BLKÖ:Wasmann, Rudolf Friedrich

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 53 (1886), ab Seite: 133. (Quelle)
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Wasmann, Rudolf Friedrich (Maler, geb. in Hamburg 1804). Da er frühzeitig Begabung für die Kunst zeigte und verschiedene Proben eine Unterstützung seines Talents befürworteten, erhielt er ein Stipendium und begab sich vorerst nach Dresden, wo die Schätze der Kunst in der Galerie auf den bisher im naturalistischen Sinne entwickelten Künstler eine nicht geringe Wirkung ausübten. Zunächst zogen ihn die Werke der Niederländer und unter diesen die kleineren Bilder von Ostade an, dann fesselten ihn unter den Landschaften die schwermüthigen Haidebildchen mit breiten Wolkenschatten, vor Allem aber einige Porträts von Rubens und die Perlen der spanischen Schule, die Bildnisse von Velasquez. Als sein Stipendium abgelaufen war, kehrte er nach Hamburg zurück, wo ihm infolge einiger gelungener Arbeiten ein neues, und zwar zum Besuche Münchens, verliehen wurde. Dort hatte sich damals unter Cornelius die christlich-romantische Schule in großem Glanze entfaltet. In großen Werken nach der Richtung zu streben, welche dieser Meister vorwies, gestattete zunächst dem Jünglinge eine fortwährende Kränklichkeit nicht, die seine Schwingen lähmte, doch versuchte er es, auch das Genrefach mit Cornelius’ Geiste zu beleben. Aber die zunehmende Kränklichkeit verbot ihm längeres Verweilen im rauheren Klima Münchens, und so ging er nach Südtirol. Er war der erste Curgast in Meran, welches damals im primitivsten Zustande einer glücklichen Naivität sich erfreute, und dort brachte er zwei Jahre im Stillleben zu und malte, da seine Gesundheit sich zu festigen begann, mehrere Porträts, bis eine Erneuerung des Stipendiums ihm den Besuch Roms ermöglichte. Dort fanden sich ja immer die größten Künstler aus aller Herren Ländern zusammen, und auch Wasmann fand daselbst den alten ehrwürdigen Landschaftsmaler Joseph Anton Koch [Bd. XII, S. 184], der, damals bereits ein Siebziger, den Jüngling durch sein gewaltiges, mit einer originellen Derbheit verbundenes Talent anzog, dann den berühmten Meister Overbeck, dem der Jüngling anfangs sich gar nicht zu nahen wagte, zu dem er aber später in nähere Beziehungen trat, als er nämlich in der ewigen Stadt, kurz vor Ablauf seines dreijährigen Aufenthaltes daselbst, in den Schooß der katholischen Kirche zurückkehrend, den Meister zum Firmpathen nahm. Die milde Luft des Südens hatte seine Gesundheit vollends gekräftigt, und in seinem Bestreben, im Genrefache etwas zu leisten, entstanden damals „Die Pifferari“, ein großes Genrebild, und dann ein zweites, nicht minder großes: „Landleute beim Octoberfeste in einer Vigne tanzend“. Nun verließ er Rom und begab sich wieder nach München, wo er aber neuerdings zu kränkeln begann, so daß er trotz der mühsamsten Anstrengungen keine neue Schöpfung mehr zu Stande brachte. Da suchte er denn wieder Rettung im [134] milderen Klima Südtirols und begab sich nach Bozen, wo er vier Jahre blieb und sich als Porträtmaler seinen Unterhalt erwarb. Rasche Auffassung der Aehnlichkeit und seine schneidige Art der Ausführung gewährten dem dortigen Publicum Erholung und Abwechselung nach dem gewöhnlichen Handwerkstreiben vaganter Maler, und bald waren seine Bilder so beliebt und bekannt, daß man ihn in die besten Häuser berief. Die Daguerreotypie war damals noch nicht verbreitet; und besonders zeichnete Wasmann mit großem Geschick ganze Familiengruppen und setzte diese Richtung auch fort, als er Anfang der Vierziger-Jahre nach Hamburg zurückkehrte. Daselbst fand er bald ausreichend Beschäftigung, und während die Erfindung der Daguerreotypie unter den Malern haufenweise aufräumte und dieselben außer Brod setzte, studirte er diese Kunst und bediente sich ihrer zum Fortschritte in der Malerei, indem er durch sie auf das einfache Wesen der Natur aufmerksam gemacht, zu einer deutlicheren Formenbildung gelangte. Mit dem treuen Spiegel der Natur neben sich vermied er langwierige Sitzungen und konnte auch Bilder von Verstorbenen malen. Besonders hinsichtlich der letzteren leistete ihm die neue Erfindung die trefflichsten Dienste. Nachdem er sich 1846 in Hamburg verheiratet hatte, nahm er auf den Rath des berühmten Münchener Arztes von Ringseis seinen bleibenden Aufenthalt in Meran, woselbst er durch den Uebertritt seiner Gattin zur katholischen Kirche mit dem Dekan Santner in nähere Berührung kam. Auf dessen Rath wendete er sich nunmehr der kirchlichen Malerei zu, für welche sich ihm bei der dort herrschenden Richtung auch ganz erfreuliche Aussichten darboten. Sein erster Versuch in derselben war ein „Vesperbild“, welches er im Auftrage der englischen Fräulein in Meran malte; diesem folgte bald eine größere Bestellung für die Meraner Pfarrkirche von Seite des Fürstbischofs Tschiderer, das neun Fuß hohe Bild stellt „Die Heimsuchung Mariä“ vor, worin er sich bei der Zeichnung an altitalienische Meister hielt; andere Bilder Wasmann’s sind: „Der h. Aloisius“ für das Johanneum in Bozen; – „Die Kreuzwegstationen“ für das Kloster Maria Steinach, auch auf Bestellung des Fürstbischofs, welche er für die Dorfkirche in Tirol wiederholte; – „Die Schlüsselgewalt Petri“, Altarbild für Lana; – „Die Himmelfahrt Mariä“, für die Kirche zu unserer lieben Frau in Schnals; – ein großes Crucifixbild mit zwei Seitenbildern: „Die h. Maria“ und „Der h. Johannes“, für die Kirche zu Ried in Oberösterreich; – „Der h. Aloisius“, für die Meraner Pfarrkirche; – „Die h. Katharina von Siena“, für einen Seitenaltar in der Klosterkirche Maria Steinach; – „Die sel. Margarethe Alacoyne“, für ein Frauenkloster in Brixen; – „Der h. Franciscus von Assisi“ und „Der h. Dominicus“, Brustbilder für den Brixener Bischof Vincenz Gasser; – fünf Bilder für die PP. Jesuiten der deutschen Ordensprovinz in Holland, nämlich: „Das göttliche Herz Jesu“, „Der h. Aloisius“, „Der h. Canisius“ und zwei Nachbildungen von Gemälden Düsseldorfer Meister; – „Christus bei Martha und Maria“, für das Marthastift in Hamburg; – eine „Mutter Gottes“ für eine kleine katholische Kirche in Hamburg und eine „Mater dolorosa“ für das Kloster von Sacré coeur in Chambery. Neben diesen und noch manchen anderen Altar- und Heiligenbildern malte er auch zahlreiche Bildnisse von Meraner Curgästen und Einheimischen, darunter [135] das lebensgroße Bildniß des Grafen von Meran, als dreizehnjährigen Knaben in Schützentracht, welches im Rathhause zu Meran sich befindet, und die Bildnisse zweier Prälaten des Benedictinerstiftes in diesem Curorte. Wasmann, der gegenwärtig im 8. Lebensjahre steht, malte noch im vorigen Jahre das Bildniß des Fürstbischofs Tschiderer. Wie wir aus dieser Skizze sehen, war er in der ersten Hälfte seines Lebens vornehmlich im Genre- und Porträtfache, und zwar nicht ohne Erfolg thätig; seine Bildnisse finden sich häufig bei südtirolischen Familien, vornehmlich in Bozen und Meran und deren Umgebung. Später erst, in den Vierziger-Jahren, als er convertirte und sich ihm in der Malerei[WS 1] auf kirchlichem Gebiete schöne Aussichten eröffneten, wendete er sich, nicht ohne Glück, dieser neuen Richtung zu und nimmt das Verdienst in Anspruch, die bis dahin im Schwunge begriffene Bauernmalerei, welche in Tirol gerade gräßliche Dinge zu Tage förderte, verdrängt und der kirchlichen Kunst in Südtirol eine Richtung angebahnt zu haben, die mit dem weihevollen Stoffe, der sich ihr in Hülle und Fülle darbietet, in harmonischem Einklange steht und an die alten italienischen Meister anknüpft, von denen sich in Südtirol noch manche Perle ihrer Kunst bis heute erhalten hat.

Der deutsche Antheil des Bisthums Trient. Topographisch-historisch-statistisch und archäologisch beschrieben von Mehreren und herausgegeben von den Vereinen für christliche Kunst und Archäologie in Bozen und Meran (Brixen 1868, Weger, 8°.) S. 244. – Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839. E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XXI, S. 112. – Rosenthal. Convertitenbilder.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Maleri.