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Münklingen,
Gemeinde III. Kl. mit 450 Einw., wor. 1 Kath. – Ev. Pfarrei.

Das kleine, freundliche, reinlich gehaltene Pfarrdorf liegt 4 Stunden südwestlich von der Oberamtsstadt, theils in der Ebene, theils an einem nordwestlich geneigten Abhange eines engen, ziemlich tief eingeschnittenen Thales und stößt mit der Nordwestseite seiner Markung auf die badische Landesgrenze. Es ist auf 3 Seiten von Bergen geschützt und nur gegen Osten dem freien Zutritt der Winde ausgesetzt, daher ist auch die Luft, trotz des nahe gelegenen Schwarzwaldes, mild; Frühlingsfröste kommen selten vor; ebenso schädliche Gewitter, welche an den nahe gelegenen Waldungen einen Ableiter finden. Ein laufender und 2 Pumpbrunnen spenden hinreichend gutes Trinkwasser, auch fließt der im sogenannten Jakobsbrunnen, nördlich vom Begräbnißplatz, entspringende Burggraben durch den Ort; für den Fall der Feuersgefahr ist eine Wette angelegt.

Die Pfarrkirche, deren Unterhaltung der Gemeinde zusteht, liegt ziemlich erhöht am nordwestlichen Ende des Dorfs; von ihrer ursprünglich germanischen Bauweise hat sich nur noch ein Fenster über dem Eingang an der nördlichen Giebelseite erhalten; in den übrigen Theilen ist die Kirche verändert worden. Über dem Eingang an der Ostseite befindet sich das württembergische Wappen mit der Jahrzahl 1594. Der achteckige Thurm trägt ein schlankes, spitzes Zeltdach; auf ihm hängen 2 Glocken. Das Innere der Kirche ist weiß getüncht, freundlich und hell.

Der Begräbnißplatz liegt 1/8 Stunde nördlich vom Ort auf einem in das Thal vorgeschobenen Hügel; zunächst desselben stand früher eine Kirche, daher die Stelle noch „bei der alten Kirche“ genannt wird.

Das gut erhaltene Pfarrhaus, dessen Baulast der Staat hat, liegt frei und angenehm in ziemlicher Entfernung von der Kirche, an der Hauptstraße des Orts. Beinahe in der Mitte des Dorfs steht das Rathhaus, in welchem sich zugleich die Schule und die Wohnung des Lehrers befinden; es wurde 1618 erbaut und 1842 renovirt. An der Schule unterrichtet nur ein Lehrer. Eine Industrieschule besteht seit 1840 und ein Gemeindebackhaus seit 1848; ein öffentliches Waschhaus ist schon längst vorhanden.

| Die ziemlich unbedeutende, meist bergige Markung hat im Allgemeinen einen fruchtbaren, etwas schweren, mit Thon gemengten Kalkboden, welcher in den tiefer gelegenen Stellen, wo die rothen Schieferletten anstehen, in einen mit etwas Sand gemengten Thonboden übergeht.

Die Haupterwerbsmittel der fleißigen, geordneten, im Allgemeinen wohlbemittelten Einwohner sind Feldbau, Viehzucht und einiger Handel mit Holz.

Der Zustand der Landwirthschaft ist gut; die flandrischen und Suppinger Pflüge sind ziemlich allgemein und die Jauche wird häufig angewendet. Im System der Dreifelder-Wirthschaft werden die gewöhnlichen Getreidearten, besonders Dinkel, Hafer und Einkorn gebaut; auf den Morgen rechnet man Aussaat: 7-8 Sri. Dinkel, 1/2 Schffl. Hafer und 1/2 Schffl. Einkorn; der Ertrag wird zu 7 Schffl. Dinkel, 6 Schffl. Hafer und 6 Schffl. Einkorn per Morgen angegeben. Die zu 1/4 angeblümte Brache liefert Kartoffeln, Futterkräuter, Angersen u. s. w.; von Handelsgewächsen wird hauptsächlich Hanf und in neuerer Zeit etwas Hopfen mit gutem Erfolg gezogen. Die höchsten Ackerpreise sind per Morgen 300 fl., die mittleren 100 fl. und die geringsten 10 fl.

Die ergiebigen, durchgängig zweimädigen Wiesen, denen zum größten Theil Wässerung zukommt, liefern im Durchschnitt per Morgen 30 Cent. gutes Futter. Die Preise eines Morgens bewegen sich zwischen 300 fl. und 800 fl.

Früher wurde auch Weinbau auf der Markung getrieben, welcher aber wegen des geringen Erzeugnisses wieder abging.

Die ziemlich ausgedehnte, noch im Zunehmen begriffene Obstzucht, beschränkt sich auf Mostsorten und Zwetschgen; das Obst gedeiht in der geschützten Lage gerne und wird in günstigen Jahren auch nach Außen verkauft.

Die Gemeinde ist im Besitz von 700 Morgen gut bestockter Nadelwaldungen, von denen etwa 50 Morgen auf badischem Gebiete liegen; der jährliche Ertrag derselben, in 490 Klaftern und 2500 Stück Wellen bestehend, wird verkauft; von dem Erlös erhält jeder Bürger jährlich 30-40 fl., worüber noch 800-1000 fl. in die Gemeindekasse fließen, daher auch kein Gemeindeschaden umzulegen ist.

Weiden sind etwa 8 Morgen vorhanden; diese, sowie die Brach- und Stoppelweide, werden von den Ortsbürgern, je nach dem Betrage ihrer zu entrichtenden Steuern, für Schafe benützt.

Die Rindviehzucht ist im Verhältniß zur Bevölkerung nicht unbedeutend und wird durch zwei gute Farren, welche der Widdumhofbesitzer hält, immer noch verbessert. Etwa 150 Landschafe, welche auf der Markung weiden, werden auch im Ort überwintert. Schweine werden nicht gezüchtet; | es werden nur Ferkel aufgekauft, gemästet und zum Theil wieder zum Verkauf gebracht. Die Ziegenzucht ist unbedeutend, dagegen die Zucht der Bienen, welche sehr gut gedeihen, namhaft; Wachs und Honig kommen nach Außen zum Verkauf.

Was die Gewerbe betrifft, so beschränken sich diese auf die gewöhnlichsten Handwerker. Im Ort befinden sich zwei Schildwirthschaften und ein Krämer. Eine Vicinalstraße nach Merklingen bringt den ziemlich abgelegenen Ort mit der frequenten Straße von Weil d. St. nach Pforzheim in Verbindung. Aus einem auf der Markung befindlichen Bruch von buntem Sandstein werden gute Bau- und Werksteine gewonnen.

Die Gemeindepflege hat außer dem schon erwähnten Holz-Erlös 40 fl. jährlichen Pacht von 13 auf badischem Gebiet gelegenen Morgen Wiesen, und die Zinse von 8000 fl. Kapitalien einzunehmen. Das Vermögen der Stiftungspflege ist unbedeutend; Schulstiftungen sind darunter 50 fl. begriffen. (s. Tab. III.)

Das Nominationsrecht zur Pfarrei hat der König.

Den großen Zehenten hatte bisher der Staat, welcher überhaupt Grundherr ist, zu beziehen; der kleine und der Heu-Zehente war der Pfarrei zuständig.

Aus ihrem, auf badischem Gebiet gelegenen Wald hat die Gemeinde dem Freiherrn von Gemmingen Grund-Abgaben zu entrichten.

Nordöstlich vom Ort erhebt sich ein freistehender, weithin sichtbarer Bergkegel (Kuppelzen), auf dessen spitzer Kuppe noch Graben und Wall von einer ehemaligen Burg sichtbar sind.

Münklingen, mit einer Jahresangabe, erscheint zuerst im Jahr 862 (ao. XXX. Ludovici imperatoris [sic]) als villa Munigisilinga unter den Orten, wo das Kloster Lorsch Güter erhielt (Cod. Laur. nr. 2385). In der Urkunde Kaiser Heinrich’s IV. vom 9. Okt. 1075 für Kloster Hirschau wird der Ort als Muclingan unter denjenigen Gütern aufgeführt, wo das Kloster Hirschau schon in frühester Zeit, also wohl im 9ten Jahrhundert, durch die Grafen von Calw Güter erhielt (Wirt. Urk.-Buch 1, 279). Genannte Grafen waren wohl die ältesten Herren des Orts; hiesige Lehensträger derselben waren die Truchseßen von Waldeck. Im Jahr 1379, Jan. 21, verzichtete Konrad Truchseß von Waldeck auf die Güter seines Bruders Heinrich, unter andern auf den Kirchensatz zu Münklingen. (Stuttg. Staatsarchiv unter Calw, weltl.)

Dieser Kirchensatz ging im Jahr 1419 an Württemberg über (Steinhofer 2, 678); den 12. Sept. 1419 präsentirte Henriette, Gräfin zu Württemberg, Namens ihrer Söhne Ludwig und Ulrich, dem Probst zur heil. Dreieinigkeit in Speyer einen Pfarrherrn in Münklingen.

Neben der Pfarrstelle bestund wenigstens im 15. Jahrhundert hier eine Frühmesse (Würdtw. Subs. 10, 340).


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