Beschreibung des Oberamts Oehringen/Kapitel B 34

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Schwöllbronn,


Gemeinde III. Klasse, 356 Einw., wor. 5 Kath. a. Schwöllbronn, Dorf, Filial von Bitzfeld, Oberamts Weinsberg, 207 Einw.; b. Unterohrn, Weiler, Filial von Oehringen, 149 Einw. – Die Kath. sind nach Pfedelbach eingepfarrt.

Das ansehnliche, wohlhabende Dorf liegt auf der welligen Ebene zwischen dem Brettach- und dem Ohrnthal, eine Stunde westlich von der Oberamtsstadt und 1/2 Stunde nördlich von dem Mutterort.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend zwei laufende und mehrere Pumpbrunnen.

Mittelst Vicinalstraßen nach Bitzfeld, Weislensburg und auf die Oehringen–Neuenstadter Landstraße ist der Ort mit der Umgegend in Verbindung gesetzt.

Ein Lokal für den Gemeinderath ist vorhanden; die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in Bitzfeld.

Die Hauptnahrungsquellen der im allgemeinen bemittelten und geordneten Einwohner bestehen in Feldbau und Viehzucht; es sind sechs größere Bauern vorhanden, von denen jeder gegen 80–90 Morgen Grundeigenthum hat, zehn haben 50–60 Morgen und die übrigen 15–20 Morgen; Arme befinden sich keine im Ort.

Die Landwirthschaft wird umsichtig betrieben und auf dem beinahe die ganze Markung überlagernden, etwas leichten Diluviallehmboden kommen die gewöhnlichen Cerealien und viel Reps mit gutem Erfolg zum Anbau. In der beinahe ganz angeblümten Brache zieht man vorzugsweise Kartoffeln, Futterkräuter, ziemlich Hanf für den eigenen Bedarf, Angersen etc. Im allgemeinen sind die| landwirthschaftlichen Verhältnisse wie in Langenbeutingen. Die Preise der Äcker und Wiesen wechseln von 200–450 fl. per Morgen.

Die auf der Höhe gelegenen Wiesen liefern theilweise ein leichtes Futter, während die im Thal gelegenen, denen jedoch keine Wässerung zukommt, gutes, übrigens nicht reichliches Futter geben.

Der Weinbau ist ganz unbedeutend und geht allmählig vollends ganz ab. Das Obst geräth gerne.

Der Rindviehstand ist gut und die Ochsenmastung von Bedeutung; auch Schweine werden viele gemästet.

Die Schafweide von Schwöllbronn und Unterohrn wird um 500 fl. jährlich verpachtet, und die Pferchnutzung sichert der Gemeinde eine jährliche Einnahme von 400 fl.

Realwaldungen sind 88 Morgen, und überdieß in Schwöllbronn und Unterohrn 450 Morgen Privatwaldungen vorhanden.

Schwöllbronn kam zum Theil von den Herren von Weinsberg an Kloster Lichtenstern, auch waren die Schenken von Limpurg hier begütert.

1264 schenkte Walther von Limpurg dem Kloster Zehnten in Schwöllbronn und Verherberg (Verrenberg).

Konrad, der Münzmeister von Hall und seine Söhne vergleichen sich 1291 mit dem Kloster wegen eines Guts in Schwellenbronen.

1300. Konrad von Weinsberg eignet dem Kloster 1/3 des Zehnten in Swellenbronn, die von ihm zu Lehen gingen.

1495 verkaufte das Kloster die Weiler Schwöllbronn, Stackenhofen (s. unten) und Unterohrn nebst Anderem an Graf Kraft VI. von Hohenlohe.

1559 verkauft Klaus Stemmlers Wittwe ihren Hof und Schäferei in Schwöllbronn für 1400 fl. an Hohenlohe.

Herren von Schwöllbronn kommen vor im 14. Jahrhundert: Heinrich von Schwöllbronn 1366, derselbe 1371, begütert in den Oberämtern Hall und Krailsheim.

b. Unterohrn liegt 1/2 Stunde nordwestlich von der Oberamtsstadt in einem anmuthigen Thälchen auf beiden Seiten der Ohrn, die hier eine Mühle in Bewegung setzt.

Die Staatsstraße von Oehringen nach Neuenstadt führt durch den oberen Theil des Orts und die durch die Ohrn getrennten Ortstheile sind mittelst einer steinernen Brücke in Verbindung gesetzt.

Der Ort gehört in die Kirche und Schule nach Oehringen. Ein kleines Glockenthürmchen, das zu einer vor etwa 50 Jahren abgegangenen Kirche gehörte, ist vorhanden.

| Die landwirthschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse sind so ziemlich die gleichen wie in Schwöllbronn, nur mit der Ausnahme, daß die Einwohner auch Weinberge auf Verrenberger Markung besitzen. Es sind vier größere Güterbesitzer von je 90–100 Morgen und sieben zu je 50 Morgen vorhanden.

Auf der Markung liegen bedeutende Muschelkalksteinbrüche.

Unterhalb des Orts lag an der Ohrn der längst abgegangene Weiler Stackenhofen, dessen ehemalige, etwa 500 Morgen große, meist aus Wald und Wiesen bestandene Markung, gegenwärtig Bürgern von Schwöllbronn, Unterohrn und Möhrig gehört. Es sind im Ganzen 11 Bauernlehen, unter denen eines das Mühllehen genannt wird; der dazu gehörige Wald ist in Partieen von 22–42 Morgen vertheilt. Im Walde findet man noch spärliche Mauerreste. Ein Grundstück in villa Stakkenhouen erhielt das Hochstift Würzburg von Kraft von Rappach zu Lehen aufgetragen (nach einer Schönthaler Urkunde vom 8. Juni 1215). Es gab auch Herren von Stackenhofen z. B. Syfridus Stackenhofen (im Oehringer Obleybuch) und (dictus Schyffe de Stackenhofen et uxor Elisabeth et Heinricus filius). Stackenhofen wird 1495 als Weiler genannt.

Ein Streit zwischen dem Stift Oehringen und den Herren von Adelsheim wegen eines Zehnten in Unterohrn wird 1480 erwähnt.

Die beiden Orte Unterohrn und Schwöllbronn gehörten zu dem Hohenlohe-Bartenstein’schen Oberamt Pfedelbach. Standesherrliche Gutsbesitzer der beiden Orte sind die Fürsten von Hohenlohe-Oehringen und Bartenstein.

Die Römerstraße von Oehringen nach Neuenstadt zieht über die Markung westlich an der Flur „Wacht“ vorüber, wo ohne Zweifel irgend eine römische Befestigung oder doch eine Warte angelegt war.


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