Beschreibung des Oberamts Laupheim/Sinningen

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Sinningen.
Gemeinde III. Klasse mit 233 kath. Einw., Filial von Kirchberg, OA. Biberach.

In der weiten Illerthalebene liegt umgeben von Obstgärten und üppigen Wiesengründen das mittelgroße, aus meist ansehnlichen Bauernwohnungen bestehende freundliche Dorf, durch das die Ulm–Leutkircher Landstraße führt. Die Entfernung von dem nordwestlich gelegenen Laupheim beträgt fünf Stunden, und die von dem Mutterort Kirchberg 1/2 Stunde. Vermöge der freien, von keiner Seite geschützten Lage, ist die Luft etwas scharf, übrigens gesund und rein, daher auch die Einwohner sich nicht selten eines hohen Alters erfreuen.

Neben mehreren Brunnen, die hinreichend Trinkwasser liefern, fließt noch die Güsse durch den Ort und treibt unterhalb desselben eine stattliche Mühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang, und oberhalb des Orts eine Öl-Mühle. Die 1/8 Stunde östlich fließende Iller verursacht nicht selten den Feldern nachtheilige Überschwemmungen und breitet ihre Fluthen Gefahr drohend bis in den Ort aus.

An der östlichen Seite des Dorfs steht die mit einem dreiseitig schließenden Chor versehene gefällige Kirche, welche die Gemeinde unterhält. Das nicht hohe Thürmchen (Dachreiter) trägt ein mit Blech beschlagenes Bohlendach. In dieser Kirche wird jede Woche einmal Gottesdienst gehalten.

Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in Kirchberg, und die Gemeinderathssitzungen werden in der Wohnung des jeweiligen Schultheißen abgehalten.

Die im Allgemeinen mittelmäßig begüterten Einwohner treiben mit großer Emsigkeit die Landwirthschaft, welche auch ihre Haupterwerbsquelle bildet; die Gewerbe sind, mit Ausnahme der schon angeführten Mühlen, einer Schildwirthschaft und eines im Ort wohnenden Holzhändlers, von keinem Belang. Ein Theil der Einwohner sucht sich durch Holzmachen in den benachbarten Waldungen einigen Verdienst zu sichern. Auf dem sogenannten Sinninger Ried wird von Einzelnen zuweilen zur eigenen Benützung Torf gestochen, der übrigens von ziemlich geringer Beschaffenheit ist.

Die Markung, welche durchaus eben liegt, wird ausschließlich von 418 Morgen Waldungen, welche der Gutsherrschaft gehören, für den Feldbau benützt.| Die natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse sind dieselben, wie zu Ober-Balzheim (s. die Ortsbeschr. von Ober-Balzheim).

Die in Pacht gegebene Schäferei erträgt der Gemeindepflege jährlich 170 fl., neben 75 fl. für die Pferchnutzung; überdieß bezieht dieselbe aus verpachteten Gemeindegütern etwa 30 fl. jährlich.

Die Gemeinde hat ziemlich beträchtliche Gemeindegründe an die Ortsbürger vertheilt und besitzt überdieß noch eine etwa 25 Jauchert große, mit Buschholz bestockte Fläche an der Iller. Über das Gemeinde- und Stiftungsvermögen s. Tabelle III.

Eine Fähre, welche übrigens Bayern angeht, besteht über die Iller.

Ein jetzt 1/8 Stunde südöstlich vom Ort einzeln stehendes Haus „Werthe“, früher in die Gemeinde Unter-Dettingen, Oberamts Biberach, gehörig Unter-Dettingen|(s. dessen Beschreibung S. 175), wurde, weil die stark anlaufende Iller dasselbe wegzureißen drohte, im Jahr 1853 abgetragen und mehr in die Nähe des Dorfs Sinningen auf dessen Markung versetzt.

Die Grundherrschaft ist getheilt wie bei Ober-Balzheim (s. oben).

Die erste Nennung des Ortes ist vom 12. Juli 1127, wo Oudalricus de Sunningin in einer Kloster Ochsenhauser Urkunde als Zeuge auftritt. Im Jahr 1172 kommt vor Swigerus de Sunningen (Chron. Ottobur. h. v. Raiser S. 15).

Hiesige Leute, Güter und die Mühle kaufte im Jahr 1376 Luz Kraft, Bürger zu Ulm, von Ulrich von Freiberg. Im Jahr 1482 verkaufte Lorenz Kraft seinem Tochtermann Walther Ehinger seinen halben Theil des Dorfes.

Hans Ehinger, Bürgermeister von Ulm († 12. März 1583), stiftete die noch stehende Kapelle, jetzt Kirche zu Sinningen, und liegt selbst allda mit seiner Frau († 2. April 1576) begraben.

Ein ausgezeichneter Schultheiß, welcher dem Orte beinahe 60 Jahre lang vorstand, war Jakob König, † 2. December 1846 (s. Schwäb. Chronik vom 10. März 1847).