BLKÖ:Tillier, Johann Franz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tilly, Johann
Band: 45 (1882), ab Seite: 160. (Quelle)
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Einer der tüchtigsten und bravsten ist Johann Franz, der Vater der berühmten Theresienritter Johann Anton und Joseph Max, deren Lebensskizzen S. 158 u. f. mitgetheilt wurden. Johann Franz Baron von Tillier (geb. 1662) trat frühzeitig in die kaiserliche Armee und rückte von Stufe zu Stufe im Range vor, er wurde Commandant von Szolnok, 1716 General-Feldwachtmeister. 1723 Feldmarschall-Lieutenant, dann Festungscommandant von Peterwardein und 1733 Obercommandant von Freiburg im Breisgau und starb als solcher am 29. März 1739 im Alter von 77 Jahren. Schon als Oberstlieutenant in dem 1719 reducirten Regiments Niederitz machte er sich in Freiburg durch einen schlauen Soldatenstreich bekannt. Der französische Marschall Villars gab ihm nämlich 100.000 fl. und versprach ihm zugleich ein Regiment nebst der Generalscharge, wenn er Freiburg überliefere. Mit einem Hauptmanne, dem man eine Oberstlieutenantsstelle versprochen hatte, ging er zu Villars, nachdem er zuvor das ganze Complot dem Festungscommandanten Feldmarschall-Lieutenant Ferdinand Amadée Grafen Harsch [Bd. VII, S. 386] entdeckt hatte, der nun auch die nöthigen Anstalten zur Gegenwehr traf. Aber die Franzosen kamen nicht. Die Nachrichten über das Eheleben unseres wackeren Soldaten lauten ziemlich romanhaft. Seine erste Frau, deren Familienname nicht bekannt ist, wurde von ihm, nachdem sie ihm einige Kinder geboren, geschieden. Seine zweite Frau Maria Anna war die Tochter des kaiserlichen geheimen Referendarius Propst, der eines plötzlichen Todes im Cabinet und in den Armen Kaiser Leopolds I. starb. Das ansehnliche Vermögen, das er hinterließ, vergeudete die Witwe. Als diese nun vermögenlos dastand, wollte sie, um ihr verschwenderisches Leben fortsetzen zu können, ihre schöne Tochter an einen hochgestellten Herrn, man sprach von einem Prinzen, verkaufen. Die Tochter aber, keineswegs gewillt, als Mittel dem Zwecke ihrer Mutter zu dienen, begab sich zur Mutter des Mannes, dem sie zum Opfer fallen sollte, und mit Hilfe derselben erhielt sie zuerst den Aufenthalt bei den Laurenzerinen in Wien, dann bei den Ursulinerinen in Linz. Da ihr aber die klösterliche Abgeschiedenheit auf die Dauer nicht zusagte, verließ sie die Nonnen, knüpfte verschiedene Abenteuer an und lernte bei einem solchen den Obersten Tillier kennen, der sofort beschloß, sich mit ihr zu vermälen, obgleich seine erste – von ihm geschiedene – Frau noch am Leben war. Indem er dieselbe beschuldigte, ihn böswillig verlassen zu haben, wollte er die kirchliche Trennung von ihr erlangen. Aber auch die Frau brachte ihre Einwendungen vor, jedoch ehe noch der Proceß zu Ende war, starb sie, und nun stand der Ehe des Obersten mit Fräulein von Propst nichts mehr im Wege. Baron Tillier hatte aus dieser zweiten Ehe drei Söhne und drei Töchter. Der älteste Sohn war Fähnrich und kam 1739 durch einen unglücklichen Schuß um. Die beiden anderen sind die schon erwähnten Maria Theresien-Ordensritter Johann Anton und Joseph Max. Eine Tochter Josepha, eine Dame von ausnehmender Schönheit, heiratete den berühmten Panduren-Obersten Franz Freiherrn von Trenck, starb aber lange vor ihrem Gemal im Jahre 1737, ohne ihm Kinder geschenkt zu haben.