Beschreibung des Oberamts Ehingen/Kapitel B 36

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36. Obermarchthal mit Datthausen, Gütelhofen, Luppenhofen und Mittenhausen.
a. Obermarchthal,
ein kathol. Pfarrdorf und Marktflecken auf dem rechten Donauufer| 3 St. oberhalb Ehingen, mit 788 Einw., Hauptort eines F. Thurn und Taxischen Bezirksamts, und Sitz eines F. Amts und Amtsgerichts, eines Rentamts, und eines Revierförsters, Forstverwaltung Buchau[1]. S. 67 u. f. Grund- und Patronatsherr: der Fürst von Thurn und Taxis; die Zehnten bezieht Ebenderselbe, einen geringen Theil des Kleinzehnten hat die Kirchenpflege.

Gefälle beziehen: der Fürst 583 fl. 37 kr. und (Mühlenzinse) 118 Sch. 2 Sr. Kernen, die Stiftspflege 12 kr. Außerdem beziehen der Fürst Theilgebühren, mit dem Zehnten zu 3135 fl. 46 kr. im Cataster, deßgleichen die Stiftspflege 89 fl. 40 kr., der Graf Schenk v. Castell als Leheninhaber der Herrsch. Berg aus Wiesen (als Weidegeld) 13 fl. 30 kr. – Das Pfarrhaus und bey der Unzulänglichkeit der Kirchenpflege, auch die Kirche baut der Fürst.

Obermarchthal liegt sehr uneben über dem steilen Felsenufer der Donau, an der Riedlinger oder Dauphinestraße S. 69. Am Rande des Felsen steht das vormalige Reichsstift Marchthal, jetzt Fürstl. Schloß mit der schönen Klosterkirche und mehreren ansehnlichen Nebengebäuden, welche mit den weithin sichtbaren Kirchtürmen einen überraschenden Anblick gewähren. Eine Ansicht davon liefert das Titelbild zu diesem Hefte. Das Schloß ist ein schönes äußerst geräumiges Gebäude. Es bildet ein längliches, einen Hof einschliessendes Viereck, das auf seinen 4 Ecken mit Flügelgebäuden versehen ist. An dasselbe schließt sich ein sehr schöner Garten an. Schloß und Garten wurden von dem gegenwärtigen Besitzer mit vielem Aufwande ganz neu eingerichtet und angelegt, und man findet überall Ursache sich zu freuen, daß dieses schöne Besitzthum in so gute Hände gekommen ist. Der untere Stock des Schlosses dient nun zum Theil zum Sitz der Beamten, in den obern Stockwerken befinden sich die Fürstl. Zimmer. Sowohl in diesen, als in dem Garten hat man überraschend schöne Aus- und Ansichten, in letzterem besonders auch in dem auf einem senkrechten Felsenvorsprunge stehenden Gartenhause.| An das Schloß schließt sich die ehemalige Stifts- oder Klosterkirche an, die der Fürst zur Pfarrkirche eingeräumt hat. Sie ist in edlem einfachen Style gebaut, vielleicht etwas zu viel mit Stuckarbeit, desto weniger mit bunten Zierathen überladen. In dem Schlosse, oder ehemaligen Kloster, Marchthal, und zwar in dem südöstlichen Eckgebäude, welches dazu besonders gebaut und eingerichtet wurde, übernachtete die letzte unglückliche Königin Antoinette von Frankreich, als sie als Braut des Dauphin nach Frankreich reiste.

Obermarchthal hat mehrere Handwerks- und Kaufleute, auch eine Apotheke, eine bedeutende Mahlmühle an der Donau, 1 Öl- und Gypsmühle, 1 Sägmühle, 1 Ziegelhütte, und 3 Vieh- und Krämermärkte. In dem Orte steht die alte, 1803 eingegangene, Pfarrkirche zur heil. Maria, am Ende desselben eine wohlgebaute Capelle zur h. Anna. Zu der Pfarrey gehören auch Datthausen, Mittenhausen und Rechtenstein mit dem Brühlhof. Luppenhofen wurde erst 1812 davon getrennt. Die sehr alte Pfarrey wurde dem Kloster schon frühe einverleibt; nach Aufhebung des Klosters 1803 stellte sie der Fürst wieder mit einer Caplaney her.

Dem Schlosse gegenüber, und nur durch eine enge Thalschlucht, durch welche ein kleiner Bach in die Donau hinabgeht, getrennt, liegt ein merkwürdiger Hügel; worauf einst eine Burg lag, gemeiniglich die Altenburg, eigentlich aber, wie es scheint, Marchthal genannt. Das Alter dieser Burg reicht bis in die entferntesten Zeiten hinauf, und nach allen Umständen verdankt sie ihren ersten Ursprung den Römern. S. 9. Jetzt zeugen nur noch einige Gräben und Erdaufwürfe von ihrem ehemaligen Daseyn. Schon im 8ten Jahrhundert war die Burg Sitz der mächtigen Familie der Gaugrafen von der Folkoltsbar; in der Folge Sitz der Allem. Herzoge. Nach der Angabe des klösterlichen Annalisten, der sich dabey auf noch vorhandene Urkunden beruft, hat schon Burkhard I., in welchem 916 die Herzogswürde wieder hergestellt wurde, hier seinen Sitz gehabt. Gewiß ist auf jeden Fall, daß von Hermann II. an (997) mehrere Herzoge hier| wohnten[2]. Graf Adalbert von Marchthal hingegen, der für die Sache des K. Otto I. in einem Gefechte bey Augsburg fiel, war, nach der kritischen Beleuchtung von Neugart nicht von unserm Marchthal. Während der blutigen Fehden zwischen der Welfischen und Gibellinischen Partey findet man die Burg von Conrad von Winterstetten, einem alten Freunde und Truchsessen der Hohenstaufen besetzt. Im J. 1269 wird derselbe hier von den Grafen von Veringen und Schelklingen, Ulrich und Heinrich, Anhängern der Welfen belagert, die Burg wird erobert und gänzlich zerstört. Die Geschichte des Dorfes Marchthal oder wie in älterer Zeit geschrieben wurde, Marchtall, hängt mit der Geschichte der Altenburg und des Klosters zusammen. Der Name Marchthal deutet ohne Zweifel auf eine alte Markgränze hin, welche die Thalschlucht bey dem Orte machte. Das Kloster Marchthal ist eines der ältesten des Landes. Schon i. J. 776 überläßt Graf Agylolf und seine Familie das Bened. Kloster zu Marchthal, das sein Vater Halaholf mit seiner Gattin Hitta zu Ehren des Apostels Petrus gestiftet hatte, als ein Filialkloster mit seinen Gütern dem Kloster St. Gallen. Die Urkunde ist ausgestellt in dem Kloster Marchthal „Actum in monasterio ipsius Marhctala[3]. Die Nachkommen Agylolfs, Chadaloch und Wago, Söhne des Grafen Bertholds, der die obige Urkunde mit unterschrieben hatte, vermehrten diese Schenkung 805 mit noch mehreren Gütern in Marchthal und in vielen andern Orten[4]. Aber wie um andere| Güter in der Gegend, so kam St. Gallen nachher auch um diese Schenkungen wieder, und das Kloster Marchthal scheint sich wieder ganz aufgelöst zu haben. Ein Todesfall gab Veranlassung zu einer zweiten Stiftung. Herzog Hermann II., der auf der Altenburg seinen Sitz hatte, und seine Gemahlin Gerberg, eine Tochter des K. Conrad von Burgund, verloren ihren Erstgebornen durch den Tod in einem Alter von 1 Jahr. Die traurenden Eltern ließen ihn in der Capelle zum h. Johannes dem Täufer, in der alten Klosterkirche zum h. Peter, begraben. Aber an dieser Kirche stand damals nur ein einziger Priester Namens Etto; die Kirche selbst war in schlechtem Zustande. Gerberg stellte diese wieder her, und bewog ihren Gemahl zur Stiftung einiger Güter, um mehrere Geistliche bey der Kirche anstellen zu können, die an dem Grabe ihres Sohnes Gottesdienst halten sollten. So entstand zwischen 992 und 995 ein Collegiat- oder Canonikat-Stift, mit 7 Pfründen oder Stellen, wozu, außer Gütern zu Bettighofen und Marchthal, auch die Kirche zu Grunzheim etc. gestiftet wurde. S. 142. Zu gleicher Zeit ließ Hermann auch die nachherige Pfarrkirche zur h. Maria erbauen, oder wieder herstellen; sie wurde i. J. 998 von dem Bischof Gebhard von Constanz eingeweiht. Aber auch das Collegiatstift kam wieder in Zerfall, und seine Güter wurden ein Raub weltlicher Herrn. Von den 7 Pfründen besaßen i. J. 1171 der Pfalzgr. Hugo von Tübingen 3, von seiner Großmutter, der Gräfin von Kellmünz ererbt, der Herzog Conrad von Schwaben 1, Swigger von Gundelfingen als Lehen von K. Friedrich 1, Salome von Emerkingen 1, und der Ritter Ranzo von Neufen 1. Ein neuer Zufall kam dem Gotteshause zu Statten: Pfalzgraf Hugo hatte während seiner Gefangenschaft, in der er von dem Herzog Welf gehalten wurde, auf den Fall seiner Befreyung die Stiftung eines Klosters gelobt; er hielt Wort und stiftete 1171 das Prämonstratenser Kloster Marchthal mit der Kirche des Orts, den oben genannten 3 Pfründen und der von dem Ritter Ranzo erkauften, ferner mit den Kirchen zu Kirchbierlingen, Wachingen, Ammern bey Tübingen, so wie mit Gütern zu| Stetten (Schmalstetten) und Bettighofen. Der Stiftungsbrief, auf welchen noch weitere Bestätigungs- und Sicherungs-Urkunden folgten, wurde den 1. Mai 1171 zu Tübingen ausgefertigt. Papst Cölestin bestätigte 1192 und K. Heinrich VI.[ws 1] 1193 die Stiftung. Letzterer beruft sich dabey auf die von seinem Vater, dem K. Friedrich ertheilten Privilegien. 1192 gab auch Herzog Conrad seine Pfründe an das Kloster ab, und Swigger von Gundelfingen hatte die seinige 1177 an dasselbe verkauft. Die Mönche zu dem neuen Kloster hatte Hugo von dem Kloster Roth bezogen. Neben dem Mannskloster wurde, wie es damals gewöhnlich war, zugleich auch ein Frauenkloster errichtet. Im Jahr 1212 wurde den Klosterfrauen eine eigene Kirche zur heil. Catharina und 1252 ein neues Kloster gebaut. Aber schon 1273 sahen sich Propst und Capitel veranlaßt, zu beschließen, daß innerhalb 50 Jahre keine Novizen in das Kloster mehr aufgenommen werden sollen, womit also dessen Aufhebung beschlossen war[5]. Durch Schenkungen, Käufe, und klösterliche Industrie vermehrte das Gotteshaus seinen Besitzstand allmählig bedeutend, und der Ort Marchthal selber war schon 1218 ganz im Besitze des Klosters. Die gegenwärtigen Klostergebäude wurden erst in neuerer Zeit gebaut. Im J. 1688 wurde der Bau der Kirche angefangen, und 1700 vollendet; 1704 begann der Bau des neuen Klosters, gegenwärtigen Schlosses, und wurde erst 1770 beendigt.| Das Kloster hatte lange nur einen Propst zum Vorsteher; 1441 gelangte derselbe zur Würde eines Abts, kraft eines päpstlichen Breve von 1440.

Die Schutz- und Schirmsvogtey des Klosters besaßen anfänglich die Pfalzgrafen, bald aber machte sich das Kloster von ihnen, so wie nachher von den von Emerkingen, los, und begab sich in des Reichs und Östreichs Schutz. K. Albrecht sicherte ihm dafür 1297 stattliche Freyheiten zu, welche seine Nachfolger bestätigten. Ums Jahr 1440 wollte Graf Ulrich von Würtemberg die Schirmsvogtey an sich ziehen, das Kloster setzte sich aber beharrlich dagegen; Gr. Eberhard ließ deßwegen 1470 durch Mühlhausen von Westerstetten das Kloster überfallen, und den Abt Jodok gefangen wegführen. Allein auch dieser Schritt blieb ohne Erfolg, und der Abt wurde gegen ein Lösegeld von 1000 fl. wieder frey gegeben. Von K. Maximilian begünstigt, erhielt der Abt 1500 Sitz und Stimme unter den Reichsprälaten und das Kloster trat somit in die Reihe der unmittelbaren Reichsabteyen ein. Schon i. J. 1204 zählte das Kloster 50 Mönche und eben so viele Ordensschwestern. In den letzten Zeiten unterhielt es in der Regel 47 Geistliche, wovon aber ein Theil auswärts auf Pfarreyen und 2 Statthalterschaften sich befand.

Marchthal und sein Kloster hatten mancherley Schicksale. Schon bey der oben erwähnten Belagerung und Zerstörung der Burg wurden das Kloster und der Ort hart mitgenommen, noch mehr litten beyde unter den fortwährenden Unruhen und feindlichen Anfällen des benachbarten Adels. Auf seinem Rückzüge von Ehingen (S. 95) 1343, wurde das Kloster und Dorf auch von Graf Eberhard von Würtemberg überfallen, geplündert und angezündet, und der Propst Eberhard Gryff, ein Freund Conrads von Schelklingen, gefangen fortgeschleppt. 1449 wurde das Kloster von dem Gr. von Leiningen, Verbündeten Gr. Ulrichs von Würtemberg gegen die Reichsstädte, überfallen und schwer beschädigt; 1520 brannte ein großer Theil des Dorfes ab. Im 30jährigen| Kriege, 1632, wurden Dorf und Kloster von den Schweden heimgesucht. K. Gustav schenkte es seinem General, dem Gr. von Hohenlohe, der auch sogleich Besitz davon nahm, nach der Schlacht bey Nördlingen 1634 aber wieder weichen mußte. Das Kloster verarmte in diesem verheerenden Kriege so sehr, daß es 1650 seine Glocken verkaufen mußte. In den Jahren 1692 und 1693, während andere Orte von den mordbrennerischen Einfällen der Franzosen heimgesucht wurden, hatten zu Marchthal Mißwachs und Hagel eine solche Hungersnoth herbeygeführt, daß, als 1694 am Grünendonnerstage den Armen Brod ausgetheilt wurde, 42 Menschen im Gedränge unter dem Klosterthor ihr Leben verloren. Im J. 1803 fiel Marchthal mit andern Besitzungen, kraft des Regensburger Reichsdeputations-Recesses zur Schadloshaltung für verlorne Einkünfte aus den Reichsposten, dem Fürsten Anselm von Thurn und Taxis zu, und das Kloster wurde hierauf aufgehoben; 1806 kam es unter Würt. Oberhoheit, und macht nun unter dieser einen Theil der Fürstl. Standesherrschaften aus.

Die Besitzungen des Klosters bestanden bey seiner Auflösung in 10 Pfarrdörfern: Bremelau, Dieterskirch, Hausen am Bussen, Kirchbierlingen, Obermarchthal, Reuttlingendorf, Saugart, Seekirch, Unterwachingen und Uttenweiler, in 15 kleinen Dörfern und Weilern: Algershofen (getheilt), Alleshausen, Bischmannshausen, Brasenberg, Datthausen, Dietershausen, Gütelhofen, Luppenhofen, Minderreuti, Ober-Wachingen, Ödenalen, Sontheim, Schupfenberg, Dobel, Weisel; in 5 Höfen und 2 Mühlgütern: Ammerhof, Dettenberg, Herlighof, Heuhof, Mittenhausen, Herlighofer Mühle und Runkenmühle; ferner in Zehnten und Gefällen an mehreren Orten und in den Gütern Giesperg und Hochstraß in der Schweiz. Die Bevölkerung des Gebiets belief sich auf ungefähr 6500 Menschen.

Die reinen Einkünfte des Klosters betrugen nach einer, auf dem Regensburger Congreß zu Grunde gelegten, Berechnung 84.000, nach einer ältern 100.000 fl. Activ-Capitalien fanden| sich bey der Auflösung des Klosters 80.000 fl.; Schulden 30.000 fl.[6].

Die Verwaltung war auf denselben Fuß eingerichtet, wie zu Zwiefalten.

Unter den Anstalten des Klosters befand sich eine Art von Gymnasium, worin 20 bis 30 junge Leute studirten. Außerdem hat sich Marchthal durch Verdienste um die Wissenschaften nicht besonders ausgezeichnet.

b. Datthausen,

oder auch Dattenhausen, ein kathol., vormals Marchthalischer, Weiler auf der Höhe, am Rande über dem rechten Donauufer, an der Riedlinger Straße, 4 St. südw. von Ehingen, 1 St. von Obermarchthal, wovon es Filial ist, mit 70 Einw., Standesherrschaft Taxis, Amtsbezirk Obermarchthal. Die Zehnten gehören dem Fürsten, sie betragen nach dem Cataster mit den Theilgebühren 1000 fl. 45 kr.

Gefälle beziehen; der Fürst 97 fl. 52 kr., die Stiftspflege des Orts 7 fl.

Der Weiler hat eine niedliche Capelle zum h. Georg, welche 1720 von dem Abt zu M. neu hergestellt worden ist. Ehemals stand hier auch ein Schloß, wovon aber jetzt nichts mehr übrig ist. Der Weiler erscheint schon unter den an das Kl. St. Gallen vergabten Orten 776 und 805, das erste Mal unter dem Namen Tatunhusum, das andere Mal unter dem Namen Dhahddhorf. S. 5. Den Namen Dattdorf, Datthof führte der Ort auch noch im 13ten Jahrhundert. Das Kloster St. Gallen kam auch hier wieder um seinen Besitzstand; doch verkaufte noch 1220 ein Ritter Rudolph einen Hof an das Kloster Marchthal mit Bewilligung des Abts von St. Gallen. Die Hauptsache kam in die Hände der Allem. Herzoge, nach deren Aussterben man die Boßen von Zwiefalten und Andere im Besitze findet. Von| ihnen kaufte das Kloster den Ort allmählig im 13ten Jahrhundert, die von Stein besaßen später noch das Schloß und Güter daselbst, und ein Zweig schrieb sich von dem Ort; 1377 und 1390 verkauften endlich auch diese Schloß, Güter und Rechte an Marchthal.
c. Gütelhofen,

ein kathol., vormals Marchthalischer, Weiler, hoch am Hange auf der rechten Seite der Donau gelegen, 21/2 St. südw. von Ehingen, mit 43 Einw., Filial von Hausen ob Munderkingen, wo auch die Schule für Gütel- und Luppenhofen ist. S. o. Der Ort gehörte mit Luppenhofen, womit er eine gemeinschaftliche Markung hat, dem Kl. Obermarchthal, jetzt gehören beyde dem F. von Thurn und Taxis und zum F. Amtsbezirk Obermarchthal. Die Zehnten bezieht der Fürst.

Gefälle: der Fürst 110 fl. 52 kr., 3 Sch. Dinkel und eben so viel Haber, außer nichtständigen Gefällen, welche zu 457 fl. berechnet sind, die Univ. Freyburg 7 fl. 17 kr., und nichtständige 12 fl.; der Staat 48 kr.

Gütelhofen war bis 1810 Filial von Neuburg. Die Pfarrey Neuburg hatte hier auch ein Gütlein und den größern Theil des Zehnten, bis sie der Univ. Freyburg einverleibt wurde, welche 1721 den Zehnten an das Kl. Marchthal gegen anderwärtige Gefälle vertauschte. Der Weiler selber kam theils durch Schenkung, theils durch Kauf im 14ten Jahrhundert von den von Steußlingen, Emerkingen und Andern an das Kloster Marchthal.

d. Luppenhofen,

ein kathol. Weiler, bey Gütelhofen, mit 45 Einw. S. Gütelhofen. Bis 1810 war Luppenhofen Fil. von Obermarchthal, jetzt ist es auch Hausen zugetheilt. Der Weiler gehörte ebenfalls den von Steußlingen und Emerkingen, und wurde von dem Kl. Marchthal von 1290 bis 1379 erkauft. 1646 wurden Gütel- und Luppenhofen ganz zerstört.

e. Mittenhausen,
ein großer, Fürstl. Taxischer Maiereyhof mit einer eigenen Markung in der Ausmündung eines engen von der Bronnach| bewässerten Thälchens gegen das Donauthal, das hier ebenfalls eng und felsig ist, mit 9 Einwohnern, Fil. von Obermarchthal. S. o. Noch vor einem Menschenalter wurde hier Wein gebaut; in Zwiefaltendorf lebt noch eine Person, welche in den Weinbergen hütete. Mittenhausen bestand früher aus 2 abgetheilten Höfen, wovon das Kloster M. den einen 1182 von Schenk zu Zell durch Schenkung, den andern 1370 mit dem Schloß und Burgstall von Bruno von Hertenstein, der ihn von den Gr. von Wartstein zu Lehen hatte, für 950 lb. erhielt. Das Schloß lag auf einem Kopfe bey Mittenhausen, Jörgenberg genannt; 1296 bewohnte es Heinrich Boße. Abt Johann von Marchthal baute eine Capelle zu M., welche 1621 eingeweiht, bald darauf aber im 30jährigen Kriege wieder zerstört wurde. Die Mittenhäuser Thalschlucht war in ältern Zeiten wegen Räubereyen und Todtschlägen sehr berüchtigt.



  1. Neuerlich ist Marchthal auch Sitz eines Gerichtsnotariats für den F. Amtsbezirk geworden.
  2. Annales Marchtall. nach dem Scriptor Codicis antiquissimi – Waltherus praepositus electus 1208. Handschrift. Ditmar. Chron. L. IV. Eckhart Francia Orient. T. II. p. 921. Eine kurze aber mangelhafte Geschichte von der Stiftung des Klosters enthält die Druckschrift: das jubilirende Marchtall von P. Sailer. 1771 in 4. Neben diesen und andern Schriften ist hier Vieles aus Urkunden gezogen.
  3. Neug. Cod. Dipl. Nr. 66.
  4. Ebend. Nr. 155. 193. Von Arx Geschichte von St. Gallen I. S. 155.
  5. Der Beschluß lautet nach Crusius, Schw. Chronik. B. I. S. 634 also: Wir Conrad, Propst zu Martall, sammt den ganzen Convent: Wann wir betrachten, daß die Schalkheit der Weibsleute alle andere Leichtfertigkeiten übertrifft, so in der Welt zu finden seynd, und daß kein Zorn ist über eines Weibeszorn, und daß das Ottern- und Drachengift, noch gelinder und heilbarer vor den Menschen ist, als der vertraute Umgang mit Weibsleuten, so haben wir mit gemeinschaftlichen Rath und Einwilligung beschlossen, sowohl für die Wohlfahrt der Seelen, als der Leiber und unserer Güter künftighin Sorge zu tragen, wollend; daß wir übrigens keine von den Schwestern mehr, zur Vermehrung unsers Verderbens aufnehmen, sondern dieselbe als vergiftete Thiere abweisen etc.
  6. Auch sollen sich in dem Kloster für 300.000 fl. Effecten, ohne die Vorräthe von Frucht und Wein gefunden haben. Der Deputations-Receß von Gaspari. Hamburg 1803. II. Th. S. 139.
Anmerkungen [WS]
  1. Korrigiert nach Beschreibung des Oberamts Riedlingen S. 267: S. 176 statt Heinrich IV. – Heinrich VI.