hämorrhoiden, Blutspeien, Griesbeschwerden, Engbrüstigkeit etc.; als Bestandtheil des Wassers gab er an: Alaun, Eisen, Niter, Alabaster und Wildwasser. Nach G. E. L. Sigwart „Übersicht der im Königreich Württemberg und in den angrenzenden Gegenden befindlichen Mineralwasser, Stuttgart 1836, S. 20“ enthält die aus Keupersandstein hervortretende Quelle weiches Wasser, das durch Abdampfen einen nicht salzigen Rückstand gibt. 3′ Menge des schwefelsauren und kohlensauren Kalks unbestimmt.

Waldhörnle, eine von Tübingern, namentlich von den Studenten viel besuchte Wirthschaft mit Bierbrauerei, die 1/2 Stunde südlich von der Oberamtsstadt an der Straße nach Dußlingen freundlich gelegen ist. Hinter dem Wirthschaftsgebäude ist der nahe gelegene| Wald zu schattigen Spaziergängen benützt. Das Wirthshaus wurde 1807 erbaut und später noch durch weitere Baulichkeiten das Anwesen erweitert.



  1. Literatur: Sam. Hafenreffer Diss. de Blasianis aquis salubribus. Tubing. 1629. 4. Auch deutsch unter dem Titel: Unda Bethesdae repullans. Tüb. 1629. 8. und im Deutschen neu aufgelegt unter dem Titel: Scatebra S. Blasii. Tüb. 1652. 8. – Rud. Jac. Camerarius diss. de balneo Blasiano. Tub. 1718. 4.
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