Beschreibung des Oberamts Kirchheim/Kapitel B 20

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20. Gemeinde Schopfloch,
mit Parzelle Torfgrube.
a. Schopfloch, ev. Pfarrdorf, in älteren Zeiten auch Schopfenloch genannt, mit 589 evang. und 3 kath. Einw. Von Kirchheim 31/2 Stunden entfernt. Liegt auf der südlichen Seite des Oberamts, auf der sogenannten vordern Alp, am Rande des Gebirges, welches den Hintergrund des Lenninger Thales bildet, unweit der von Kirchheim nach Blaubeuren und Ulm führenden Staatsstraße. Am Fuße des Kirchthurms beträgt die Höhe über dem Meere 2360 Pariser Fuß. Der Ort gehört in die III. Klasse und in den| Kameralbezirk Wiesensteig. Den großen Zehenten bezieht, von der geistlichen Verwaltung her, der Staat, den kleinen die Pfarrei. Zehentfrei sind zwar 993 Morgen, auf ihnen haftet aber eine starke Gülte. Vom Jahr 1818–1840 hat die Gemeinde die Lehen eigen gemacht, die Laudemien und andere Grundgefälle um 1060 fl. 47 kr. abgelöst. Außer dem Staate ist noch die Gemeinde gefällberechtigt. Der Ort zählt einschließlich jener auf der Torfgrube 92 Haupt- und 37 Neben-Gebäude, die allermeist mit Stroh bedeckt sind. Die Kirche wurde 1782 auf Kosten der Gemeinde so hergestellt, daß sie einer neuen zu vergleichen ist. Das 1741 neu aufgeführte Pfarrhaus hat der Staat im Bau zu erhalten. Das neue Rathhaus, womit ein Gemeinde-Back- und Dörr-Haus verbunden ist, wurde 1839–1840 mit einem Aufwande von 5000 fl. errichtet. Nach einer Sage der Einwohner soll am südlichen Ende des Dorfes ein Kloster „Mönchsroth“ gestanden haben, wovon jedoch keine Spur mehr zu sehen ist. Die Besitzer des Platzes, Hofgarten genannt, sind noch jetzt von Entrichtung des sog. Gnadengeldes befreit. Wahrscheinlich stand jedoch hier nur ein Pfleghof des gedachten Klosters, (s. unten.) Die Sterblichkeit ist ziemlich groß, aber auch die Zahl der Geburten die höchste, (oben S. 43.) Die Bewohner werden von der Pfarrbeschreibung als fleißig, sparsam, bieder und mild, doch auch als ziemlich indolent geschildert. Die Markung ist zwar, wie die Tabelle zeigt, im Verhältnisse zur Bevölkerung die größte, aber der Boden ist rauh, mager, steinigt und unfruchtbar, und manche Güter ertragen kaum die Baukosten. Nur wenige Morgen haben einen tiefern guten Grund. Das Klima ist rauh und heftige Stürme sind selbst im Sommer häufig. Die Hochgewitter sind sehr gefährlich. Der Ort hat einige Quellen, die aber Sommers gerne versiegen; daher sind die Einwohner bei oft drückendem Wassermangel auf Cisternen verwiesen. Höchst schädlich für die Saatfelder ist der späte Schneeabgang, welcher die Bauern oft nöthigt, sie noch einmal anzusäen. Nur Futterkräuter und Haber zeichnen | sich aus. Der durchschnittliche Preis vom Morg. ist 53 fl. und der jährliche Ertrag 3 fl. 33 kr. Die Stallfütterung ist noch nicht eingeführt. Doch sind von 4154/8 Morgen Weiden nur 356 nicht angebaut und dem Vieh eingeräumt. Der Verkehr mit der Fruchtschranne in Kirchheim ist lebhaft. Auch der Holzhandel wird etwas betrieben. Außer der Leineweberei, womit sich 1835 19 Meister auf 25 Stühlen beschäftigten, will das Gewerbe nichts besagen, und auch dieser fehlt es neuerlich an Absatz. Schildwirthe sind 2 vorhanden. Winters ist Spinnen Erwerbsmittel, das selbst vom männlichen Geschlechte getrieben wird. Wie wenig auch in der Regel der Besitzstand über das Nothdürftige geht, so bringen sich die Leute doch ziemlich gut fort. – Die Einnahmen der Gemeindepflege waren 1838–1839 2264 fl. 40 kr., die Ausgaben 2089 fl. 5 kr. Schopfloch hat einen ziemlich großen Communwald. (485 M.)

Die Zeit der Gründung der Pfarrei kann nicht angegeben werden. Graf Ulrich von Württemberg besserte 1470 die Pfarr-Besoldung mit 2 Eßlinger Eimern Wein, unter der Kelter zu Owen, und 10 Scheffel Dinkel und 4 Scheffel Haber, vom Kasten Kirchheim zu fassen, auf. Das Patronat erwarb der Staat mit dem Orte. Dasselbe scheint mit dem großen Zehenten der Fall zu seyn. Am 4. Dec. 1531 wurde die Pfarrei mit der Gemeinde dahin vertragen, daß diese jener von allen Neubrüchen, die auf der Allmand gemacht seyen, oder künftig gemacht würden, jährlich 1 Sch. Dinkel für den Novalzehenten entrichten solle. Der erste evangelische Pfarrer war 1557 hier. Von 1639–1666 war Schopfloch Filial von Gutenberg. Früher war Ochsenwang auch ein Filial von Schopfloch (s. Gutenberg.) Nebst der gewöhnlichen ist auch eine Industrie-Schule vorhanden.

Was das Alter des Ortes betrifft, so wurde schon oben S. 99 erwähnt, daß derselbe nicht unter den älteren Gauorten genannt wird. Die Hohheit scheint stets mit der Teck verbunden gewesen zu seyn. Die Vogtei und die damit verbundenen Gefälle aber waren eine Zugehör von Wielandstein.

| Das Kl. Roth verkaufte 1411 dem Junker Conrad von Freyberg, genannt Stubenrauch, gesessen zu Wielandstein, all sein Gut zu Sch. mit Zwingen, Bännen, Ehehaftin und Gewaltsamin, nichts ausgenommen, als die Dienste, die dem Grafen v. Württ. daraus gehören, um 830 Pfd. Hl. Kurz darauf bekennt Graf Eberhard v. Württ., daß die Vogtei über dieses Gut sein sey, indem sie zu Wielandstein gehöre; und da er dem v. Freyberg die Burg Wielandstein verpfändet habe, so solle er auch die Vogtei zu Sch. inhaben und nutzen solange, bis die Pfandschaft gelöst sey. Die Lösung scheint bald stattgefunden zu haben, denn Graf Eberhard verpfändete schon 1416 wieder an Conrad v. Freyberg „Wielandstein vnser Vesti die hinter Burg gen der Albe gelegen“ mit allen Nutzen, Gülten, Gewaltsami an Gericht, Zwingen, Bännen, Leuten und Gütern, Die Lösung soll erst nach Conrads Tode stattfinden. Im J. 1427 bekennen Eberhard, Albrecht, Heinrich und Michel von Freyberg, Gebrüder, daß ihr „natürlicher Vater Conrad von Freyberg, genannt Stubenroch, ihnen all das Seine gegeben vnd vermacht vnd sich nur vorbehalten habe Schopfloch mit allen Gülten, Zinsen vnd Zugehörten. Es sollen auch die von Schopfloch gebunden vnd pflichtig seyn gen Wielandstein mit Ackergau vnd mit Mähen, so Herkommen ist.“

Diese Pfandschaft war zwar noch 1437 in den Händen der von Freyberg, scheint aber bald gelöst worden zu seyn, da schon 1461 Schopfloch und Krebsstein des Pfluggeldes und Madtagsdienstes befreit wurden. Daß aber schon mit Gutenberg, zu dessen Stab der Ort gehörte, und mit welchem er auch sonst in nähererer Verbindung gestanden, die Hohheit an Württemberg gekommen ist, haben wir oben S. 188 und 261 gezeigt. Das alte Erbrecht s. oben S. 103.

Im Jahr 1461 soll der Ort durch einen großen Brand, der vielleicht jene Befreiung nach sich zog, viel gelitten haben. In Folge des 30jährigen Krieges zählte er noch im J. 1651 nur 9 Bürger.

Der häufigen Erdfälle, der selteneren Pflanzen und Mineralien ist oben S. 12, 35 und 37 gedacht.

b. Die Torfgrube; ein Wohnhaus mit einigen Ökonomiegebäuden, liegt in einem Einschnitte der Alp auf der Markung von Sch., wohin sie auch eingepfarrt ist, zwischen Sch. und Ochsenwang, 2338 Par. Fuß über dem Meere. Sie wurde, wie oben S. 29 bemerkt, von dem verstorbenen Commerzienrath Glöckler zu Kirchheim | entdeckt und einige Zeit auf eigene Rechnung betrieben. Am 18. Mai 1797 wurde sie von dem Kirchenrath mit dem 1784 ertheilten Privilegium, Torf zu stechen und zu verkaufen, erworben und wird seitdem durch einen Unteraufseher unter Aufsicht eines Oberinspectors auf Rechnung des Staats verwaltet und dermalen durch Strafdebenten gebaut. An Gütern gehören dazu 693/8 Morg. 43 Ruth., worunter 386/8 M. Torfmoor. Hinsichtlich des Wärmestoffes sind 4000 Stücke Torf 1 Klft. Buchenholz gleich. Neuerlich wird der Torf nach Stuttgart verführt. Ein Nachwuchs des ausgestochenen Moores läßt sich darum erwarten, weil Moose und Flechten, welche den Hauptbestandtheil des Torfes bilden, auf den ausgestochenen Plätzen wieder wachsen. Der Moor ist sehr sumpfig und seine Umgebung an Quellwasser und Erdfällen reich. Daraus mag sich wohl die Volkssage von der untergegangenen Stadt, welche Oberkirchheim geheißen haben soll, erklären. Ein sonderbares Spiel des Zufalls ist es aber, daß vor etwa 16 Jahren beim Torfstechen ein sehr großer Schlüssel, wie ein Thorschlüssel, ausgegraben worden ist.


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