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Autor: Max Ring
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Titel: Berliner Bilder - Nr. 5. Die „Rück-Compagnie“
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 671–673
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[671]
Berliner Bilder.
Nr. 5. Die „Rück-Compagnie“.


Mitternacht ist längst vorüber; die Straßen sind öde und menschenleer; nur hier und da begegnet man noch einem taumelnden Nachtschwärmer oder einem verdächtigen Strolche. Auch der Wächter des Reviers läßt sich nicht blicken und ruht von seiner Runde unter irgend einem geschützten Thorwege oder in einem befreundeten Bierkeller aus. Am nächtigen Himmel lagert dichte Finsterniß; die spärlichen Gaslaternen leuchten so düster, daß man kaum auf zehn Schritte eine menschliche Gestalt erkennen kann; auf der Spree liegen die schwarzen Schiffe so ruhig, als ob sie schliefen, und in den angrenzenden Häusern träumen die schlummernden Bewohner in den warmen Betten. In dem entlegenen Stadttheile herrscht eine tiefe, unheimliche Stille. Selbst der Hofhund ist verstummt und bellt nicht mehr.

Nur in einem nach dem Wasser zu gelegenen Keller wacht der arme Budiker Piefke mit seiner Frau voll ängstlicher Spannung. Von dem unnachsichtigen, wegen seiner Hartherzigkeit verrufenen Wirthe des Hauses mit Exmission bedroht, sannen die Ehegatten schon seit mehreren Tagen darauf, sich und ihre Habe den Händen ihres unbarmherzigen Gläubigers zu entziehen. Aber Herr Spieseke war ein „Geriebener“ und kannte den „Rummel“. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend stand er abwechselnd mit seiner würdigen Gattin auf der Lauer und bewachte wie ein Cerberus die Thür seines Schuldners. Selbst in der Nacht löste er sich mit seiner besseren Hälfte ab, und Beide lauschten vor dem offenen Fenster, um das Ausrücken des Budikers zu verhindern.

Umsonst versuchte der arme Piefke, den Argus zu täuschen und durch falsche Nachrichten aus dem Hause zu locken, um in der Zwischenzeit seine heimliche Flucht zu bewerkstelligen. Umsonst speculirte er bald auf die Neugierde, bald auf die Vergnügungssucht seiner Wirthsleute. Selbst die anonyme Zuschickung zweier Billete für das entfernt liegende Vorstadttheater verfehlte ihren Zweck, da Herr Spieseke der Versuchung tapfer widerstand und nur seine Frau mit der ältesten Tochter in’s Theater schickte. Der unglückliche Budiker bedauerte das hinausgeworfene Geld und gab bereits alle Hoffnung auf, doch die resolute Frau tröstete ihn und richtete seinen gesunkenen Muth wieder auf.

„Bestelle auf morjen Nacht die Rück-Compagnie!“ sagte sie entschlossen.

„Die Rück-Compagnie?“ fragte er verwundert.

„Na ja! Vater Brendel mit seinen Leuten.“

„Und können die uns helfen, wenn Spieseke und sein alter Drache den janzen Tag und auch zur nachtschlafenden Zeit wie die Schießhunde aufpassen und uns nicht fortlassen?“

„Thu’ nur, was ich Dich heiße!“ [672] „Aber wenn Spieseke's etwas merken, kommen wir in Teufels Küche. Der Kerl läßt nicht mit sich spaßen, und mit Jewalt ist da nichts zu machen. Er wird die Polizei rufen und dann muß ich wenigstens meine vier Wochen brummen.“

„Wie kann man nur ein solcher Hasenfuß sein! Ich stehe Dir jut dafür, daß er nicht die Probe merken soll.“

„Du kannst Dir doch nicht unsichtbar machen und unsere Schränke und Kommoden, das janze Jeschirr in der Luft fortschaffen, während Spieseke's vor der Hausthür Wache stehen?“

„Laß sie man stehen, bis sie schwarz werden! Schadet nichts.“

„Wie sollen wir denn mit unseren Sachen fortkommen?“

„Du bist doch jar zu dämlich,“ versetzte die schlaue Frau mit überlegenem Lächeln. „Die Hausthür jeht auf die Straße und unser Keller nach der Spree. Hast Du mir bejriffen?“

„Nicht janz; denn das Wasser hat keine Balken. Wie sollen wir denn die Sachen 'nüberbringen?“

„Mit dem Kahn.“

„Jetzt jeht mich ein Seifensieder uff,“ rief Herr Piefke entzückt. „Karline! Ich muß Dich einen Kuß jeben. Du bist die klügste Frau, die ich kenne. Aber woher sollen wir den Kahn nehmen?“

„Davor wird schon Vater Brendel sorgen. Mach man, daß Du fortkommst und die Rück-Compagnie bestellst!“

Ohne Zeit zu verlieren, begab sich der folgsame Budiker zu dem bekannten Vater Brendel, der an der Spitze einer sogenannten nächtlichen Rück-Compagnie stand. Er und seine Leute, verwegene Gesellen, bildeten eine von allen Hauswirthen Berlins gefürchtete Bande, die gegen eine angemessene Belohnung mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit und Kühnheit verschuldeten Miethern bei ihrem heimlichen Auszug halfen und den gefährlichen Transport der Habseligkeiten besorgten, bevor die geprellten Wirthe eine Ahnung davon hatten.

Da die Letzteren nach dem Gesetz bei schuldiger Miethe das Recht haben, das bewegliche Eigenthum des Miethers zurückzuhalten, so lange sich dasselbe in ihrem Hause befindet, ist es hauptsächlich die Aufgabe der Rück-Compagnie, so heimlich und rasch wie möglich die Möbel und Geräthschaften auf die Straße zu schaffen, wo dieselben vor jeder Pfändung sicher sind. Dagegen wird ihre gewaltsame Entfernung aus dem Hause nach erfolgtem Einspruch mit mehrwöchentlichem Gefängniß bestraft.

Für ein derartiges gewagtes Geschäft war Vater Brendel ganz der geeignete Mann, ein wahrer Riese mit dem Nacken eines Stiers, mit Fäusten wie Bärentatzen und mit den breiten Schultern eines Hercules, dabei schlau wie ein Fuchs und schnell wie ein Windhund. Wie ihm die schwerste Last nur ein Kinderspiel war, wie er im Handumdrehen einen centnerschweren Wäscheschrank forttrug, so verstand er es, dem geriebensten Wirth eine Nase zu drehen, und er that dies mit wahrer Begeisterung.

„Was jemacht werden kann,“ sagte er lachend auf den Antrag Piefke's, „wird jemacht. Verlassen Sie sich janz auf mich. Spieseke soll nicht einen Kochlöffel von Ihnen zurückbehalten. Nur sorgen Sie für einen juten Gilka! Meine Jungens haben einen fürchterlichen Durst und müssen sich stärken.“

„Daran soll es nicht fehlen,“ versetzte Piefke. „Auf ein paar Flaschen kommt es mir nicht an. Also nach Mitternacht! Wir werden unterdessen Alles vorbereiten und zusammenpacken, damit wir keine Zeit versäumen. Der Keller liegt dicht an der Spree, nicht weit von der Brücke. Nehmen Sie sich nur in Acht, daß Spieseke's nichts merken!“

„Nur nicht ängstlich!“ entgegnete der Riese. „Jeschwindigkeit ist keine Hexerei. Mit dem alten Schneesieber werden wir schon fertig werden. Halten Sie nur Alles parat und passen Sie auf das Zeichen auf! Ich klopfe dreimal in die Hände; dann lassen Sie uns ein. In zehn Minuten ist die Bude bis auf den letzten Strohhalm ausjeräumt, und Spieseke kann sehn, wo er bleibt.“

„Der Kahn wird doch jroß jeung sein, um die janze Wirthschaft fortzuschaffen?“

„Dadrum brauchen Sie nicht zu fragen. Ich stehe Ihnen gut davor, daß nicht ein Schmortopf zurückbleiben soll.“

Nachdem der Budiker dem Vater Brendel noch einmal Vorsicht eingeschärft und ihm das übliche Draufgeld eingehändigt hatte, eilte er nach seiner Wohnung, um im Stillen mit seiner Frau die nöthigen Vorbereitungen für ihren heimlichen Auszug zu treffen. Schnell wurden Schränke und Kommoden geleert, die Betten zusammengeschnürt und Töpfe und Gläser in Körbe gethan und mit dem vorräthigen Stroh bedeckt. Mit ängstlicher Spannung erwarteten Beide die Dunkelheit der Nacht, da sie von den wachsamen Wirthsleuten bei ihrer verdächtigen Beschäftigung überrascht zu werden fürchteten.

Zur bestimmten Stunde glitt ein großer Kahn geräuschlos wie ein Schatten auf dem Wasser und legte unbeobachtet unter der bezeichneten Brücke an. Aus demselben stiegen sechs kräftige, bis an die Nasenspitze vermummte Männer und näherten sich, vorsichtig nach allen Seiten sich umschauend, dem an der Spree gelegenen Keller, den ein matter Lichtschimmer erhellte. An ihrer Spitze schritt Vater Brendel schweigend wie ein Feldherr, der einen nächtlichen Ueberfall leitet. Auf das gegebene Zeichen öffnete sich still die zuvor eingeölte Kellerthür und ließ einen Theil der Gesellschaft hinein, während die andere Hälfte draußen stehen blieb.

Mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit und Ordnung wurde in wenigen Minuten der Keller geleert. Auf ihren breiten Schultern trugen die riesigen Männer Schränke und Tische, Stühle und Kommoden, Kisten und Kasten, Betten und Geschirr in den bereitstehenden Kahn. Der Schweiß rann ihnen von der Stirn, und unter der schweren Last rötheten sich die purpurnen Gesichter, schwollen die blauen Adern um Stirn und Nacken. Sie gönnten sich keine Rast, da Vater Brendel zur Eile trieb. Nur zuweilen hielten sie inne, um sich durch einen mächtigen Zug aus den Flaschen zu stärken, welche Frau Piefke bereit hielt und fortwährend neu füllen mußte.

Unterdessen stand Herr Spieseke an dem geöffneten Fenster und blickte mit seinen Luchsaugen wachsam auf die menschenleere Straße hinaus, unbekümmert um die nach dem Wasser gelegene Seite, da er eine Flucht seines Miethers über die Spree für unmöglich hielt. Nichtsdestoweniger konnte er sich einer leichte Befürchtung nicht erwehren, als er den bisher stillen Hofhund plötzlich laut bellen hörte und aus der Ferne ein verdächtiges Geräusch, ein Rücken und Rutschen, ein Krachen und Rasseln, ein Flüstern und Lachen zu vernehmen glaubte.

„Guste!“ rief er bestürzt, seine süß schlummernde Gattin weckend. „Guste, hörst Du denn nicht?“

„Na, was giebt's denn?“ versetzte sie verschlafen. „Ist die Reihe schon wieder an mir? Hab' mich ja kaum in's Bett gelegt.“

„Gusteken! Mir kommt es vor, als ob der Budiker ausrücken wollte. Es rumort so unten im Keller.“

„Du träumst wohl, und es rumort allein in Deinem Kopfe. Laß mich mit Deinen Dummheiten in Frieden!“

„Mir kommt die Geschichte nicht richtig vor.“

„Mit Dir scheint es mir nicht ganz richtig zu sein. Piefke's wissen, daß wir ihnen aufpassen. Denkst Du denn, daß sie über die Spree fliegen können? Damit hat es gute Wege.“

Die Worte der würdige Gattin beruhigten den mißtrauischen Wirth um so leichter, als auch das Geräusch wieder schwieg und das Bellen des durch einen rechtzeitig ihm gereichten Bissen bestochenen Hundes verstummt war. Während dieser Zeit hatte auch die Rück-Compagnie ihr Geschäft beendet, keinen Scherben im Keller und keinen Tropfen in der Flasche zurückgelassen. Unter Führung des Vater Bredel eilte die ganze angeheiterte Gesellschaft nach dem Kahn.

„Einjestiegen!“ commandirte der Riese.

„Nur noch einen Augenblick!“ rief Frau Piefke. „Ich habe noch etwas verjessen.“

„Was denn?“ fragte ärgerlich der Budiker, dem das Feuer unter den Sohlen brannte.

„Meine Juitarre,“ versetzte die poetische Dame.

„Wegen des Barbierflügels dürfen wir uns nicht aufhalten. Und was soll Dir der alte Klimperkasten?“

„Ohne meine Juitarre und unsere Zieh-Harmonika jeh' ich nicht fort. Musik erheitert das Leben.“

„Hat man je eine so närrische Frau jesehen! Du wirst so lange trödeln bis Spieseke's aufwachen und dann haben wir die Bescheerung.“

„Sie können uns nichts mehr thun, auch wenn sie aufwachen. Unsere Sachen liegen im Kahne, und sie dürfen nicht mucksen. Nicht wahr, Vater Brendel?“

„So is es!“ brummte der Riese. „Sobald die Sachen aus dem Hause sind, kann der Wirth nichts mehr machen.“

„Aber der Skandal!“ mahnte der ängstliche Budiker; „wenn Spieseke's Unrath wittern.“

[673] „Je toller, desto besser,“ entgegnete die fidele Gattin, „und je mehr sie sich boßen, desto mehr freu' ich mir. Wir wollen ihnen ein Ständchen auf dem Wasser bringen und dazu auf meiner Juitarre und der Ziehharmonika spielen.“

Der Vorschlag der muthwilligen Frau wurde von der lustigen Gesellschaft mit allgemeiner Acclamation angenommen und trotz der Protestation des vorsichtigen Budikers ausgeführt, indem Vater Brendel die an der leeren Kellerwand hängende Guitarre holte und der Sängerin mit komischer Galanterie überreichte.

„Nu kann es losjehn!“ sagte er lachend. „Das jiebt einen Ulk, wie er noch nicht dagewesen ist. Wollen Sie nicht anfangen, Frau Lucca?“


Die Gartenlaube (1880) b 673.jpg

Die „Rück-Compagnie“ auf der Spree.
Originalzeichnung von H. Lüders.


Im nächsten Augenblick intonirte zur Guitarre Frau Piefke die bekannte Melodie: „O du lieber Augustin!“ mit lauter Stimme, begleitet von den gellenden Tönen der Ziehharmonika und dem dröhnenden Baß des angeheiterten Chores, daß die Fenster in dem ganzen Hause klirrten und Herr Spieseke erschrocken zusammenfuhr.

„Guste, Guste!“ schrie der entsetzte Hauswirth. „Die Budikersleute rücken aus. Hörst Du denn nicht den Spectakel?“

„I! da möchte doch Einen gleich der Schlag rühren!“ rief sie, aus dem Bette springend. „Schnell, nur schnell, daß sie uns nicht entwischen!“

Im tiefsten Negligé stürzten Beide die Treppe hinab, über den Hof nach dem Keller, dessen offene Thür und leere Wände ihnen keinen Zweifel ließen, daß die losen Vögel ausgeflogen waren. Ein Blick auf die Spree zeigte ihnen, welchen Weg die schuldigen Miether eingeschlagen hatten, um sich und ihre Sachen dem drohenden Schicksal zu entziehen.

„Wie kann man nur,“ grollte die erzürnte Gattin, „ein solcher Esel sein!“

„Wer hätte auch daran denken sollen, daß die Spitzbuben im Kahne ausrücken werden!“

Du hättest daran denken sollen.“

„Ich sage Dir, Guste, es giebt keinen Menschen in ganz Berlin, den sie nicht auch auf so eine niederträchtige Art und Weise hätten prellen können.“

„So was kann nur Dir passiren.“

„Du hast auch nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen. Hinterdrein kann man leicht klug schmußen.“

Während Beide mit einander zankten und sich fast in die Haare geriethen, schaukelte der Kahn lustig ihnen gegenüber auf dem Wasser. Auf einer großen Kiste saß Frau Piefke mit der Guitarre in der Hand und sang: „Das Schilf streicht durch die Wellen, Fridolin!“

„Fridolin!“ brüllte der tolle Chor und schwenkte die mitgenommenen Flaschen.

Knirschend vor Wuth raunte der Wirth sammt Gattin am Ufer auf und nieder, in ohnmächtigem Zorn die Fäuste ballend.

„Diebe, Räuber! Zu Hülfe! Constabler, Nachtwächter!“

„Incommodiren Sie sich nicht!“ höhnte Vater Brendel. „Sie werden sich noch die Schwindsucht an den Hals schreien. Die Nachtwächter schlafen, und die Polizei kann Ihnen auch nicht helfen. Legen Sie sich jefälligst in's Bett, sonst werden Sie sich noch einen jründlichen Schnuppen holen. Leben Sie wohl, Herr Spieseke. Jute Nacht!“

„Gute Nacht, liebste Anna Dorothe!“ sang Frau Piefke zur Guitarre.

„Hülfe! Diebe, Räuber!“ schrie Herr Spieseke, „Constabler, Nachtwächter!“ kreischte seine Gattin unter dem schallenden Gelächter der im Kahn dahintreibenden Rück-Compagnie.

Endlich zog der Lärm die Polizei herbei; auch die Nachbarn erschienen an den Fenstern und in den Thüren ihrer Häuser. Zitternd vor Aufregung erzählte der betrogene Wirth sein Mißgeschick und verlangte den Beistand des Constablers und die Verfolgung der Flüchtlinge.

„Thut mir leid,“ entgegnete der Beamte, „aber ich kann da nichts thun. Warum haben Sie nicht besser aufgepaßt?“

„Ich habe bei Tag und Nacht gewacht, aber das ist mir nicht eingefallen, daß man auch zu Wasser ausrücken kann.“

„Ich kann Ihnen nur den Rath geben, sich an das Gericht wegen der schuldigen Miethe zu wenden.“

„Dabei wird auch nichts herauskommen.“

„So weit ich den Budiker kenne, halte ich ihn für einen ehrlichen Mann, der ohne sein Verschulden in Noth gerathen ist. Wenn es ihm wieder besser gehen sollte, wird er Ihnen gewiß die schuldige Miethe bezahlen.

„Er wird mir den Teufel thun. Ich kenne die Art besser; die lebt blos davon, daß sie ehrliche Leute um ihr Bischen Geld bringt.“

„Beruhigen Sie sich, und warten Sie's ab!“

Piefke bezahlte richtig. In dem neuen Stadttheil, wo sich der Budiker niederließ, blühte sein Geschäft auf, und schon nach einigen Monaten erhielt Herr Spieseke eine Postanweisung mit der ganzen Summe. Seitdem ist Letzterer auch nachsichtiger gegen seine Miether geworden und drückt nicht mehr die armen Leute, wenn sie mit der Zahlung im Rückstande bleiben. Er hat den größten Respect vor der Rück-Compagnie bekommen.

Max Ring.