BLKÖ:Ujfalussy, Nicolaus

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 48 (1883), ab Seite: 272. (Quelle)
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Ujfalussy, Nicolaus (ungarischer Deputirter, Ort und Jahr seiner [273] Geburt unbekannt), Zeitgenoß. Ein Sproß der ungarischen Adelsfamilie Ujfalussy de eadem, die in der Szathmárer und Zempliner Gespanschaft ansässig ist. Er ist ein Sohn Joseph Ujfalussy’s aus dessen Ehe mit Julie Toldy. Nicolaus war Mitglied des auf den 15. November 1841 nach Klausenburg einberufenen siebenbürgischen Landtages. Sein Auftreten bei den damaligen Deputirtenwahlen, obwohl sehr befremdend, läßt doch die nachherige Entwickelung der politischen Zustände in Ungarn-Siebenbürgen, welche mit der völligen Unterdrückung jeder Selbständigkeit Siebenbürgens und mit dessen Aufgehen in Ungarn enden sollten, bereits damals ahnen. In der Biographie des berühmten siebenbürgischen Staatsmannes Joseph Bedeus von Scharberg heißt es an einer Stelle wörtlich: „Es war damals (1841) als eine bisher unerhörte Thatsache aufgefallen, daß sich bei den Deputirtenwahlen in ungarischen Gerichtsbarkeiten (Siebenbürgens) liberale Wortführer aus Ungarn, deren Adel in Siebenbürgen nicht publicirt und von denen es bekannt war, daß sie in Siebenbürgen kein adeliges Besitzthum hatten, was ein gesetzliches Erforderniß zur Wahlberechtigung war: Rudolph Szunyogh, Ludwig Kovács, Niclas Ujfalussy um die Wahl beworben und – auch bei derselben durchgegriffen haben“. Als dann der Landesgouverneur Joseph Graf Teleki [Bd. XLIII, S. 249] die Landtagsdeputation auf den 4. December 1843 nach Klausenburg einberief, befand sich unter den Mitgliedern derselben auch Ujfalussy, glänzte aber bei den Sitzungen, wie Bedeus berichtet, durch seine beständige Abwesenheit. Ferner war Nicolaus Ujfalussy auch Mitglied des ungarischen Landtages in Pesth im Jahre 1844, wo sich aber an ihm das Schicksal für sein unberechtigtes Erscheinen im Siebenbürger Landtage in fast monströser Weise erfüllte. Wie der kundige Croquist aus Ungarn berichtet, „ist im Szathmárer Comitate der Bürgerkrieg in Permanenz – man schlägt sich daselbst gegenseitig todt, ohne zu wissen warum“. So hatte denn auch die liberale Partei bereits die Deputaten Kovács und Ujfalussy in den Pesther Landtag entsendet, als mit einem Male die Rückberufung Beider erfolgte, weil mittlerweile die conservative Partei obenauf gekommen war und statt der beiden Vorgenannten ihre Candidaten Uray und Gabónyi nach Pesth schickte. Der ungarische Croquist schildert diesen merkwürdigen parlamentarischen Vorgang und den Empfang der beiden conservativen Abgeordneten in Pesth, welche die liberalen ablösten, in höchst anschaulicher tragikomischer Weise. Die weiteren Vorgänge in Ujfalussy’s parlamentarischem Leben sind nirgends verzeichnet. Auch sein Verhalten während der Bewegungsjahre 1848 und 1849 ist uns nicht bekannt. 1861 aber war er Vicegespan des Szathmárer, also desselben Comitates, in welchem er siebzehn Jahre früher eine so schmähliche Niederlage erlitten hatte. Er war zweimal vermält, zuerst mit Emilie Eötvös, dann mit Sarolta (Karoline) Gräfin Teleki. Im Jahre 1875 wurde er Ritter des königlich ungarischen St. Stephansordens. Gegenwärtig ist er Obergespan des Krassóer Comitates und Mitglied des obersten Disciplinargerichtes über die Präsidenten und Vicepräsidenten der königlichen Tafel, der Curie und den Kronanwalt.

Friedenfels (Eugen von). Joseph Bedeus von Scharberg. Beiträge zur Zeitgeschichte [274] Siebenbürgens im neunzehnten Jahrhundert (Wien 1876, Braumüller, gr. 8°.) I. Theil, S. 121 und 147. – (Hugo Albert). Neue Croquis aus Ungarn (Leipzig 1844, J. B. Hirschfeld, 12°.) Bd. II, S. 257.