BLKÖ:Szerelmey, Nicolaus von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Szeremley, Gabriel
Band: 42 (1880), ab Seite: 138. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Miklós Szerelmey in Wikidata
GND-Eintrag: 105121968X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Szerelmey, Nicolaus von|42|138|}}

Szerelmey, Nicolaus von (Techniker, geb. zu Raab im Jahre 1807). Je ausführlicher die Nachrichten über seine Erfindungen fließen, um so spärlicher sind jene über seinen Lebensgang, so daß wir auf die von Herrn Kertbeny in dessen Flugschrift „Die Ungarn im Auslande“ im Lapidarstyl gehaltenen Mittheilungen angewiesen bleiben. Diese aber belehren uns, daß Szerelmey deutscher Abstammung sei und eigentlich Liebe heiße, in der k. k. Ingenieur-Akademie ausgebildet worden, 1829 in Rom, Syrien und Aegypten zugebracht, 1830 an der Juli-Revolution in Paris theilgenommen, im September letzteren Jahres zu Brüssel gekämpft und dabei verwundet worden. 1834 befand er sich in Amerika, 1835 in Skandinavien, 1840 wieder in Ungarn, wo er als „Publicist lithographischer Prachtwerke“ (sic) auftritt. Im Jahre 1848 war er Oberst des Generalstabes (offenbar in der Honvéd-Armee), machte dann in Komorn die 5 Millionen Gulden Banknoten, welche Oesterreich anerkannte, gehörte zu den Komorner Capitulanten, blieb dann in Ungarn, bis er sich 1850 mit seiner Familie nach England [139] begab, wo er als technischer Chemiker und artistischer Publicist (sic) lebt und die Parlamentshäuser restaurirte. So lauten die Nachrichten Kertbeny’s. Was nun Szerelmey’s Erfindungen betrifft, von denen die Journale in den Jahren 1860 und 1862 nicht Aufhebens genug machen konnten, so lassen sie sich in Folgendem zusammen fassen. Lange vor 1860 war dem von dem englischen Parlamente eingesetzten Ausschusse für Auffindung eines Mittels, das Parlamentsgebäude vor dem verwitternden Einflusse der Londoner Atmosphäre zu bewahren, schon eine ganze Reihe solcher Mittel in Vorschlag gebracht worden, und jahrelang hatte der Streit über diese Angelegenheit gedauert. Endlich soll Szerelmey, „ein Ungar, der in Komorn mit der Besatzung capitulirte und seit dieser Zeit zumeist in England zubrachte“, den Auftrag erhalten haben, das ganze Parlamentsgebäude mit dem von ihm entdeckten Anstrich zu versehen. Diese Mischung nun ist eben Szerelmey’s Geheimniß, in das nur wenige Sachverständige eingeweiht wurden. Von diesen – darunter der berühmte Sir Henry Rawlinson – wurde sie als das vorzüglichste Mittel erklärt. Szerelmey will seine werthvolle Entdeckung, welcher er den Namen Silicat Zopissa gegeben, an den Pyramiden gemacht haben und dieselbe an Holz, Metallen, ja sogar an Papierfabrikaten anwenden, und diese letzteren so hart und wasserdicht machen, daß die besten Häuser, Wasserleitungsröhren und Boote aus Pappe angefertigt werden könnten. Einige Jahre später brachte Professor Dr. Joseph Arenstein’s österreichischer Bericht über die internationale Ausstellung in London 1862 folgende wörtliche Mittheilung: „... Hier mag auch die Zopissa-Masse Szerelmey’s erwähnt werden, der in London lebend, in der englischen Abtheilung ausstellte, aber geborener Oesterreicher ist und in der XXVII. Classe für wasserdichte Beschuhung und Kleider ausgezeichnet wurde. Szerelmey hat als Gegenstände dieser Art ausgestellt: Röhren und Platten von verschiedener Stärke aus Papier gepreßt, welches mit der Zopissa-Masse imprägnirt war. Die Röhren stellten sich um 50 Percent billiger als eiserne und eignen sich vorzüglich für Raketen und Kartätschenhülsen, ferner für Gas- und Wasserleitungsröhren. Zopissa-Platten lassen sich in jeder beliebigen Stärke und Länge, bis zu 50 Zoll Breite herstellen, und unter den ausgestellten Stücken gibt es einige, welche einen Druck von 250 Pfund auf den Quadratzoll – unter welchem Drucke eiserne Platten von derselben Stärke allsogleich platzen – aushalten. Steine, Hölzer und Eisenbestandtheile werden, mit dieser Masse imprägnirt, zu einem Silicat, welches allen atmosphärischen Einflüssen widersteht. Besonders auffallend zeigt sich der Silicatproceß an einem ausgestellten Würfel Kreide, welcher so consistent geworden ist, daß man nicht im Stande war, mit dem Messer etwas von der Oberfläche abzuschaben. Ein zweiter praktischer Erfolg zeigt sich darin, daß sich vermittelst der Zopissa-Masse Ziegel pressen lassen, welche aus gewöhnlichem Sande ohne jede weitere Zuthat bestehen. Eine wichtige Anwendung erlangt die Zopissa-Masse, indem man sie mit Callico, Leinwand, Alpacca u. d. m. in Verbindung bringt und dadurch ein Erzeugniß von beliebiger Stärke hervorbringt, welches alle Vorzüge des Leders besitzt.“ So der Ausstellungsbericht. Später wurde noch [140] mitgetheilt, daß für Schuhe, Möbelüberzüge. Buchbinderarbeiten, Mäntel, Riemzeug u. s. w. dieses sogenannte Pannonialeder ganz vorzüglich geeignet befunden worden, da es wasserdicht ist, eine größere Dauerhaftigkeit als Leder besitzt, leichter ist und sich um die Hälfte billiger herstellen läßt. Szerelmey verwendete später den Zopissastoff bei Telegraphenkabeln, bei welchen jede äußere Hülle überflüssig wird, und hat die Versuche vor einer Regierungs-Commission mit vollständigem Erfolge ausgeführt. Damals sprach man auch bereits die Hoffnung aus: die Anwendung dieses Processes zur Herstellung feuerfester Dächer zu ermöglichen. Ueber die spätere Entwickelung dieser interessanten Erfindung hat nichts mehr verlautet.

Arenstein (Joseph Prof. Dr.), Oesterreichischer Bericht über die internationale Ausstellung in London 1862 im Auftrage des k. k. Ministeriums für Handel und Volkswirthschaft (Wien 1863, Staatsdruckerei, schm. 4°.) S. 335. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1860, Nr. 300: „Zu der neuen Erfindung Szerelmey’s“. – Az ország tükre. Budapesti képes közlöny, d. i. Der Reichsspiegel (illustr. Pesther Blatt, gr. 4°.) 20. October 1862, Nr. 24: „Szerelmey Miklós“.
Porträt. Unterschrift: „Szerelmey Miklós“. Marastoni Jos. 1862 (lith.). Auch im vorbenannten „Az ország tükre“.