BLKÖ:Thun-Hohenstein, Michael Oswald

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 45 (1882), ab Seite: 33. (Quelle)
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67. Michael Oswald (geb. 13. October 1631, gest. zu Prag in der Nacht vom 30. auf den 31. Jänner 1694), ein Sohn des Grafen Johann Sigmund von der böhmischen Linie aus dessen zweiter Ehe mit Anna Margarethe geborenen Gräfin Wolkenstein, studirte in Salzburg, wurde mit 23 Jahren k. k. Kämmerer, 1687 geheimer Rath, Statthalter und Beisitzer des großen Landrechts in Böhmen. Im Jahre 1655 cedirten ihm seine Brüder Wenzel, Bischof von Passau, und Guidobald, Erzbischof von Salzburg, alle ihre Herrschaften und Antheile in Böhmen und Tirol mit Primogenialerbfolge. Deshalb erwarb er 1669 das Trienter Staatsbürgerrecht. Große Summen verwendete er für kirchliche Zwecke, Schloß Klösterle schuf er in einen glänzenden Wohnsitz um, in Prag erbaute er unterhalb des Burgwalles den Palast des ersten Majorats. Als Senior der Familie empfing er nicht lange vor seinem Tode die fürstlich Trient’sche General-Investitur. Als er bei dieser Gelegenheit zum ersten Male seine tirolischen Besitzungen besuchte und die aufwartenden Gerichtsausschüsse begrüßte, redete er dieselben „meine lieben Unterthanen“ an. Diese unterbrachen ihn sofort mit der Entgegnung: „Gräfliche Gnaden! Wir sind allerdings Ihre Gerichtsinsassen, aber nur Seiner Majestät des Kaisers Unterthanen!“ Aus seinen zwei Ehen, mit Elisabeth Gräfin Lodron und Maria Cäcilia Gräfin von Thannhausen, hatte er nur zwei [34] Töchter: Eleonore Barbara, Gemalin des berühmten Fürsten Anton Florian von Liechtenstein [Bd. XV, S. 118, Nr. 4], und Maria Magdalena, über deren Schicksale die besondere Lebensskizze [S. 32, Nr. 63] zu vergleichen ist. Graf Michael Oswald ist der Stifter des ersten böhmischen Majorates, welches aus den Herrschaften Klösterle, Fünfhunden, Bensen, Schuschitz und Markersdorf besteht. –