BLKÖ:Wickerhauser, Moriz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 55 (1887), ab Seite: 236. (Quelle)
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Wickerhauser, Moriz (Orientalist, geb. in Wien um 1820, gest. nach 1869). Ein Sohn des Bergwerksbesitzers A. M. Wickerhauser und Bruder Rudolfs (Emanuel Raulf’s), [siehe den Folgenden], wurde er mit ah. Entschließung vom 11. November 1832 wirklicher Stiftling der orientalischen Akademie in Wien und gehörte ihr von 1832–1839 als Zögling an. Nach beendeten Studien mit Decret vom 5. Februar 1839 zum Dolmetschgehilfen bei der k. k. Internuntiatur in Constantinopel ernannt, stellte er sich bald darauf dem kaiserlichen Internuntius Bartholomäus Grafen Stürmer [Bd. XL, S. 175] zur Verfügung. Neun Jahre versah er seine Stelle mit besonderem Eifer, wiederholt zu speciellen Missionen, so namentlich nach Syrien und als Commissär in Angelegenheit der siebenbürgischen Schafökonomen (1846) verwendet und mehrfach durch Belobungen des Ministeriums Metternich ausgezeichnet. Am 4. August 1846 erfolgte seine Ernennung zum dritten Dolmetsch bei derselben Internuntiatur. Als 1847 Vincenz Rosenzweig Ritter zu Schwannau, bis dahin Professor der orientalischen Sprachen an der orientalischen Akademie [Bd. XXII, S. 34], in den Ruhestand übertrat, wurde zunächst Franz Plehaczek zum Substituten dieser Lehrkanzel bestellt, mit Decret vom 25. Jänner 1848 dieselbe aber Moriz Wickerhauser, der sich um sie beworben hatte, übertragen. Diese Professur umfaßte damals drei ganz verschiedene Sprachen – die arabische, türkische und persische – mit achtzehn wöchentlichen Lehrstunden. Dreizehn Jahre lang, von 1848–1861, bekleidete er dieses höchst beschwerliche Amt als alleiniger Leiter des orientalischen Unterrichtes an der Akademie. In der Zwischenzeit erfolgte auch noch (September 1851) seine Ernennung zum Professor der türkischen Sprache am Wiener polytechnischen Institute. Seine Hoffnung, nach dem Tode des Obersten und Directors der orientalischen Akademie Philipp von Körber [Bd. XII, S. 237] mit dessen Stelle betraut zu werden, erfüllte sich nicht, da man dieselbe provisorisch an Ottokar Freiherrn von Schlechta-Wschehrd [Bd. XXX, S. 65] übertrug. Unter dessen Direction erfolgten auch einige Reformen der Akademie, so wurden besondere Lehrkanzeln für die vulgärarabische und neupersische Sprache bestellt, und Wickerhauser’s Lehrthätigkeit an der Akademie beschränkte sich nunmehr auf zwölf dem Türkischen gewidmete Lehrstunden. Ueberdies ward seine Lehrthätigkeit durch Betheiligung des Directors [237] an dem türkischen Unterrichte der Zöglinge, sowie durch Uebertragung der früher am Polytechnicum abgehaltenen praktischen Vorlesungen über orientalische Sprachen an die orientalische Akademie (sogenannte Externencurse) einigermaßen erleichtert. Um diese Zeit waren auch seine Geisteskräfte bemerkbar im Niedergange begriffen, theils, wie es hieß, infolge der Wirkungen eines in früherer Zeit in Constantinopel empfangenen Sonnenstiches, theils durch langjährige Umarbeitung des bekannten Meninski’schen Lexikons. Doch verharrte er in seiner Stellung bis 1868, worauf er einen längeren Urlaub antrat, während dessen ihm zur Beobachtung seines Geisteszustandes auf Ansuchen der Familie ein Curator bestellt wurde. Seine Pensionirung erfolgte dann von Seite des Ministeriums des Aeußern im November 1868, von Seite des Ministeriums für Cultus und Unterricht im April 1869. Den Rest seines Lebens scheint er im Irrenhause zu Döbling zugebracht zu haben. Seine schriftstellerische Wirksamkeit beschränkt sich auf folgende Werke: „Wegweiser zum Verständniss der türkischen Sprache“ (Wien 1855) und „Persische Lieder nach Dschami’s Text zum ersten Male deutsch gegeben von – Motto: Durstiges Leben führen wir, | Wein die schwere Menge, | Nur das eine ist fatal, | Mund und Schlund sind enge“ (Leipzig 1855, Brockhaus, 8°.). Für Ueberreichung beider Schriften erhielt er von Seiner Majestät die goldene Geschenkmedaille. Außerdem war er ordentliches Mitglied der morgenländischen Gesellschaft in Leipzig und Besitzer des türkischen Medjidié-Ordens vierter Classe. Wickerhauser, der ein Schwager des Naturforschers Rud. Kner [Bd. XII, S. 143] war, hatte sich 1849 mit Mathilde Rosthorn verheiratet.

Nach Notizen des Herausgebers und handschriftlichen Mittheilungen aus amtlichen Quellen von Herrn Consul Holzinger.