BLKÖ:Vockenberger, Franz Seraphin

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vockenberger (Arzt)
Band: 51 (1885), ab Seite: 123. (Quelle)
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Vockenberger, Franz Seraphin (Mechaniker, geb. zu Kleinhöpfling am Zörergute der Pfarre Berndorf im Salzburgischen, am 5. Mai 1765, Todesjahr unbekannt, er lebte noch 1821). Bauernsohn. Nachdem er den gewöhnlichen Schulbesuch beendet hatte, begann er, ohne irgend eine Anleitung empfangen zu haben, von sich selbst hölzerne Uhren auszubessern; nach und nach aber, da er bei dieser Arbeit den inneren Mechanismus der Uhren genau kennen gelernt, auch neue anzufertigen. Als er siebzehn Jahre zählte, reiste er mit sogenannten Krautschneidern (Montafonern) nach Wien, wo er Dienste suchte und sich eine Zeit lang als Taglöhner durchbrachte. Seine Geschicklichkeit führte ihn bald in den Dienst eines k. k. Generals, und mit diesem zog er in den Türkenkrieg (1788 [124] und 1789) und wohnte der Belagerung Belgrads unter Loudon Anfangs September 1789 bei, welche Stadt sich am 9. October dieses Jahres ergab. Nach Beendigung des Feldzuges kehrte er nach Wien zurück und trat nun in die Dienste des k. k. Ministers Freiherrn von König. In beiden Diensten, sowohl in jenen des Generals, als in denen König’s, beschäftigte er sich mit Ausbesserung und mit Verfertigung von Uhren. Da ihm einige neue besonders schön gelangen, wuchs seine Kundschaft, und bald erwarb er so ansehnliche Summen, daß er schon nach einigen Jahren sich in der Lage befand, ein eigenes Haus um mehrere tausend Gulden zu kaufen. Indessen sah die berufsmäßige Wiener Uhrmacherzunft diesem sie beeinträchtigenden Treiben des Autodidakten, nicht ohne ihrer Verstimmung Ausdruck zu geben, zu und beeinträchtigte, so weit sie konnte, seine Arbeiten. Aber all dem machte Baron König ein Ende, indem er für seinen Schützling das Meisterrecht als Spieluhrenfabrikant erlangte. Nun konnte Vockenberger sich ganz seinem Geschäfte widmen, und das erste Werk, mit welchem er Aufmerksamkeit erregte, war ein musicalisches Uhrwerk, welches das zu jener Zeit eben von Canova vollendete Grabmal der Erzherzogin Christine darstellte und zwölf große Orgelstücke spielte. Mit dieser Uhr reiste er nach Ungarn und Böhmen, und in nicht zu langer Zeit gelang es ihm, dieselbe an einen reichen Edelmann um eine ansehnliche Summe zu verkaufen. Der glückliche Erfolg dieses ersten Unternehmens gab ihm Muth, sich an ein zweites, noch größeres Kunstwerk zu wagen. Dasselbe stellte den Saturn als Sinnbild der Zeit in vollster Mannesgröße von sechs Schuh drei Zoll dar; die Gestalt des Gottes barg ein völlig aus Metall – Messing und Stahl – gearbeitetes Uhrwerk, welches ein vollkommen reines harmonisches Orgelspiel von 48 Tönen enthielt und mit seinem ebenso originellen als sinnreichen Mechanismus den ganzen Körper des Saturnus in eigenthümlicher Weise in Bewegung setzte. Der Kopf wandte sich alle drei Minuten, ebenso der Körper mit den beiden Händen. Durch die Augen zeigte Saturn unter allen Richtungen des Kopfes die Stunden, mit dem Munde und der Zunge aber die Minuten an. Jede Viertel- und ganze Stunde schlägt Saturn an die Erdscheibe mit voller Kraft und zeigt dabei mittelst einer Schlange, die um seinen Arm sich windet, auf dem glänzenden Halbmonde die Mondesphasen an. Auf seinem Haupte trägt der Gott eine Sanduhr, welche nach Verlauf einer Stunde von selbst sich umkehrt, und im gleichen Momente erklingen aus dem Innern der Uhr wechselnd verschiedene der beliebtesten Tonstücke von Mozart, Haydn und Anderen. Dieses für jene Zeit originelle und als Werk eines Dilettanten bewunderswerthe Kunstwerk erntete allgemeines Lob. Vockenberger erhielt ein Patent, bereiste mit seinem Schaustück ganz Deutschland und ging zuletzt nach St. Petersburg, wo Kaiser Alexander das Uhrwerk um den stattlichen Betrag von 80.000 fl. kaufte. Aber der Monarch ließ es dabei nicht bewenden, sondern der Künstler mußte ein halbes Jahr noch auf dessen Kosten in St. Petersburg bleiben, den Mechanismus des Uhrwerkes erklären und Andere in der Behandlung desselben unterrichten. Vockenberger kehrte dann nach Wien zurück, wo er 1820 noch am Leben war und in seinem eigenen Hause in der Josephstadt mit zahlreichen [125] Gesellen Kunstuhren verfertigte, welche in ferne Länder versendet wurden. Auch fertigte er auf Verlangen Stockuhren mit Orgelspiel auf Stahlfedern u. dgl. m. Also wieder eine Industrie, in welcher Oesterreich voranging, denn die Heller’schen Spieluhren in der Schweiz datiren aus viel späterer Zeit.

Pillwein (Benedict). Biographische Schilderungen oder Lexikon salzburgischer theils verstorbener, theils lebender Künstler u. s. w. (Salzburg 1821, 8°.) S. 243.