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22. Gemeinde Sachsenhausen,
an der bayrischen Gränze, ein Dorf mit 160 evangel. Filialisten von Hohenmemmingen, auf einer Markung von 1015 Morgen | Flächengehalt. Diese liegt eben, hoch und gesund, hat Quellen und einen besonders an Getraide fruchtbaren, leicht zu bebauenden, Boden. Ein kleiner Bach bildet sich an der Südseite des Orts aus mehreren kleinen Quellen, und nimmt seine Richtung ostwärts, versinkt aber nach kaum 1/4stündigem Laufe in einem der Erdfälle, deren es mehrere auf dieser Hochebene giebt. Für Getreidebau dienen 8131/2 M., auf welchen vorzugsweise Dinkel mit einem Durchschnittsertrag von 8-9 Scheffel p. Morgen, Gerste (31/2-4), Haber (6-61/2) und Roggen (4 Scheffel) gebaut wird. Bracheinbau besteht zu 1/3. Bei dem nach Umfang und Ertrag geringen Wiesenbau (nur 32 M.) wird um so mehr auf Erzeugung von Futterkräutern gesehen. Der Flachsbau ist nicht unbeträchtlich. Ein Morgen Ackers der besten Lage kostet 225-240 fl. Der mittleren 180-200 fl. Der geringen 40-50 fl. Die Gütervertheilung hat hier noch wenig überhand genommen; es bestehen in dem ganz kleinen Dörfchen noch 8 geschlossene Bauerngüter von 40-100 Morgen, meist Gültlehen, von welchen die Falllehenbarkeit und anderweitige Feudallasten abgelöst sind. Außerdem ist fast jeder Einwohner auch in den benachbarten bayrischen Gemeinden begütert. Die unbedeutenden Waldungen (721/2 M. Laubwald) sind Privateigenthum. – Der Pferdestand ist bedeutend, und wenn auch die Zucht noch Manches zu wünschen übrig läßt, so gehören doch die hiesigen Thiere, von ächt mittlerem Schlag, zu den besten im Oberamt. Auch die Rindviehzucht ist beträchtlich; die Nachzucht wird allgemein betrieben, so daß zur Ergänzung des Standes selten Vieh angekauft wird. Schafe besitzt der Ort verhältnißmäßig viele, und zwar fast ausschließend Bastarde. – Handwerker sind außer 7 Lohnwebern mit 10 Stühlen keine zu nennen, auch Schildwirthschaft besteht keine.

Die Einwohner sind thätig, haushälterisch und in guten Vermögensumständen, so daß man hierorts nichts von Armuth weiß.[1] Die Gemeinde besitzt außer einigen Activ-Kapitalien nur Waiden, indem die anbaufähigen Grundstücke größtentheils unter die Bürger vertheilt sind. Sämmtliche Zehentrechte stehen dem Staat zu. Gefälle bezieht der Staat, das Hospital Giengen, und einige wenige die örtliche Stiftungspflege, die Stiftungspflege Haunsheim (K. Bayern) und das Büchelensche Familien-Seniorat. Abgelöst sind in Folge der neuesten Gesetze: die Jagdfrohnen etc. jährl. 14 fl. 30 kr. Gebäudeabgaben gegen den Staat 2 fl. 33 kr., gegen das Hospital Giengen 18 kr.

Das Dorf, 33/4 geom. St. südöstl. von Heidenheim, liegt etwas vertieft; es zählt 28 Wohnhäuser, zum Theil von gutem Aussehen, | und eine, von der Gemeinde zu unterhaltende, Kapelle, in welcher alle 14 Tage von dem Pfarrer von Hohen-Memmingen Sonntags-Gottesdienst gehalten wird. Der Heilige hat c. 45 fl. Einnahme. Ein neues Schulhaus hat die Gemeinde 1837 mit einem Aufwande von 1700 fl. gebaut. Ein eigener Begräbnißplatz ist nicht vorhanden; die Todten werden in Hohen-Memmingen begraben. – Die Römerstraße von Faimingen her, die auf eine Strecke von 5/8 St. in einer schnurgeraden Linie die Gränze zwischen Württemberg und Bayern (der diesseitigen Markung und der von Bachhagel) bildet, ist oben S. 117 näher nachgewiesen worden.

Sachsenhausen kommt im J. 1143 als Sachsenhusen bei Ausstattung des Kl. Anhausen vor; hier hatte im 15. Jahrhundert Peter von Lainberg einen Hof. Auch Kl. Königsbronn hatte allda mehrere Höfe und Güter, von denen es einige im J. 1508 an die Klöster Anhausen und Herbrechtingen gegen Güter in Söhnstetten austauschte.


  1. Hinsichtlich der unehelichen Geburten s. oben Gerstetten.
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