« Kapitel B 22 Beschreibung des Oberamts Ehingen Kapitel B 24 »
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23. Herbertshofen mit Dintenhofen.
a. Herbertshofen,

ehemals Herbrechtshofen geschrieben, und neuerlich in Herbazhofen verunstaltet, ein kathol. Weiler, Filial von Ehingen, 1 St. südlich von da, auf der linken Seite der Donau, mit 92 Einw., F. A. Zwiefalten.

Der Ort bildet mit Dintenhofen 1 Gemeinde und 1 Markung; beyde Weiler gehörten vormals dem Kloster St. Georgen zu Villingen, standen aber unter der hohen Obrigkeit der Herrschaft Ehingen. Der Zehnte ist zwischen der Univ. Freyburg und dem Spital Ehingen getheilt.

Gefälle beziehen: der Staat aus Zinsgütern, Erb- und Falllehen 227 fl. 38 kr. Geld, 134 Sch. 7 Sr. Dinkel, 106 Sch. 31/2 Sr. Haber, Gr. Schenk v. Castell 16 fl. 50 kr. und 7 Sr. Dinkel, und 7 Sr. Haber; die Gemeindepflege 9 fl. 27 kr., die Stiftspflege 20 fl. 16 kr. darunter etwas an Früchten, die Univ. Freyburg 1 fl. 20 kr., die Stiftspflege Ehingen 30 kr.

Der Zehnte der Universität rührt von der incorporirten Pfarrey Ehingen her, der Spital kaufte seinen Antheil, der ein Lehen des Kl. Daugendorf war, 1384 von Friedr. Kaib.

Auf der Höhe zwischen Dinten- und Herbertshofen liegt sehr malerisch, in einem Obstgarten, die Dorfkirche zum h. Benedikt, welche einen eigenen Kirchenfond hat. Die sehr alte Kirche wurde 1705 von dem Kl. Villingen neu gebaut. Hinter der Kirche stand ein Schloß, wovon aber jetzt nichts mehr zu sehen ist. In einer Vertiefung bey dem Schlosse war ehemals ein großer Weiher, von dem der zwischen Dinten- und Herbertshofen herabfließende Bach den Namen Weiherbach hat. S. u.

b. Dintenhofen,
ein kathol. Weiler, ganz nahe bey Herbertshofen, zum Theil an den Berghang hingebaut, 3/4 St. südlich von Ehingen, wovon es ebenfalls Filial ist, mit 61 Einw. und der Schule für beyde Weiler. S. o. Beyde Orte haben einerley Geschichte. Im J. 1088 schenken 2 Edelleute, Burkhard und sein Bruder Conrad die Hälfte ihrer Güter zu Dintenhofen| dem Kl. St. Georgen auf dem Schwarzwald, und Papst Alexander III. bestätigt 1179 dem Kloster seinen Besitz in Dindinhove[1]. 1220 verkauft Ulrich von Gundelfingen die andere Hälfte von Tindinhoven und Herbertshoven an eben dasselbe Kloster, und dieses übertrug jetzt die Schutzvogtey darüber dem Grafen Hartmann von Dillingen[2], von wo sie durch verschiedene Hände endlich 1414 kaufsweise an das Kloster zurückkehrte, das nun in vollem Besitze der beyden Weiler war, und es auch blieb bis zu seiner Auflösung 1806. In Folge der Reformation, 1566, hat Würtemberg einen Versuch gemacht, die beyden Weiler nebst Ingoldingen in Besitz zu nehmen, und sich derselben auch wirklich mit gewaffneter Hand bemächtigt. Da aber der Abt mit dem größern Theil seines Convents von St. Georgen nach Villingen zog, und sich unter östr. Schutz begab, so mußte Würtemberg weichen. Das Kloster hatte ein Haus zu Dintenhofen, das seinem Vogt und Schaffner zum Absteigquartier diente, 1819 aber von der K. Kammer an die Gemeinde verkauft wurde, und nun das Schulhaus ist. S. 91.


  1. Neugart Codex Dipl. Nr. 878.
  2. Ebend. Nr. 907.