« Kapitel B 4 Beschreibung des Oberamts Nürtingen Kapitel B 6 »
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5. Balzholz,

Dorf, Gemeinde III. Cl. mit 451 evangelischen Einwohnern, Filial von Beuren, 21/4 Stunden südsüdöstlich von Nürtingen. Vom Fuß des Neuffener Schloßberges an senkt sich die Markung der kleinen Gemeinde Balzholz, eine ziemlich unebene Fläche, gegen das Steinachthal hinab. Die Verhältnisse des Ortes kommen in Vielem mit den hienach beschriebenen des Mutterortes Beuren überein. Die Felder aber haben durchaus guten Boden und bessern als die von Beuren, auch ist der Getreidebau ausgedehnter. Flachs und Hanf sind hier wichtige Erzeugnisse. Die Obst- und besonders die Kirschen-Zucht steht auch hier auf sehr hoher Stufe und ist ein erheblicher Erwerbszweig; es gilt dasselbe, was von Beuren und Linsenhofen bemerkt werden wird. Der Ort hat auch etwas Weinbau und gewinnt in guten Jahren ein angenehmes, in Urach und den Alporten beliebtes, Gewächs. Die Rindviehzucht ist so wenig als in Beuren von besonderem Belang; doch ist sie im Fortschreiten zum Bessern begriffen. Schafe sind verhältnißmäßig ziemlich viele vorhanden. Gewerbsthätigkeit findet sich nicht. Kirschengeistbrennerei, Spinnen und Weben sind Nebenbeschäftigungen. Der Wohlstand steht im Ganzen höher als in Beuren. Auch besitzt die Gemeinde ein Back- und Wasch-Haus; Schildwirthschaft ist eine vorhanden. Die Zehnten bezieht der Staat; der kleine gehörte früher zur Pfarrstelle Beuren, ist aber seit deren Verwandlung vom Staat übernommen.

Das Dörfchen ist etwas enge zusammengebaut, aber frei und sehr angenehm an einem üppigen Obstwald und Weingärten gelegen und hat treffliches Quellwasser. Eine eigene Kirche ist nicht vorhanden. Gemeinderaths- und Schul-Lokal befinden sich in Einem Hause.[1]

Bis 1521 war Balzholz ein Filial von Neuffen. In jenem Jahr bestand der Ort nur aus 6 Häusern mit 5 Haushaltungen, ging später im 30jährigen Kriege ganz ein und wurde erst nach 1651 nach und nach wieder aufgebaut.

Balzholz gehörte in das Amt und Gericht Neuffen und scheint mit der Herrschaft Neuffen immer verbunden gewesen zu seyn. Der große Zehnte stand stets der Herrschaft zu. Die Karthäuser zu Güterstein kauften 1468 von Graf Ulrich von Württemberg einen See zu Balzholz, der zuvor einem von Tachenhausen gehört hatte (Steinhofer III. 155).

Fußnote:

  1. Erwähnung verdient eine Schulstiftung des verstorbenen Pfarrers Wagner mit 103 fl.
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