BLKÖ:Todesco, Hermann

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Toda, Johann Anton
Band: 45 (1882), ab Seite: 224. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Hermann Todesco in Wikidata
GND-Eintrag: 1076883311, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Todesco, Hermann|45|224|}}

Todesco, Hermann (Industrieller und Humanist, geb. zu Preßburg im Jahre 1792, gest. ebenda 23. November 1844). Sohn israelitischer Eltern, wurde er für den Handelsstand herangebildet, in welchem er es durch seine umsichtige Thätigkeit und außerordentliche Strebsamkeit rasch vorwärts brachte. Von einem weitverzweigten Seiden- und Garngeschäfte, welches er anfänglich betrieb, ging er bald zu großen industriellen Unternehmungen über. Besonders aber lenkte er dann sein Augenmerk auf vaterländische Gewerbe und Erzeugnisse, und [225] zwar mit so glücklichem Erfolge, daß er um nur einen Fall anzuführen, zur bewegten Zeit einer feindlichen Invasion es ermöglichte, ein Militärspital mit mehreren Tausend Wolldecken in einem Augenblicke zu versorgen, wo dieser Bedarf wichtig und dringend war. Seinen industriellen Blick auf weitere Ziele richtend, wendete er sich der bald zu solcher Bedeutung gelangenden Baumwollenspinnerei und der sich eben damals bahnbrechenden Maschinenweberei zu und rief zu Marienthal bei Himberg unweit Wien eine großartige Maschinenbaumwollspinnerei ins Leben. Er und seine Söhne unternahmen nun längere Reisen nach jenen Ländern, in denen das Fabrik- und Maschinenwesen blühte, machten sich mit den dortigen Einrichtungen bekannt und führten dieselben in ihren Anstalten ein. Besonders dehnte er seine Maschinenweberei aus, keine Opfer scheuend, auch in ungünstigster Zeit seine Arbeiten nicht unterbrechend, so daß er seine Etablissements selbst in der Cholerazeit mit allen Arbeitern in voller Thätigkeit erhielt. Im Jahre 1835 kaufte er das bedeutende Staatsgut Legnaro bei Padua an, und bald hob sich unter seiner umsichtigen Thätigkeit diese Besitzung, und zusehends wuchs der Wohlstand der Bewohner und Pächter. Neue Pflanzungen von Maulbeerbäumen entstanden, nach den besten Mustern wurde eine Filande zum Abwinden der erzeugten Cocons erbaut, und zur Zeit seines Ablebens erhoben sich nicht weniger denn 30.000 Stämme, welche 6000 Pfund Galetten (ungesponnene Seide) lieferten, ein Ergebniß, dessen Bedeutenheit nur Kenner zu ermessen vermögen. Doch weniger die industrielle Thätigkeit Todesco’s, so umfassend sie auch ist, sichert ihm einen Platz in diesem Werke, denn in dieser Richtung stehen ihm Andere nicht nur ebenbürtig zur Seite, sondern übertreffen ihn wohl gar. Aber noch ein anderes Gebiet ist es, auf welchem er eine nicht minder große und segensreiche Thätigkeit entfaltete; wir meinen die humanistische. In dieser Beziehung finden wir unter seinen nicht minder bemittelten Collegen in der Handels- und industriellen Welt keinen oder doch nur wenige, die es ihm gleich thäten. Wir sind leider nicht im Stande, im Folgenden ein ausführliches Bild seiner humanistischen Thätigkeit zu geben, unser Versuch, uns authentische Details zu verschaffen, blieb erfolglos. Was wir mittheilen, sind Aufzeichnungen aus jenen Tagen, wo Todesco’s Spenden allgemeine Aufmerksamkeit erregten. Im Jahre 1843 kaufte er für die Primär- und Kinderbewahrschute in seiner Vaterstadt Preßburg ein Haus für 25.000 fl. Conventionsmünze und machte es der Gemeinde zum Geschenk; der Eröffnungsfeier, welche am 7. Mai 1844 stattfand, wohnte die Erzherzogin Maria Dorothea bei; für den von Joseph [BLKÖ:Wertheimer, Joseph Ritter von|Wertheimer]] gegründeten israelitischen Handwerkerverein spendete er eine Summe von 10.000 fl.; zur Erbauung eines israelitischen Krankenhauses in Baden bestimmte er 20.000 fl.; in Marienthal, wo seine Fabrik sich befindet, errichtete er für die Gemeinde daselbst und die Umgebung gleichfalls eine Schule und Kleinkinderbewahranstalt; zu Gunsten des israelitischen Gewerbevereins stiftete er ein Capital, von dessen Zinsen alljährlich ein Individuum, das Meister wird, mit 500 fl. Conventions-Münze auszustatten ist. Wie er bei Lebzeiten täglich 50 bis 80 Arme ohne Unterschied der Confession speiste, so verpflichtete er auch seine Erben, nach seinem Tode diesen Brauch fortzusetzen. Ob derselbe heute noch besteht, [226] ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt. Für das Wiener St. Josephspital stiftete er ein Bett. Reichlich flossen überdies zu wohlthätigen Zwecken aller Art seine Spenden, welche summirt eine kaum glaublich hohe Summe ergeben. In einem ihm gewidmeten Nachrufe heißt es: Er betrachtete sich nur als den Almosenier des Glücks, jede Vermehrung seiner Güter war ihm neue Aufforderung: Wohlthaten zu spenden, Menschenfreundlichkeit zu üben. Jemand, der mit ihm amtlich in Berührung kam, verabschiedete sich von ihm, indem er ihm Glück wünschte zu dem Glücke, so wohlthätig sein zu können. „Was Andere nach dem Tode wollen“, erwiderte er, „will ich im Leben; ich will meine Wohlthat mitgenießen durch die Freude, die mir das Wohlthun macht. Machen Sie mich aufmerksam, wo Jemand Hilfe braucht, theilen Sie mir die Idee zu irgend einer Gründung mit. Mir ist Wohlthun ein Bedürfniß, mein Herz braucht es, wie meine Brust die Luft“. Wenige Monate danach hauchte er im schönsten Mannesalter von erst 53 Jahren seine mildthätige Seele aus. Dem ausgegebenen Partezettel entnehmen wir, daß Todesco zweimal verheiratet war. Seine zweite Frau Johanna war eine geborene Kaula; nur aus erster Ehe überlebten ihn die Söhne und Töchter: Maximilian, Eduard, Moriz und Adolph; Nina verehelichte Porges, Amalie verehlichte Springer.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1846 (B. F. Voigt, kl. 8°.) XXII. Jahrg. (1844), II. Theil, S. 755. – Wiener Zeitung, 1845, Nr. 17. – Frankl (Ludwig August). Sonntagsblätter (Wien, Pfautsch, 8°.) I. Jahrgang (1842), S. 503: „Todesco-Stiftung“; III. Jahrgang (1844), S. 453: „Eine schöne Feier in Preßburg“. – Allgemeine Theater-Zeitung. Herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) XXXVII. Jahrg. (1844), Nr. 287, S. 1174: „Nekrolog“.