Beschreibung des Oberamts Freudenstadt/Kapitel B 7

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Dietersweiler,
Gemeinde III. Kl. mit 621 Einw., wor. 1 Kath. a. Dietersweiler, Dorf, 573 Einw. b. Lauterbad, Weiler, 48 Einw. – Pfarrfilial von Glatten; die Kath. sind nach Heiligenbronn, O.A. Horb, eingepfarrt.


a) Das Dorf Dietersweiler ist am Anfange eines Thälchens, welches in das Lauterthal einzieht, an dessen beiden leicht geneigten Abhängen hingebaut, etwas uneben, aber angenehm gelegen. Die häufig noch mit Schindeln gedeckten, zum Theil sehr ansehnlichen Gebäude gruppiren sich im Verein mit den sie umgebenden Obstbäumen nicht selten sehr malerisch. Der Ort ist 5/4 Stunden südöstlich von Freudenstadt und 3/4 Stunden nordwestlich vom Mutterort entfernt und mit der Umgegend durch die zunächst am Ort vorbeiführende Vicinalstraße von Freudenstadt über Glatten nach Sulz und durch eine Vicinalstraße nach Aach verbunden.

Die am östlichen Ende des Orts stehende Kirche, welche im Jahr 1745 sammt dem Thurme namhaft erneuert wurde, ist ohne Chor und hat spitzbogige Fenster, die in den Bogentheilen germanisches Maßwerk enthalten. Der massive, aus vier Stockwerken bestehende, mit einem Zeltdach gedeckte Thurm enthält 2 Glocken, die größere mit der Umschrift: „Osanna hais ich, Pantlion Sydler von Eßlingen gos mich, do man zalt 1487 Jar“, die andere mit den Worten: Me fecit Stuttgardiae Johann Friedrich Zwinger anno 1733. Das durch Emporen verdunkelte Innere der Kirche enthält nichts Bemerkenswerthes. Kirche und Thurm werden aus Gemeindemitteln unterhalten.

Der mit einer Mauer umfriedigte Begräbnißplatz liegt an der Kirche.

Das ansehnliche, in neuerer Zeit erbaute Schulhaus enthält auch die Wohnung des Lehrers und die Gelasse für den Gemeinderath; an der Schule unterrichten ein Lehrer und ein Lehrgehilfe.

In der Mitte des Orts stehen drei sehr alte, massive Gebäude, deren Äußeres ihre frühere anderweitige Bestimmung verräth; sie haben außer den uralten, rundbogigen Eingängen und einzelnen Schußscharten, an den Ecken noch Buckelsteine, und sollen der Sage nach zu einem adelichen Schloß gehört haben.

Der Ort hat 7 laufende Brunnen, welche im Dorf selbst entspringen, in trockenen Jahrgängen aber beinahe ganz versiegen, so daß das Wasser an der Lauter, 1/4 Stunde weit geholt werden muß; überdieß fließt durch den Ort ein kleiner Bach, der durch die Abflüsse aus den Brunnen verstärkt wird, auch ist eine Wette vorhanden.

| Auf der Markung befinden sich mehrere Quellen, worunter auch sog. Hungerbrunnen; die bedeutendste Quelle, welche sehr gutes Wasser liefert, das Heilkräfte besitzen soll, ist der Lumpenbrunnen im sog. Langenauthälchen.

Die Ortseinwohner, unter denen sich nur einige Wohlhabende befinden, sind fleißige, geordnete Leute und suchen ihrem meist aus den Verwitterungen des Wellenmergels bestehenden, ziemlich unfruchtbaren Boden das Möglichste abzugewinnen. Der größte Güterbesitz beträgt 70 Morgen, der gewöhnlichste 15–20 Morgen und die Größe der Parzellen bewegt sich von 1/4–1 Morgen. Das Klima ist rauh, daher auch die ziemlich ausgedehnte Obstzucht selten reichlichen Ertrag liefert; Hagelschlag kommt nicht selten vor. Die ziemlich große, von dem Lauterthal, dem Langenauthal und einigen Seitenthälchen durchzogene Markung ist meist uneben und ein nicht unbeträchtlicher Theil derselben mit Wald bestockt. Die Feldgüter werden größtentheils zelglich, und zwar vorzugsweise mit Dinkel und Hafer eingebaut; untergeordnet ist der Anbau der Gerste und des Roggens. Von Brachgewächsen pflanzt man viele Kartoffeln, Futterkräuter, Riesenmöhren, Flachs, Hanf, Kraut und etwas Reps. Bei einer Aussaat von 8–9 Sri. Dinkel und 5–6 Sri. Hafer belauft sich der durchschnittliche Ertrag nur auf 4 Schffl. Dinkel und 3 Schffl. Hafer per Morgen, daher auch die Güterpreise sehr nieder stehen und ein Morgen Acker in den besten Lagen nur mit 70–80 fl., in den mittleren mit 30–40 fl. und in den geringsten mit 5–10 fl. bezahlt wird.

Die Wiesen, welche meist bewässert werden können, sind gut und ertragen durchschnittlich auf dem Morgen 38 Ctr. Futter; ihre Preise bewegen sich von 100–300 fl. per Morgen. Das Futtererzeugniß reicht übrigens nicht hin, den ausgedehnten Viehstand zu ernähren, so daß noch Futter auswärts aufgekauft werden muß. Der beträchtliche Rindviehstand, welcher durch zwei, von einem Bürger gegen einen Beitrag der Gemeinde gehaltenen Farren nachgezüchtet wird, dürfte des Düngers wegen, den die magern Felder sehr bedürfen, wo möglich noch vermehrt und das Vieh weniger auf die Weide getrieben werden; der Handel mit demselben ist unbeträchtlich.

Die Schafweide ist an einen fremden Schäfer um 40 fl. verpachtet, woneben die Pferchnutzung der Gemeinde noch etwa 100 fl. jährlich einträgt. Auf der Markung liegen an der Lauter 3 Sägmühlen (obere, mittlere und untere) und die Lautermühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang.

Etwa 1/8 Stunde südlich vom Ort bricht man im bunten Sandstein | sehr schöne Platten, die nicht nur in der ganzen Umgegend, sondern auch in das Badische abgesetzt und hauptsächlich zu Schweinställen, Dächern etc. verwendet werden.

Dietersweiler gehörte zu den Waldgedingorten und erhielt im Jahr 1833 für seine Holz- und Weidegerechtigkeiten 716 Morgen Waldungen, welche zur Hälfte der Gemeinde zugewiesen, zur andern unter die Bürgerschaft vertheilt wurden, so daß je ein Betheiligter 5–51/2 Morgen erhielt. In dem Gemeindeantheil werden jährlich 268 Klafter geschlagen; hievon erhält jeder Bürger 1–11/2 Klafter, der Rest wird zum Verkauf gebracht und gewährt der Gemeindekasse einen Erlös von etwa 2000 fl. Überdieß trägt eine Gemeindewiese einen jährlichen Pacht von 33 fl.

Das Fischrecht in den zur Markung gehörigen Gewässern hat die Gemeinde, mit Ausnahme eines kleinen Theils, der dem Staate gehört.

Siehe übrigens über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt Tabelle III.

Ursprünglich besaßen die Herren von Lichtenfels Dietersweiler (alt auch Dietrichsweiler genannt) und Wittlensweiler. Heinrich von Lichtenfels aber verkaufte beide Orte 1392 an Albrecht von Neuneck, an welchen auch 1395 Dietrich von Lichtenfels Einkünfte in Dietersweiler veräußerte. Als Rudolf von Ehingen sich mit Sophie von Neuneck 1488 vermählte, erhielt er 2/3 am großen Zehnten in Dietersweiler und Glatten, Vogtei und Gericht in Lombach, die Kastvogtei in Oberifflingen u. A., was alles er 1517 an das Kloster Alpirsbach verkaufte. Dietersweiler selbst mit Hörschweiler und Niederhofen hatte Margrethe von Neuneck und ihr Gatte Heinrich von Wolfersdorf für 1000 fl. schon am 6. Aug. 1511 an Herzog Ulrich von Württemberg verkauft (Sattler, Herzoge 1, 124).

Etwa 1 Stunde südwestlich von Dietersweiler, nicht ferne von dem Weiler Lauterbad, sieht man in dem Walde „Burg und Schöllkopf“, auf dem Rückenausläufer zwischen dem Lauterthal und dem Sauteich noch wenige Überreste des Grabens von einer ehemaligen Burg, welche die alte Burg oder der Burgberg genannt wird[1]. Am 20. Februar 1472 verkaufte Anastasia, Tochter Heinrichs von Geroldseck, Herrn von Sulz, mit Berchtold Hiltger von Villingen | ihren Gemahl das von ihrem Vater ererbte Schloß „Burgberg auf dem Schwarzwald“ mit zugehörigen Höfen und Weiler an den Grafen Eberhard von Württemberg.

b. Lauterbad, Weiler, 1/2 Stunde südöstlich von der Oberamtsstadt und 3/4 Stunden südwestlich vom Dorf Dietersweiler, wo die Einwohner die Kirche und Schule besuchen. In dem engen, mit steilen bewaldeten Abhängen versehenen Lauter-Thale hat der freundliche Weiler eine romantische, still abgeschiedene, geschützte Lage. Er wurde im Jahr 1721 von dem mömpelgartischen Cammerdirector Christoph Wilhelm Dieterich auf einem der Herrschaft abgekauften, dornstettischen Waldgedingsdistrict und in einem Bezirk von circa 300 Morgen abgebrannter Waldungen angelegt und zugleich mit einem Badehaus versehen. Es ließen sich alsbald noch 6 württembergische Unterthanen hier nieder, über welche Dieterich als Lehen von Württemberg die niedere Gerichtsbarkeit hatte und bis 1809 auf seine Nachkommen vererbte, letztere Herrschaft dagegen durch die Vogtei Dornstetten die hohe Gerichtsbarkeit übte (Näheres bei Heid, Freudenstadt 159). Außer den ansehnlichen, der Familie Dieterich gehörigen Gebäuden und einigen Holzmacher- und Taglöhner-Wohnungen sind noch eine Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, ferner eine Sägmühle und eine Hanfreibe vorhanden. Der jetzige Besitzer Gustav Gottlob Dieterich (Ururenkel des Gründers) und dessen noch (1857) lebender Vater Georg Friedrich Dietrich (geboren 14. August 1775), welcher früher den Titel königlicher Vasall, Gutsbesitzer und Gerichtshalter auf Lauterthal führte, treiben neben der Bewirthschaftung eines ansehnlichen, jedoch minder ergiebigen Guts einen sehr ausgedehnten Holzhandel auf der vom Ort an floßbaren Lauter. Die übrigen Einwohner sind Taglöhner, welche in den namhaften zum Gut gehörigen und in andern nahe gelegenen Waldungen, wie auch bei der Flößerei Beschäftigung und Verdienst finden.

Im Ort dringen 3 starke Quellen hervor, deren vortreffliches Wasser früher als heilsames Mittel gegen verschiedene chronische Hautkrankheiten, die man im Allgemeinen Aussatz nannte, bekannt war. Über die Bestandtheile der Quellen führt Dr. Philipp Grauer in Tübingen in einem Gutachten vom Jahr 1592 folgendes an: „Die 3 Bronnen halten in sich Bley ziemlich viel, Salpeter ein gut Theil, aber wenig Alaun; doch ist der Bronnen uff der rechten Seite, wenn man die Lauter hinaufgeht, viel stärker denn die andern zweyen, daraus vor länger denn 70 Jahren bis uff den heutigen Tag vül Lit gebadet, die böse alte Schäden gehabt“ (vergl. auch Rösler, Beitr. zur Naturgesch. 1, 168). Dagegen führt G. C. L. Sigwart (die | Mineralwasser in dem Königreiche Württemberg etc. Tübingen 1831 S. 34) die Quellen in dem Lauterbad nur unter den sehr reinen Wassern auf. Die eingerichtete Badanstalt ist in neuerer Zeit abgegangen, jedoch werden die Heilquellen von Kranken aus der nächsten Umgegend immer noch benützt; die Besucher des Lauterbads finden in dem Hause des dermaligen Besitzers eine freundliche und gute Herberge.
  1. Das Landbuch von 1624 führt an: Uff dem Burgberg, in der Lautter, nicht weit von ihrem Vrsprung, ist auch ein Alt Abgegangen Burgstall, welches aber gar mit Holz Verwachsen, und daran allain die Hofstatt zu sehen ist.
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