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Titel: Berühmte Namen auf der Tafel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 647
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[647] Berühmte Namen auf der Tafel. Es giebt auch eine Küchenphantasie. Darunter sind aber nicht etwaige phantastische Anwandlungen der Köchinnen zu verstehen, sondern die Kunst der Köche, Namen für Speisen zu erfinden. Besagen diese Namen nicht, woraus die Speise besteht, so nennt man sie in der Küchensprache Phantasienamen. Das Register solcher Produkte der Küchenphantasie ist ziemlich umfangreich. Wir wollen nur einige hervorheben, bei denen Namen berühmter Personen als Flagge für die Speise benutzt werden. Manchmal sind dabei recht sonderbare Zusammenstellungen zu Stande gekommen. So ist der kriegerische Nelson, der Sieger bei Abukir, auf den Speisekarten mit Lammkoteletten à la Nelson vertreten; Macchiavelli, der Diplomat, durch einen Schweinskopf à la Macchiavelli verewigt. Wer kennt nicht den Sänger der „Göttlichen Komödie“? Auch die Köche haben ihn nicht vergessen, sie bieten uns an: ein Rindsstück à la Dante Alighieri. Chateaubriand, der Dichter der „ Atala“, ist uns gleichfalls bekannt; was bedeutet aber wohl auf der Speisekarte: Chateaubriand naturel, Chateaubriand à la jardinière, Chateaubriand aux truffes? Ja, das sind echte Phantasienamen. Der Dichter-Gourmand Chateaubriand ist hier gleich einer Art Rumpsteak. An die Schwimmkünste Byrons erinnert uns ein Fischgericht: es ist Steinbutte à la Lord Byron. Auch Gambetta, der Redelustige, fehlt nicht in dem Küchenlexikon: grenouilles à la Gambetta heißt das Gericht, welches wir mit „Gambetta-Frösche“ verdeutschen möchten. Die Franzosen beherrschten Jahrhunderte lang die Küche, und so sind auch die Titulaturen der Speisen zumeist dem französischen Ruhmeslexikon entlehnt worden. Deutsche Namen sind auf den Speisekarten seltener; es giebt aber auch solche, wie z. B. „ Fürst-Pückler-Eis“. Neuerdings sind auch bei Festessen die Bezeichnungen „Kaiser-Wilhelm-Suppe“, „Bismarck-Pudding“ oder "Ochsenlende nach Bismarck-Art“ aufgetaucht. Aber sie werden sich schwerlich halten. Wozu auch diese Tafelverherrlichung? Wir müßten dann auch „Moltkebomben“ haben, und diese lassen wir doch lieber unsere Nachbarn kosten und schmecken.