« Kapitel A 6 Beschreibung des Oberamts Mergentheim Kapitel B 1 »
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Geschichtlicher Überblick und Alterthümer.




Politischer Zustand.
Die Frage nach einer vorgermanischen, keltischen Bevölkerung unserer Gegend muß bei dem heutigen Stande der Alterthums- und der Sprachwissenschaft, welche letztere nicht zu entscheiden vermag, ob die Flußnamen Tauber und Gollach keltisch sind, unbeantwortet bleiben. Über altgermanische Alterthümer | im Bezirk wird unten die Rede sein. Drei Meilen westlich von diesem zog der römische Grenzwall jene bekannte Scheidewand zwischen dem Kulturgebiet und den Wohnsitzen der Barbaren. Schon darum tritt der Bezirk erst spät in das Licht der Geschichte. Und auch über die Kämpfe, welche seit der Mitte des zweiten Jahrhunderts dem Grenzwall entlang getobt, über die Umstände, unter welchen die deutschen Stämme in unserem Gebiet einander gefolgt sind: Markomannen, Chatten, Hermunduren, Burgunder, Alemannen, Franken, über die schließliche Unterwerfung unter fränkische Herrschaft im sechsten und die Einführung des Christenthums im achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung – über alles das ist uns durchaus nichts Näheres überliefert. Ob wir die Ortsnamen Reutsachsen und Sechselbach auf die Übersiedlung der Sachsen nach den Maingegenden unter König Theodorich (Bavaria IV, 1, 156) beziehen dürfen, oder erst auf die Ansiedlung sächsischer Kriegsgefangener unter Karl dem Großen, ist zweifelhaft. Slavische Ortsnamen, welche in dem Nachbarbezirk Gerabronn auf Slavenkolonien hinweisen, finden sich im Amt Mergentheim nicht. Die ältesten urkundlichen Nachrichten über Orte des Bezirks betreffen das 741 gegründete Bisthum Würzburg. Dieses erwirbt 807 von dem Taubergaugrafen Audulf, Kaiser Karls des Großen Seneschall und Küchenmeister, von welchem vielleicht Adolzhausen den Namen hat, den Üttingshof bei Althausen und Anderes gegen Abtretung von Gütern in Freudenbach und Waldmannshofen: die ersten Anzeichen einer ausgedehnten Herrschaft des Bisthums im Bezirk Mergentheim. Dann folgt das von Bonifacius 744 neu gegründete Kloster Fulda, welches im neunten Jahrhundert in Laudenbach, Lohrhof, Vorbachzimmern und Weikersheim, vielleicht auch in Neubronn, Oberndorf und Standorf (s. die Ortsbeschreibung) begütert ist. All dieser geistliche Besitz wird als im Tauber- und Gollachthal gelegen bezeichnet. Die Grenzen dieser beiden Gaue innerhalb unseres Bezirkes sind nicht mehr genau zu ziehen; zum Gollachgau werden wohl nur die am weitesten nach Ost gelegenen Orte gehört haben. Innerhalb des Taubergaus lag im 11. Jahrhundert eine Grafschaft Mergentheim, von der man jedoch nicht mehr erfährt, als daß die Orte Marstadt, eine Meile nördlich, und Röttingen, zwei Meilen östlich von der Stadt Mergentheim gelegen, ersteres 1058, letzteres 1103, zu der Grafschaft gehört haben. Mit dem Anfang des 12. Jahrhunderts tritt an die Stelle der Gaubezeichnung | die Benennung Provinz Ostfranken. In dieser bekleideten die Hohenstaufen, welche eben um die genannte Zeit durch die Beerbung der Grafen von Rotenburg zu ansehnlichem Besitz in unsern Gegenden gelangten, die herzogliche Würde, sahen sich aber an der Ausdehnung ihrer Macht durch die Bischöfe von Würzburg verhindert, welche von Kaiser Heinrich II. für Abtretungen an das im Jahr 1007 errichtete Bisthum Bamberg durch umfangreiche Besitzungen und Rechte in Franken entschädigt worden waren, und in der Folge wirklich in den Besitz des Herzogthums Ostfranken und der meisten Grafschaften daselbst kamen. Aber der Haupteigenthümer des größten Theils von Mergentheim und Umgegend sollte doch ein anderer werden:


Der Deutsche Ritterorden.

Die Herren von Hohenlohe nemlich, welche seit der Mitte des 12. Jahrhunderts in Weikersheim saßen, kamen wenig später, man vermuthet durch Verheiratung Alberts des Kreuzfahrers mit einer geborenen von Lauda, auch zu Gütern und Rechten in Mergentheim. Patronatsherr der dortigen Kirche, schenkte zwar Albert 1207 dieselbe mit Rechten und Gefällen nicht an den Deutschorden, dessen Stiftung unter den Mauern von Accon 1190 er wohl selbst angewohnt hatte, sondern an den älteren Johanniterorden. Seine Neffen aber, Andreas, Heinrich und Friedrich von Hohenlohe, machten 1217 den Kreuzzug unter König Andreas von Ungarn mit, in dessen Verlauf durch die Ritter des Deutschordens Damiette in Ägypten belagert und erobert wurde, und hier, wie es scheint, faßten die drei Jünglinge den Entschluß, nach ihrer glücklichen Heimkehr selbst auch in den Orden zu treten. Andreas, wohl der älteste unter ihnen, war der erste, der das Vorhaben vollführte und indem er mit seinem Eintritt in den Orden 1219 diesem das Hohenlohische Besitzthum in Mergentheim schenkte, den Grund zu der neuen Deutschordenskommende Mergentheim gelegt hat. Dem Beispiel des Andreas folgten bald die genannten zwei Brüder. Heinrich wurde Deutschmeister und gelangte 1244 zur höchsten Stufe eines Hochmeisters, besuchte zuerst unter allen Hochmeistern das neuerworbene Ordensland Preußen, 1246, kehrte aber wieder in seine süddeutsche Heimat und seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort Mergentheim zurück und verschied hier 1249. Fortan war Mergentheim die bedeutendste Deutschordens-Kommende in Franken, weshalb es nicht selten den Deutschmeistern zum Aufenthalt, seit dem 16. Jahrhundert nach dem Abfall Preußens den Trägern der nunmehr vereinten Würde eines Hoch- und Deutschmeisters zum Hauptsitz diente. Wir stellen hier, unter theilweiser Wiederholung des bereits oben S. 2 f. mitgetheilten, die Besitzungen der Kommende Mergentheim zusammen; zuerst den Stand vom Ende des 18. Jahrhunderts (1788):

Residenz Mergentheim. Amt Neuhaus: Schloß Neuhaus; Markelsheim; Igersheim; Neuseß; Bernsfelden mit Hagenhof; Althausen; Harthausen; beide Apfelbach; Üttingshof; Simmershofen | und Holzhausen (bayr. B.A. Uffenheim) letztere beide gemeinschaftlich mit Brandenburg-Ansbach.

Amt Wachbach: Wachbach, Hachtel und Dörtel, nebst Igelstrut und Oberndorf, gemeinschaftlich mit den Herrn v. Adelsheim; Stuppach; Lillstatt; Lustbronn; Rengershausen; Roth; Schönbühl; Honsbronn gemeinschaftlich mit Hohenlohe-Öhringen.

Amt Balbach: Unter-Balbach (bad. BA. Tauberbischofsheim) gemeinschaftlich mit Würzburg; Ober-Balbach (ebendaselbst) gemeinschaftlich mit den Hrn. v. Zobel; Edelfingen gemeinschaftlich mit Hatzfeld und Adelsheim) Löffelstelzen; Deubach; Sailtheim; Bowiesen; Neubronn bei Harthausen; Holzbronn; Reisfeld; Reckersthal.

Amt Gelchsheim: Gelchsheim (bayr. BA. Ochsenfurt); Aub (ebendaselbst) gemeinschaftlich mit Würzburg; Hemmersheim und Pfahlenheim (BA. Uffenheim) gemeinschaftlich mit Würzburg und Ansbach.

Amt Nitzenhausen: Nitzenhausen (OA. Künzelsau); Niederweiler (OA. Gerabronn); Ailringen (OA. Künzelsau); Berndshausen (ebendaselbst) gemeinschaftlich mit Hohenlohe-Öhringen; Berndshofen (ebendaselbst) gemeinschaftlich mit den Hrn. v. Stetten; Heimhausen (ebendaselbst) gemeinschaftlich mit Würzburg, Hohenlohe-Langenburg und Stetten; Eberbach (ebendaselbst) gemeinschaftlich mit Langenburg und Stetten; Ober-Steinach (OA. Gerabronn) gemeinschaftlich mit Würzburg und Hohenlohe-Kirchberg; Sandelsbronn (ebendaselbst) gemeinschaftlich mit Würzburg und Ansbach. Außer diesen Ortschaften hatte der Orden vorübergehend im Besitz Güter und Einkünfte in Creglingen, Edelfingen, Elpersheim, Herbsthausen, Herrenzimmern, Laudenbach, Lichtel, Neunkirchen, Niederrimbach, Pfitzingen, Weikersheim; ferner in Sonderhofen (BA. Ochsenfurt) Elpersheim, Hollenbach, Bolzhausen (BA. Ochsenfurt), Bütthart (ebendaselbst), Enkersberg (abgegangen, wohl ebendaselbst), Stockheim (BA. Mellrichstadt), Gozbolzdorf (abgegangen bei Röttingen), Rimbach, (BA. Gerolzhofen), Obernhofen (wo?) – sämmtlich 1219; Stalldorf (BA. Ochsenfurt) 1243. 71; Erlach (ebendaselbst) 1253; Laudenbach (1267. 94); Archshofen (1267); Tiefenthal (BA. Ochsenfurt), Rietheim und Unterhausen (wohl ebendaselbst), Insingen (BA. Rothenburg) 1298; Großlangheim (BA. Kitzingen) 1301; Adolzhausen, Reckersfelden, Herbsthausen, Schäftersheim 1313; Widelbach (?) 1322; Königshofen 1328; Grünsfeldhausen (BA. Tauberbischofsheim) und Leuboltzbrunn (ebendaselbst?) 1322.[ER 1]

Die Regierung und Verwaltung der Kommende Mergentheim kennen zu lernen, theilen wir das Nöthige über die ganze Einrichtung des Ordens mit[1]. Aufgenommen wurden Jünglinge von ehlicher Geburt, gesund und ungebrechlich, rittermäßig und von 4 Eltern oder von 4 Ahnen Wappengenosse (später gar von 16), rein in ihrem Wandel, unbefleckt in Sitten, unberüchtigt in ihrem Namen; auch frei von Schulden mußten sie sein. Der Eid des jungen Ritters lautete: „Ich verheiße und gelobe Keuschheit meines Leibes und ohne Eigenthum zu sein und Gehorsam Gott und Sankt Marien und Euch, dem Meister des Ordens des Deutschen Hauses, und Euren Nachkommen nach der Regel und Gewohnheit des Ordens, daß ich Euch gehorsam | sein will bis an meinen Tod.“ Strenge Beobachtung der gottesdienstlichen Zeiten bei Tag und Nacht Armen- und Krankenpflege in den Spitälern, stilles, alle Ordensglieder, Ritter und Priester verbrüderndes Konventsleben, Aufopferung der Kräfte für das Wohlergehen und den Ruhm des Ordens – das war, freilich nur für die erste Blütezeit, des Ordens Zweck und Bestimmung. Der Orden nahm aber auch, gleich dem Templer- und Johanniterorden, Halbbrüder und selbst Schwestern, auch nichtadeliger Herkunft, auf, die ihr Vermögen entweder sogleich oder nach ihrem Tode dem Orden überließen.

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In Deutschland war der Ordensbesitz in 12 Balleien eingetheilt: Thüringen, Österreich, Hessen, Franken, Koblenz, Elsaß, Botzen oder an der Etsch, Utrecht, Alten-Briesen, Lothringen, Sachsen, Westfalen. Die Balleien Österreich, an der Etsch, Koblenz und Elsaß gehörten zu der Kammer des Hochmeisters, welcher des ganzen Ordens Oberhaupt war, standen also nicht unter dem Deutschmeister, der über die 8 übrigen Balleien gesetzt und seinerseits mit einigen Kammerhäusern, darunter Frankfurt, Speier, Horneck u. a., begabt, auch seit 1495 gleichzeitig mit Herzog Eberhard von Württemberg, durch Kaiser Maximilian in den Reichsfürstenstand erhoben war. Oberbeamter in der Ballei war der Landkomthur; das einzelne Ordenshaus mit seinem Besitz aber, auch Kommende genannt, leitete der Komthur (commendator, ursprünglich auch praeceptor). In jedem Ordenshaus, das einen ordentlichen Konvent hatte, wurde nach dem Ordensgesetz an jedem Sonntag Hauskapitel zur Berathung der Konvents- und Kommende-Angelegenheiten gehalten. Zur Beschlußfassung über die den gesammten Orden in Deutschland betreffenden Angelegenheiten berief der Deutschmeister die Landkomthure und Statthalter in ein Ordenshaus – von 1526 bis 1805 26 mal (1526, 36, 48, 57, 66, 71, 84, 85, 93, 1606, 18, 25, 27, 63, 64, 71, 79, 94, 1700, 32, 36, 61, 64, 80, 91, 1805) nach Mergentheim zu einem Groß- oder General-Kapitel zusammen. War das Deutschmeisteramt durch Tod oder Verzicht erledigt, so berief der Landkomthur von Franken das Generalkapitel, meist nach Mergentheim, zur Wahl. Außerdem traten häufig mehrere Landkomthure oder auch nur der Landkomthur von Franken und die Komthure dieser Ballei mit dem Deutschmeister zu einem „Gespräch“ oder „gemeinen Gespräch“, gewöhnlich in Mergentheim, zusammen. Endlich fanden in den Balleien theils Jahreskapitel, theils, insbesondere nach dem Tod des Landkomthurs zur Ernennung eines Statthalters, außerordentliche Kapitel statt, wozu in der Regel alle Komthure, Hauskomthure, Pfarrer, Amtleute, zu Zeiten auch andere Ordensleute der Ballei berufen wurden. Zur Abnahme und Prüfung der Rechnungen in den Ordenshäusern, sowie zur Untersuchung der Verhältnisse überhaupt ließ der Deutschmeister durch einen Komthur und einen Konventspriester oder Pfarrer regelmäßige Balleivisitationen vornehmen. An Beamtungen, alle mit Ritterbrüdern besetzt, hatte das Ordenshaus keinen Mangel: da war der Treßler (thesaurarius) oder Hausschatzmeister, der Küchenmeister, Kellermeister (Schaltmeister, für den Weinbau -Kauf und -Verkauf, den Holzbedarf etc.), der Trappier (für die Aufsicht über die Anfertigung der Kleidung), der Kornmeister, der Zinsmeister und Rentmeister, auch Schäffer oder Schaffner, Baumeister, Forstmeister, der Küster (zugleich Vorsänger, Organist etc.) der Spittelmeister oder Siechmeister, der | Mühlmeister, der Pitanzmeister (Stiftungsverwalter), der Überreiter oder Hofreiter (für den Einzug der Zinsen und Zehnten, Aufsicht über die Ordenshöfe etc.), der Schulmeister (besonders zu Einübung der Chorschüler für den Gottesdienst), endlich seit dem 16. Jahrhundert der Kanzler (Sekretär) des Hoch und Deutschmeisters.

Ein vollständiges Verzeichnis der Komthure von Mergentheim läßt sich nicht mehr herstellen; wir begnügen uns mit der Liste der Hoch- und Deutschmeister, welche in Mergentheim ganz oder doch zeitweilig residirten.

01. Dietrich von Cleen 1525–26.
02. Walther von Cronberg 1526–43.
03. Wolfgang Schutzbar, genannt Milchling, 1543–66.
04. Georg Hund von Wenkheim 1566–72.
05. Heinrich von Bobenhausen 1572–88.
06. Maximilian Erzherzog von Österreich 1589–1618.
07. Karl Erzherzog von Österreich 1618–24.
08. Johann Eustach von Westernach 1625–27.
09. Johann Kaspar von Stadion 1627–41.
10. Leopold Wilhelm Erzherzog von Österreich 1641–62.
11. Karl Josef Erzherzog von Österreich 1662–64.
12. Johann Kaspar von Ampringen 1664–84.
13. Ludwig Anton Herzog von Pfalz-Neuburg 1684–94.
14. Franz Ludwig Herzog von Pfalz-Neuburg 1694–1732.
15. Klemens August Herzog von Bayern 1732–61.
16. Karl Alexander Herzog von Lothringen 1761–80.
17. Maximilian Franz Erzherzog von Österreich 1780–1801.
18. Karl Erzherzog von Österreich 1801–1804.
19. Anton Viktor Erzherzog von Österreich 1804–1809.
Über des Ordens Verhältnis zu Kaiser und Reich mag an dieser Stelle Folgendes bemerkt werden. Schon ehe der Deutschmeister Reichsfürst war (s. o.) noch mehr aber seit der Erhebung dazu ist die Abhängigkeit desselben vom Kaiser eine ziemlich weitgehende; er schwört dem Kaiser den Eid der Treue, empfängt von diesem eine förmliche Verleihung seiner Fürstenrechte gegen gewisse Taxgelder, stellt ein Geleite von Ordensrittern zur Romfahrt und leistet Zuzug zu des Kaisers und Reichs sämmtlichen Kriegen, steht in allen wider den Orden angebrachten Klag- und Streitsachen unter der hohen Gerichtsbarkeit und oberrichterlichen Gewalt des Kaisers. Ein Beispiel von Letzterem: Im Jahr 1513 erhoben einige Stände des Schwäbischen Bundes gegen den Komthur zu Mergentheim und den Rath dieser Stadt bei Kaiser Maximilian die Klage, daß dieselben in Aufrechthaltung der Reichsordnung und des Landfriedens sich strafbare Versäumnisse haben zu Schulden kommen lassen. Götz von Berlichingen habe mit einigen Raubgesellen nahe bei Mergentheim einen Angriff gegen mehrere Güterwagen von Nürnberger Kaufleuten verübt, sie ausgeplündert und zum Theil verbrannt. Man habe den Komthur und den Rath der Stadt zur Beihilfe aufgefordert, um den Räubern nachzueilen; sie haben aber solche nicht nur verweigert, sondern sogar die Nacheile streng verboten und die beraubten Kaufleute in ihre Stadt eingesperrt. So sei der frevelhafte Raub bis zur Zeit unbestraft. Der Kaiser lud sofort die Angeklagten vor sein Gericht nach Augsburg zur Verantwortung und | drohte mit des Reiches Acht, wenn sie nicht erscheinen und sich genügend purgiren würden. Der Deutschmeister aber nahm sich der Sache des Komthurs und der Mergentheimer an und führte ihre Vertheidigung so gründlich und meisterhaft, daß sie dem Kaiser vollkommen genügte und dieser selbst auch noch die Versicherung hinzufügte: er werde auch fortan des Meisters und des Ordens gnädiger Kaiser sein und ihn stets in gnädigen Befehl haben. – Später, nachdem der Deutschmeister zugleich das Hochmeisteramt erhalten, sehen wir ihn noch weit mehr als früher in die Kriegshändel des Kaisers und des Reichs verwickelt (s. den Abschnitt Besondere Schicksale).

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Von besonderem Interesse sind auch des Deutschordens Beziehungen zu den übrigen geistlichen und weltlichen Herren im Bezirk. Wir führen diese zunächst auf. Wie das Bisthum Würzburg in unserem Taubergau schon im Anfang des 8. Jahrhunderts zu Besitz und Macht gekommen, ist bereits erwähnt worden (S. 255). Die Ortsgeschichte wird davon erzählen, wie das Hochstift, in dessen Diözese der ganze Bezirk gehörte (s. den nächsten Abschnitt) längere oder kürzere Zeit Rechte, Besitzungen und Einkünfte in fast allen Orten besaß: in Althausen, Apfelbach, Archshofen, Bernsfelden, Blumweiler, Bowiesen, Creglingen, Dunzendorf, Dürrnhof, Edelfingen, Finsterlohr, Frauenthal, Freudenbach, Hagen, Harthausen, Honsbronn, Igersheim, Laudenbach, Lichtel, Löffelstelzen, Markelsheim, Mergentheim, Münster, Nassau, Neubronn, Neuhaus, Neunkirchen, Neuseß, Nieder-Rimbach, Ober-Rimbach, Oberndorf, Rinderfeld, Standorf, Streichenthal, Stuppach, Üttingshof, Vorbachzimmern, Waldmannshofen, Weikersheim, Wermutshausen (vgl. auch oben S. 3); wie das Chorherrnstift Neumünster zu Würzburg in nicht wenigen Orten Pfarreien und Benefizien, Grund und Boden, Zehnten und Abgaben hatte: in Apfelbach, Bernsfelden, Elpersheim, Igersheim, Markelsheim, Queckbronn, Rengershausen, Schäftersheim, auch weitere in der Bischofsstadt gelegene Stifte hieher gehören: das Ritterstift St. Burkard für Brauneck und Waldmannshofen, St. Johann in Haug für Archshofen und Freudenbach, St. Stephan für Lohrhof. Außer Würzburg sind mit zeitweiligem Besitz im Bezirk zu erwähnen: die Bisthümer Eichstädt in Archshofen; Bamberg in Creglingen, Nieder-Rimbach, Schirmbach, Wachbach; Augsburg in Münster; Mainz in Althausen. Ferner die auswärtigen Klöster und Stifte: Fulda in Laudenbach, Lohrhof, Neubronn, Oberndorf, Standorf, Üttingshof und wahrscheinlich in Vorbachzimmern; Kloster Amorbach in Apfelbach; Bronnbach in Nassau; | Dettwang in Reutsachsen; die Prämonstratenserinnen von Gerlachsheim in Mergentheim; die Cisterzienserinnen von Gnadenthal bei Hall in Igelstrut, Mergentheim und Rengershausen; die Benediktinerinnen zu Heidingsfeld bei Würzburg mit dem ehemaligen Besitz der Klause Neunkirchen (s. u.); Kloster Heilsbronn in Waldmannshofen; Hirschau in Laudenbach, Nassau, Nieder-Rimbach und vielleicht in Bronn; Komburg in Creglingen, Igersheim, Schäftersheim, Stuppach. Stift Möckmühl in Münster; die Benediktinerinnen von Monheim bei Donauwörth in Mergentheim und Stuppach; Kloster Steinach bei Neustadt an der Aisch in Simmringen; Sulz bei Schillingsfürst in Markelsheim; Tückelhausen bei Ochsenfurt in Nassau und Vorbachzimmern; die Deutschordens-Kommenden Rothenburg a. d. Tauber in Archshofen, Reutsachsen, Schwarzenbronn; Virnsberg bei Ansbach in Bernsfelden und Schmerbach. Außer dem bereits abgehandelten Deutschorden waren in Mergentheim ansäßig und auch im Bezirk mit Gütern und Rechten ausgestattet: der Johanniterorden, vielleicht schon 1192 mit Gütern und Gefällen in Althausen, jedenfalls 1207 mit der Kirche in Mergentheim begabt und von da an bis 1554 Mitherr des Orts und Inhaber eines Spitals, übrigens in Mergentheim und Umgegend (Althausen, Bronn, Edelfingen, Löffelstelzen, Markelsheim, Neunkirchen, Stuppach) wegen der Übermacht des Deutschordens nicht stark begütert, und schon 1355, dann wieder 1386 genöthigt, seine Güter, Einkünfte und Rechte in Mergentheim selbst, ausgenommen den Pfarrsitz und seine Wohngebäude, an den Rivalen zu verkaufen, bis den Schulden und dem macht- und einflußlosen Dasein überhaupt der Verkauf des ganzen Eigenthums an die Deutschherren 1554 ein Ende machte; ferner die Cisterzienser von Kloster Schönthal an der Jagst mit einem Probsthof in Mergentheim und ziemlich umfangreichen Besitzungen in Mergentheim, Althausen, Harthausen, Igelstrut, Lillstadt, Neunkirchen, Neuseß, Rengershausen, Simmringen, Stuppach, Assamstadt, Königshofen, Schüpf, Schweigern etc. Ein Frauenkloster in Mergentheim, vielleicht bloße Beguinen-Sammlung, findet sich 1247 erwähnt. Dominikaner zogen daselbst um 1250 ein, waren aber, wie die 1628 von Deutschmeister Stadion dahin gezogenen Kapuziner, nach ihrer Ordensregel besitzlos; die Erwähnung von Templern in einer Urkunde von 1221 weist jedenfalls nicht auf Besitz dieses Ordens in Mergentheim und Umgegend.

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| Im Bezirk lagen und waren begütert: das Cisterzienser Nonnenkloster Frauenthal, mit Besitzungen in Apfelbach, Freudenbach, Lohrhof, Waldmannshofen; sowie die Prämonstratenser Frauenstifte Schäftersheim und Lochgarten, ersteres begütert in Ebertsbronn, Harthausen, Lochgarten, Nassau, Niederhausen, Queckbronn, Simmringen, Vorbachzimmern, Weikersheim; endlich die Klausen (Beguinenhäuser) zu Markelsheim und Schmerbach, beide unbegütert, Neunkirchen, begütert in Althausen, Bronn, Hachtel, Laubertsbronn, Lustbronn, Mergentheim, Roth; Wachbach mit Besitzungen in Althausen, Aufstetten, Hachtel, Igelstrut, Lillstadt, Neunkirchen. An sie reiht sich noch der Spital in Mergentheim mit seinem ziemlich ausgedehnten Besitzthum, namentlich dem vormaligen Neunkirchen-Heidingsfeldschen, in Althausen, Apfelbach, Edelfingen, Hachtel, Harthausen, Lillstadt, Neunkirchen, Roth, Üttingshof.

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Mit weltlichem Besitz sind zu nennen: das Reich mit Gütern in Creglingen, Igersheim, Lohrhof, Markelsheim, Reutsachsen, Wachbach und wahrscheinlich in Freudenbach, Herbsthausen u. a. O.; ein zahlreicher Ortsadel: in Mergentheim, Archshofen (s. sogleich unten), Edelfingen, Elpersheim, Finsterlohr (s. u.), Herrenzimmern, Laudenbach, Lichtel, Löffelstelzen, Markelsheim, Nassau, Pfitzingen, Reinsbronn, Rengershausen, Rüsselhausen, Schäftersheim, Seldeneck (s. u.), Wermutshausen, und wahrscheinlich in Apfelbach, Creglingen, Neunkirchen, Neuseß, Reisfeld, Rinderfeld, Simmringen, Stuppach; ferner die alten Gaugrafen des Bezirks – vom Gollach- und Taubergau – nachgewiesen in (Adolzhausen), Freudenbach, Lohrhof, Neubronn, Üttingshof, Waldmannshofen; die Herren von Mergentheim in Mergentheim selbst, die Lesch von Mergentheim in Mergentheim, Elpersheim, Laubertsbronn, Neunkirchen, Schön, Vorbachzimmern; die Mertin von Mergentheim in Mergentheim, Althausen, Edelfingen, Elpersheim, Hachtel, Harthausen, Holzbronn, Laubertsbronn, Lillstadt, Markelsheim, Neunkirchen, Nieder-Rimbach, Reckersthal, Stuppach, Wachbach; die Reich von Mergentheim in Mergentheim, Althausen, Hachtel, Lillstadt, Stuppach, Wachbach; die Sützel von Mergentheim in Mergentheim, Althausen, Elpersheim, Laubertsbronn, Neunkirchen, Stuppach, Wachbach; die Zöllner von Mergentheim in Mergentheim und Bowiesen. Ferner die Herren und nachmaligen Grafen und Fürsten von Hohenlohe mit ausgedehntem Besitz in Mergentheim und sämmtlichen Orten des Bezirks, mit Ausnahme | von Blumweiler und Zugehör, Löffelstelzen, Ober-Rimbach. Weiter in langer alphabetischer Reihe:

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Die von Adelsheim in Edelfingen, Hachtel, Lustbronn, Mergentheim, Wachbach; v. Archshofen in A., Creglingen, Lohrhof; von Assamstadt in Althausen, Stuppach; die Herzoge von Baiern in Apfelbach, Creglingen, Lillstadt, Mergentheim, Nieder-Rimbach, Wachbach; das Kurfürstenthum und Königreich Bayern, in den Brandenburg-Ansbach’schen und den Rothenburg’schen Orten; die Truchsesse von Baldersheim in Archshofen, Deubach, Edelfingen, Neubronn, Nieder-Rimbach, Üttingshof, Waldmannshofen; die v. Berlichingen in Adolzhausen, Althausen, Laudenbach, Lustbronn, Mergentheim, Queckbronn, Wachbach; die v. Bocksberg in Althausen und Deubach; die Burggrafen von Nürnberg und Markgrafen von Brandenburg-Ansbach in Althausen, Archshofen, Bernsfelden, Brauneck, Crainthal, Creglingen, Dunzendorf, Ebertsbronn, Finsterlohr, Frauenthal, Freudenbach, Neunkirchen, Nieder-Rimbach, Nieder-Steinach, Reinsbronn, Rinderfeld, Schirmbach, Seldeneck, Streichenthal, Waldmannshofen; die v. Crailsheim in Elpersheim, Hagen, Laubertsbronn, Laudenbach; die v. Dangries in Brauneck; v. Domeneck in Lustbronn; v. Dörzbach in Igelstrut, Lustbronn, Simmringen; v. Dottenheim in Edelfingen; v. Dürn in Lustbronn, Mergentheim; v. Egersberg in Mergentheim; v. Ehenheim in Brauneck, Deubach, Elpersheim, Markelsheim; v. Ellrichshausen in Dürrhof; v. Finsterlohe in Adolzhausen, Althausen, Dunzendorf, Ebertsbronn, Edelfingen, Elpersheim, Finsterlohr, Hagen, Honsbronn, Laudenbach, Münster, Neubronn, Pfitzingen, Queckbronn, Rinderfeld, Schönthal, Sailtheim, Streichenthal, Vorbachzimmern, Wachbach, Wermutshausen; v. Gabelstein (s. auch Stetten) in Pfitzingen, Stuppach; v. Gattenhofen in Elpersheim, Schmerbach; die Geyer v. Giebelstatt in Althausen, Edelfingen, Neunkirchen, Reinsbronn; v. Goldstein in Elpersheim; von Gundelsheim[ER 2] in Brauneck; die Grafen und Fürsten v. Hatzfeld in Dunzendorf, Edelfingen, Hagen, Laudenbach, Münster, Neubronn, Rinderfeld, Vorbachzimmern, Waldmannshofen, Wermutshausen; die Hardeck, Burggrafen von Magdeburg, Brauneck; v. Hertenstein in Mergentheim; die Hohenstaufen in Schäftersheim; v. Hove in Elpersheim; v. Jagstberg in Mergentheim; die Grafen v. Komburg und Rotenburg in Apfelbach, Deubach, Ebertsbronn, Markelsheim, Schäftersheim, Stuppach; die v. Krautheim in Mergentheim; die Küchenmeister v. Nortenberg und Seldeneck in Reutsachsen und Umgegend; die v. Langenburg in Mergentheim; v. Lauda in Mergentheim; v. Leuzenbronn in Finsterlohr, Laudenbach, Münster; die Landgrafen von Lichtenberg in Bernsfelden; die Schenken von Limpurg in Mergentheim, Rengershausen, Wachbach, Waldmannshofen; die Lochinger in Archshofen, Elpersheim (?) Schön; die von Löffelsterz in Löffelstelzen und Mergentheim; v. Mulfingen in Althausen; v. Ochsenfurt in Althausen; v. Ötinger in Archshofen; Hans v. Özberg in Althausen, Edelfingen, Wachbach; Pfal zu Königshofen in Elpersheim, Sailtheim; Pfalz in Adolzhausen, Brauneck, Nassau, Neuhaus, Rengershausen, Wachbach; Königreich Preußen Creglingen mit Zugehör, Ebertsbronn, Frauenthal, Freudenbach, Neunkirchen, | Niedersteinach, Reinsbronn, Schirmbach, Waldmannshofen; v. Rechberg in Edelfingen, Weikersheim; v. Rein[ER 3] in Archshofen, Nieder-Rimbach; v. Reinsbronn in Nieder-Rimbach, Nieder-Steinach, Reinsbronn; die Grafen v. Rieneck in Bowiesen; v. Rosenberg in Deubach, Ebertsbronn, Edelfingen, Herrenzimmern, Hohenweiler, Mergentheim, Münster, Neubronn, Oberndorf, Rinderfeld, Simmringen, Standorf, Üttingshof, Vorbachzimmern, Waldmannshofen, Wermutshausen; v. Röttingen in Nassau, Nieder-Rimbach; Rüd v. Bödigheim in Wachbach; v. Sachsenflur in Mergentheim; Schertel v. Burtenbach in Archshofen; v. Schrozberg in Laudenbach; v. Schüpf in Deubach, Edelfingen, Mergentheim; die Grafen v. Schwarzburg Brauneck und Neuhaus sammt Zugehör; v. Seckendorf in Bernsfelden; v. Seinsheim in Mergentheim, Seldeneck, Stuppach; von Seldeneck in Adolzhausen, Blumweiler, Dörtel, Finsterlohr, Nassau, Nieder-Steinach, Ozendorf, Rengershausen, Schonach, Schwarzenweiler, Seldeneck, Stuppach, Wachbach; v. Stetten (und Gabelstein) in Althausen, Edelfingen, Lillstadt, Lustbronn, Mergentheim; v. Stuppach in Wachbach; v. Toggenburg in Schäftersheim; v. Ussigheim in Herrenzimmern, Rüsselhausen, Wachbach; v. Veinau in Laudenbach, Löffelstelzen; v. Warberg in Elpersheim; v. Weinsberg in Adolzhausen, Elpersheim, Nassau, Neubronn, Oberndorf, Rinderfeld, Standorf, Wachbach, Wermutshausen; die Grafen v. Wertheim in Althausen, Stuppach; v. Wiesenbronn in Münster, Wachbach; v. Willanzhofen in Waldmannshofen; v. Winkel in Münster; v. Winzingerode in Archshofen, Schön; v. Wolmershausen in Münster; v. Zobel in Adolzhausen, Archshofen, Elpersheim, Laudenbach, Neubronn, Sailtheim. Endlich die Stadt Rothenburg mit ihrem bedeutenden Gebiet diesseits der Tauber: Archshofen, Blumweiler, Burgstall, Finsterlohr, Lichtel, Ober-Rimbach, Reutsachsen, Schmerbach, Schonach, Schwarzenbronn, Seldeneck, Weiler, Wolfsbuch und zeitweilig in Crainthal, Herrenzimmern und Nieder-Steinach.

Die zuletzt genannte Reichsstadt Rothenburg nannte im Jahr 1802, als sie an Bayern kam, in 167 Ortschaften mit ursprünglich 40 Burgen und festen Häusern, auf fast 7 Quadratmeilen etwa 20.000 Einwohner ihr eigen. Hievon wies der Pariser Staatsvertrag 1810 die kleinere Westhälfte mit 50 Ortschaften und gegen 6000 Einwohnern an Württemberg: 13 Dörfer und Weiler mit etwa 1700 Bewohnern an den Oberamtsbezirk Mergentheim, die übrigen an den Bezirk Blaufelden, jetzt Gerabronn, womit Rothenburg neben dem, daß es völlig an die Grenze gedrängt wurde, auch die Vortheile eines nicht unbedeutenden ländlichen Verkehrs verlor. Wie jene Bezirksorte an Rothenburg gekommen waren, wird die Ortsgeschichte zeigen; hier möge die allgemeine Herrschaftsgeschichte der hochinteressanten Stadt, die so erinnerungsvoll in unser Gebiet herüberschaut, in Kürze eine Stelle finden.

| Durch Einigkeit, innere Ordnung, sparsamen Haushalt und kluge Benützung der Verhältnisse war die Bürgerschaft der seit 1274 der Reichsfreiheit sich erfreuenden Stadt reich und stark geworden. Dies machte es ihr möglich, in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit ein bedeutendes Gebiet durch Ankauf zu erwerben und gegen die benachbarten Fürsten und Herren zu behaupten. Großentheils knüpft sich dieser Machtzuwachs an die Geschichte eines sehr denkwürdigen Mannes des tapfern und klugen Bürgermeisters Heinrich Toppler, der von 1373 bis 1408 an der Spitze des kraftvollen Gemeinwesens stand. Zwar unterlag der reiche gewaltige Mann, dem wir auch in der Ortsgeschichte unseres Bezirks wieder begegnen werden (s. Vorbachzimmern) 1408 einer neidischen Anklage und starb in dem geheimen Staatsgefängnis seiner Vaterstadt an Hunger oder Gift. Aber sein System, den Verfall der Adelsgeschlechter in Folge der Zersplitterung durch Erbverträge und steigende Schuld- und Pfandverlegenheiten für die Stadt nutzbar zu machen, dauerte fort. Sobald einer dieser großen Landbesitzer Geld brauchte, war Rothenburg zum Darleihen bereit. Gewöhnlich schoßen einige Bürger den Betrag zusammen, welchen man aus ihren Händen um so unbesorgter nahm, da sich von ihnen keine Behauptung des Pfandgegenstands erwarten ließ. Unversehens traten aber die Gläubiger ihre Rechte an die Stadt ab, und die Sache endete gewöhnlich mit einem Kaufvertrag über das Hauptgut, an welches sich die herrschaftlichen Rechte knüpften, oder mit einem Zuschuß zu der Pfandsumme, bis ein fester Kauf eintrat. Sogleich begann alsdann der Rath, einzelne Gutstheile an seine Bürger abzutreten, ohne dabei gerade auf Geldgewinn zu sehen. Indem er sich aber die besten Herrschaftsrechte vorbehielt, die Käufer auch für deren Erben verpflichtete, stets das Bürgerrecht anzunehmen, und das Verkaufsrecht sich wahrte, verstärkte er die Macht der Stadt durch Erweiterung des Gebiets, erleichterte seinen Bürgern wohlfeilen Gütererwerb und erhielt in kurzer Zeit das aufgewendete Kaufkapital zurück, um es auf ähnliche Weise wieder anzulegen, oder auch einmal um theures Geld etwas von dem reichen Burggrafen von Nürnberg zu kaufen, dessen Einmischung in der Nähe man um jeden Preis verhüten mußte. So kamen aus unserem Bezirk an Rothenburg: Feste und Herrschaft Lichtel vom Bisthum Würzburg 1399, Burg und Vogtei Seldeneck von den Burggrafen von Nürnberg 1404, ein Theil von Archshofen von den Herrn von Rein[ER 4] 1463. Zu Schirm und Schutz dieser Erwerbungen, sowie als Zoll- und Mautgrenze wurde seit 1430 die Landhege oder „Landwehr“ errichtet, ein tiefer Graben, zu beiden Seiten durch lebendige Hecken und Bäume, an neun Stellen durch Wartthürme („Landthürme“) an anderen durch Barrieren oder Riegel gedeckt. Fortan hatte die Reichsstadt faktisch ein geschlossenes Territorium, dessen Bestand Kaiser Maximilian 1507 bestätigte. Das ganze Gebiet wurde in zwei Vogteien getheilt: die Landvogtei im Gau, rechts der Tauber, und die kleine Landvogtei oder Zwergmeier, links von dem Fluß. (Bensen, Hist. Untersuch. 192 f. Kurze Beschr. u. Gesch. v. Rot. 23 ff. Bavaria 3, 1196 f.)

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Wir kehren zu den Deutschherren zurück und stellen zunächst einiges über die Beziehungen des Deutschordens | zu den vorhin aufgeführten geistlichen und weltlichen Herren im Bezirk zusammen.

Während ein großer Theil der deutschen Bischöfe dem Orden besonders in seinen ersten Zeiten feindlich gegenüberstand, erwiesen sich die Bischöfe von Würzburg von Anfang an und mehr als 200 Jahre lang als seine Gönner und Freunde; dann im 15. Jahrhundert führte die Verschwendungslust des Bischofs Johannes II. und fortdauernde Kriegsdrangsale dem Orden die ganze Herrschaft Neuhaus, Schloß und sieben Dörfer, zu. Ja 1440, als unter dem Nachfolger des Genannten die Stiftsherren in Feindschaft mit ihrem Bischof an der Bewältigung der Schuldenlast verzweifelten, war der Orden nahe daran, das ganze Hochstift Würzburg in seine Hände zu bekommen und nur dem energischen Dazwischentreten des berühmten Syndikus der Stadt Nürnberg, Dr. Gregor Heimburg, verdankte das Bisthum die Abwendung dieser Schmach. Von da an waren Streitigkeiten zwischen dem letzteren und dem Deutschorden über Recht und Gericht, Steuern, Zehnten, Subsidien und dergl. etwas häufig Wiederkehrendes. Es war dieselbe Zeit, in welcher auch zum Erzstift Mainz das alte gute Verhältnis sich gelockert zu haben scheint. 1290 und 1333 hatte sich die Kommende Mergentheim in den Schutz und Schirm des mächtigen Nachbars – Mainzisch waren manche Orte an der Jagst und untern Tauber – begeben; 1440 wird Klage geführt über Räubereien Mainzischer Knechte im Deutschordischen Gebiet unter Begünstigung der Mainzischen Amtleute von Tauberbischofsheim und Grünsfeld. – Irrungen zwischen Deutschorden und Pfalz wegen pfälzischer Unterthanen in Mergentheim, des Zolls in Edelfingen, Mißhandlung und Beraubung von Ordensunterthanen in Mergentheim, Lillstadt, Herbsthausen, Apfelbach, Hachtel und Reckersthal durch die Pfälzischen, Fischraub auf dem See zu Bernsfelden durch dieselben, Abhauung des Waldes in Bowiesen durch die von Lauda etc. (OR. 32, 198 ff.) [ER 5] – Die Streitigkeiten mit den Johanniter-Rittern, deren Bestrebungen und Interessen gerade bei ihrer ursprünglichen Verwandtschaft mit denen des Deutschen Ordens sich oft berühren und durchkreuzen mußten, werden uns in der Geschichte Mergentheims wiederholt beschäftigen. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts verhandelten der Johanniter-Prokurator und der Hochmeister, ohne Erfolg, über die Vereinigung beider Orden durch eine Veränderung der Ordenskleidung oder das friedliche Nebeneinander beider durch Güteraustausch. – Auch der von vornherein so günstig gesinnte Adel machte schon im 14. und noch mehr im 15. Jahrhundert nicht selten manche Schwierigkeit, so daß 1448 ein Ordensgesetz nöthig wurde, von den adeligen Geschlechtern, welche den Orden befehdeten oder beschädigten, dürfe kein Abkömmling mehr in denselben aufgenommen werden; auch wurden wiederholt Ritter und Edelleute als Schutzsöldner für die Ordensburgen in Franken in des Deutschmeisters Dienste gezogen. 1480 waren diese Ordenshäuser gegen feindliche Überfälle der Anhänger eines gewissen Kunz Rüde Tag und Nacht in so großer Gefahr, daß der Deutschmeister „wegen Büberei und des Reiterwerks – denn nach dem Sprichwort wer gern tanzt dem ist gut pfeifen“ – befahl, die Häuser überall mit Wachen, Hütern und andern nöthigen Einrichtungen stets in guter Wehrschaft zu halten. – Wie die Städte schwierig werden konnten, wird die Geschichte Mergentheims zeigen; in andern fränkischen Städten war es nicht anders. Besonders das seine Selbstherrlichkeit allzeit trotzig wahrende Rothenburg war dem Orden sehr gefährlich. (Siehe die Geschichte von Archshofen).

| Die Finanzzustände des Ordens verschlechterten sich seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in demselben Maße, in welchem „aus dem ursprünglichen Hospital für Leidende ein Hospital des Ordens wurde, zu dessen Pfründen und Würden sich die nachgeborenen Söhne vornehmer Familien drängten, wovon die Folgen waren: Erkaltung der Theilnahme der Laien an der altehrwürdigen ritterlichen Stiftung, immer tieferer Verfall des Vermögens, sittliche Verderbnis“. So war das Haus zu Mergentheim schon 1369 genöthigt, zur Führung einer Fehde gegen den Ritter Kraft, genannt der Waler, eine Summe von 1200 Gulden in Speier zu borgen, welche Schuld nebst Zinsen dann die übrigen Gebietiger der Ballei Franken auf sich nahmen. Als aber diese 1411 vom Hochmeister um eine Geldhilfe angegangen wurden, erwiderten sie: „Die Ballei Franken ist so schwerlich beladen, daß Niemand wissen mag, wie wir uns angreifen und halten sollen, damit der Orden hieraußen bei solcher Würde bleibe, als es Herkommen ist. Wir haben kaum so viel, daß wir die nöthigen Personen auf den Pfarren und Ritterbrüder für unsere Häuser halten mögen.“ Die unausgesetzten Fehden seit 1450 verschlimmerten natürlich die Zustände immer mehr, und schließlich schlug der Bauernkrieg fast nimmer zu heilende Wunden. Doch war bei einer Vermögensaufnahme im Jahr 1577, welche für das Deutschmeisterthum ein Jahresdefizit von 8423 Gulden ergab, die Ballei Franken nicht von den am schlimmsten gestellten: einer Ausgabe von 53.973 Gulden stand eine Einnahme von 54.313 Gulden gegenüber. Aber schon 1606 klagt der Meister in seinem und im Namen der Ballei Franken einem Großkapitel in Mergentheim: sie seien durch den Türkenkrieg u. A. in ihren Geldmitteln so erschöpft und verarmt, daß sie die schwere Last unmöglich länger ertragen können. Es folgte die schreckliche dreißigjährige Kriegszeit, und auch das folgende Jahrhundert war, wie unten dargestellt werden wird, für unser Ordensgebiet reich an Störungen. Dennoch war noch um 1780 die Ballei in Franken die ansehnlichste: 18 Ordensritter in 21 Kommenden, worunter 7 Kammerkommenden des Deutschmeisters (Mergentheim, Frankfurt, Prozelten, Horneck, Winnenden, Heidelberg und Speier) und hatte einen durchschnittlichen Jahresüberschuß von über 22.000 Gulden. Das gesammte Personal der Ballei bestand 1787: 1) aus 18 Ordensrittern, deren einer Hauskomthur zu Mergentheim, ein anderer Trappier daselbst, ein dritter Treßler, Bau- und Küchenmeister zu Ellingen, | wo die Tresolei (Balleikasse) war, einige Rathsgebietiger, die meistens Komthure waren, großentheils in Militär- oder Civildiensten stehend; 2) aus 10 Ordenspriestern, meist Pfarrer, einige auch Doktoren der Theologie; 3) 13 Balleiräthen; 4) 27 verschiedenen Balleibeamten, Pflegern, Amtsvögten, Kastnern, Stadtvögten; 5) 6 Kanzleiverwandten, Registratoren etc. Der Landkomthur bezog ein jährliches Deputat von 5500 Gulden, der Hauskomthur und Treßler zusammen 1200 Gulden; dabei betrugen die Ausgaben für die landkomthurliche und Cavalier-Tafel nebst den übrigen Hausbedürfnissen 12.000 Gulden. Der Rathsgebietiger bezog als solcher 500 Gulden. Das Meisterthum erhob aus der Ballei jährlich 20.500 Gulden. Bei diesen niedern Bezügen verwundert man sich nicht, daß die Ordensritter in der Josephinischen Zeit die völlige Umgestaltung der innern Verhältnisse ihrer Ballei durch deren Inkorporation in das Meisterthum sich gefallen ließen. Seit 1789 bezogen: der Landkomthur 15.000 Gulden, die zwei ersten Rathsgebietiger je 7000, 2 andere je 6000, die letzten 2 je 5000, von den 6 Komthuren 2 je 4000, 2 je 3000, 2 je 2000, 3 Ordensritter jeder 1000 und 3 je 500 Gulden. Trotz dieser Steigerung der Ausgaben wurde 1791 ermittelt, daß die Spitäler und andere milde Stiftungen der Kommenden und Güter des Hoch- und Deutschmeisterthums und der Ballei Franken, außer den Einkünften von liegenden Grundstücken, ein Kapitalvermögen von fast 800.000 Gulden besaßen. Aber der Krieg schmälerte alsbald Vermögen und Einkünfte gewaltig. Preußen, welchem 1791 der letzte Markgraf von Ansbach und Bayreuth seine Fürstenthümer abgetreten, besetzte 1796 die Kommende Ellingen und verschiedene Ordensämter in Franken, und auch anderwärts giengen Kommenden, für das Meisterthum verloren, insbesondere durch den Lüneviller Frieden alle Einkünfte jenseits des Rheins, gegen 50.000 Gulden jährlich.

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Das waren die Vorboten des nahen Untergangs, als dessen Etappen zu bezeichnen sind: Reichsdeputations-Hauptschluß vom 25. Februar 1803 – Öffnung des Ordensgebiets für Bayern und Württemberg, Abtretung des Schönthaler Hofs in Mergentheim an letzteres; Preßburger Friede vom 26. Dezember 1805 – das Hoch- und Deutschmeisterthum und seine Residenz Mergentheim wird österreichisch; Dekret Napoleons vom 24. April 1809 als Anhang zur Rheinbundesakte – Unterdrückung des Deutschordens in den Rheinbundesstaaten und Überlassung | des Gebiets von Mergentheim und der mit dem Hochmeisterthum verbundenen Rechte, Güter und Einkünfte an die Krone Württemberg. (Das Nähere unten). Diese letztere aber hatte bereits durch die rheinische Bundesakte vom 12. Juli 1806, welche zahlreiche Stände des südlichen Deutschland mediatisirte, die Souveränität in allen Hohenlohischen Orten unseres Bezirks erhalten und bekam weiterhin durch den Grenzvertrag mit Bayern vom 18. Mai 1810 alles, was seit dem Reichsdeputations-Hauptschluß von 1803 und der Rheinbundesakte von 1806 Bayern an Würzburgischem, Preußischem, Rothenburgischem und anderem Gebiet westlich von der heutigen Landesgrenze besessen hatte. Seitdem sah der Bezirk keine Gebietsveränderung mehr, bis durch Staatsvertrag vom 28. Juni 1843 eine Anzahl von Orten, in welchen Württemberg und Baden gemeinschaftlich die Staatshoheit zukam, ausgetauscht wurden und so auch Edelfingen und die Markung des abgegangenen Ritterhofs im Gemeindebezirk Harthausen an Württemberg kamen.

In der 1809 vorgenommenen Abgrenzung des Oberamts Mergentheim ist keine Änderung eingetreten, als daß die Höfe Dreischwingen und Eulenhof zum Oberamt Gerabronn gekommen sind. Die ursprüngliche Eintheilung des Oberamts in den unmittelbaren Oberamtsbezirk und die Unterämter Creglingen und Weikersheim, welchen letzteren je ein Amtmann vorstand, ist nach wenigen Jahren schon wieder verlassen worden. Das Fürstlich Hohenlohe-Jagstbergische Amtsgericht und Amtsgerichts-Notariat Niederstetten für die Gemeinden Hagen, Laudenbach, Münster, Neubronn, Rinderfeld, Vorbachzimmern, Wermutshausen, und das Fürstlich Hohenlohe-Bartensteinische Amtsgericht und Amtsgerichts-Notariat Bartenstein für die Gemeinden Herrenzimmern, Pfitzingen, Rüsselhausen sind 1839 aufgelöst worden.



Als Landtagsabgeordnete haben den Bezirk vertreten:

1. Taglieber, Karl Adam v., Obertribunalrath in Stuttgart, früher Stadtschultheiß in Mergentheim, geb. 15. August 1773, † 20. November 1832. Landtag: 1820/21.

2. Kapff, Sixt Eberhard v., Staatsrath, später Geheimrath in Stuttgart, geb. 4. Oktober 1775, † 31. August 1851. Landtag: 1823/24.

3. Schliz, Joseph v., Oberamtmann in Heilbronn, seit 17. Oktober 1828 Oberregierungsrath, Stadtdirektor in Stuttgart, geb. 10. März 1780, † 15. April 1863. Landtag: 1826/27, 1828, 1830.

| 4. Kober, Ludwig Christian, Assessor bei dem Steuerkollegium in Stuttgart, zuletzt Direktor der Abtheilung für Forste in der Ober-Finanzkammer, geb. 17. Sept. 1795, † 30. März 1851. Landtag: 1833 I.

5. Fuchs, Wenzeslaus, Oberamtsrichter in Ehingen, geb. 7. November 1786, † 8. Dezember 1862. Landtag: 1833/35, 1836, 1838.

6. Mosthaf, Damian v., Regierungsdirektor in Ellwangen, geb. 21. Februar 1774, † 8. Januar 1850. Landtag: 1839, 1841/43, 1845, 1847.

7. Dietrich, Julius Christoph Friedrich, Stadtschultheiß in Weikersheim, geb. 26. Mai 1795, † 8. Dezember 1872. Landtag 1848.

8. Reyscher, Dr. Ludwig, Professor der Rechtswissenschaft in Tübingen, 29. März 1851 zum Regierungsrath in Ulm ernannt, seit 25. Juli 1851 Rechtskonsulent, zuerst in Stuttgart, später in Cannstatt, geb. 10. Juli 1802. Landtag: 1848/49; I. II. III. Landesversammlung von 1849 und 1850. Landtag: 1851/55.

9. Ziegler, Friedrich, Weinhändler in Mergentheim, geb. 20. Mai 1792. Landtag: 1856/61.

10. Mittnacht, Dr. Hermann v., Staatsanwalt und Justizassessor in Ellwangen, 1862 Stadtrichter in Stuttgart[ER 6], 1864 tit. Oberjustizrath, 1865 Obertribunalrath, 1867 Staatsrath und Chef des Departements der Justiz, 1868 Justizminister, 27. August 1873 zugleich mit der interimistischen Verwaltung des Departements der auswärtigen Angelegenheiten betraut, 23. November 1873 zugleich Minister des Königl. Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten, seit 1876 Präsident des Staatsministeriums, geb. 17. März 1825. Landtag: 1861, 1862/65, 1866, 1866/68, 1868/70, 1870/74, 1875/76, 1877 –


Kirchliche Verhältnisse.

Der ganze Oberamtsbezirk gehörte zum Bisthum Würzburg, und zwar nach der ältesten vollständig vorhandenen Eintheilung dieser Diözese in nachfolgender Weise:

1. Archidiakonat IV – Kapitel Iphofen: Archshofen, Freudenbach, Waldmannshofen.

2. Archidiakonat VI – Kap. Crailsheim: Finsterloh, Kap. Künzelsau-Ingelfingen: Adolzhausen, Rengershausen.

| 3. Archidiakonat X – Kap. Ochsenfurt: Bernsfelden. Kap. Mergentheim: Althausen, Creglingen, Edelfingen, Elpersheim, Igersheim, Laudenbach, Lichtel, Markelsheim, Mergentheim, Münster, Nassau, Neubronn, Neunkirchen, Pfitzingen, Rinderfeld, Rüsselhausen, Schäftersheim, Schmerbach, Vorbachzimmern, Wachbach, Weikersheim. – Eine Zeitlang im 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts war der Kapitelsitz, vielleicht wegen Mißhelligkeiten zwischen Würzburg und den Deutschherrn, nicht Mergentheim, sondern Weikersheim. (Arch. d. h. V. v. Unterfr. 13, 158. Abhandl. d. Münchn. Akad. 11, 207.) Bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten Rengershausen zum Kapitel Krautheim, Bernsfelden ins Kapitel Ochsenfurt, alle übrigen katholisch gebliebenen Pfarreien in das Kapitel Mergentheim. Letzteres umfaßt seit der Vereinigung des Bezirks mit Württemberg sämmtliche katholische Orte des Oberamts.

Die zahlreichen kirchlichen Institute des Bezirks sind im vorigen Abschnitt aufgeführt.

Von der Reformation und Gegenreformation in der Gegend wird im nächsten Abschnitt zu reden sein. In der vorwürttembergischen Zeit sind an evangelischen Pfarreien zu unterscheiden:

1. Die Hohenlohischen

a) Gemeinschaftlich: Edelfingen, unter dem Generalkonsistorium und Generalsuperintendenten in der gemeinschaftlichen Stadt Öhringen;
b) Weikersheimisch, unter dem Konsistorium und der Superintendenz Weikersheim: Adolzhausen, Elpersheim, Münster, Nassau, Schäftersheim, Vorbachzimmern, Weikersheim. (Der Weikersheimische Sprengel umfaßte im 18. Jahrhundert außerdem: Künzelsau, Dürrenzimmern, Ernsbach, Forchtenberg, Hohbach, Hollenbach, Niedernhall).
c) Bartensteinisch, unter dem Konsistorium und der Superintendenz Bartenstein: Pfitzingen.

2. Die Reichsstadt Rothenburgischen Pfarreien, zum Dekanat Rothenburg gehörig: Archshofen, Finsterlohr, Lichtel, Schmerbach.

3. Die Markgräflich Ansbachschen Pfarreien, unter dem Konsistorium in Ansbach und Dekanat Uffenheim: Creglingen, Niederrimbach, Freudenbach, Frauenthal, Neunkirchen, Reinsbronn, und dahin zugetheilt das Hatzfeldsche Waldmannshofen.

| 4. Die Fürstbischöflich Würzburgischen, zuletzt Hohenlohe-Jagstbergischen, 1802–1806 dem Konsistorium in Niederstetten unterstellten Pfarreien Neubronn, Rinderfeld, Wermutshausen. (Pfarrer J. M. Wolf in Rinderfeld wurde 1796 „vom Fürstbischof auf die Pfarrei dekretirt, nachdem er bei einem von der Fürstl. Regierung ausgeschriebenen Konkurs zu einer Würzburgischen Pfarrei in Würzburg examinirt worden war“).

5. Die Adelsheimische Pfarrei Wachbach.

In der württembergischen Zeit wurden zunächst die Dekanate Creglingen und Weikersheim geschaffen und der General-Superintendenz Öhringen (Prälat Abel in Schönthal, bekannt als Lehrer und Freund Schillers in der Karlsschule) unterstellt:

A. Dekanat Creglingen: Archshofen, Creglingen, Finsterlohr, Freudenbach, Lichtel, Reinsbronn, Schmerbach, Waldmannshofen.

B. Dekanat Weikersheim: Adolzhausen, Edelfingen, Elpersheim, Münster, Nassau, Neubronn, Neunkirchen, Pfitzingen, Rinderfeld, Schäftersheim, Vorbachzimmern, Wachbach, Weikersheim, Wermutshausen. (Außerdem noch Dörzbach, Hohbach, Hollenbach, OA. Künzelsau.)

Im Jahr 1823 wurde die Generalsuperintendenz nach Hall verlegt, 1826 das Dekanat Creglingen aufgehoben und sämmtliche evangelische Pfarreien des Oberamts dem Dekanat Weikersheim zugetheilt.


Besondere Schicksale.
Der Bezirk ist durch sechs Jahrhunderte Sitz einer der bedeutendsten Korporationen, des Deutschen Ritterordens, durch fast drei auch Sitz des weithin gebietenden Hoch- und Deutschmeisterthums gewesen. Dies, sowie seine geographische Lage, an der Seite und theilweise im Besitz der starken, zu Zeiten besonders regsamen Reichsstände Pfalz, Würzburg, Brandenburg, Rothenburg a. d. Tauber, durchzogen von mehreren Hauptstraßen, vom Süden und Osten her nach Würzburg, Wertheim, Frankfurt, endlich die vielgestaltigen Herrschaftsverhältnisse – das alles hat dem Bezirk schon im Mittelalter und noch mehr seit dem Beginn der neueren Zeit einen hervorragenden Antheil an vielen Hauptabschnitten der deutschen Geschichte gegeben. Raubritterthum und Fehdewesen, Städtekrieg, Bauernkrieg, Reformation und | Gegenreformation, Schmalkaldischer, Dreißigjähriger, Spanischer Erbfolge-Krieg und zuletzt die Umgestaltung durch die Napoleonischen Kriege, sie alle haben sich mit dauernden Schriftzügen in die Geschichtstafeln unseres Bezirks eingegraben.


Raubritterthum und Fehdewesen. Bensen, der Geschichtschreiber Rothenburgs, gibt aus der Zeit, da diese Stadt am reichsten und mächtigsten war, dem 15. Jahrhundert, eine Übersicht der unaufhörlichen Fehden mit Überfall, Sturm und Brand, der Bündnisse und Gegenbünde, Absagen und Vergleiche, Strafgerichte über Fremde und Einheimische, eine Liste, welche – um Bensens bitteres aber wahres Wort zu brauchen – „geeignet ist, die glückliche Ruhe der Bürger, den idyllischen Frieden der Landleute und die nachbarliche Biederkeit aller darzustellen.“

Ein paar Beispiele aus unserem Gebiet und der Nachbarschaft. 1401. Fehde mit dem Bischof von Würzburg: Rotenburg verbrennt das Städtlein Schwarzach; der Befehlshaber, ein Herr von Seinsheim, wird enthauptet; die Bischöflichen verbrennen die Klause zu Dettwang. – 1403. Waffenstillstand mit dem Burggrafen von Nürnberg; dem Stadthauptmann Heinrich Schwach werden wegen Eidesverletzung die Augen ausgestochen. – 1404. Rätzlein von Wiesenbach fängt der Stadt Söldner auf, martert und tödtet sie; dafür wird sein Dienstmann, Hans von Mistlau, in Rothenburg enthauptet. – 1407. König Ruprecht erklärt Rothenburg, weil es zu König Wenzel hält, in die Acht und läßt diese durch den Burggrafen und den Bischof von Würzburg vollstrecken; die Schlösser Lichtel, Equarhofen und Gamesfeld werden überfallen, Rotenburg 8 Wochen lang aufs heftigste belagert, alle Dörfer im Umkreis schonungslos geplündert und verwüstet. – 1408. Die Festen Seldeneck, Lichtel u. A. müssen dem Bischof von Mainz und dem Grafen Eberhard von Wirtemberg ausgeliefert werden, welche sie auf den Grund abbrechen. Der Bürgermeister Heinrich Toppler kommt im Gefängnis um. – 1409. Kraft Schober befehdet die Stadt mit seinem Räubervolk. Heinz Bayer, sein Dienstmann, wird enthauptet, desgleichen die Edlen Heinz Hund und Hans v. Düren. – 1411. Ulrich von Birkenbach, welchem Rothenburg die Feste Tannenberg zerstört hatte, sagt der Stadt mit mehreren hundert Edelleuten ab. Rüd vom Kollenberg fängt einen Rothenburger Bürger auf und läßt ihn in seinem Verlies verfaulen, dessen Knecht aber sendet er zurück, nachdem ihm die Füße abgefault waren. – 1414. Hermann Sarwürth, der Stadthauptmann, läßt sich von Hans von Düren und andern Edelleuten verleiten, die Stadt anzuzünden. Es werden ihm die Finger abgehauen und er alsdann geschleift, enthauptet und geviertheilt . . . 1424. Hans Plöde, der Holdermüller, wird ertränkt, weil er seine Mühle als Reichslehen vom Kaiser Sigismund annehmen wollte. – 1426. | Kunz Hildebrand von Crainthal stößt Drohungen gegen die Stadt aus; man fängt ihn auf und läßt ihn im Faulthurm verderben. Da sich Otto Pfalzgraf am Rhein der Sache annimmt, so muß die Stadt auf schiedsrichterlichen Spruch 2000 Gulden bezahlen u. s. f. (Bensen, Hist. Untersuch. S. 211 ff).

Der allbekannte Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand hatte mit den Nürnbergern von jungen Jahren her manchen feindlichen Zusammenstoß. Im bairischen Erbfolgekrieg 1504 hatten nach seiner Selbstbiographie die Nürnberger vor Landshut in die Reihen ihrer Verbündeten geschossen und Götz die rechte Hand zerschmettert. Das scheint er ihnen nie vergessen zu haben: bei seinen zahlreichen Wegelagerungen ist es fortan hauptsächlich auf Nürnbergische Kaufleute, die zur Frankfurter Messe reisen, abgesehen. So überfiel Götz mit seinen Helfershelfern am Sonntag nach Jakobi 1513 ganz nahe bei der Stadt Mergentheim am Schießwasen vier Nürnberger Güterwagen und raubte sie aus. Während er mit seinen Genossen für diese und andere Räubereien zu einem Schadenersatz von 14.000 Gulden verurtheilt und mit der Reichsacht bedroht wurde, mußte der Deutschordens-Komthur Johann Nothaft sich vor dem Schwäbischen Bund in Nördlingen und Ulm verantworten, daß er die Unthat, die fast unter seinen Augen geschehen, nicht verhindert habe. Nur die Vermittlung des Erzbischofs von Mainz bewahrte den Komthur vor Bestrafung.

Der schlimmste Räuber jener Zeit aber war Hans Thomas von Absberg (bei Gunzenhausen). Drei Jahre lang hatte er mit zahlreichen Gefährten vom fränkischen Adel Gewaltthat auf Gewaltthat gegen Angehörige des Schwäbischen Bundes gehäuft: da riß diesem endlich die Geduld und im Juni 1523 rückte ein Bundesheer unter Truchseß Jörg von Waldburg gegen die Raubnester heran. Zuerst wurde Schloß Vellberg theilweise zerstört; dann „als der Oberst Feldhauptmann sammt den Kriegsräthen und dem Kriegsvolk Samstags den 20. Juni gegen Pergersheim (? Igersheim) bei Mergentheim gelangt, haben sie den Heerschreier oder Parsifanten mit einem Trompeter gen Boxberg geschickt, dasselbe Schloß, so auf ein große Meil Wegs davon gelegen, erfordern zu lassen.“ Die kleine Besatzung ergab sich und das Schloß wurde in Gegenwart des Truchseß verbrannt. „Nachmals am Mittwoch vor St. Johannes des Täufers Tag haben Herr Jörg Truchseß und die Kriegsräthe zween Feindesbriefe, einen gen Wachbach und den andern gen Aschhausen geschickt und alsbald verordnet den Bürgermeister Dornsperg von Überlingen mit zwei Fähnlein Knechten, dieselben zwei Schlösser zu erfordern, einzunehmen, anzubrennen und alle denselben zugehörende Bauern und Güter zu gemeines Bundes Handen und Gewalt zu bringen, wie dann solches ohne allen Widerstand durch gemeldeten Bürgermeister von Überlingen vollbracht und ausgericht. Und in denselben Häusern ist weder von Vorrath Geschütz noch Anderem gar nichts gefunden, sondern zuvor alles geflohen worden . . . Item Montags den 22. Juni sind Herr Jörg Truchseß und das Kriegsvolk fort auf Uffenheim gerückt, daselbst den Eritag (Dienstag) stillgelegen, in derselben Zeit zween Feindsbrief durch einen Knaben gen Waldmannshofen und Gnetzheim, beide Kunzen von Rosenberg zugehörig, | geschickt und dieselben zwei Häuser sammt ihren zugehörenden Bauern und Nutzungen erfordern lassen; aber in denselben Häusern ist Niemand gefunden worden. Auf solche Handlung ist erstlich das Schloß Waldmannshofen, welches dann gar geräumt und ausgeleert gewest, verbrennt, die Bauern auch in des Bundes Hande und Pflichten angenommen, mit der Auflage, dieweil sich dieselben Bauern hievor wider ihr Zusagen gegen Herr Jörg Truchsessen c. etwas ungebührlich, ungehorsam und strafbar gehalten haben, also daß sie Plünderns oder zum wenigsten Brandschatzens werth gewest wären, daß demnach die Bauern zu einer Straf gemeinlich und ein jeder sonderlich ohne Wehre mit weißem Stäblein den nächsten Tag zu den Bundsräthen in Haßfurt sich stellen und daselbst weiters Bescheids und der Gnade erwarten sollen . . (Zeitschr. d. Hist. Vereins f. d. w. Fr. 9, 379 ff. nach J. Baader, Verhandl. über Th. v. Absberg etc. 1873.)

Am Samstag nach Allerheiligen 1525 hat Adam von Thüngen (bei Karlstadt nördl. von Würzburg) mit seinen Helfern acht Wägen mit Wein niedergelegt zwischen Neubronn und Oberndorf, etlich aus den Fuhrleuten gefangen; 4 Wägen sind gewesen Georg Bermeters, 2 Hieronymus Hasels von Rothenburg, die ganz Nahm geschätzt über 800 Gulden; die Fuhrleute sind gen Thüngen geführt und allda gelöst worden um 40 und 200 Gulden. Zum ersten sind sie all neben Rettersheim eine hohle Steig hinauf kommen gen Sümerich – Simmringen – zu, allda haben sie ausgespannt zu Mittag, nachmals gen Moos bei eitler Nacht kommen, nach Mitternacht wieder aufbrochen, gefahren gen Büttelbrunn, darnach gen Oberleinach, von dann gen Retzstadt zu durch den Main den Furt hindurch geschwemmt, nachmals gen Thüngen, allda die Weinfaß abgeladen, sind die vom Adel ins Schloß gangen, die Faß angesehen und einer zu dem andern gesagt: „Das Faß will ich haben.“ Jeder wollt das gleich haben und sonderlich Remle und Gocker, die haben sich in der Sach hart bemühet. Was Remle hat gepfiffen, so sein Gesellen all hernach getanzt. Am Samstag vor Pfingsten 19. Mai 1526 fingen desselben Adams von Thüngen Leute wiederum an zu brennen und verbrannten Vorbach Dürrnhof, Weiler, Leuzenbronn, Heiligenbronn, Hemmendorf, Böhmweiler, Schmerbach mit sammt der Kirchen, Rimpach mit sammt dem Landthurm daselbst, und also sind sie mit großem Raub und Plunder mit ihren Hausen wieder aus der Landwehr gerückt und heim zogen. (Eisenharts Chronik bei Baumann, Quellen z. Gesch. d. Bauernkr. aus Rotenb. 611. 614.)


Bauernkrieg. Als das Ungewitter drohte, schon im Frühling des Jahres 1524, schloß der Deutschmeister mit allen seinen Kammerhäusern und mit den Ordenshäusern zu Mergentheim, Ellingen, Nürnberg, Virnsberg, Ulm sich dem Schwäbischen Bunde an, welchem die Häuser zu Heilbronn, Kapfenburg und Donauwörth zuvor schon beigetreten waren. Wie nöthig die Bundeshilfe werden sollte, zeigen die folgenden zeitgenössischen | Berichte. Wir entnehmen sie theils dem trefflichen Lorenz Fries, der, in Mergentheim geboren, in einflußreicher Vertrauensstellung am fürstbischöflichen Hof zu Würzburg, den Schauplatz genau kannte und den Ereignissen fast unmittelbar nahe war,[2] theils dem Rothenburger Stadtschreiber Thomas Zweifel, der fast mitten in der Bewegung stand.[3]

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Die Bauern um Rotenburg uf der Tauber sind dieser Landart die ersten gewest, die aus solchen Artikeln (der oberschwäbischen Aufrührer) Exempel genommen, sich wider ihre Herrschaft aufzuwerfen und zu empören. 1525 uf Freitag nach Oculi den 24. Tag des Merzen in der Nacht kam ein Brief gen Würzburg von Georg von Rosenberg, dazumal Amtmann zum Reigelberg (bei Aub), inhaltend, wie ihm desselben Tags glaublich angelangt, daß sich die Bauren in der Rotenburger Landwehr wider ihre Oberkeit zusammenrottirten und lägen zu Brettheim, erforderten der andern anstoßenden Herschaften Unterthanen auch zu ihnen, und wäre ihr Meinung und Fürnehmen, hinfür kein Herren mehr zu haben . . So liefen die Bauern zu Haldemarstetten (Haltenbergstetten) und daselbst um auch in die Landwehr zum Haufen und baten, daß man sie in ihr Bruderschaft nehmen, mit ihnen heimziehen und sie ihrer Beschwerden auch erledigen wollte, welches ihnen auch zugesagt worden. Auf Freitag nach Lätare, den letzten des Merzen, schrieb Philipp v. Vinsterlohe zu Lautembach dem Bischof v. Würzburg, wie seine Bauren zu Lautembach, Vorbachzimmern und Dunsendorf auch zu den Rotenburgischen Bauren gelaufen wären und wiewol er sich gegen ihnen unter seinem Siegel verschriben, wie es andere hohe und niedere Obrigkeit ob und unter ihm mit ihren Unterthanen halten würden, das wollte er ihnen gleicherweis zu thun auch zugesagt haben, welcher Zusagung die Bauren etlich Tag genugig gewest, aber doch zum letzten daran nit gesättigt sein wollten, sondern droheten, ihm für sein Haus zu rucken und ihn auch zu ihrer Bruderschaft und Ordnung zu halten. Darum er wider sie um Schutz und Schirm ansucht . . Desselbigen Dienstags (4. April) haben sich die von Mergetheim, welches mein Vaterland ist, und im Amt Neuenhaus verglichen, Volk zu den Bauren zu schicken, laut folgender Schrift, an die von Lauden gethan: . . „daß kein Anmuthung von der Baurschaft an uns beschehen, sondern unsere Gesandten diese Botschaft vom gemeinen hellen Haufen bracht, daß sie Niemand begehren zu ihnen zu dringen oder zu zwingen; wo aber Jemand aus brüderlicher Liebe zu ihnen käme, Hilf und Beistand dem heiligen Evangelio begehrend, bei demselbigen wollten sie von des Gottesworts wegen Leib, Leben, | Ehr und Gut lassen. Dieweil wir denn dem heiligen Evangelio nachzufolgen auch gewillt, haben wir auf heutigen Tag hundert Personen ausgeschossen, dergleichen das Amt zum Neuenhaus hundert, auf Morgen um 4 Uhr ungefährlich zu dem hellen Haufen der Baurschaft, ob Gott will, zu schicken. Daneben zeigen uns auch unsere Gesandten an, daß der helle Hauf die vergangen Nacht zu Stetten (Niederstetten) im Flecken und auswendig des Flecken, mit Heereskraft gelegen und ihr Fürnehmen, aufzubrechen, Lautembach und Scheftersheim zuzuziehen. Ob es aber geschehen, wissen wir nit eigentlich . . Datum mit Eil Dienstag zu Nacht nach dem Sonntag Judica (4. April 1525) Burgermeister und Rathe zu Mergetheim.“ (Fr.) An diesem Dienstag hat sich die versammelt Bauerschaft zu Haldenbergstetten heraus auf ein Wiesen gelegert und Herrn Zeysolfen von Rosenberg, Ritter, der in seinem Schloß daselbst mit etlichen vom Adel gelegen, zu einem Vertrag genöthigt, den Albrecht von Adelsheim, Kunz von Rosenberg, Wilhelm von Rechberg u. A. abgeredet hatten. Darauf hat sich der Hauf erhebt und waren (5. April) gen Schäftersheim zogen zu Wilhelm von Finsterlohes und Hans von Rosenbergs Bauern, die wie Herrn Zeysolfs Bauern zu den Rotenburgischen Bauern gezogen waren und ihnen geholfen hatten, den Rath zu Rotenburg zu überziehen und nöthen zu ihrem Willen, deshalb die Rotenburgischen Bauern ihnen wider ihre Herrschaft zu helfen auch zugesagt haben. In Schäftersheim legten sie sich in das Kloster, haben darin gessen und trunken und dasselbig zum Theil dem Kloster genommen sammt anderer Verwüstung darinnen geübt. Und alsbald zog auch der Tauberhauf rottweis, je 2 oder 3 Fähnlein mit einander, von Grunsfeld, Lauden, Mergentheim, Weikersheim, Markelsheim etc. gen Schäftersheim. Allda haben alle Haufen zu dem Rotenburgischen und der Rotenburgisch zu dem Tauberhaufen geschworen und hat der Tauberhauf ein neu Regiment geordnet, neue Hauptleut, Räthe und Amtleut, nemlich den großen Lienhart von Schwarzenbronn wiederum, auch Fritz Büttnern von Mergentheim und andere mehr zu Hauptleuten, den Profosen ab und Hans Stierlin von Zimmern (Herren- oder Vorbachz.?) zu einem Profosen, Lutz Kutterolfen von Wildenthierbach etc. zu Wachtmeistern und andere zu Proviantmeistern gesetzt, die alle ihr Amt bis zum Ende des bäurischen Kriegs behielten oder davon blieben, und also der Tauberhauf fürder das Regiment und den Krieg geführt. (Rot.)

[Und sind also die Bauern uf folgenden Mittwochen (5. April) gen Scheftersheim an die Tauber gezogen, dahin sie ihr Lager geschlagen und das Kloster eingenommen, daselbst die von Mergetheim, aus dem Amt Neuenhaus und etliche von Otelfingen zu ihnen kommen; ist einer von Mergetheim, Michel Hasenbart genannt, und mit ihm der große Linhart von Dörzbach zu Hauptmanne gemacht worden. (Fr)]

Am Donnerstag nach Judica (6. April) war die versammelt Bauerschaft des Tauberhaufens, die nun bis an den andern Tag zu Schäftersheim gelegen waren, das Kloster und die Klosterfrauen daselbst geplündert, das Ihr genommen, auch das Kloster zerbrochen und ander merklich Verwüstung und Beschädigung und | wie man sagt, mit etlichen Klosterfrauen geunkeuscht und allen Muthwillen darinnen geübt und getrieben hatten, aufgebrochen, gen Markelsheim gezogen, allda sie ob 5000 stark geschätzt wurden, und entstund daselbst und allenthalben unter der versammelten Baurschaft ein gemeine Red und Sag, die auch die Baurschaft selbst ausgab, ihnen möcht Niemand Widerstand thun, ihnen auch kein Geschütz schädlich sein, dann Gott hätt es mit ihnen und verliehe ihnen darum so lang schön Wetter, wie es auch gleichwohl, so lang dieser bäurisch Krieg währte, vom Anfang bis an das End ein schöne, warme truckene Zeit und darzu ein ganz fruchtbar Jahr war . . Darauf hat der Tauberhauf das Neuhaus, auch Schloß und Stadt Mergentheim[4] eingenommen, plünderten beede Schloß an Wein, Brot, Getreide, Briefen und Anderem, das sie darin funden, haben darzu über (wider) den Vertrag, den Herr Wolfgang von Bibra, Kommenthur zu Mergentheim, davor mit Herr Lienhart Denner, Pfarrverweser zu Leuzenbronn, dem großen Lienharten von Schwarzenbronn und andern Hauptleuten angenommen, ihnen ein tapfere Summa Gelds entrichtet, sie ihm auch und seiner Hab und Gut Sicherheit und Trost zugesagt und versprochen hatten – den gedachten Kommenthur gefangen, doch daß er im Schloß bleiben hat müssen;[5] allda haben sie ihm selbst Lieferung geben und ander obgemeldt Plünderung, Thaten und Verwüstung im Schloß Mergentheim über vermeldeten Vertrag geübt . . Am Osterabend (15. April) zog ein Fähnlein Rotenburgische Knecht aus gen Mergentheim und Markelsheim, allda sie die Haufen noch bei einander fanden, und war Hans Klingler von Bettenfeld ihr Hauptmann und Heerführer. Vom Lager in Markelsheim schrieb Gemeine Rotenburgische Bauerschaft Dienstag nach Ostern (18. April) an den Magistrat von Rotenburg um 200 Mann gerüstet mit langen Spießen, auch einer Schlangen und einem Hauptstuck mit seiner Zugehörung und einem Gezelt; wo solches nicht geschehe, befinden sie die Stadt nicht als Brüder, sondern Türken und Heiden und ein Volk ohne alle brüderliche Liebe. In seiner Antwort vom 20. April forderte der Magistrat die Bauern zur Umkehr auf, man werde sich neu mit ihnen vertragen. Einer des Ausschusses aber, Lorenz Knoblauch, zog ohne des Ausschusses Erlaubnis weg zu der Baurschaft, als sie noch zu Markelsheim und Röttingen lagen, und entführte indeß einem Biedermann zu Creglingen sein Weib. Der ward darum und von anderer Argwohnigkeit wegen von der Baurschaft gefänglich angenommen, in die Eisen geschlagen, etlich Tag im Heer umgeführt und zuletzt wieder ledig gelassen, wäre hernach gern wieder heim kommen. Da konnte er weder von einem Rath, noch Ausschuß Geleit erlangen, mußte derhalben draußen bleiben, enthielt sich etlich Tag bei einem | Vetter in Schweinsdorf. Dahin bracht ihm sein Hausfrau viel Gelds und Kleinoder. Damit ritten er und der erst Baurenhauptmann Kunz Lüllig 27. April gen Unterostheim, der Meinung, zum (Schwäbischen) Bund zu reiten. Und als sie die Bauern daselbst erfuhren und dann auch ein Geschrei über Knoblachen ergieng, wie er dem Wirt ein Magd nothzuchten und betrügen wollte, waren die Bauern daselbst auf, griffen nach ihnen, fiengen Lorenz Knoblachen und verwahrten ihn zu Oberostheim im Wirtshaus. Aber Kunz Lüllig entritt, dem eilten die Bauern nach bis nach Sulz, aber er kam von ihnen und entrann. Aber Lorenz Knoblachen nahmen sie vor Nachts, führten ihn aus dem Dorf Ostheim auf ein Wiesen, der Meinung ihn zu henken, hatten ihn jämmerlich gemartert, gehauhen und gestochen, bis sie ihn vom Leben zum Tod bracht hätten, ihm genommen was er hatte und ihn darnach zu Ostheim begraben. (Nach Eisenharts Chronik haben ihn die Bauern zu Stücken gehauen, einander mit den Stücken geworfen und erst zuletzt ihm den Kopf abgeschlagen und von einander gespält.) Mittlerweil hat der Tauberhauf das Kloster Gerlachsheim, Lauden, Schloß Grünsfeld und ander Flecken erobert, geplündert und eins Theils und sonderlich Lauden ganz ausgebrennt und ist darnach wieder herauf gen Mergentheim und für das Neuhaus gezogen, haben das erobert und eingenommen, war damals das Geschrei, wie sie im Willen wären, herauf für die Stadt Rotenburg zu ziehen, die zu belagern und zu erobern (Rot.) Näher gieng das so zu:

Am 10. April berichtet der Bischof v. Würzburg mit der Bitte um Hilfe an den Schwäbischen Bund, daß die Bauern in diesen Tagen die Tauber herab gezogen, die Städte Weikersheim und Mergentheim sammt umliegenden Dörfern und Klöstern eingenommen und nunmehr den Kopf in sein Stift gewendet haben, wo die in den Ämtern Bütthardt, Marktbibart, Jagstberg, Lauda und Grünsfeld sich zu ihnen geschlagen, auch die Bauern in der Grafen von Hohenlohe Herrschaft und an der Jagst bis in 6000 mit diesen an der Tauber zusammengestoßen seien. Der Schwäbische Bund vertröstete den Bischof (13. April) „bis man hie oben zu Schwaben fertig wurd, das versehenlich in 14 Tagen mit Güte oder Ernst beschehen solle.“ Mittlerweile lagen die Bauren zu und um Lauden, da kamen etliche aus dem Amt Bischofsheim, das Mainzisch ist, und zeigten an, wie das Geschütz, so vor zwei Jahren der Schwäbisch Bund zu Bocksberg erobert, gen Bischofsheim geführt worden, da es noch stünde; wo sie das erfordern, versehen sie sich gänzlich, man würd es ihnen nit versagen. Darauf Contz Bayr, Schultheiß zu Otelfingen, und Vetter Hans von Mergetheim sammt 8 Bauern, allen von Otelfingen, mit einer Kredenz gen Bischofsheim geschickt, um das Geschütz daselbst anzusehen; aber es ward ihnen von den Bürgern abgeschlagen.

Dazumal war Amtmann zu Lauden Philipp von Riederen, der hielt sich dieser Zeit zu Oberlauden im Schloß. Vor den rückten die Bauren und forderten das Schloß. Als er aber solches nit thun wollte, sondern sich vernehmen ließ, daß ihm das seiner Ehren halb und gethanen Pflichten nach nit gebühren wollte, fingen die Bauern an zu schießen mit Hacken, Dupelhacken und andern Büchsen, so sie zu Mergetheim und Lauden gefunden. Dagegen wehrt sich der Amtmann | mannlich und unverzagt, denn er bei sich hatte Sigmund Zobel, Erasmus Fechenbach und sein, auch derselben Knechte. Aber nachdem das Schloß etwas weitläufig und baufällig und nit viel Personen zur Wehr dienstlich darin waren, thaten sie sich zusammen in einen Thurn, in Meinung, sich der Bauren aufzuhalten. Indem kamen die Bauren in das Schloß, stießen erstlich die Kemnate neben dem Thurm an, also daß das Feuer hinüber in den Thurn, darein sie geflohen, schluge und das Ingebäude entzündet; derwegen sie großer Hitz halben zu unterst in den Thurn kriechen mußten, dann das Gezimmer im Thurn ganz ausbrann, also daß es auch bei den Bauren für ein besonder groß Wunder geachtet ward, wie es doch möglich, daß sie unten im Thurn nicht erstickt waren, dann sie die ganze Nacht darin lagen und Feuers halben nit heraus, noch die Bauren zu ihnen hinein kommen mochten. Aber auf den andern Tag, den Osterabend, den 15. Aprilis, da sie kein Rettung oder Hilf sahen, schrien sie zu den Bauren um Gnad; die wollte ihnen aber nit widerfahren, sondern nahmen die Bauren, was sie im Schloß funden, zogen des Amtmanns Frauen, die dazumal schwanger gieng, und ihre Kinder ganz bis auf die Hemmeder und stießen sie barfuß und barhaupt hinweg in das Elend, nahmen auch diejenigen, so sie also im Schloß begriffen, bunden ihnen ihre Hände uf den Rücken und führten sie gen Lauden vor die Hauptleute in das Lager. Denen folgte die betrübte Frau mit ihren kleinen Kindern nach, kam vor die Hauptleut, bat die um Gotteswillen mit großem Klagen und Weinen, daß sie ihre und ihren Kindern ihren Hauswirt und Vater ledig lassen und heimgeben, dann sie sich des Andern gern verzeihen. Aber die unbarmherzigen Bauren wollten das nit thun, sondern schrie der gemein Hauf und begehrten endlich, daß man sie durch die Spieß jagen sollte. Allein waren darwider die Hauptleute der Bauren und sonderlich Cuntz Bayr obgenannt, so itzund von Bischofsheim wiederkommen und wie die Sachen in seinem Abwesen ergangen waren, Bericht empfangen hatte. Der ward gegen der Frau und Kindern zu Barmherzigkeit bewegt und fiel darum mit seiner Stimme zu den Hauptleuten, die wollten, wo sich die Gefangenen zu ihnen verbrüdern, sollt man sie uf Urphed ledig geben. Als aber solches von dem gemeinen Haufen nit angenommen werden wollte, trat herfür Contz Bayr und redet öffentlich vor dem gemeinen Haufen: sie sollten doch den Jammer und Elend der betrübten Frau und Kinder zu Herzen führen und nit so schnell sein, diejenigen umzubringen, die der allmächtig Gott in dem Feuer und Hitze sonderlich behütet hätte, dieweil ihnen dann Gott das Leben gegonnet, was wollten sie sich dann zeihen, daß sie ihnen das nehmen wollten? darum welcher unter ihnen den armen Gefangenen das gonnen wollte, das ihnen Gott gonnte, der sollte ein Finger aufrecken. Also ward ein Mehrers, daß man sie leben lassen sollte, welches Cuntz Bayr durch seine Rede (dann er fast geschwätzig war) zuwegen bracht, und wurden die armen Gefangenen folgenden Tag gebunden mit gen Markelsheim geführt, dahin die Bauren ihr Lager geschlagen hatten. Dennoch waren viel unruhige, arge und ungeschickte Tolpel im Haufen. Alsbald die gezecht hatten, wie sie dann sonst nichts anders thaten, liefen sie über die Gefangenen, zupften, stießen, höhnten und | schmähten sie so übel, daß sie lieber ehrlich todt, dann also lebendig gewesen. Da aber die Hauptleut sahen, daß sie es zu viel machen wollten und die Gefangenen darunter ufgehen möchten, ließen sie diese uf ein Wagen binden und gen Mergetheim führen, da sie in ein Thurn gelegt und bis an den Pfingsttag (4. Juni) gefänglich darin enthalten wurden. Die arme Frau, die gern ihren Mann ledig gehabt, lief den Hauptleuten nach, weinet, bat und flehet, konnt aber kein ander Antwort erhalten, dann: sie sollte ihrem Bischof zu Würzburg, in deß Dienst ihr Mann gefangen worden, schreiben, daß er zu den Bauren in ihre christliche Einigung trete und ein Bruder mit ihnen wurd etc., welches die Frau dem Bischof zu wissen that. Darauf ihr der schriftlich die Antwort gab: Ihr habt euch ohn Zweifel selbst zu weisen, daß uns zu den Bauren zu treten nit gebühren will; so achten wir auch, daß sie uns weder zu Lieb noch zu Leid etwas anders hierin fürnehmen sollen, dann was der rechten Kriegsleut Art, Sitt und Gewohnheit ist, sondern wollen uns versehen, wo sie Christen und gut evangelisch sind, wie sie sich dann berühmen, daß sie dermaßen gegen Gefangene nit handeln sollen; wo sie aber gegen ihnen etwas Ungebührliches fürnehmen, und es sich zutragen sollte, daß wir etliche aus ihnen fangen werden, wollten wir es gegen denselbigen dergestallt auch halten. 17. April 1525. Ist aber gleichwol den Reitern gen Aub geschrieben worden, Fleiß zu haben, ob sie Jemand aus den Bauren dagegen fangen möchten, damit einer gegen dem andern ledig gemacht werde. Aber es ist nit beschehen, sondern haben die Gefangenen zu Mergetheim im Thurn liegen müssen, bis der Bund in das Land kommen und die Schlacht bei Königshofen an der Tauber geschehen ist . .

Auf den heiligen Ostertag, der da war der 16. Aprilis, ruckten die Bauren für Markelsheim, dahin sie sich auch lagerten . . Mittwoch den 19. sind sie für Röttingen kommen, am Freitag zog der gewaltig Hauf uf Bütthardt, Samstags uf Aub, nahmen den Reigelsberg und das Schloß zu Gelchsheim u. s. w. Es hat sich auch der Hauf daselbst bis auf die 1000 Mann gemehret, derwegen sie ihren Rath erweitert und das Regiment geändert: nemlich ist Jakob Karl von Eibelstadt oberster Hauptmann, Michael Hasenbart von Mergetheim zum Letinant, Cuntz Bayr von Otelfingen zum Schultheißen und Pfennigmeister gemacht worden . . 3. Mai wurden Linhart Brenck von Schwarzenbronn, der von Mergetheim Hauptmann, und Wilhelm Reichart von Röttingen mit 200 Bauren für den Zabelstein verordnet, das Haus zu fordern, zogen aber ungeschafft wieder hinweg . .

Am 9. Mai verhandelten Abgesandte des Odenwäldischen und des Fränkischen Haufens, welche beide vor Würzburg sich vereinigt hatten, sowie der Stadt Würzburg mit dem Domkapitel, welches in Abwesenheit des nach Heidelberg entflohenen Bischofs die zwölf Artikel der Bauern annahm. Aber etliche, darunter Bernhart Bubenleben, Pfarrherr zu Mergentheim, verlangten mit denen von Würzburg auch die Übergabe des Schlosses. Götz von Berlichingen widersprach: es wäre doch zu erbarmen, einen Fürsten (den Bischof) der sich so hoch und viel erboten, des Landes zu verjagen und ihm nit ein einig Haus zu lassen. Und Florian Geyer sprach: wann er der | Tauberthalischen und derer von dem Gäu geschwinden Sinn anfänglich gewußt, hätte er sie zuvor erstochen lassen werden, dann er zu ihnen kommen wäre; er sehe wohl, daß es des Teufels Bruderschaft und dem Evangelio nit gemäß wäre. Kam auch derselben Sachen halben mit dem Pfarrherrn zu Mergetheim in ein zänkisch Gefecht und Widerwillen, darum daß dieser den Vertrag hinderte und die von Würzburg auf ihrem Vorhaben stärkte; sagte unter Anderm: es sollte kein Pfaff in diesem Rath sitzen; dagegen antwortete ihm der Pfarrherr: man sollte keinem Edelmann in diesen Sachen getrauen . . Die Hauptleute haben auch viel Weins zu Würzburg der den Geistlichen zugestanden, aufgeladen und gen Nürnberg geführt, daselbst verkauft und dagegen Pulver kauft, auch an Burgermeister und Rath werbend begehren lassen, den Bauren vor Würzburg, Geschütz zu leihen, welches aber ihnen abgeschlagen worden. Und hat diese Werbung gethan Bernhart Bubenleben, ein Johannit und Pfarrherr zu Mergetheim an der Tauber, der in der Folge zu Steina, das am Main liegt und dem Erzbischof von Mainz zusteht, einkommen und daselbst ertränkt worden ist . . Zuvor aber wohnte derselbe noch am 1. Juni dem Tag in Schweinfurt an, wo die verschiedenen Haufen und die Würzburger sich beriethen . . Unter den aus der unglücklichen Schlacht von Königshofen am 2. Juni Entkommenen war auch Hans Bauer von Mergetheim. Von dem hörten die Würzburger, welche dem Schwäbischen Bund entgegen ziehen wollten, zu Heidingsfeld, wie ihre Brüder niedergelegen; deß empfingen sie merkliches Entsetzen und zogen wieder heim. (Fr.)

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Am 10. Mai wurde Schloß Brauneck durch die von Creglingen und anderer Herrschaft Bauern eingenommen, geplündert und ganz ausgebrennt. Am 14. und 15. Mai fand in Rotenburg die Verbrüderung der Stadt mit den Bauern statt; unter den anwesenden Vertretern der letzteren befand sich mit Florian Geyer und Anderen auch der Großlienhart von Schwarzenbronn. Am 17. Mai wurde von dem vor Würzburg liegenden Bauernheer Endris Wittich von Adolzhausen beordert, Schloß Schillingsfürst zu nehmen. Wittich und Lutz Seybot von Steinach aus der Hallischen Landwehr begaben sich ins Wirtshaus zu Frankenheim und schickten den Wirt mit 3 Bauern hinauf ins Schloß, dem Amtmann zu melden, unten seien zwei mit Briefen. Der Amtmann ließ die beiden rufen und leicht überwältigten sie mit den vier Vorausgegangenen die wenigen Bewohner des Schlosses. Nun wurden die Bauern des Amts berufen, das Schloß zu plündern und auszubrennen . . Um diese Zeit lief – auch ein Zeichen der Zeit – bei den Bürgermeistern von Rotenburg ein Schreiben von drei Leibeigenen der Stadt, Marx Baur, Heinz Spöring und Marx Preukessel zu Mergentheim, ein, des Inhalts: sie haben bis jetzt 48 Gulden an die Stadt bezahlt, darin sie fast sehr beschwert seien, auch unbillig bedünke und nit göttlich sei, solches Geld also von ihnen zu nehmen; sie bitten demnach, das Geld ihnen zurück zu geben, wo nicht, so werden sie den hellen Haufen ansuchen, „damit uns Armen das Unser, das uns unbilligerweis genommen ist worden, wiederum widerfahren möcht. Man hat, sagt der Rotenburger Chronist, solches ein Schrift sein lassen und kein Antwort darauf geben. . . Am 23. Mai ist der | Weinsbergische Hauf im Lager vor Würzburg aufbrochen und an die Tauber auf Mergentheim zu zogen in Meinung, dem bündischen Heer, das jetzt im Wirtembergischen Land herab in das Weinsbergisch Thal zog und darinnen mit Verbrennen, Verheeren und Verwüsten handelte, entgegen zu ziehen, sich mit ihm zu schlagen, etliche sich wiederum anheim in ihr Vaterland und ihre Flecken zu thun. Und hat der Hauf, als er an die Tauber kam, die Bauern an der Tauber, in der Landwehr und sonst allenthalben wider das bündisch Heer zu ziehen aufgemahnt, die auch allenthalben demselben Haufen zugezogen sind, damit sie desto sicherer anheim möchten kommen. Von Mergentheim aus erließ der Haufe mit Bürgermeister und Rath dieser Stadt an Rothenburg die dringende Aufforderung, dem in Öhringen liegenden Fränkischen Haufen nach Krautheim zu Hilfe zu ziehen (Rot.) Aber rasch nahte die Katastrophe von Königshofen. Bei dem Hereinragen des Schlachtfelds in unser Gebiet (Markung Deubach) wird es keiner Rechtfertigung bedürfen, daß wir eine Beschreibung der für den Aufstand in unserer Gegend entscheidenden Schlacht vom 2. Juni aus der geschätzten Feder eines Militärs und Kriegsschriftstellers[6] einschalten.

Vom Schlachtfelde bei Böblingen weg, wo er am 2. Mai die württembergischen Bauern geschlagen und zersprengt hatte, zog Jörg Truchseß von Waldburg, des schwäbischen Bundes oberster Feldhauptmann, rasch dem Norden zu nach Franken, wo die Gefahr täglich wuchs, denn hier hatten sich die niederschwäbischen Bauern, die vom untern Neckarthal, vom Odenwald und vom Mainthal zusammengethan, um ihrer Sache, die bis jetzt systemlos nur mit Morden und Plündern verfolgt worden war, einen Mittelpunkt, ein gemeinschaftliches Ziel zu geben. In Würzburg war ein Bauernrath zusammengetreten; alle bisher getrennten Haufen gedachte man zu vereinigen und Heilbronn zum Sitze der Kanzlei zu machen; der unzufriedene Theil des Adels sei hereinzuziehen und eine Änderung der Verfassung in deutschen Landen mit vereinigten Kräften anzustreben. Zu dem Ende schrieben die Bauern noch einen Tag nach Schweinfurt aus und luden die benachbarten Fürsten, Herren und Städte, boten auch dem Bundesheer Unterhandlungen an.

Allein die wachsende Gefahr erkennend, hatten aller Orten die Landesherren und Städte sich aufgerafft; Luther donnerte wider die räuberischen und mörderischen Bauern, auf die man mit gutem Gewissen drein schlagen solle, und des Schwäbischen Bundes Feldhauptmann hatte sich mit dem Pfalzgrafen Ludwig, mit dem Kurfürsten Richard von Trier, mit Herzog Otto von Bayern und mit dem Bischof von Würzburg vereinigt. So verstärkt, wies er alle Unterhandlungsversuche von sich und beschloß ohne weiteres Zögern einen vernichtenden Schlag gegen die fränkische Bauernschaft zu führen.

In den nördlichen Gauen des jetzigen württembergischen Landes waren eben die Bauern vom Neckarthal, und die vom Odenwald im Begriff, von Öhringen nach Würzburg zu ziehen, 8000 Mann stark; diejenigen, welche die ruchlose That zu Weinsberg verübt, befanden sich dabei. Im Tauberthal hatten sie eben Königshofen erreicht. | Als am 2. Juni hier die Bauern das Herannahen des schwäbischen Feldhauptmanns und seiner Bundesgenossen erfuhren, verließen sie in Eile den Flecken und zogen sich auf die Höhen des rechten Tauberufers, wo sie auf der Königshofer Warte, heute auch Thurmberg genannt, ihr Lager bezogen sammt Wagenburg, in der sie 300 wohlbeladene Wagen hatten, sammt 42 Stück Geschütz, darunter diejenigen, die den deutschen Herren von Mergentheim, dem Grafen Jörg von Wertheim und dem Bischof von Mainz gehört hatten.

Das Tauberthal ist dort auf beiden Seiten von beträchtlichen Höhen eingefaßt, die meist in gerundeten Kuppen und Rücken sich bis fast 200 Meter über die Thalsohle erheben. Heute sind diese Höhen fast durchaus mit Weingärten und Wald bedeckt, vor Jahrhunderten scheint dies den vorhandenen Angaben zufolge nicht in dem Maße der Fall gewesen zu sein. So gedachten denn die Bauern, auf ihrer Höhe, die ihnen äußerst vortheilhaft dünkte, die Bündischen zu erwarten.

Der Truchseß war indessen über Öhringen nach Ballenberg gezogen und rückte am 2. Juni, dem Freitag vor Pfingsten, den Bauern auf Königshofen nach. Sein Heer wird beschrieben als mächtig stark zu Roß und zu Fuß mit zahlreichem Geschütz, dergleichen in diesen Landen noch nie gehört worden; 4000 Reiter wurden gezählt und 10.000 Fußknechte. – Als man der festen Stellung der Bauern auf dem Königshofer Wartberg gewahr wurde, war der bündische Kriegsrath der Meinung, man solle auf dem linken Ufer der Tauber bleiben und ebenfalls auf der beträchtlichen Thalhöhe Stellung nehmen, um die Bauern zu beobachten. Der Truchseß war mit dem Terrain von früheren Kriegszügen her wohl bekannt und mit seinem Kriegsrathe diesmal nicht einverstanden. Er rieth vielmehr, durch die Furt aufs rechte Tauberufer zu ziehen und den Bauern auf den Leib zu rücken. Anfangs war er zwar noch gemeint, nachzugeben und sagte: „damit man sehen möge, daß ich meinem Kopf nit allwegen folge, so will ich auf den Berg ziehen, wiewohl das ander viel besser, dann wir doch auf diesem Berg den Bauern Nichts abgewinnen können und mögen sie von uns ziehen, wann sie wöllten.“ Bald besann sich aber der Truchseß eines Anderen und zur Verhütung großen Nachtheils beharrte er auf seiner ersten Ansicht und zog oberhalb Königshofen durch eine Furt aufs rechte Ufer. Die Übergehenden wurden von den Bauern aus ihrer Wagenburg mit Stückkugeln beschossen, doch mit Ausnahme einiger getödteter Pferde ohne Verlust. An 10.000 Mann stark, wird erzählt, seien die Bauern auf dem Berg in Schlachtordnung gestanden, vor sich ihr gesammtes Geschütz auf Rädern.

Der Wartberg scheint, wie gesagt, damals nicht wie heute mit Weingärten und Wald, sondern mehr mit Fruchtfeld und Weide bedeckt gewesen zu sein. Dies ermöglichte es dem Truchseß, mit seiner Reiterei, die er zunächst zur Hand hatte, die Hänge von mehreren Seiten zugleich zu ersteigen und von 3 Seiten her die Bauern anzufallen. Nachmittags 4 Uhr war es, als der Truchseß zum Angriff schritt. Zuvorderst stand der Feldhauptmann selbst mit seinem Leibfahnen, darnach kam der Rennfahnen, der Schützenfahnen Östreichs und der pfalzgräfische Fahnen.

| Gegen diese anrückenden Geschwader unterhielten die Bauern ein anhaltendes Feuer aus ihren Stücken, allein sie konnten fast gar keinen Schaden thun, „Ursach die Bauern waren so viel höher auf einem ebenen, hohen, runden, platten Fleck ohne alle Bäume und Stauden und die Reisigen so viel niedriger unten und rund umb den Berg, daß sie es Alles überschoßen und nicht nach der Maß treffen konnten.“ – Die übel berathenen Bauern (Göz von Berlichingen hatte sie damals schon verlassen) hatten so von ihrem Geschütz gar keinen Nutzen; der Truchseß war mit seiner Reiterei ohne Schaden in den todten Winkel gekommen und konnte so das Lager der Bauern umfassen und diesem nahe kommen.

Der Reiterei folgten jetzt durch die Furt auch zwei gewaltige Haufen der „verlorenen Knechte“ „da erschracken die Bauern so hart in der Wagenburg, daß sie anfingen, die Rosse von ihren Wagen und Büchsen auszuspannen, und ergaben sich in die Flucht.“ Sobald dies des Truchseß Reiterfähnlein gewahr wurden, fielen sie mit einem großen Geschrei allenthalben auf die Bauern ein, erstachen, erschoßen, erschlugen Alles was zu ereilen war.

Hinter dem Lager der Bauern befand sich auf die Entfernung eines halben Schlangenschusses (300–400 Schritt) ein dichter Wald. Dorthin drängten sich die Fliehenden, verbargen sich im Gebüsch und kletterten auf Bäume. Die Reiter setzten theils den weiter Fliehenden nach, theils umzingelten sie den Wald, bis die Fußknechte, darunter 1500 Büchsenschützen, nachgerückt waren. Mehr als tausend wurden im Wald erstochen und von den Bäumen geschossen, 300 gefangen. Die Angaben über den ganzen Verlust der Bauern schwanken zwischen 4000 und 7000 Mann. Von den Gefangenen wurden am folgenden Tag etliche enthauptet, darunter der Bauern Hauptmann, ein langer, starker Mann, der 2000 Gulden vergebens um sein Leben bot. Andere Gefangene wurden hart geschätzt von den gemeinen Hauptleuten, denen sie geschenkt wurden. Von den Mergentheimer Bauern waren in der Schlacht 122 todt geblieben, von den Weikersheimern 42.

Der Verlust im Heere des Truchseß überstieg nicht 150 Mann; er selbst war mit einer Hellebarte ins Knie gestochen worden. – Es war ein heißer Tag gewesen und Jedermann von dem Schlagen durstig. In der Bauern Lager, das mit Geschütz und Allem von den Bündischen genommen war, befanden sich viele Wagen mit Wein. Hier wurde Rast gehalten und Lager bezogen auf dem Schlachtfeld selbst, das zum Theil noch in der württembergischen Exklave Deubach liegt, theils im Thalgrund bei Königshofen.

Mergentheim hatte Eile, sich hauptsächlich auf Anrathen des Komthurs, Wolfgang von Bibra, dem schwäbischen Kriegsrath auf Gnade und Ungnade zu ergeben; es wurde mit einer beträchtlichen Brandschatzung heimgesucht; etliche der Rädelsführer büßten am Galgen.

Zwei Tage brachte der Truchseß im Lager von Königshofen zu; dann gedachte er den Bauern zu folgen. Allein seine Fußknechte wurden meuterisch; sie wollten einen Schlachtsold haben und waren doch nicht beim Schlachtangriff gewesen. Am Pfingstfest, den 4. Juni, nahm der Truchseß, welcher befürchtete, die Fußknechte möchten sich | des Geschützes bemächtigen, dieses zu sich und zog mit der Reiterei und auserwählten Leuten zu Fuß (1200 Hauptleute, Lieutenants, Fähnriche, Waibel und Doppelsöldner, die sich als „frumme Kriegsknecht“ von ihren meuterischen Kameraden getrennt hatten) weiter auf Würzburg zu. Von da aus führte nemlich der Hauptmann Florian Geyer den schwarzen Haufen, 8000 Bauern stark, heran, um den vermeintlich noch bei Königshofen stehenden Brüdern Hilfe zu bringen. So erhielt die Schlacht von Königshofen am Pfingstfest noch ein Nachspiel. Der Truchseß war in übler Lage: hinter sich, bei Königshofen, die meuterischen Knechte, welche durch kein Zureden zu ihrer Pflicht zurückzuführen waren, vor sich die weit überlegenen Haufen der Bauern. Diese hatten jedoch keine Ahnung von seiner Nähe, denn es fehlte ihnen durchaus an Reiterei und der Mangel dieser damals wichtigsten Waffe bedingte hauptsächlich auch ihre Niederlagen.

Unversehens konnte daher der Truchseß auf freiem Feld bei Sulzdorf über sie herfallen und brachte ihnen bedeutende Verluste bei. Den Rest trieb er in das Dorf Ingolstadt, wo in den Gassen, in der Kirche, im Thurm und in dem dortigen Schlößlein noch 3000 erstochen wurden. Hier in diesem Nachspiel zur Schlacht, wie in der Schlacht bei Königshofen selbst, hatte sich die Mehrzahl der Bauern verzweifelt gewehrt. Nach diesem durchschlagenden Erfolg rückten die meuterischen Knechte ganz kleinlaut aus dem Lager von Königshofen nach „und wollten es Keiner thon haben.“ Der Truchseß hatte Eile, dem hart bedrängten Würzburg zu Hilfe zu kommen und rechnete später mit seinen Kriegsknechten ab. –

Sofort nach der Schlacht bei Königshofen hat sich Mergentheim, sonderlich auf Ansuchen und Unterhandlung ihres Kommenthurs, Herr Wolfgangs von Bibra, der darum schon dem bündischen Kriegsvolk bis gen Krautheim entgegen geritten war, auf Gnad und Ungnad ergeben; wurden um ein merkliche Summa gebrandschatzt und Etlichen die Köpf abgeschlagen und andere Straf aufgelegt.

Schwarzenbronn, Lichtel und andere Rothenburgische Orte wurden am 20. und 21. Juni durch Albrecht von Adelsheim und andere vom Adel, denen der Rath von Rothenburg sechs Knecht dazu geliehen, von wegen des Aufruhrs in Vermög des Kaiserlichen Landfriedens gebrannt, geplündert und gebrandschatzt. Die Gemeinden Schonach und Finsterlohe aber richteten Rechtfertigungs- und Bittschreiben an ihre Herren zu Rothenburg. Während in der Stadt über 20 Bürger und etliche vom Land mit dem Schwert gerichtet wurden, darunter der frühere Amtmann von Creglingen Stefan von Menzingen, Dr. Johann Deuschlin. Prediger Hans Kämpf, Priester, den man krank aus seinem Haus heraus, in den Ring führen mußt, der blinde Hans Schmid, Fuchs genannt, Barfüßerordens Prediger, M. Wilhelm Beßmayer, alter Schulmeister etc., wurden die Bauern in der Landwehr bloß neu beeidigt und gebrandschatzt, zusammen um etwa 20.000 Gulden, wovon die Hälfte der Markgraf erhielt. Es hatten zu zahlen: Martin Beck von Blumweiler 10, Hans Kern von Ober-Rimbach 20, Clain Paule von da 10, Lienhart Hagen von Schwarzenbronn 50 Gulden; Andere die nichts zahlen konnten, wurden weggewiesen; nach wieder Andern, | wie Kilian Brack von Schmerbach wurde noch gefahndet; sie wurden später theils um Geld theils mit Abhauung der Finger bestraft. Im August wurde der oben wiederholt genannte groß Lienhart von Schwarzenbronn verkundschaftet, wie er zu Lendsiedel in einem Wirthshaus wäre; demnach Kunrad Eberhard, alter Burgermeister von Rotenburg, der damals in die Mahnung gen Kirchberg ritt, alsbald Gilg Raymund Beringern, den Spitalmeister, mit etlichen Reitern gen Lendsiedel geschickt und jenen im Wirthshaus daselbst in Kraft des kaiserlichen Landfriedens erstechen und umbringen lassen. (Rot.) Am grausamsten aber verfuhr der Bischof von Würzburg, Konrad von Thüngen. Er begnügte sich nicht mit 76 gleich bei dem Wiedereinzug in seine Residenz vorgenommenen Hinrichtungen, mit der Ablieferung aller Waffen, Einsperrung unzähliger Bürger und einer Strafe von 171/2 Gulden, welche jeder Insaß des Bisthums zu entrichten hatte, während sie im Badischen und Österreichischen bloß 6 Gulden betrug; sondern er durchzog auch viele Wochen lang als Blutrichter sein ganzes Hochstift, begleitet von 700 Reisigen. Wo er hinkam, ließ er durch die mitgebrachten Henker blenden, köpfen, hängen. In dem kleinen Lauda allein wurden am 20. Juli auf seinen Befehl 8 der Bürger enthauptet, welche dem schrecklichen Blutbad von Königshofen sieben Wochen zuvor entgangen waren (Ludewig, Geschichtschr. v. d. F. Bisth. Würzb. 904.)

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Nach der blutigen Niederwerfung des Bauernaufstands konnte die religiöse Bewegung in den geistlichen Gebieten kaum mehr vereinzelt sich rühren. Wo in unserem dermalen zu 3/5 von Protestanten bewohnten Bezirk die Reformation festen Fuß faßte, geschah es durch die weltlichen Herren: Brandenburg-Ansbach (in Creglingen, Crainthal, Frauenthal, Freudenbach, Nieder-Rimbach, Standorf, Reinsbronn, Niedersteinach, Schirmbach) Hohenlohe (in Adolzhausen, Elpersheim, Herbsthausen, Herrenzimmern, Honsbronn, Münster, Nassau, Pfitzingen, Queckbronn, Rüsselhausen, Schäftersheim, Weikersheim) Adelsheim (in Wachbach und Hachtel) Geyer von Giebelstatt (in Althausen und Neunkirchen) Rosenberg (in Edelfingen? Neubronn, Oberndorf, Rinderfeld, Streichenthal, Waldmannshofen) die von Finsterlohe (in Dunzendorf, Vorbachzimmern, Wermutshausen) endlich durch die Stadt Rothenburg (in Archshofen, Blumweiler, Finsterlohr, Lichtel, Ober-Rimbach, Reutsachsen, Schmerbach, Schwarzenbronn, Weiler, Wolfsbuch.) Aber auch in den Bischöflich Würzburgischen Orten konnte nach der Thüngenschen Schreckenszeit die Reformlust[ER 7] sich regen. Bischof Melchior Zobel hatte einst in Wittenberg Luthers Vorlesungen besucht und pflegte von der Reformation zu sagen: Ist sie nicht von Gott, so wird sie von selbst zergehen; und | von der römischen Kurie äußerte er, sie habe den ihr widerfahrenen Abbruch sich selbst zugezogen. Auch manche seiner Domherrn huldigten diesem gemäßigten System. Als aber der milde Bischof todt war, 1558 erschlagen von den Knechten des räuberischen Ritters von Grumbach, und der Anfangs auch noch maßvolle, z. B. für Dispensertheilung wegen Cölibat und Kelch gestimmte Friedrich von Wirsberg 1564 die Jesuiten in Würzburg aufnahm, fieng alsbald die Bedrückung der zahlreichen evangelischen Unterthanen und Lehensträger des Hochstifts an. (Vierordt, Gesch. d. ev. K. in Baden 1, 345. 509 f.) Und noch mehr that der energische Julius Echter von Mespelbrunn, 1573–1617, für die Rückwärtsbewegung. Er hat wohl an mehr als einem Ort, sicher in Laudenbach (s. d. Ortsgeschichte) die ihn als einen katholischen Reichsfürsten bedrohende Neuerung unterdrückt.

Der Sekten, für welche in Franken von Anfang an weit weniger als in Schwaben ein Boden war, erwehrten sich, soweit dieselben eindringen wollten, die evangelischen Herrschaften selber. So 1530, als aus dem Ansbachischen die Wiedertäuferei auch ins Amt Creglingen sich zu verbreiten begann (Georgii, Uffenheim. Nebenstunden 1, 685.)

Die Religionskriege, zunächst der Schmalkaldische Krieg, brachten über Mergentheim und Umgebung viel Unheil.

Schon 1551 gieng der Hoch- und Deutschmeister mit dem Ordensschatz, dem Archiv etc. an den Bodensee, nachdem er die Feste Neuhaus in wehrhaften Stand gesetzt und die Vertheidigung derselben und der Stadt Mergentheim dem Grafen Balthasar von Nassau, Komthur zu Kapfenburg, neu geworbenen Landsknechten, 166 Mann in Mergentheim und 60 auf Neuhaus, anvertraut hatte. Im Mai und Juni 1552 zog von Oberschwaben und dem Ulmischen Gebiet her das vereinigte Heer des Kurfürsten Moriz von Sachsen, des Markgrafen Albrecht von Brandenburg, des Landgrafen Wilhelm von Hessen u. A. in unsere Gegend, dieweil Moriz den Passauer Verhandlungen anwohnte. Unwillig über die Schwierigkeiten, welche Kaiser Karl durch starke Forderungen bereitete, ritt Kurfürst Moriz sobald der Waffenstillstand ablief, am 5. Juli von Passau weg und kam am 11. nach Mergentheim zu seinem und seiner Genossen Kriegsvolk. Dieses hatte drei Lager um die Stadt bezogen.

Nachdem eine Aufforderung zur Übergabe abgewiesen worden, plünderten die Verbündeten die Orte Igersheim und Markelsheim und richteten dann ihre Angriffe zunächst gegen die Feste Neuhaus. Am 8. Juli erstürmten sie dieselbe und steckten das seit seiner Zerstörung im Bauernkrieg stattlich wieder aufgebaute und edel eingerichtete Schloß in Brand, so daß nur noch der Thurm gegen Mergentheim und einiges Gemäuer stehen blieb. Zugleich erhob Markgraf | Albrecht von dem Amt Neuhaus eine Brandschatzung im Betrag von 40.000 Gulden. Hierauf wurde Mergentheim mehrere Tage lang beschossen, so daß viele Häuser beschädigt und in Brand gesteckt wurden und namentlich auch die Dominikanerkirche große Beschädigungen erlitt. Während dieser Beschießung am 12. Juli traf Kurfürst Moriz bei dem Heere ein. Die Stadt ergab sich auf Gnade und Ungnade und erhielt gegen Erlegung von 40.000 Gulden Befreiung von der Plünderung zugesichert. Dennoch soll, während Moriz Frankfurt zueilte gegen den Musterplatz des Kaisers, Mergentheim arg mitgenommen worden, die Beute auf 130 Wagen nach Boxberg geführt worden sein. (Stälin, Wirt. Gesch. 4, 527. v. Martens, Kriegsereign. 280 f.)


Weit größer und nachhaltiger war der Schaden, welchen der Dreißigjährige Krieg unserem Bezirk gebracht hat. Schon die Namen der zahlreichen abgegangenen Orte des Oberamts bleiben redende Zeugen von dem Wüthen des großen Kriegs in einem Gebiet, welchem gleich die ersten Jahre desselben schwere Heimsuchung brachten und in welchem hier noch die letzte Schlacht des Kriegs auf württembergischem Boden geschlagen wurde.

Im Oktober 1621 kam Graf Ernst von Mansfeld, den böhmischen Krieg auf eigene Rechnung fortsetzend, auf seinem Zug in die Pfalz, welche er für den unglücklichen Böhmenkönig Pfalzgraf Friedrich wieder erobern wollte, auch in unsere Gegend.[7]

Graf Georg Friedrich von Weikersheim, durch seine Vermählung mit Eva von Waldstein böhmisches Ständemitglied, hatte für den „Winterkönig“ in Böhmen mitgefochten und theilte dessen Flucht und Reichsacht. Seine Brüder Kraft und Philipp Ernst verwalteten für ihn seinen Herrschaftsantheil. Als Mansfeld am 7. Oktober 1621 in Rothenburg angekommen war, ritt Graf Philipp Ernst ihm entgegen und ersuchte ihn, die Grafschaft womöglich mit Quartier zu verschonen, wo nicht, wenigstens scharfe Disziplin zu halten. Er antwortete, so ungern er es thue, und obwohl es ein harter Winter sei, wenn ein Wolf den andern fresse, werde er doch nicht umhin können, in den für ihn auf dem nächsten Weg gegen Boxberg liegenden Orten der Grafschaft eine Nacht Quartier zu nehmen. Auf den 8. Okt. sagte Mansfeld sich zum Quartier in Weikersheim an und forderte 150 Pferde zur Fortschaffung seiner Geschütze und Quartier mit Verpflegung für 25.000 Mann. Graf Kraft, der sich von Weikersheim fern hielt, rieth, gegen die Soldaten so freundlich als möglich zu sein, gute Wacht zu halten, den Offizieren mit gutem Tisch und Trunk entgegen zu kommen. Mansfelder, so berichteten hernach die Beamten ihrem Herrn, ist Nachts vermuthlich unausgezogen nur im Karren (Ruhebett) und nicht im zugerichteten Hauptbett gelegen, auch über der Tafel ganz still gesessen, fast gar nichts geredt, als | man den Käs und Obst aufgesetzt balden aufgestanden. Es gieng indeß auch im Weikersheimischen nicht ohne Klagen über großen Schaden, Mißhandlung, Raub und Plünderung ab. Noch viel schlimmer hausten die Truppen in der katholischen Umgegend. Den Mansfeldschen folgte Tilly mit seiner Armee auf dem Fuße. Noch im Oktober lag er zu Uffenheim und Röttingen im Quartier und zog den Taubergrund herab. Nach der bekannt gewordenen Marschroute hoffte Graf Philipp Ernst vergeblich, die Grafschaft Weikersheim werde verschont bleiben; Graf Kraft, der Tilly persönlich kannte und ihn einen der vornehmsten Patrone aller ehrlichen Kavaliere nannte, wandte sich an ihn und beide Grafen luden ihn am 29. Oktober ein, mit den ihm annehmlichen Offizieren nach Weikersheim zu kommen. Tilly äußerte auch in Uffenheim die Absicht, der Einladung Folge zu leisten. Wir haben keine Nachricht, ob er Wort gehalten hat. Nur von Requisitionen von Frucht, zweispännigen Wagen etc. erfährt man. Die Durchmärsche dauerten auch in den Jahren 1622 und 23 fort. Besonders gefürchtet waren die „Coßaggentrupps“ oder Polaken, wie man sie nannte. Als solche im September 1622 zu Schüpf lagen, wurden ihnen, um Plünderung abzuwenden, 320 Dukaten bezahlt und auf das Amt Weikersheim umgelegt, wobei die Gemeinde Adolzhausen sich widerspenstig zeigte.

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Wallenstein stellte den Grafen Philipp Ernst und Philipp Heinrich, welche zu ihm nach Böhmen reisten, am 30. Juli 1625 einen Schutzbrief für die Grafschaft Hohenlohe aus und erneuerte denselben am 10. August 1626 für das Gebiet des Grafen Kraft. Dennoch durchzogen noch im Sommer 1625 das Plarersche und Gratzsche, sodann das Regiment Altringer die Grafschaft, und berechneten sich die Quartierkosten der sieben Orte Schäftersheim, Elpersheim, Hollenbach, Schrozberg, Schmalfelden, Könbronn und Vorbachzimmern vom 24. Juni 1625 bis 5. Februar 1626 auf mehr als 8000 Rthlr. Dazu brachten die Truppen die Beulenpest. In Weikersheim starben 1626 192 Personen; es hielt schwer, Leute zu finden, die dem Todtengräber bei seiner Arbeit an die Hand gehen, noch schwerer solche, die Krankenwärterdienste thun wollten. Diesen bezahlte man für den Tag 10 Kreuzer. Auch Schäftersheim war heimgesucht, die Einwohner so arm und die Gemeinde so herabgekommen, daß sie nicht einmal mehr den Todtengräber, der täglich 3–4 Personen zu begraben hatte, bezahlen konnte; daher Bürgermeister und Gericht den Grafen Georg Friedrich um ein Anlehen baten. Er lieh 50 Gulden, vorerst auf ein Jahr, half den Armen mit Getreide und Wein aus zur Labung für die Kranken. 1629 erwartete man den Durchmarsch Wallensteins selbst. Das Jahr brachte aber statt seiner das Restitutions-Edikt, wornach die einem Reichsstand unterworfenen Klöster und Stifter, welche 1552 noch nicht in den Händen weltlicher Herren sich befunden hatten, an die katholische Kirche und Geistlichkeit zurückgestellt werden sollten. Dies wurde auch auf Schäftersheim angewandt, obgleich nach der Darstellung der Grafen von Hohenlohe die dortigen Nonnen schon 1543 das Kloster verlassen und die damaligen Landesherren dasselbe als ein verlassenes an sich gezogen hatten. Am 16. März 1630 rückten die kaiserlichen Kommissäre vor das Kloster, ließen die Thore | öffnen, nahmen es für den Abt von Oberzell in Besitz. Schönburgsche Reiter rückten als Exekutionstruppen in der Grafschaft Weikersheim ein, und die Plackereien dauerten fort, bis die ganze Sache im Waffenlärm des Jahres 1631 endigte.

Gustav Adolf’s Sieg bei Breitenfeld unweit Leipzig am 7. September 1631 hatte dem Schwedenkönig den Weg nach Süddeutschland geöffnet. Am 7. Oktober erstürmten die Truppen des „Schwedenvetterles“, wie man Gustav Adolf in Hohenlohe nannte, die Würzburger Feste Marienberg; am 8. entbot er die Grafen Georg Friederich von Weikersheim und Kraft von Neuenstein zu sich und forderte sie zu „gebührender Kooperation“ auf, während umgekehrt Tilly noch zu derselben Zeit von ihnen verlangte, die aus 400 Mann kaiserlicher Truppen bestehende Garnison zu Rothenburg von ihrem Land aus unterhalten und verpflegen zu lassen. Von Gustav Adolf mit hohen Befehlshaberstellen und Dotationen bedacht, waren die Grafen fortan meist außer Landes, was in Weikersheim zu Widerspenstigkeiten gegen die gräflichen Beamten führte.

Bald war unser ganzer Bezirk in den Händen der Schweden.[8] Gustav Adolf ließ, als er im November von Würzburg gegen Tilly und den Herzog von Lothringen nach dem Rhein sich wenden mußte, zur Deckung von Franken den Feldmarschall Horn mit 16.000 Mann zurück. Von diesem Heer rückte am 9. November der schwedische Oberst Claus Sperreuter mit einer starken Reiterabtheilung in die Orte Markelsheim, Igersheim und Althausen ein und forderte Mergentheim und Neuhaus auf, schwedische Besatzung einzulassen. Beide hatte der Deutschmeister Johann Caspar von Stadion auf die Kunde, daß die Schweden sich dem Main nähern, schleunigst mit zusammen 500 Mann Besatzung in Vertheidigungsstand setzen lassen und den Kommenthur Hund von Lauterbach zum Kommandanten ernannt, während er selbst mit dem Archiv und Schatz sich nach Wien flüchtete. Die Feste Neuhaus ergab sich am 13. November. In Weikersheim lagen 2 Kompagnien Lothringer, welche der kaiserliche General Ossa hineingelegt hatte. Sie zogen vor den Schweden ab, nachdem die Gräflichen Räthe ihnen von den Bürgern erborgte 200 Rthlr. bezahlt hatten. Binnen 14 Tagen zehrten nun die Schweden das Städtchen gänzlich aus. Mittlerweile wurde Oberst Sperreuter wieder Würzburg zu beordert, weshalb er nur Neuhaus mit 50 Dragonern besetzt ließ. Die Mergentheimer Besatzung erfuhr dies und zwang unter dem Lieutenant Haller von Hallerstein jene zur Übergabe. Aber die Schweden kamen wieder, Haller kapitulirte am 1. Dezember und Sperreuter erhielt Schloß und Amt Neuhaus als königliches Lehen, welches ihm jährlich 11.169 Gulden, 1198 Malter Früchte und 20 Fuder Wein eintrug. Am 10. Dezember erschien Feldmarschall Horn selbst mit 8000 Mann vor Mergentheim, worin mehrere Hundert Kaiserliche als Besatzung lagen, und forderte von der Stadt die Übergabe. Auf die Weigerung wurde, noch ehe das schwere Geschütz ankam, das Kapuzinerkloster in Brand gesteckt und der Kirchhof, | Tags darauf die Ziegelhütte besetzt, Laufgräben angelegt und ein Entsetzungsversuch der Kaiserlichen blutig zurückgeschlagen. Als am 14. das Belagerungsgeschütz auffuhr, ergaben sich die Belagerten auf Gnade und Ungnade. Die Besatzung, soweit sie nicht in schwedische Dienste trat, durfte mit allen Ehren abziehen und mußte nur die Gefangenen ausliefern; die Bürger wurden entwaffnet und zahlten 6000 Thlr. Erbeutet wurden 14 Kanonen, ein Mörser, über 100 Doppelhacken und große Vorräthe an Wein und Getreide. Horn erhielt von seinem König Stadt und Amt Mergentheim als erb- und eigenthümliche Herrschaft.

Auch weiterhin lösten sich Durchzüge bald der Schweden, unter Baner und Herzog Bernhard, bald der Kaiserlichen, fortwährend ab. Kroaten (Krabatten) überzogen 1632 das Tauberthal, weshalb Graf Kraft von Neuenstein um Hilfe angerufen wurde: „wenn nur 500 Pferde vorhanden wären, und der Ausschuß d. h. die Landmiliz aufgeboten würde, meinten die Weikersheimer Beamten in ihrer Rathlosigkeit, so wäre vielen Drangsalen zuvorzukommen, aber da ist Niemand.“

Im Sommer 1634[9] lag der bayrische General Johann von Werth im fränkischen Kreis. Nach einem vergeblichen Angriff auf Rothenburg besetzte er am 9. August Creglingen. Einwohner von da flüchteten nach Weikersheim, welches die gräfliche Familie verlassen hatte. Der Amts-Ausschuß lief aus einander: man solle sich eben leidliche Bedingungen der Übergabe erbitten. In der Nacht vom 10. auf den 11. August wurden einige bewehrte Bürger von Weikersheim mit dem Stadthauptmann auf Rekognoszirung ausgesendet, aber durch einen in der Stille mit 200 Pferden herbeigerückten Leutnant alsbald aufgehoben, und der Offizier mit 12 Leuten unter dem Versprechen, gegen Erhebung von 100 Rthlr. das Städtchen zu schonen, eingelassen. Allein er brachte am Morgen seine ganze Mannschaft an die Thore heran, deren Schlösser er abgerissen, und eilte dem Schlosse zu. Die Zugbrücke war aufgezogen, aber die Reiter kletterten ungehindert hinüber, bemächtigten sich aller Zugänge und plünderten alle Räume aus, nur die Scheunen blieben unversehrt. Im Schlosse selbst aber gieng es desto schlimmer zu. Wenn der Türke mit seinem ganzen Volk da gewesen wäre, berichteten die Diener dem Grafen, so könnte es nicht schlimmer aussehen. Alles war verwüstet, zerschlagen, kein Behälter, keine Truhe mehr ganz. Von Möbeln waren nur noch einige Betten vorhanden, der Wein meist ausgetrunken, das Vieh weggetrieben, nur Geflügel zurückgelassen. Auch einiges Silbergeschirr, das bei der Abreise der Gräfin in einer Kiste verpackt, aber vergessen worden war, fiel in die Hände der Plünderer. Die Einwohner von Weikersheim hatten sich zum Theil in die Wälder geflüchtet, ebenso die gräflichen Diener. Der Sekretär Martin Plank hatte die Gräfin nach Wertheim begleitet und fand bei seiner Rückkehr Weib und Kinder zwar am Leben, aber aller Habe beraubt. Kammersekretär Georg Vischer hatte erst zuletzt, sein Leben zu retten, sich geflüchtet. Auf der Flucht wurde ihm sein mitgenommenes Geld abgenommen und bei der | Rückkehr fand er sein ganzes Hausgeräthe zerstört. Die Kanzlei- und Kammerakten lagen „wie Haberstroh“ durcheinander und mußten mühsam erst wieder zusammengelesen werden, wie denn manche Faszikel noch bis auf den heutigen Tag die Spuren der Verwüstung zeigen. Johann von Werth selber traf am 12. August vor Mergentheim ein, wurde aber von der durch die Bürger unterstützten schwedischen Besatzung gezwungen, wieder abzuziehen.

Schon im folgenden Monat sah sich die letztere durch die Schlacht von Nördlingen genöthigt, Mergentheim den Kaiserlichen zu überlassen; die von der Horn’schen Regierung Angestellten und alle Lutheraner mußten sofort die Stadt räumen; in Neuhaus trat die Garnison, 20 Mann stark, in kaiserliche Dienste. Graf Georg Friedrich von Weikersheim fiel aufs Neue in die kaiserliche Acht, seine Grafschaft wurde noch 1634 eingezogen, 1637 dem Deutschorden geschenkt und erst im westfälischen Frieden dem Hause zurückgestellt. Der Winter 1634–35 brachte abermals die Pest und es klingt fast unglaublich, daß in Weikersheim in zwei Jahren 596 Menschen starben.

1643 kamen die Franzosen zum erstenmal in die Gegend, als Verbündete der Schweden. Der Marschall Guebriant, welcher im Jahr zuvor einen Zug nach Niedersachsen unternommen hatte, traf im Januar 1643 an der Tauber ein, um von da mit den Schweden vereint in Bayern einzufallen. Er besetzte Mergentheim und Neuhaus, wo seine Truppen 4 Geschütze, 60 Gewehre und den Schießbedarf mitnahmen, auch viel Wein, den sie während ihres kurzen Aufenthalts nicht trinken konnten, auslaufen ließen (v. Martens 431 f.).

Das für unsern Bezirk denkwürdigste und folgenreichste Ereignis des ganzen Kriegs aber erfolgte gegen das Ende desselben in der Schlacht bei Herbsthausen vom 25. April 1645. Bei der Wichtigkeit derselben reihen wir die Beschreibung von Hauptmann Pfister aus den Württembergischen Vierteljahrsheften für Landesgeschichte 1879, I. hier ein.

Während in dem letzten Jahrzehnt des dreißigjährigen Kriegs mit abwechselndem Glück und den Kriegsschauplatz bald nordwärts bald südwärts schiebend gekämpft wurde, am Niederrhein, in Dänemark, in Sachsen, Schlesien, Böhmen und Mähren, hatte sich in Süddeutschland im Laufe des Jahres 1643 die allgemeine Kriegslage derart gestaltet, daß das bayrisch-kaiserliche Heer unter seinen Führern, Feldmarschall Mercy und General der Kavallerie Johann v. Werth, alles Land auf dem rechten Rheinufer, Baden, Schwaben, und Franken, mit Ausnahme weniger fester Plätze besetzt hielt. Ihnen gegenüber im Sundgau und im Elsaß stand die französisch-weimarische Armee unter dem Marschall Guebriant und General Rantzau, welche sich anschickten, mit dem Ende des Jahres 1643 den Rhein wieder zu überschreiten. Bei Ottenheim wurde in der That der Rheinübergang ausgeführt und Franzosen und Weimaraner wandten sich dem oberen Neckar zu, um Rottweil zu belagern, das am 19. Nov. 1643 in ihre Hände fiel. Mercy und Johann v. Werth standen indessen, die Bewegungen der Feinde beobachtend und durch Scharmützel Fühlung mit ihnen behaltend, bei Pforzheim und Weil der Stadt.

| Zu bemerken ist hier und giltig bis zum Ende des Kriegs, daß die Armeen auf beiden Seiten, bei den Franzosen, Schweden, Weimaranern und Hessen wie bei Österreichern, Bayern und Sachsen, nie mehr in der Stärke auftreten, wie in der unmittelbar vorangehenden Periode des Kriegs. Sie übersteigen jetzt selten 20.000 Mann; meist treten sie auf in der Stärke von 16–17.000 Mann. Es erklärt sich dies einmal aus der Zerrissenheit des vieltheiligen Kriegsschauplatzes und aus der räumlichen Entfernung der gleichzeitigen Kriegstheater, dann aber auch aus dem unglaublichen Zusammenschmelzen der Bevölkerung in Deutschland; nur Frankreich und Österreich stand ein noch nicht bis zum Äußersten erschöpftes Menschenmaterial zu Gebot. Aus der verhältnismäßig geringen Kopfstärke der Heere erklärt sich auch das überraschend schnelle Hin- und Herwerfen derselben, ihre große Beweglichkeit, welche an die Marschgeschwindigkeit der modernen Heere erinnert und ermöglicht war durch die leichte Verpflegung der geringen Kopfzahl.

In der Zusammensetzung der Heere spielt die Kavallerie immer noch die hervorragende Rolle; sie macht häufig die Hälfte der Armee aus, jedenfalls ein Drittheil. Die Infanterie kämpft noch als Musketiere und Pikeniere; die Artillerie tritt ziemlich zahlreich, doch nirgends ausschlaggebend auf.

Nach der Einnahme Rottweils bezogen die Franzosen sammt den weimarischen Truppen Ende des Jahres 1643 Winterquartiere um Tuttlingen. Mercy, der seither abgewartet hatte, glaubte jetzt die Zeit für einen entscheidenden Schlag gekommen. Hauptsächlich der kühne Reiter- und Avantgardeführer Johann v. Werth, der sich auf sein Glück im Überfallen der Quartiere etwas zu gut that, drängte zu rascher That. Über Rottenburg auf Sigmaringen marschirend fiel Johann v. Werth von Osten her, von der ganz unvermutheten Seite, über die sich sicher wähnenden Feinde her und verjagte die da und dort in einzelnen Abtheilungen zerstreuten Franzosen, indem er ihnen bedeutende Verluste beibrachte und reiche Beute abnahm. Nach heftigem Straßenkampfe wurde auch das Hauptquartier Tuttlingen eingenommen; etwas später fiel auch Rottweil den Bayern wieder in die Hände. In einzelnen Haufen zogen die geschlagenen Feinde dem Rheine zu und wurden unter Turennes Befehl im Elsaß auf’s Neue formirt.

Mit dem Anfang des Jahrs 1644 standen die Aussichten für Österreich und Bayern so günstig wie schon lange nicht mehr, und in dem Sinne schienen sie auch die seit 1642 zu Münster betriebenen Friedensunterhandlungen beeinflussen zu können.

Um das ganze rechte Rheinufer vollends in die Hände der Bayern zu bringen, hatte Mercy im Sommer 1644 angefangen, Freiburg, das noch von den Franzosen besetzt war, zu belagern. Zum Entsatz und zugleich brennend vor Begierde, den Tag von Tuttlingen zu rächen, zogen Franzosen und Weimaraner unter dem Herzog von Enghien (Condé) und Turenne über den Rhein und begannen die feste Stellung Mercys vor Freiburg zu bestürmen. Nach unsäglichen Opfern gelang es auch dem trotzigen Muthe Enghiens, die Bayern zum Weichen zu bringen. Mercy war genöthigt, seine Stellung zu | verlassen, und führte in einem meisterhaften Rückzug sein Heer durch die Engen des Schwarzwalds im August nach Villingen.

Die siegreichen Franzosen indessen, deren Oberbefehl jetzt Turenne allein übernommen, breiteten sich am Rhein mehr und mehr aus, besetzten Philippsburg, Mainz und andere Städte. Erst mit dem Ende des Jahres 1644 näherten sich Mercy und Johann v. Werth wieder dem Rheine und setzten sich in Mannheim und an der Bergstraße fest.

Württemberg und Franken sahen sich so den Winter über gedeckt; als aber im März 1645 sich am Rheine die Nachricht verbreitete von dem großen Sieg, den Torstenson bei Jankau in Böhmen über die Kaiserlichen erfochten, da war man auch in Süddeutschland auf die Entscheidung großer Dinge und auf schwere Schläge gefaßt. Der ehrgeizige Turenne, um gleich Torstenson Siege zu erringen, war am 26. März 1645 mit 11.000 Mann, größtentheils Deutschen, bei Speier über den Rhein gegangen und in Schwaben eingedrungen. Zunächst wurden Vaihingen und Calw von den Franzosen besetzt. Darauf gieng der Zug dem Neckar zu, der bei Marbach überschritten wurde. Von hier aus wurde Großbottwar besetzt und Hall durch den General Rosen bedroht. Auf diesem Zug war es auch wahrscheinlich, daß die Orte Liebenzell, Güglingen und Lauffen von den Franzosen geplündert wurden. – Am 16. April traf General Rosen mit der Vorhut bei Hall ein und forderte die Stadt zur Übergabe auf. Die Bürger baten zuerst, sie damit zu verschonen; nun aber kam auch Turenne selbst an, nahm sein Hauptquartier in der Spitalmühle und ließ die Truppen um dieselbe herum, zu Gelbingen, auf der Bleiche und bei der Pulvermühle lagern. Dann ritten Turenne und Rosen vor das Gelbinger Thor und verlangten, nachdem etliche Geschütze aufgeführt waren, die Öffnung der Stadt. Die Bürger öffneten nun das Gelbinger Thor, ließen die Generale herein und schloßen mit ihnen einen gütlichen Vergleich ab, durch welchen die Stadt sich zur Bezahlung einer Summe Geldes und zur Lieferung von Brot, Wein und Bier in das Lager verpflichtete. Auf diese Weise wurde die Stadt selbst verschont, aber außerhalb der Ringmauer wurden alle Häuser ausgeplündert, Vieles verbrannt und das Vieh weggetrieben. Mercy vermuthete, die Feinde würden der Donau zuziehen und erwartete sie bei Ellwangen. Turenne aber zog, wie berichtet wird, „mit den weimarischen Franzosen in Franken auf der Bratwurst herum“ und breitete seine Truppen bei Mergentheim und Rothenburg an der Tauber aus. Es scheint dies auf besonderes Bitten des Generals Rosen geschehen zu sein, um die Truppen den in der Taubergegend herrschenden Überfluß genießen zu lassen. Zugleich befahl aber Turenne ausdrücklich, es dürfe kein Regiment weiter als 2 Stunden von Herbsthausen, welcher Ort als Sammelplatz bestimmt war, sich entfernen, und um ganz sicher zu sein, ließ er ein Kavallerieregiment auf Rekognoszirung gegen Feuchtwangen gehen, welches die Meldung brachte, die bayrische Armee beziehe weitläufige Kantonirungen.

Diese Nachricht veranlaßte, daß die Regimentskommandeure mit dem erhaltenen Befehl es nicht so genau nahmen, sich weiter als | angeordnet war, ausdehnten und den Sicherheitsdienst in der äußersten Linie der Quartiere vernachläßigten.

Dies blieb dem Feldmarschall Mercy und General Werth, welche bei Dinkelsbühl und Feuchtwangen lagen, nicht unbekannt und sie beschloßen einen raschen und möglichst verborgenen Anmarsch gegen den Quartierbezirk des Feinds, um diesen unversehens, ähnlich wie in Tuttlingen, zu überfallen.

Die Art und Weise, wie Mercy seinen Plan entwarf und ausführte, verdient das höchste Lob und zeugt von großer Kühnheit und seltener Voraussicht. Er vereinigte seine Truppen bei Feuchtwangen und brach am Morgen des 4. Mai mit 12.000 Mann, wohl über die Hälfte Kavallerie, und 9 Geschützen auf, um sich dem südlich vom Hauptquartier Mergentheim gelegenen Quartierbezirk Turennes zu nähern. Über Dorfgütingen und Oberöstheim marschirend hatte Mercy am Abend Bettenfeld erreicht; 22 Kilometer waren zurückgelegt, beinahe die Hälfte der Entfernung von Feuchtwangen bis Herbsthausen. In der Nacht vom 4. zum 5. Mai brach Mercy von Bettenfeld auf und marschirte gegen Bartenstein. Hier stellte er seine Armee in Schlachtordnung und rückte nordwärts gegen den Quartierbezirk des Feindes vor. Im Centrum stand die Infanterie sammt den Geschützen; auf beiden Flügeln die Kavallerie, und zwar kommandirte Mercy auf dem rechten Flügel, Werth auf dem linken, Alles in zwei Treffen geordnet; eine schwache Reserve folgte unter dem Obersten Jakob Kolb. Munitionsreserve und Bagage blieben in Bartenstein zurück. Bei dem nordwärts und später nordwestwärts gerichteten Marsche der bayrischen Armee von Bartenstein aus, war es unausbleiblich, daß sofort auf das Rendezvous des Feinds, das, wie wir oben gesehen haben, bei Herbsthausen bestimmt war, gestoßen wurde. – Das Dorf Herbsthausen (auch Herboldshausen, Herbishausen, Zersthausen geschrieben) liegt etwas erhöht auf dem vielfach durchschnittenen Plateau des linken Tauberufers. Südlich vom Dorfe, gegen Hollenbach hin, lag ehemals ein nicht sehr ausgedehntes Gehölz mit einer Frontbreite von 500–600 Schritt gegen Süden. Weiter gegen Süden dehnt sich in der Breite von stark 1/4 Stunde eine Ebene aus, welche ihrerseits gegen Süden wieder begrenzt ist von einem ausdehnten Walde, der sich zwischen Hollenbach und Adolzhausen hinzieht und durch den die Straße von Bartenstein her führt. Ein, wie Mercy, von Süden her gegen den Quartierbezirk Turennes anmarschirender Feind mußte also aus diesem Walde debouchiren, und kam dann in die Ebene südlich von Herbsthausen, um weiter sofort auf das Dorf selbst und das vorliegende kleine Gehölz zu stoßen.

Herbsthausen gerade hatte wohl Turenne deshalb zum Sammelplatz bestimmt, weil es bequem an einer von Norden nach Süden (Mergentheim–Crailsheim) führenden Straße und ebenso an einer nach Westen zum Neckar gerichteten liegt. Dennoch wird die von Turenne getroffene Wahl des Sammelplatzes schwer getadelt, namentlich von Napoleon, der in dem falsch gewählten Sammelpunkte einen viel größeren Fehler und viel mehr Grund zum Verlust der Schlacht findet, als in dem schlecht betriebenen Vorpostendienste und in der weiten Verlegung der Truppen. Anstatt bei Herbsthausen, welches auf den Vorposten gelegen habe, sagt Napoleon, hätte Turenne bei | Mergentheim seinen Truppen den Lärmplatz anweisen müssen, woselbst die Armee vier Stunden eher hätte versammelt sein können und durch die Tauber gedeckt gewesen wäre. Ein General müsse seine Truppen stets auf einem vom Feinde entferntesten und gegen ihn am meisten gesicherten Punkte versammeln. Für alle Zeiten wird es freilich falsch bleiben, den Allarmplatz in die Vorpostenlinie selbst zu legen. – Turenne suchte den Grund seines Mißgeschicks am 5. Mai hauptsächlich in der Sorglosigkeit, mit der die Kommandeure der einzelnen Quartiere den Vorpostendienst betrieben und in seiner eigenen Nachgiebigkeit gegen die Unterführer, welche zur Folge hatte, daß die Truppen zu weit dislozirt waren. Turenne selbst schreibt in seinen Memoiren: „Es war gegen das Ende des Aprils, als die Armee zu Mergentheim anlangte; und weil das Gras noch nirgends heraus war, so lag man gleich anfangs dem Marschall inständig an, daß er der Kavallerie erlauben möchte, sich in die kleinen Städte zu vertheilen, wo sie auf den ersten Allarm ihre Bagage zurücklassen und ohne Verzug auf dem Rendezvous erscheinen wollten. Aufrichtig die Wahrheit zu sagen, war es die Nachgiebigkeit des Marschalls, seine Kavallerie nicht leiden zu lassen, sein großes Verlangen, sie schleunig wieder im Stand zu sehen, und endlich die Entfernung des Feinds, der beinahe 10 Stunden davon abstand; dies waren die Ursachen, die den Marschall zur Unzeit zu dem Entschluß brachten, seine Kavallerie in die kleinen Örter zu vertheilen“.

Der Verlauf der Schlacht selbst zeigt, daß an ihrem Verlust Schuld trugen ebenso sehr der falsch gewählte Allarmplatz, als die weite Dislozirung, als der schlecht betriebene Vorpostendienst. Alle drei Umstände bewirkten, daß Mercy sich viel zu nahe und zu spät bemerkt an den Quartierbezirk heranziehen konnte, und daß die Truppen Turennes zu spät und vereinzelt auf dem Allarmplatz eintrafen, einige, wie die Artillerie, denselben überhaupt nicht mehr zur Zeit erreichten. Turenne schreibt: Das Unglück habe es gewollt, daß viele Reiter wegen der Jahreszeit ihren Pferden zur Ader gelassen und folglich so schnell nicht zum Gefecht kommen konnten. Übrigens unterhielt Turenne in Herbsthausen und dem anliegenden kleinen Gehölze eine starke Feldwache.

Am 5. Mai mit anbrechendem Tage begann Mercy, von Bartenstein anmarschirend, aus dem Walde südlich Herbsthausen zu debouchiren und sich in Schlachtordnung zu entwickeln. Die Franzosen hatten indessen schon Kunde vom Anrücken der Bayern erhalten. Der Vogt des Deutschordens zu Herrieden schreibt an einen Nachbar: Avisire Ihn in Eyl, daß Freytag bei einem Dorff, Herbsthausen genannt, Freund und Feynd umb den Mittag an einand khommen, weilen der Feynd durch einen Postillon gewarnt worden, sonsten man ihn noch in den Quartieren bekommen hätt und ahngetroffen. Nach allen Quartieren flogen Ordonnanzen, und Regiment auf Regiment traf auf dem Allarmplatz ein. Zunächst ordnete General Rosen den rechten Flügel der französischen Aufstellung. Er hatte vorerst nur 3000 Mann Infanterie und 7–8 Reiterregimenter zur Stelle. Dennoch war er eben im Begriff, mit seinen schwachen Kräften das schützende Gehölz zu verlassen und sich auf der vorliegenden Ebene zu entwickeln, als Turenne auf dem Gefechtsfeld eintraf. Das Fehlerhafte der | Maßnahmen Rosens sofort erkennend, ordnete Turenne an, daß auf dem rechten Flügel die Infanterie ins Gehölz und hinter dasselbe mit etwas Kavallerie zu stehen komme; im Centrum blieb Herbsthausen von Infanterie besetzt; auf den linken Flügel stellte Turenne seine ganze übrige Kavallerie; Alles in einem Treffen geordnet. Rosen stellte sich auf die äußerste Rechte, Turenne auf die äußerste Linke dieser Schlachtlinie. Im Ganzen zählten hier Franzosen und Weimaraner 10.000 Mann; es fehlte auf dem Platze noch die gesammte Artillerie, und 3 Reiterregimenter waren ebenfalls noch nicht eingetroffen. Die etwas geringere Stärke dem Feinde gegenüber wurde jedoch aufgewogen durch Vortheile des Terrains, namentlich auf dem rechten Flügel, wo vor dem Gehölz und am Saume desselben sich Gräben, Hohlwege und Verhaue befanden.

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Mercy hatte sich indessen mit seiner tiefen Schlachtordnung der Linie des Feindes genähert und begann dessen Schlachthaufen durch seine Geschütze im Centrum zu beschießen. Bald aber erkannte er, daß es vor allem darauf ankomme, den Feind aus dem kleinen Gehölze zu vertreiben, damit die Kavallerie des linken Flügels unter Werth Freiheit zur Aktion gewinne. Der Feldzeugmeister Rauschenberg stellte sich deshalb an die Spitze der bayrischen Infanterie, und mit dem Rufe: Sancta Maria! stürzte er sich ungestümen Muthes auf die feindliche Infanterie im Gehölze. Die Vertheidiger des Gehölzes gaben eine einzige Salve ab, dann begann ein kurzes Handgemenge, worauf die Bayern Herren des Gehölzes blieben. Die weichenden Franzosen wollten sich im Dorfe Herbsthausen wieder setzen, allein die Bayern drangen mit ihnen ein und schlugen die Feinde noch weiter zurück. Was hier nicht fiel, wurde von den Verfolgern gefangen. Anders standen die Dinge auf dem rechten Flügel Mercy’s, der von Turenne mit der Hauptstärke der weimarischen Reiter attakirt wurde. Die bayrische Reiterei begann hier zu weichen, etliche Haufen flohen. Mercy selbst klagt, er habe gerade hier zu wenig Offiziere gehabt, um Ordnung zu halten und ein gutes Beispiel zu geben; etliche gemeine Reitersknechte werde er wegen erwiesener schlechter Haltung hängen lassen. Turenne glaubte hier schon sichern Sieg in Händen zu haben, als die Kavalleriereserve unter Oberst Kolb das Gefecht auf Seite der Bayern wieder einigermaßen herstellte. Die wirkliche Entscheidung war aber auf dem französischen rechten Flügel gefallen. Sobald hier das Gehölz in den Händen der Bayern war, stürzte sich Johann von Werth mit der gesammten Kavallerie des bayrischen linken Flügels auf die weichende Infanterie und die Kavallerie von Turennes rechtem Flügel. Er warf diesen in ungestümem Anlauf gänzlich über den Haufen, zersprengte die einzelnen Abtheilungen und machte eine Menge Gefangener, darunter auch General Rosen. Ein Glück war es jetzt, daß Werth seinen Sieg nicht weiter gegen Mergentheim hin verfolgte, sondern auf dem Schlachtfelde selbst mit seinen Reiterregimentern rechts einschwenkte, wodurch es ihm gelang, Turenne in der rechten Flanke und im Rücken fassen zu können. Das entschied. Trotz der einzelnen Vortheile, die Turenne erfochten, sah er sich jetzt doch genöthigt, seine Truppen vom linken Flügel zurückzunehmen. Drei Reiterregimenter, welche eben auf dem Marsche von ihren Quartieren | zum Gefechtsfeld waren, deckten den Rückzug gegen Mergentheim hin einigermaßen. Dennoch gieng fast die ganze Infanterie und viel Artillerie verloren. Die Bayern drangen mit den Franzosen in Mergentheim ein. Die sofort erfolgte Wegnahme der Feste Neuhaus und des Schlosses in Mergentheim vollendeten den Sieg. Die eigentliche Schlacht hatte nur eine Stunde gedauert und den Bayern neben einer Menge Gefangener und erbeuteten Geräths wieder das entschiedene Übergewicht in ganz Süddeutschland verschafft. Der Tag wird von den Franzosen die Schlacht von Mariendal oder Mergendal, wie ja heute noch Mergentheim im Volksmunde heißt, genannt.

Mercy nahm zunächst sein Hauptquartier in Mergentheim und ergänzte die seinen Truppen geschlagenen Lücken durch Einstellung der meisten Gefangenen unter die bayrischen Fahnen. Turenne zog sich mit den Resten seiner Kavallerie nach Bischofsheim und weiter über den Main zurück, um in Hessen Schutz und Verstärkung zu suchen. Am 7. Mai folgten ihm Mercy und Werth über Bischofsheim nach. Der Verlust der Bayern in der Schlacht wird auf 800–1000 Todte angegeben; den Franzosen wurden 2600 Gefangene abgenommen; eine gleiche Anzahl von ihnen blieb todt auf dem Schlachtfelde; doch wird die Zahl der Gebliebenen auch bis zu 5000 angegeben. Nach der Schlacht waren die meisten Bürgerhäuser und sämmtliche öffentliche Gebäude in Mergentheim und Neunkirchen mit Verwundeten angefüllt; auch begruben nur allein die deutschordischen Unterthanen gegen 200 Todte. Als im Jahre 1777 die Chaussee von Mergentheim nach Herbsthausen angelegt wurde, mußte zwischen dem Unterthal und dem Katzenberg ein Hügel abgetragen werden, unter welchem man viele Tausend Knochen von Menschen und Pferden nebst Resten von Leder u. s. w. fand. Heutzutage werden auf dem Felde von Herbsthausen zwar keine Waffenstücke mehr aufgefunden, wohl aber nicht selten Hufeisen, welche möglicherweise vom Tage von Herbsthausen zurückgeblieben sein können.

Die Feste Neuhaus hatte Turenne mit 200 Mann besetzt; sie ergab sich noch am Abend des 5. Mai. In ihren Mauern fand man Turennes Silbergeschirr, zwei mit Geld beladene Maulesel und eine von dem Fürstbischof zu Würzburg dem Turenne geschenkte Kutsche mit 6 schönen Pferden. Im Schlosse zu Mergentheim, das 250 Mann Besatzung hatte, wurden eine Menge Pferde erbeutet, sammt der Kriegskasse und viel Munition.

Wenige Tage nach der Schlacht sandte Feldmarschall Mercy einen ausführlichen Gefechtsbericht an den Kurfürsten Maximilian nach München: Summarische Relation deß zwischen der Chur Bayerischen Reichs Armada, vnd der Königlich französischen, dem General Visconte di Tourraine vndergebenen Armada (in welcher zugleich das von Hertzog Bernharden von Sachsen Weimar herrührende Corps begriffen) bei dem nächst Mergentheimb gelegenen Dorff Herbsthausen, den 5. Mai dises 1645 Jahrs fürgegangenen haupt Treffens, darinnen ermeldte Tourrainische Armada geschlagen worden. (Abgedruckt bei Heilmann, Feldzüge der Baiern 1643–45. S. 203 ff.)

| Der Sommer des Jahres 1645 war gefüllt durch eine Reihe von Kreuz- und Querzügen der beiderseitigen Armeen. Vom Schlachtfeld bei Herbsthausen aus zog Mercy zunächst nach Hessen, dann zurück an den Main, vorwärts an den Neckar und dann wieder ostwärts gegen die Donau. Durch neuen Zuzug unter Condés (Enghiens) Führung und durch hessische Hilfstruppen wurde die Armee Turennes derart verstärkt, daß sie gegen den Herbst die Offensive aufnehmen konnte, um die Schmach von Mariendal zu rächen. Die Entscheidung fiel am 3. August bei Nördlingen.

Im Sommer 1646, als die Franzosen und Schweden gegen die Donau zogen, kam der Generallieutnant von Königsmark durch den Taubergrund, um über Kirchberg und das Ellwangische nach Augsburg zu gelangen (vgl. Martens 473. 475). Auf dem Rückzug vom Bodensee her im Anfang des nächsten Jahrs traf derselbe General am 26. Januar 1647 mit 2000 Reitern, 4 Regimentern zu Fuß, 19 Geschützen und 200 Gepäckwagen in Mergentheim ein, um an den Main zu ziehen. Als aber der bayrische General Johann von Werth mit einigen Tausend Reitern gegen ihn anrückte, zog er sich noch in der Nacht, indem er Truppen, Geschütz und Gepäck (148 Offiziers- und Soldatenfrauen, 3 Feldprediger, 43 Feuerwerker, 713 Soldaten, 753 Knechte, 2131 Pferde) mit der in Bregenz gemachten Beute in dem Schloß zu Mergentheim zurückließ, über Hall nach Neckarsulm. Johann von Werth nahm ihm bei der Verfolgung einen Rittmeister und 40 Mann gefangen, wandte sich aber bald gegen Nürnberg, worauf Königsmark wieder nach Mergentheim kam, um das Zurückgelassene abzuholen, (Ebendas. 480.) Aber das Kommen und längere oder kürzere Liegenbleiben schwedischer, bayrischer, kroatischer Abtheilungen hörte nicht auf.

Als endlich der Herbst 1648 den ersehnten Frieden brachte, trat auch für unsere schwer heimgesuchte Gegend die Wiederstellung wenigstens des alten Besitz- und Herrschaftsstandes ein. Ein Paragraph des Friedensinstruments von Münster und Osnabrück „restituirte das Haus Hohenlohe in alles so ihm entzogen, bevorab die Herrschaften Weikersheim, als auch das Kloster Scheftersheim, ohne einige Ausrede“. Schon im August 1648, sobald das Zustandekommen des Friedens in Aussicht stand, hatten die Grafen einen Beamten, den Keller Röser von Künzelsau, nach Weikersheim gesandt, um darüber zu wachen, daß nicht dem Frieden zuwider Güter und Vorräthe beseitigt wurden. Die deutschordischen Beamten hofften, es werde noch viel Wasser die Tauber hinabfließen, ehe sie Weikersheim verlassen müßten. Man klagte über dieselben, daß sie die Waldungen devastirten, verkauften, einpackten und wegführen ließen, was nur möglich. Andererseits verlangte der Deutschmeister, daß Hohenlohe ihm die Interessen aus den Weikersheimer Grafschaftsschulden vergüte. Sodann fragte sich, wem die Zehnterträgnisse von dem Getreide und Wein des Jahres 1648 zustehen; die älteren Vorräthe waren größtentheils verkauft. Für die noch ausstehenden, dem Orden mit Recht zukommenden Gefälle bezahlte Hohenlohe die runde Summe von 600 Gulden. Die vom Orden während seines Regiments aufgenommenen Juden versprach man noch ein halb Jahr zu dulden – eine Frist, welche später verlängert wurde, so daß die Juden blieben. | Es war am Donnerstag den 18. März 1649, als nach Ratifikation und Aushändigung der Urkunden der Deutschorden die seit Januar 1637 in seinem Besitz gewesene Grafschaft Weikersheim dem Haus Hohenlohe feierlich zurückgab. Der Orden hatte, weil ihm selbst einige Kommenden in Elsaß und Lothringen noch nicht ausgefolgt waren, einige Zeit mit der Zurückgabe gezögert. An dem genannten Tage aber erschienen im großen Saal des Schlosses zu Weikersheim die Abgeordneten des Deutschmeisters: Johann Kaspar von Umbringen, Kanzleidirektor zu Mergentheim, und der Rath Sebastian Poth von da einer und die Gräfin Witwe Sofie von Hohenlohe-Neuenstein mit ihrem Sohne Siegfried und den Grafen Joachim Albrecht und Heinrich Friedrich von Langenburg andererseits, denen ihre Beamten mit dem Syndikus Frisch von Heilbronn zur Seite standen, um in Gegenwart von Notar und Zeugen den Akt zu vollziehen. Der Magistrat von Weikersheim, die ganze Bürgerschaft der Stadt, Abgeordnete aus sämmtlichen zur Herrschaft Weikersheim gehörigen Gemeinden waren bei der umständlichen Handlung zugegen. Zwei Tage darauf geschah mit gleicher Feierlichkeit am gleichen Orte die Rückantwortung des Klosters Schäftersheim von Seiten des Prälaten Gottfried von Oberzell und seiner Abgeordneten an das Haus Hohenlohe, wobei die Unterthanen des Klosters zugegen waren. (Fischer 79 f.)

So schlimm alle die erzählten und die zwischen den Zeilen zu lesenden Begebenheiten des endlosen Kriegs waren, jene an Schmach und Schrecken so reiche Zeit sah noch Schlimmeres: die Epidemie der Hexenverfolgung. Nirgends waren diese blutigen Ausschreitungen des beklagenswerthesten Irrwahns häufiger, als im Bisthum Würzburg. Von 1617 bis 1631 sind ihm in der Stadt Würzburg in 42 Bränden 219, im ganzen Bisthum 900 Menschen aus allen Ständen zum Opfer gefallen (Bavaria 4, 398). Unser Bezirk hatte hieran, wie die Prozeßakten im ehemaligen Mergentheimer Archiv zeigen, seinen vollen Antheil zu nehmen: von 1628 bis 1631 sind hingerichtet worden 4 von Apfelbach, 4 von Igersheim, 80 von Markelsheim, 35 von Mergentheim, 2 von Neunkirchen etc. Beispiele:

1626 wurde die Witwe des Deutschordenskanzlers Kirchheimer als Hexe und Unholdin geköpft und dann verbrannt; desgleichen 8. Nov. 1628 in Markelsheim 4 Hexen, was laut noch vorliegenden Rechnungen des Malefizschreibers nachstehende Kosten verursachte: Gütliche und peinliche Frage 2 Gulden 48 Kreuzer, dem Centgrafen von jedem Gerichteten 2 Gulden, dem Hauptmann 1 Rthl., den 2 Trabanten 1 Rthlr., den 2 Leibschützen 12 Batzen, dem Pfeifer und dem Trommelschläger 10 Batzen. Dem Stadtknecht für eine Hexe auf das Neuhaus zu liefern 20 Batzen; dem Fuhrmann, welcher die Malefizpersonen auf das Neuhaus und wiederum von da auf die Malstatt geführt hat mit 4 Pferden, für jedes Pferd 40 Kreuzer; zu 4 Hexenröcken 25 Ellen schwarzwollen Futtertuch à 3 Batzen, | 24 Ellen schwarze Kamelbörtlein à 2 Kreuzer, 6 Ellen rothe Kamelbörtlein zu Anhängung des Agnus Dei, 8 Ellen weißen Kanevas 1 Gulden 40 Kreuzer; für den Pater Prior ein spanischer Mantel mit fliegenden Ermeln, durch und durch verbrämt, grau englisch Tuch 16 G. 48 Krzr., Schneider 2 G. 12 Krzr., für die 4 Hexenröcke 48 Krzr., für des Stockmeisters Stock 30 Kr., dem Schreiner 4 Schrannen 10 Batzen, 1 Geländerstuhl, roth angestrichen, 8 Batzen, dem Wagner: je 1 Helm in ein Beil und einen Hapen, 1 Stiel in einen Hammer, 1 Stecken in einen Haken, 1 neue Brickse, 1 Stiel in eine Hackse 13 Batzen und 16 Kreuzer; dem Schmid 1 neues Fleischbeil, 1 breite Schaufel, 1 breite Haue, 1 starken Feuerhaken 2 Gulden; den beiden Bürgermeistern für 5 Klafter Brennholz, 1 Wagen Wellen und 1 Schober Stroh 7 Gulden, dem Seiler 10 Pfd. lauter Harz 1 Gulden 2 Pfd. 24 Hlr., 10 lange Bindstricke 1 G., Stabschnur zum Kranz 2 Pfd. 24 Hlr., den Bauern Fuhrlohn fürs Holzfahren 4 G., dem Wirth in Markelsheim für Zehrung der Centschöppen auf dem Rathhaus zum Frühstück 3 G., 10 Centverwandten über Mittag 6 G. 1 Pfd. 12 Hlr., dem Hauptmann von Mergentheim 1 G. 2 Pf. 24 Hlr., der Schützenrott 1 G., dem Scharfrichter für die Hinrichtung der 4 Personen 12 Gulden. So im Jahre 1628. Im folgenden Jahr aber wurden von demselben Centgericht zu Markelsheim wegen angeblich getriebenen Hexen- und Trudenwerks nicht weniger als 57 Personen, darunter 2 Männer und 11 Weiber von Mergentheim, 9 Männer, 30 Weiber und 1 neunjähriger Knabe von Markelsheim, theils lebendig verbrannt, theils mit dem Schwert oder Strang gerichtet und dann verbrannt, ihre Asche aber in die Tauber geschüttet, auch ihr Vermögen oder ein Theil desselben eingezogen.

In einem der Verhöre vom 3. September d. J. findet sich die Schlußbemerkung: NB. Diese oben beschriebenen 4 Personen, weil sie vor dem hochnothpeinlichen Halsgericht umgefallen und revocirt und nicht wie Hexen, sondern als Märtyrer zu sterben und sich lebendig verbrennen zu lassen erklärt, sind mit Ketten an einen Stock geschmidet und ihrem Begehren nach lebendig verbrannt worden! Manchen wurde auch gestattet, vor der Hinrichtung ihr Testament zu machen, wobei sie der Kirche, insbesondere des Predigerklosters, nicht vergaßen.


Als wäre das ganze Jahrhundert verurtheilt, nicht zur Ruhe zu kommen, brachten im letzten Viertel desselben die durch Ludwigs XIV. Übermuth herbeigeführten Kriege immer neue Sorgen und Verluste. Wir lassen wieder den Militärschriftsteller A. Pfister erzählen.

Im Monat August 1673 hatte sich Turenne, von der Gegend von Frankfurt und Aschaffenburg aus in Franken einfallend, auf dem linken Mainufer festgesetzt, um hier die kaiserliche Armee zu erwarten, welche unter Montecuculi sich bei Eger sammelte und über Nürnberg im Anmarsch war. Am 8. Sept. kam der französische Marschall auf seinem Zug mit seiner Armee vor Mergentheim an. Eine Deputation gieng ihm bis Edelfingen entgegen, um ihm die Stadt nochmalen aufs Beste zu rekommandiren. Der Marschall gab zur Antwort, daß das, was einmal zugesagt worden, auch gehalten | werde. Am Abend stellte Turenne seine Vorposten in den Weinbergen von Igersheim selbst auf, denn er erwartete das ihm überlegene Heer Montecuculis 40.000 Mann stark von Rothenburg her. Es kam aber Nachricht, daß die Österreicher sich dem Main mehr genähert hätten. Gleich am folgenden Tag, den 9. Sept., brach daher Turenne auf und zog mit der ganzen Kavallerie die Löffelstelzer Steige hinauf. In den nächsten Tagen stand er bei Röttingen, am 13. Sept. bei Ochsenfurt. In der Nähe von Mergentheim und dessen Gebiet fand keinerlei Zusammenstoß statt, bei Marktbreit jedoch standen sich die gegnerischen Heere gegenüber und kämpften hier namentlich Ende Septembers zwar unentschieden, aber mit beträchtlichem Verlust auf beiden Seiten. Eine österreichische Abtheilung hatte indeß bei Würzburg das rechte Ufer des Main gewonnen und hatte, bis Wertheim streifend, die Magazine und Zufuhren der Franzosen zerstört und abgeschnitten, nach wenigen Gefechten, wobei der Generallieutnant Graf von Guise gefallen war. (Es wird auch berichtet, der Graf von Guise sei nicht gefallen, sondern ohne Wunde aus Gram darüber gestorben, daß er sich habe bei Wertheim überfallen lassen.) Durch den weiteren Vormarsch der Österreicher auf dem rechten Mainufer und durch Mangel an Magazinen sah Turenne in der Folge sich genöthigt, zurück zu weichen. Am 23. Okt. hatte er Ladenburg erreicht und gieng bei Philippsburg auf das linke Rheinufer. Vor seinem Abzug aus der Gegend von Würzburg überließ er die Lande des Bischofs der Plünderungssucht und der Gewaltthätigkeit seiner Armee. Mergentheim und sein Gebiet dagegen scheint bei diesem Einfall ohne beträchtlichen Schaden davon gekommen zu sein. Als am 9. Sept. Turenne selbst aus Mergentheim abgezogen war, hatte er eine Sauvegarde in der Stadt gelassen. Am 21. Sept. kam der Graf von Guise vor die Stadt, um den dort befindlichen Proviant zu decken, da in den letzten Tagen in der Nähe von Wertheim durch die Österreicher bedeutende Magazine aufgehoben worden seien. Statt 300 Dragonern legte aber der Graf mehr als 1000 in die Stadt, die nicht im Stande war, sich zu weigern. Am 27. Sept. marschirten diese ab, es blieb nur eine Besatzung von 160 Mann im Schloß zurück. In den ersten Tagen des Oktober lag General Reinelle mit kurkölnischen und englischen Truppen (wohl Irländer, welche damals in sehr großer Zahl im Solde Frankreichs standen) in der Stadt, bis der allgemeine Rückzug gegen Ladenburg und Philippsburg hin angetreten wurde. Im Gegensatz zu den sonstigen französischen Einfällen wird diesmal das Verhalten der feindlichen Truppen im Allgemeinen als ein erträgliches gerühmt.

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Auch unter dem berüchtigten Einfall der Franzosen in Süddeutschland 1688 hatte unsere Gegend schwer zu leiden. Im Herbst des Jahres war der französische General Marquis Feuquieres Kommandant am Neckar mit dem Sitz in Heilbronn. Von hier aus machte er mit einer fliegenden Kolonne einen Streifzug durch Franken und Schwaben, um überall Geld einzutreiben und Beute zu machen. Die schwäbischen und fränkischen Kreistruppen waren zumeist abwesend in Ungarn beim Türkenkrieg. So konnten die Mordbrenner fast ungestört hausen. Nur an wenigen Plätzen stellte sich ihnen ernstlicher Widerstand entgegen. Der Zug gieng bis vor die Thore | Würzburgs, nach Rothenburg, Nürnberg, Eichstädt, von hier zur Donau und zurück nach Pforzheim. Jammer und Elend bezeichneten den Weg; eine Menge Dörfer giengen in Flammen auf, die Städte mußten sich mit hohen Summen Schonung erkaufen und Geiseln stellen. Kurze Zeit nach dem Mordbrennerzug reiste Feuquieres nach Paris, um Louvois Bericht zu erstatten. Er sagte zu Louvois, dem Obersten des Diebsgesindels, er habe auch für seine Person sich etwas Hübsches bei seiner Streiferei bei Seite gelegt, etwa 100.000 Gulden. Louvois lobte den Gesellen darum mit den Worten: Ihr habt sehr wohl gethan. In den Staatsschatz lieferte Feuquieres 3–4 Mill. Livres ab, der König machte ihm dafür eine Verehrung von 12.000 Livres. Und das war nur die Beute von einem einzigen Streifzug aus einer einzigen Gegend, zusammengetragen von einem einzigen der mordbrennerischen Diebe, die unter den Namen von Generalen und Marschällen gegen Deutschland losgelassen waren und seine Dörfer und Städte plünderten.

Der Marquis Feuquieres erzählt seine Schandthaten als etwas Natürliches und Alltägliches, weil ja nur gegen eine Heerde Deutscher ausgeübt; in dem Werke: „Geheime und sonderbare Kriegsnachrichten des Marquis von Feuquieres.“ Ausführlich ist darin berichtet über die Wegnahme von Crailsheim (7. Nov.), von Neuenbürg und Enzweihingen; Mergentheim wird nicht erwähnt. Durch die Akten des Deutschordens erhalten wir Kunde von der Angst und dem Jammer der Bevölkerung, namentlich in den Städten Crailsheim, Rothenburg, Nördlingen, Nürnberg. Ende November wird die Rothenburger Landwehr durchhauen, 15–20 Dörfer werden niedergebrannt. Am 10. Nov. seien 4000 Mann Franzosen zu Roß und zu Fuß mit 5 Feldstücken an Mergentheim vorbeigegangen. Um dieselbe Zeit lagen sächsische und brandenburgische Truppen in und um Mergentheim; in einem Schreiben vom 11. Nov. wenigstens wird geklagt über die fast unerträgliche Quartierlast.

Bald folgt der spanische Erbfolgekrieg. Nach der blutigen Schlacht bei Höchstadt, 13. August 1704, zogen große Züge französischer Gefangener unter englischer und deutscher Begleitung durch Mergentheim. Im weiteren Verlauf des Kriegs „hat sich am Freitag den 22. Juli 1707 der leidige und unglückliche Zufall ergeben, daß eine starke französische Partei zu Pferd früh Morgens zwischen 3 und 4 Uhr vor die Stadt Mergentheim gekommen und sogleich über und durch die Mauern am Hadergassenthor in den Zwinger eingestiegen, die große Fallbrücke herabgelassen, die Thore aufgehauen und mit völliger Gewalt und Furie eingebrochen und auch sobalden mit einem ziemlichen Trupp sich vor das Schloß begeben und das Thor, weil die Brücke schon vorher heruntergelassen worden, aufgesprengt und sich des Herrn Präsidenten hochwürdiger und gnädiger Person bemächtigt.“ – So die Erzählung in den von den Behörden des deutschen Ordens geführten Protokollen.

Es war um die Mitte des Juli 1707 der französische General Sezanne bei Heidelberg über den Neckar gegangen, um in Franken Brandschatzungen einzutreiben. An der Jagst sandte er den Marquis von St. Pouange mit 300 Reitern ab, um in Mergentheim möglichst viel Geld zu erheben, Es gelang diesem Detaschement auch, | in der Morgendämmerung des 22. Juli die schlecht bewachte Stadt zu überrumpeln und den Präsidenten von Kageneck als Geisel nach Schönthal wegzuführen. Der deutsche Orden erhielt eine Kontribution von 120.000 fl. zugeschrieben und in wenigen Stunden waren die Bürgerhäuser rein ausgeplündert. Geld und Geldeswerth, silberne oder sonst irgendwie werthzuschätzende Geräthe, Kleider etc. wurden mit der größten Gewandtheit aufgestöbert und entführt. Ausführliche Verzeichnisse über den in jedem Bürgerhause begangenen Raub liegen noch vor und repräsentiren einen ganz bedeutenden Werth.

Nach wenigen Stunden schon zogen, beladen mit Beute, die schlimmen Gäste wieder ab; die fränkischen Kreistruppen, welche unter General Tucher bei Herbsthausen standen, kamen zu spät.

Die beschämende Überrumpelung der Stadt durch eine schwache Streifpartie, der erlittene große Schaden, die Höhe der zu leistenden Kontribution, mit welcher zugleich der Herr von Kageneck auszulösen war, erregte überall gerechte Erbitterung. Allein erst durch Erlaß vom 20. Oktober 1707 ordnete der Deutschmeister, der damals fern von Mergentheim residirte, eine Untersuchung an. „Wir Franz Ludwig, Administrator des Hochmeisterthums in Preußen, Meister deutschen Ordens in deutschen und welschen Landen etc., verlangen umständlich zu wissen, wer oder welche daran Schuld getragen, daß unlängst in der Nacht unsere Residenzstadt Mergentheim von den Franzosen überfallen wurde etc.“ Demgemäß wurde eingehendes Verhör angestellt mit dem Bürgermeister, Stadtschreiber, Stadtlieutenant, Thorwart und dem Thurmwächter. Letzterer gibt an, um 1/24 Uhr habe er einzelne Reiter der Stadtmauer sich nähern gesehen. Kaum halb bekleidet, habe er rasch seinen Thurm verlassen und an des Bürgermeisters Haus geklopft. Die Magd habe auch gleich zum Fenster herausgesehen und sofort auch der Bürgermeister selbst, dem er seine Kunde vorgebracht. Der Bürgermeister habe erwidert, daß er auf den nächsten Thurm steigen wolle, um zu sehen, was es für Völker seien. Ehe aber dieses Vorhaben auszuführen gewesen, habe man die Franzosen schon in die Judengasse einmarschiren sehen. Ausführlich und so gut es gehen wollte, verantwortet sich Herr von Kageneck selbst, er habe stets Fühlung mit dem General Tucher gehalten und Nachrichten über die feindlichen Korps eingezogen, welche von Mosbach aus Brandbriefe für Nürnberg, Öttingen, Eichstädt und andere Plätze abgefertigt hatten. Ihn und die Behörden treffe keine Schuld, aber die Bürgerwacht habe sich theils vollgetrunken gehabt, theils sei sie davon gelaufen. Vom 5. März 1708 schreibt Franz Ludwig, daß er von fernerer Inquisition absehen wolle; der Stadtlieutenant Johann Georg Boxberger aber, welchen die meiste Schuld treffe, solle abgesetzt und von dannen geschafft werden; der Bürgermeister sei auf 14 Tage ab officio zu suspendiren, der Korporal auf etwa 14 Tage zur Schanzarbeit bei mäßiger Atzung zu condemniren. (Hiernach ist v. Martens Kriegs-Ereign. 614 zu berichtigen.)


Der polnische Erbfolgekrieg 1733 ff. brachte eine neue Erscheinung für unsere Gegend und ganz Süddeutschland: preußische und russische Truppen. Es war ein preußisches | Korps, welches im Sommer 1734 durchzog und das 10–12.000 Mann starke Hilfskorps, welches der russische Feldmarschall Lacy über Mergentheim, wo es vom 20. bis 26. August 1735 durchmarschirte, dem „edlen Ritter“ Prinz Eugen nach dem Rhein zuführte, und welches in den letzten Tagen des Jahrs, wohl wieder über Mergentheim, zurückmarschirte. Im September 1741 zogen französische Heerestheile dem mit Österreich im Kriege befindlichen Bayern zu Hilfe durch Franken, theilweise auch durch Mergentheim, während in Schwaben die Österreicher mit den Franzosen sich herumstritten. 1745, im österreichischen Erbfolgekrieg, wurde der österreichische Feldmarschall von Traun beauftragt, mit einem 24.000 Mann starken Heer der von den Franzosen belagerten Festung Mainz zu Hilfe zu eilen. Traun, dessen Hauptquartier am 2. Juni 1745 in Schrozberg war, versammelte jenes Heer am 4. Juni in Mergentheim, zog aber schon am folgenden Tage über Boxberg weiter.

Auch die Napoleonischen Kriege mußten bei der Lage unseres Bezirks Stadt und Amt vielfach in Anspruch nehmen, ja sie haben hier wie nur irgendwo die einschneidendsten, lange nicht verwundenen Wirkungen hervorgebracht.

Der Reichsdeputations-Hauptschluß vom 25. Febr. hatte Bayern durch Zuweisung des Bisthums Würzburg und der Reichsstadt Rothenburg zum unmittelbaren Nachbar des deutschmeisterischen Gebiets gemacht, Württemberg durch Überlassung des Klosters Schönthal in Mergentheim selber, wo dieses einen Hof besaß, Fuß fassen lassen. Der Kurfürst von Württemberg ließ noch im Dezember 1803, angeblich um sein Land gegen fremde Okkupationen zu schützen, an der nördlichen Landesgrenze einen Kordon ziehen, und die reichsritterschaftlichen Gebiete an der Grenze seines Landes besetzen. Bayern, welchem durch den Reichsrezeß eine Militärstraße von Würzburg nach Rothenburg überlassen war und durch den Preßburger Frieden vom 25. Dezbr. 1805 die innerhalb seines Staatsgebiets gelegenen Güter der Reichsritterschaft zugewiesen wurden, besetzte im Januar 1806 vorübergehend das Amt Haltenbergstetten, auch Orte, wo gar keine Rittersteuer erhoben worden war, wie Vorbachzimmern. Viel weiter gieng der energische Kurfürst von Württemberg. Noch vor jenem der Schlacht von Austerlitz folgenden Tagesbefehl vom 19. Dezbr. 1805, welcher die französischen Kommandanten anwies, den Truppen und Agenten der Kurfürsten von Bayern, Württemberg und Baden in der Besitzergreifung der Güter des Deutschen Ordens in ihren Landen bewaffnete Hilfe zu leisten, und ehe der Preßburger Friede das deutschordische Neckaroberamt Horneck an Württemberg auslieferte, erließ Kurfürst Friedrich ein Patent, wornach die Güter des Deutschen und des Johanniter-Ordens wie die der Reichsritterschaft vorläufig okkupirt werden sollten. Da traf der genannte Friedensschluß vom | 26. Dezbr. 1805 die fast 600jährigen Beziehungen Mergentheims zum Deutschen Orden tödtlich. Artikel 12 jenes Traktats bestimmte: „Die Würde eines Hoch- und Deutschmeisters, die Rechte, Domänen und Einkünfte, welche vor dem gegenwärtigen Kriege von Mergentheim, dem Hauptsitz des Deutschen Ordens, abhiengen, die andern Rechte, Domänen und Einkünfte, welche zur Zeit mit dem Hoch- und Deutschmeisterthum verbunden sind, sowie die Domänen und Einkünfte des Ordens sollen erblich werden nach der Ordnung der Erstgeburt in der Person und der geraden männlichen Abstammung desjenigen Prinzen des Kaiserlichen Hauses, welcher von dem Kaiser von Deutschland und Österreich dazu ausersehen werden wird.“ Mit Schreiben vom 17. Febr. 1806 benachrichtigte der Kaiser den Hoch- und Deutschmeister, daß er nächstens einen Commissarius nach Mergentheim senden werde, um dort für das Kaiserliche Haus seine Rechte, Domänen und Einkünfte in Besitz, das hochmeisterische Dienstpersonal in Kaiserliche Pflicht zu nehmen und die Bürgerschaft den Huldigungseid für den Kaiser und sein Haus ablegen zu lassen, weshalb er den Hochmeister ersuche, Dienstpersonal und Bürgerschaft ihrer Pflicht und ihres Huldigungseides zu entbinden und solches auch für die übrigen Ordensdiener und Unterthanen außerhalb Mergentheim zu veranlassen. Dieses geschah im März durch den Freiherrn von Hügel, wenige Monate ehe die Annexionen der Rheinbundsfürsten die Hoch- und Deutschmeisterischen Besitzungen und Einkünfte zu verschlingen anfiengen. Im Frühjahr 1808 sah der Rentmeister und Hofkammerrath Lindner in Mergentheim, als er einem Rathsgebietiger des Ordens von seinem Deputat von jährlichen 3000 Gulden mit Mühe das Sümmchen von 88 Gulden zuschickte, die Zeit nahe, wo dem Meisterthum „nur noch die 3 in ihren Revenüen sehr unbedeutenden Ämter Neuhaus, Balbach und Wachbach übrig sein werden, womit dasselbe mit dem ganzen hohen Orden von selbst erlöschen muß.“ (Voigt 2, 604.) Ein flüchtiges Jahr noch, und das Vorausgesagte trat ein. In dem siegreichen Krieg gegen Österreich, „am letzten Tage des fünftägigen mörderischen Kampfes bei Abensberg und Eckmühl ward auch das Schicksal des Ordens in deutschen Landen für alle Zeit entschieden. Napoleon sprach in Regensburg am 24. April 1809 über ihn das gebieterische Machtwort aus: 1. Der Deutsche Orden ist in allen Staaten des Rheinbunds aufgehoben (supprimé). 2. Alle Güter und Domänen des Ordens werden mit der Domäne der Fürsten, in deren Staaten sie liegen, vereinigt. 3. Diese Fürsten werden denjenigen ihrer Unterthanen, die als Mitglieder des Ordens im Genuß jener Güter waren, Pensionen bewilligen. Ausgeschlossen sind diejenigen, welche während des gegenwärtigen Kriegs gegen Uns oder die Bundesstaaten die Waffen tragen oder in Österreich bleiben werden. 4. Das Gebiet von Mergentheim, mit den an das Hochmeisterthum geknüpften Rechten, Domänen, Revenüen, wird mit der Krone Württemberg vereinigt.

König Friedrich von Württemberg hatte die Unterzeichnung dieses Dekrets durch Napoleon nicht abgewartet, schon vier Tage vor derselben, am 20. April, ließ er Truppen in Mergentheim einrücken und durch Freiherrn von Maucler der Kaiserlichen Regierung und durch Anschlag am Rathhaus der Einwohnerschaft Folgendes eröffnen:

| Im Namen Sr. Königl. Majestät von Würtemberg. Bewogen durch die feindlichen Vorschritte, welche Se. Majestät der Kaiser von Östreich gegen Se. Königl. Majestät von Würtemberg und Ihre Alliirten gemacht, haben Se. Majestät der König von Würtemberg das Fürstenthum Mergentheim mit allen seinen Zugehörungen militärisch okkupiren und in Administration nehmen lassen. Indem die sämmtlichen Unterthanen des Fürstenthums hievon andurch benachrichtigt werden, erwartet die unterzeichnete Stelle von ihnen, sie werden durch ein ruhiges und folgsames Betragen die freundliche, schonende und gerechte Behandlung verdienen, welche alle Königl. Würtemb. Behörden und namentlich die in das Fürstenthum verlegten Königl. Truppen überall gegen sie eintreten lassen werden und die ihnen im Namen Sr. Majestät des Königs hiemit feyerlichst zugesichert wird.

 Mergentheim den 20. April 1809.

Königl. Würt. General-Landes-Kommissariat in dem Fürstenthum Mergentheim. Freiherr von Maucler.

Die am 13. Juni auf dem Marktplatz in Mergentheim vorgenommene Huldigung gieng stumm und theilnahmlos vor sich; aber v. Maucler mochte von der ihm persönlich entgegengebrachten Verehrung eine allmähliche Besserung der Stimmung erwarten. Da führte die Rekruten-Aushebung im Bezirk plötzlich zum Ausbruch von Unruhen, deren Verlauf bis zu ihrem blutigen Ende schmerzlich an den Bauernkrieg des 16. Jahrhunderts erinnert. Während die von der Stadt zu stellende junge Mannschaft am 23. Juni auf den Sammelplatz Herbsthausen und von da nach Ludwigsburg gebracht wurde, widersetzte sich die Bevölkerung in den Landorten der Aushebung. Als am 26. Juni der Oberamtmann Kuhn, von 60 Soldaten begleitet, nach Wachbach kam, die Stellung der Rekruten zu erzwingen, rückten große Bauernscharen von Markelsheim heran und zwangen den Oberamtmann und den Major Hypeden, während die Soldaten sich zurückzogen, ihnen nach Mergentheim zu folgen. Als die Bauern in die Stadt einstürmten, boten von Maucler, Hofrath Herzberger und Stadtschultheiß Taglieber allem auf, sie zu beschwichtigen, und schon war ihnen dies so gut wie gelungen, als die Bauern sich der Hauptwache bemächtigten und dort 3 österreichische Deserteure fanden, welche den Abend vorher eingebracht worden waren, um nach Ludwigsburg transportirt zu werden. Der Anblick derselben, besonders eines Ulanen von martialischem Aussehen, gab das Signal zum förmlichen Aufruhr. Mit dem Ruf: vivat Kaiser Franz, vivat Anton Viktor (der Erzherzog Hoch- und Deutschmeister), schlagt die Württemberger Hunde todt! wurde der Ulane zum Anführer erhoben und v. Maucler, durch die von Herzberger und Taglieber zusammenberufene Bürgerschaft mit Mühe vom Tode gerettet, mit den übrigen Königlichen Dienern auf das Rathhaus gefangen gesetzt und dort von den besonnensten muthigsten Bürgern bewacht. Immer noch wuchs die Zahl der herbeiströmenden Bauern, unter welchen sich die von Oberbalbach besonders hervorthaten. Schon begann auch unter fortwährendem Weingenuß das Plündern der Beamtenwohnungen und das stürmische Verlangen nach der Königlichen Kasse; die Württembergischen Wappen wurden überall abgenommen und unter Jubel | durch die Deutschmeisterischen ersetzt. Dem Stadtschultheiß gelang es, mit Geld den Ulanen und seine zwei Kameraden zum Verlassen der Stadt zu bewegen, und endlich brachte er mit dem als letzter Ordensritter geachteten vormaligen Regierungs-Präsidenten Freiherrn Reuttner von Weyl einen Theil der betrunkenen Bauern auch zum Abzug aus der Stadt. Am nächsten Tag, 27. Juni, schienen die Landleute dem Versuch der Beruhigung unwillkürlich selber entgegenzukommen mit dem sofort in Vollzug gesetzten Verlangen, daß das aufgelöste Deutschmeisterische Militär wieder uniformirt und bewaffnet und seinem ehemaligen Kommandanten, dem gewesenen Deutschordens-Komthur Freiherrn v. Hornstein unterstellt werden solle, welch letzteren sie zugleich als ihren eigenen Kommandanten anerkennen wollten. Das Ordenskreuz der beiden Freiherrn und der vormaligen Geistlichen Räthe und Ordenspriester Höpfner und Engelhard schien allenthalben heilsam zu wirken. Allein andererseits schürten die jetzt auch von entfernteren Ortschaften, namentlich Schüpf und Ailringen, gemachten Anerbietungen, zu Hilfe zu ziehen, das Feuer des Aufstands, und mit Ungestüm verlangte der ganze Haufe Pulver und Blei. Man zog ihn mit neuen Verhandlungen hin, namentlich über die Absendung eines Schreibens an den König, worauf die Bauern endlich unter der Bedingung eingiengen, daß das alte Deutschordenssiegel aufgedrückt würde. Am folgenden Tag, 28. Juni, brachte man mit dem Vorschlag, in den Landorten eigene Kompagnieen unter selbstgewählten Offizieren zu bilden, die meisten Aufrührer aus der Stadt und verabredete nun das Nähere für den Fall des Anrückens der Königlichen Truppen. Die Bürgerschaft mit dem wieder organisirten Militär sollte in der Stadt bleiben, Hornstein mit den Bauern sich vor dieselbe begeben und ihnen bestimmte Plätze anweisen, er selber mit einem Tambour den Anrückenden entgegengehen und den Kommandanten bitten, seine Truppen so aufzustellen, daß sie von den Bauern gesehen werden können, in welchem Fall sie von dem Wahn, der König habe keine disponiblen Kräfte, geheilt und alsbald flüchtig werden würden. Am andern Morgen, Donnerstag 29. Juni, kam die Kunde von dem Annahen der Königlichen Truppen; die Bürgerschaft wurde in 5 Kompagnieen formirt und instruirt, die Bauernwachen vom Rathhaus entfernt, als plötzlich durch das Künzelsauer Thor zahlreiche Bauern in die Stadt stürzten, das Anrücken der Württemberger verkündeten und Sturm zu läuten anfiengen. Nach einer halben Stunde waren alle Plätze der Stadt mit tobenden Bauern angefüllt, sie drängten sich an das Rathhaus und verlangten die Gefangenen, deren Köpfe man auf Gabeln den Truppen entgegentragen werde; wenn die Städter sich weigern, werden sie aufgeknüpft und Mergentheim in Brand gesteckt werden. Um das Verbarrikadiren der Thore zu hindern, boten Herzberger und v. Hornstein allem auf, die Bauern aus der Stadt zu locken, ihre bereits theilweise ersichtliche Furcht zu steigern. Man brachte die Mehrzahl dahin, auf den Wiesen bei Neunkirchen sich zu lagern, ein Theil schlich sich in die Weinberge; etwa 30 folgten Herzberger und v. Hornstein, welch Letzterer einen Tambour zur Seite, ein weißes Tuch in der Hand hatte, bis an den Scheideweg nach Wachbach und Stuppach. Die bei Neunkirchen Gelagerten ließen Herzberger zu sich rufen, um | Verstärkung aus der Stadt zu holen. Er ließ, da die Bauern in der Angst theilweise wieder nach der Stadt drängten, die Thore schließen, mit dem Befehl, sie nur den Königlichen Truppen wieder zu öffnen. Mittlerweile rückte deren Vorhut an; ein Theil der Bauern schoß auf sie, die meisten flohen, von den Reitern verfolgt. v. Hornstein ließ die Trommel rühren und gab mit dem Tuch ein Zeichen zum Parlamentiren, der Tambour ward an seiner Seite niedergeschossen, er selber gefangen genommen. Gegen 4 Uhr standen die Truppen, 2 Bataillone Linien-Infanterie, 2 Landbataillone, 2 Schwadronen und 4 Geschütze, vor der Stadt. Ehe der Thorwart am Boxberger und ein Mädchen am Wachbacher Thor öffnen konnte, wurden sie durch Musketenkugeln verwundet und die Thore eingeschlagen. In wildem Tumult ergoßen sich die Soldaten über die Stadt; ein vom Boxberger Thurm auf sie fallender Schuß steigerte ihre Wuth, die Stadt wurde wie ein mit Sturm eroberter fester Platz behandelt. Selbst den Herrn v. Maucler, der aus einem Fenster des Rathhauses den Anstürmenden zurief, daß sie die schuldlose Stadt schonen möchten, traf ein Streifschuß. Mit Raub und Plünderung wurde arger Unfug getrieben und in den umliegenden Dörfern fortgesetzt. Am 30. Juni traf als Generalkommissär Freiherr v. Reischach ein, ließ Stadt und Land entwaffnen, zahlreiche Geisel nach Heilbronn abführen und jeden Widerstand damit bedrohen, daß „das Dorf angesteckt und alle erwachsene männliche Seelen ohne Gnade und Barmherzigkeit niedergehauen werden sollen.“ Tags darauf kam noch ein Spezialkommissär, der Minister Graf Taube, mit der Belobung und den Auszeichnungen des Königs für die Truppen, sowie zur Leitung des bereits eingesetzten Martialgerichts. Noch an demselben und am folgenden Tag erließ dieses folgende, sofort vollzogene Strafurtheile: als Hochverräther sollten Franz Werner von Markelsheim mit dem Strang hingerichtet, Josef Heim und Paul Eichinger von da, sowie Peter Kilian, Lorenz Haun und Franz Schies von Oberbalbach erschossen werden, während Josef Lurtz von Rengershausen und Johann Fischer von Mergentheim zu lebenslänglicher, Andere zu zeitlicher Festungsarbeit verurtheilt wurden. v. Reuttner und v. Hornstein wurden, letzterer nach 6monatlicher Haft, des Landes verwiesen. Groß war auch der materielle Schaden für Stadt und Land: sie hatten 36.000 Gulden zu bezahlen und außerdem gibt eine Stadtrechnung den „Plünderungsschaden der Insurgenten, Einquartierungs- und Verpflegungskosten (abgesehen von den Quartieren bei den Einwohnern), Kosten für die ausgehobenen Geiseln, Untersuchungskosten etc.“ zu 12.683 Gulden 12 Kreuzer an.

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Zur Heilung dieser Wunden war es vielleicht mehr förderlich, als hindernd, daß in den nächsten 6 Jahren die Kriegsnöthe mit den unendlichen Truppendurchmärschen fast nicht ausgiengen. Im Frühjahr 1812 zog die Armee mit Kronprinz Wilhelm durch Mergentheim Rußland zu. Im Herbst 1813, als Bayern sich von Napoleon abgewandt hatte, König Friedrich von Württemberg aber sich noch nicht entschließen konnte, ließ | Letzterer, von Bayern „Insultirung der Königlichen Grenzen“ fürchtend, einen Grenzkordon von Creglingen bis gegen Ellwangen aufstellen. Im Juni 1815 marschirten 80–90.000 Russen mit 28.000 Pferden und 204 Geschützen durch nach dem Rhein. Es erfreut, in dieser unruhigen Zeit, ein paar Jahre nach den Szenen von 1809, von dem Kommandanten der Württembergischen Garnison in Mergentheim, Oberst von Stockmayer, zu vernehmen, daß er dort vor und nach 1812 seine frohesten Tage verlebt hat, bei der Heimkehr aus dem russischen Elend sich von der ganzen Einwohnerschaft aufs wärmste empfangen sah.

Seitdem ist aus dem anmuthigen Ort immer mehr eine gut württembergische Landstadt geworden, und Stadt und Amt haben, außer einer zum Schutze der durch thätliche Angriffe auf das Eigenthum und die Beamten der Hohenlohischen Grundherrschaften gestörten Ordnung nöthig gewordenen militärischen Besetzung im März und April 1848, sowie der rasch vorübergehenden preußischen Okkupation im August 1866 nach dem für die süddeutschen Truppen unglücklichen Main- und Tauber-Feldzug, sich einer andauernden friedlichen Entwicklung erfreuen dürfen.


Alterthümer.

Von Alterthümern ist in unserem Bezirk nicht viel zu berichten, auch sind die römischen ganz ausgeschlossen, da der Bezirk ganz außerhalb (östlich) des römischen Grenzwalls fällt.

Doch haben wir einige Funde aus urältester Zeit zu verzeichnen. Bei Grabungen im Bad Mergentheim im Jahr 1828 kamen in der Tiefe von 10–12 Fuß die Arbeiter auf eine merkwürdige, gegen dritthalb Fuß mächtige Erdschichte, die mit Feuersteinen, vielen Holzkohlen, mit fingersdicken und dünneren, schlecht gearbeiteten und gebrannten, theilweise aber auch feineren, besser gearbeiteten und geschmackvoll verzierten, nicht glasirten Scherben von runden und eckigen Thongefässen, ganzen und gebrochenen Knochen und Zähnen verschiedener Säugethiere, Geweihen von Rothhirschen und Rehen gemengt war. Unter dieser Schichte befand sich dem Anscheine nach vormals Sumpf, der vieles fossile Holz, Wurzeln, Föhrenzapfen, Blätter und Gräser von Wasserpflanzen, nebst einer Menge Land- und Wasserconchylien enthielt.

| Im Frühjahr 1834 wurde 50 Fuß östlicher wieder ein Bohrloch niedergetrieben, in welchem in derselben Tiefe Knochen gefunden wurden, die in einer nicht ganz ein Fuß mächtigen Schichte von gelblich grauer Thonerde bei fossilem Holz, Kohlen, Scherben u. s. w. lagen (vergl. Württ. Jahrb. 1836. II. S. 132 f., und W. F.[10] 1847, S. 6).

Sodann stieß man (nach Mittheilungen von Baurath Dr. Bruckmann in Mergentheim) im Jahre 1877 in der Lehmgrube der Dörr’schen Ziegelei in der Au (Aub) am südöstlichen Saume der Stadt Mergentheim auf eine theils mit schwarzer kohliger Erde, theils mit Dammerde ausgefüllte Höhlung, die nicht tief unter der Oberfläche lag und in der sich geschliffene Steingeräthe, einige Meißel und Keile, und Fragmente von ziemlich rohen Gefässen vorfanden, jetzt in der Sammlung vaterländischer Alterthümer in Stuttgart. – Geschliffene Steinbeile etc. fanden sich schon öfter in der Umgegend; so wurde im Jahre 1823 ein Steinhammer aus thonigem Hornstein auf der Markung des badischen Dorfes Dainbach gefunden; im Jahr 1841 bei Freudenbach im Staatswald Eisenbach eine geöhrte Axt aus Serpentin; bei Waldmannshofen, westlich vom Ort, vor einigen Jahren eine durchbohrte schwarze mindestens 6 Zoll lange Steinaxt und ein Theil einer ähnlichen (erstere jetzt in der mineralogischen Sammlung in Tübingen). Ein Bronzekelt, 2 Pfund 4 Loth schwer, wurde 1824 von einem Bauern von Neuseß auf dem Winterberg gefunden (s. auch W. F. 5, S. 125).

Über den großartigen Ringwall bei Burgstall und den Steinwall bei Rothenburg a. d. T. s. unten bei Finsterlohr.

Von Grabhügeln finden sich bei Althausen im „Trompeterholz“, in dem südwestlich vom Ort gelegenen Walde, zwei Hügel von 60 Fuß Durchmesser bei 7 Fuß Höhe; man fand darin Skelette mit Bronzeringen, Kohlen und Scherben von schwarzen Gefässen. Ein weiterer jetzt ziemlich eingeebneter Grabhügel, das sog. „Schlößle“, mit 45 Fuß Durchmesser, liegt zwischen dem Trompeterholz und dem Ort, in dem jetzt ausgestockten „Espenhölzle“.

Bei Bernsfelden im Walde Lindach liegen wenigstens 12 Grabhügel, wovon der größte bei 15 Fuß Höhe 40 Schritte im Durchmesser, ein anderer bei 6 Fuß Höhe 30 Schritte im Durchmesser hat.

| Bei Edelfingen liegt westlich vom Ort, auf dem Birkisberg ein Grabhügel. Zwischen Honsbronn und der Laudenbacher Bergkirche drei Grabhügel; von ihnen geht die Sage, daß sie die Gräber seien von drei Mädchen, welche bei einem Tanz während eines Gewitters an dieser Stelle vom Blitz erschlagen wurden. Auf der Markung Neubronn beim Weiler Oberndorf im Walde Struet 10 Grabhügel in der Größe von 30–80 Fuß im Durchmesser bei 4–10 Fuß Höhe; dann auf Markung Niederrimbach, bei Standorf im Leschenhölzle einige Grabhügel; einer wurde geöffnet: man fand darin 3 Gerippe und viele Gefässe. Endlich im Stuppacher Gemeindewald auf dem Edelberg 4 Grabhügel, der größte bei 4 Fuß Höhe 30 Schritte im Durchmesser, (vergleiche auch W. F. 5, S. 124 f.) und 4 auf Rengershauser Markung.

Funde aus der sog. fränkischen Zeit fanden sich bis jetzt nur bei Edelfingen (s. W. F. 1856, S. 135). In der „Lehmgrube“ fand man im Jahr 1848 ein Reihengrab. Das Skelet eines Mannes mit folgenden Beigaben: Schwert, Sax, Lanze und Schildbuckel von Eisen, dann von Bronze ein Dolchgriff, eine schön gearbeitete Schnalle und fünf mit Thierfiguren verzierte Knöpfe.

Von alten Wegen wären etwa die „Kaiserstraßen“ zu nennen, die, wie es ihr Name gibt, vom Volk auf die alten deutschen Kaiser zurückgeführt werden. Ihre erste Anlage fällt ohne Zweifel schon in frühe Zeit, wohl in die Tage der Merowinger und Karolinger; sie waren die Hauptverkehrsadern und Handelswege im Mittelalter und werden zum Theil noch benützt. Eine solche Kaiserstraße berührt die nördlichsten Theile des Bezirkes, geht quer von Ost nach West über die Markungen von Simmringen und Bowiesen nach Bischofsheim; es war die alte Verbindungsstraße zwischen Nürnberg und Frankfurt. Eine andere Kaiserstraße, auch hohe Straße genannt, noch jetzt Staatsstraße, zieht vom Zollhaus, nördlich von Bartenstein her über Herbsthausen, immer hoch, wenn auch nicht auf der höchsten Höhe, und über den Galgenberg nach Mergentheim, von da das Tauberthal hinunter, während über Löffelstelzen die alte Würzburger Straße, jetzt nur noch Vizinalweg, zog. Dann gibt es im Bezirk noch manche zum Theil gewiß uralte Straßen, breit und abseits der Ortschaften, jetzt wie schon in frühester Zeit als Vieh- und Schaftriebe benützt; dann die alten Wallfahrtswege von der Bergkirche bei Laudenbach nach Standorf und von da nach Münster.

| Ins Gebiet der Alterthümer mögen auch noch die Reste der Rothenburger Landhecke zu setzen sein, deren Zug sich im Bezirk noch ziemlich genau verfolgen läßt. Diese Landhecke bestand aus Graben und Wall, aber auch aus doppelten Gräben und Wällen, welch letztere mit dichtestem undurchdringlichem Gehölz und Gebüsch besetzt waren. Wo Straßen hereintreten, standen feste steinerne Thürme, Landthürme, so noch einer bei Lichtel (s. Ortsbeschreibung). Die Landhecke tritt, aus dem Oberamt Gerabronn von dem Landthurm bei Heimberg herkommend, 3/8 Stunden südwestlich vom Lichteler Landthurm in den Bezirk, läuft über diesen noch gut erhalten und ebenfalls erhalten als Landgehege gegen Lichtel, eine alte Grenzveste von Rothenburg; geht durch eine Seitenschlucht ins Lichteler Thal, wo sie verschwindet, hier nur durch die Bezeichnung „Thorwartin“ angedeutet, ohne Zweifel ein Thor an der alten Rothenburger Grenze. Auf der Höhe, „im Schleifsteig“, eine Viertelstunde nordwestlich von Schmerbach, zieht die Landhecke wieder sichtbar dahin, erst in nordöstlicher Richtung, dann nördlich und zum Theil noch etwas erhalten bis an die Schlucht des Riegelbaches, welche nordwestlich nach Archshofen, vor Zeiten ein festes Wasserschloß der Rothenburger, hinabläuft; diese hinab folgte die Grenze (ohne Graben und Wall) dem Riegelbach und der Tauber aufwärts bis an die Holdermühle. Da wo der Bach oder der Fluß nicht die Grenze bildete, war sie 600 Schritte lang auf Archshofer Markung durch ein dichtes Buchengebüsch befestigt. Der weitere Zug, noch erhalten, geht von da in nordöstlicher Richtung, in der „Schindsteige“, schon auf bayrischem Gebiet und in der Richtung gegen Neustetten. Wo Schluchten oder der Fluß an die Grenze fielen, war keine Befestigung; womöglich geht sie auf den beherrschenden Höhen (Wasserscheiden). Wartthürme stehen noch bei Mergentheim, südöstlich der Stadt, bei Laudenbach, östlich vom Ort auf dem Wartberg, und bei Weikersheim, nordwestlich der Stadt, auf dem Winterberg. Weitere heben sich auf bayrischem Gebiet über dem Tauberthal bei Röttingen und Biberehren.

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Von Schlössern, Burgen, Burgruinen, einzeln stehenden alten Kirchen, Klöstern, Kapellen etc. finden sich im Bezirk folgende: Ganz oder zum Theil noch erhalten: Das Deutschmeisterschloß in Mergentheim, das ehemalige Schloß in Archshofen und das in Creglingen, die Herrgottskirche bei Creglingen, die Klosterkirche in Frauenthal, das ehemalige Deutschherrnschloß | Neuhaus bei Igersheim, das Schloß und die Bergkirche bei Laudenbach, das ehem. Kloster auf dem Engelsberg bei Markelsheim, die Kirche bei Standorf, die Burg Brauneck bei Reinsbronn, das Schloß daselbst, die Schlösser in Wachbach, Waldmannshofen und Weikersheim.

Größtentheils oder ganz abgegangen sind folgende Burgen, Schlösser, Klöster, Kirchen, Kapellen und Wohnorte:

Auf0der0Markung Mergentheim: Die Ketterburg.
0„     „  Adolzhausen: ein Schlößchen im jetzigen Pfarrgarten, die Weiler Dunkenrod, Radolzhausen, Reckersfelden, Schönthal.
0„     „  Althausen: der abgegangene Weiler Tainbach, auch Tainbuch, Dainbuch genannt, wo eine Waldfläche „im Keller“ genannt wird.
0„     „  Archshofen: Schloß auf dem Kellerberg, wovon ein Keller gefunden.
0„     „  Bernsfelden: die Weiler Schönbronn, Rötelsee, Däxenheim.
0„     „  Blumweiler: die Burg Seldeneck.
0„     „  Edelfingen: die St. Theobaldskapelle.
0„     „  Elpersheim: die Weiler Tauberberg und Mutzenhorn.
0„     „  Finsterlohr: die Burg Finsterlohe und der Weiler Musloe (?).
0„     „  Frauenthal: die Burg beim Ort, der Weiler Enkersbach.
0„     „  Freudenbach: der alte Weiler Schön.
0„     „  Hagen: der Weiler Wessenberg (Westerberg).
0„     „  Hachtel: Igelstrut, Ozendorf, wovon noch die Brunnen erhalten sind.
0„     „  Harthausen: der Ritterhof.
0„     „  Herrenzimmern: die Burg am Ort.
0„     „  Honsbronn: der alte Weiler Bronn.
0„     „  Igersheim: auf dem Kirchberg eine Kirche, im Ort eine Frauenklause.
0„     „  Löffelstelzen: der Weiler Laubertsbronn.
0„     „  Markelsheim: zwei Weiler Asbach.
0„     „  Münster und Lichtel: die Weiler Wieset und Hohenweiler.
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Auf0der0Markung Nassau: die alte Burg Nassau, der Weiler Niederhausen, der Scheinhof[ER 8], der Poppenbronner Hof.
0„     „  Neubronn: der Weiler Dagelbronn (Dägelbronn).
0„     „  Neunkirchen: Klause, der Weiler Tungersheim.
0„     „  Oberrimbach: das Schloß in Oberrimbach und die Burg Lichtel.
0„     „  Pfitzingen: die Burg.
0„     „  Rinderfeld: der Weiler Payerthal.
0„     „  Schmerbach: eine Klause.
0„     „  Vorbachzimmern: das Schlößchen.
0„     „  Wachbach: die alte Burg, eine Klause und der Weiler Aufstetten.
0„     „  Waldmannshofen: die alte Burg beim Ursprung des Rendelbachs.
0„     „  Weikersheim: die alte Burg gegen Queckbronn, der Rabichs- oder Rohhof.
0„     „  Wermutshausen: der Schloßgraben, alte viereckige Umwallung, in der Nähe der obere und untere Weiler mit noch gefaßten Brunnen.

Überdies kommen Flurbenennungen vor, welche auf abgegangene Wohnorte, Verschanzungen, Burgen, Kapellen, Begräbnisstätten, Opferstätten u. s. w. hinweisen, und zwar:

Auf0der0Markung Adolzhausen: Weiler, rechts davon Steinbronnen.
0„     „  Bernsfelden: nördlich von Bowiesen Thoräcker.
0„     „  Blumweiler: bei Reutsachsen Heiligenberg, auf Markung Wolfsbuch, nordwestlich am Ort, Kirchäcker.
0„     „  Deubach: Schlachthölzle, östlich an der Landesgrenze Heidenäcker, südlich von Sailtheim Kappleinsäcker.
0„     „  Edelfingen: Heineburg, Osterthal, Heergrube.
0„     „  Elpersheim: „Heiligen Häuslein“, Teufelsthal.
0„     „  Frauenthal: „alter Hof“.
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Auf0der0Markung Freudenbach: 1/4 Stunde östlich vom Orte Burgstall.
0„     „  Hachtel: ehe beide Bäche zusammenkommen „Altmühle“, südlich vom Ort Gassenäcker; auf Igelstruter Markung „Dickbild“.
0„     „  Harthausen: bei Neubronn „vordere und hintere Streitäcker“.
0„     „  Herrenzimmern: im Greifenbrunnen.
0„     „  Honsbronn: zwischen hier und Bronn „im Thurm“.
0„     „  Markelsheim: auf der linken Thalseite Osterberg; Bildäcker, Hesleinsweg.
0„     „  Münster: südlich vom Ort Gassenberg, gegen Archshofen Judenkirchhof.
0„     „  Nassau: Kappelholz, Lichtenbühl.
0„     „  Neunkirchen: Kapelle, Bubenlohe, Mainzer Winkel, Mönchsbrunnen.
0„     „  Reinsbronn: Keller, Dietenhörnlein, nördlich von Schirmbach „Weiler“.
0„     „  Rengershausen: Bildäcker, Heiligenholz, Teufelshecke, Salztröge, „Stöckerbild“, Mönchshöhe, Glockenäcker, östlich v. O. „Hohe Burg“.
0„     „  Rinderfeld: Burgwasen, Burgweg, Thurm, Thiergarten.
0„     „  Rüsselhausen: Hesselberg, Höllweg, Hühnernest.
0„     „  Schäftersheim: südlich vom Tannenberg „todter Mann“.
0„     „  Schmerbach: Renkeloh, Burgstall, Hundskirche, Belzer, „Schloßberg“ zwischen hier und der Landhecke.
0„     „  Stuppach: Osterberg, Zwergenberg.
0„     „  Waldmannshofen: östlichste Markungsgrenze „Göz“, östlich vom Ort „Oster“.
0„     „  Weikersheim: Kapellberg.


  1. Vgl. Voigt, Geschichte des Deutschen Ritter-Ordens in seinen 12 Balleien in Deutschland. 2 Bde. 1857. 59.
  2. Die Geschichte des Bauernkriegs in Ostfranken von M. Lorenz Fries. Heraus. von O. Schäffler und Th. Henner. Würzburg 1876 ff. Im Text mit (Fr.) bezeichnet.
  3. Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs aus Rotenburg an der Tauber, herausgegeben von F. L. Baumann. Tübingen 1878. In unserem Text mit (Rot.) bezeichnet.
  4. Nach P. Gnodal (Schard, Rer. germ. script. 1673. S. 139) waren die Bürger der Stadt schon zuvor aufständisch, hatten den Schönthaler Hof besetzt und darin 5 Fuder Wein getrunken etc., was den Bauern die Einnahme der Stadt leicht machte. Vergl. auch die Ortsgeschichte von Mergentheim.
  5. Vergl. auch Baumann, Quell. z. Gesch. d. Bauernk. in Oberschwaben 683.
  6. Hauptmann A. Pfister.
  7. Das Folgende hauptsächlich nach A. Fischer, Geschichte des Hauses Hohenlohe 2, 49 ff.
  8. Das Folgende nach von Martens, Gesch. d. krieg. Ereign. in Württ. S. 309 ff. und Fischer a. a. O. 60 f.
  9. Fischer a. a. O. S. 64 ff.
  10. Zeitschrift des Histor. Vereins für das württ. Franken.

Errata

  1. Gemäß Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836, ist zu ergänzen: Verkäufe an Deutschorden in Hettingen, Königshofen, O.R. 32, 196. 225.
  2. S. 263 Z. 20 von unten lies Gundelsheim. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
  3. S. 264 Z. 2 lies Rein. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
  4. S. 265 Z. 13 von unten lies Rein. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
  5. Eingefügt: S. 266 Irrungen zwischen Deutschorden und Pfalz wegen pfälzischer Unterthanen in Mergentheim, des Zolls in Edelfingen, Mißhandlung und Beraubung von Ordensunterthanen in Mergentheim, Lillstadt, Herbsthausen, Apfelbach, Hachtel und Reckersthal durch die Pfälzischen, Fischraub auf dem See zu Bernsfelden durch dieselben, Abhauung des Waldes in Bowiesen durch die von Lauda etc. OR. 32, 198 ff. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
  6. S. 270 Z. 17 von unten lies Stadtrichter in Stuttgart. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
  7. S. 287 Z. 4 von unten lies die Reformlust. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
  8. S. 316 Z. 2 lies Scheinhof. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
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