BLKÖ:Stein, Eduard Franz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stein, Anton Joseph
Band: 38 (1879), ab Seite: 23. (Quelle)
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Stein, Eduard Franz (Schauspieler, geb. zu Austerlitz in Mähren am 9. April 1794, gest. zu Leipzig 10. Mai 1828). Nach Einigen führt er das Prädicat Treuenfels, nach Anderen Treuenfeld; in den deutschen Adelsbüchern fehlt seine Familie. Er war der einzige Sohn des Ritters Johann von Treuenfeld. Vom 16. Jahre an studirte er auf dem k. k. Lyceum zu Olmütz die Rechte und kehrte hierauf zu seinem in Brünn angestellten Vater zurück. Dem schon früh in ihm rege gewordenen Drange zur Schauspielkunst konnte er nicht länger widerstehen, er verließ im 18. Jahre heimlich, mit geringen Geldmitteln versehen, das väterliche Haus, um diese Laufbahn unter dem angenommenen Namen Eduard Stein in Wien zu beginnen. Daselbst zuerst bei [24] dem Josephstädter Theater angestellt, versuchte er sich sodann bei mehreren wandernden Gesellschaften in Ungarn und Siebenbürgen, was ihn bei abenteuerlichen Schicksalen, oft durch Räuber- und Zigeuner-Banden, nach Temesvár, Hermannstadt und zuletzt nach Ofen und Pesth führte. Von da kehrte er im Jahre 1814 nach Wien zurück und wurde bei dem Leopoldstädter Theater, damals unter Director Hensler, angestellt. Schon im dritten Jahre seiner theatralischen Laufbahn erhielt er eine Anstellung bei dem k. k. Burgtheater, bei welchem er als Fritz im „Kind der Liebe“ von Kotzebue im November 1815 debütirte. Von Professor Kruse und Anderen berathen, verließ er im Jänner 1817 diese Bühne, um sich auf anderen eine ausgedehntere und bedeutendere Beschäftigung zu suchen. Er gastirte nun in Brünn, Prag, Breslau, Berlin und Hamburg, worauf er mit vielen Künstlern, als: Wohlbrück, Wurm, Löwe, Zahlhas, den Demoisellen Böhler, der Mad. Neumann-Sessi u. A. im August 1817 eine Anstellung bei dem vom Hofrath Küstner neuerrichteten Leipziger Stadttheater fand. Seine Darstellungen als Cesar in der „Braut von Messina“, Sigismund im „Leben ein Traum“, Tasso, Hamlet, Don Carlos, St. Alme, Landjunker, Wilnang in „Selbstbeherrschung“ u. a. m. fanden die günstigste Aufnahme und begründeten seinen Ruf, welcher durch seine öfteren Gastspiele in Frankfurt a. M., Cassel, München, Dresden, Berlin, Hamburg, Prag, Brünn und Preßburg noch erhöht und befestigt wurde. Eines Antrages zu einer sehr günstigen Anstellung bei dem Hoftheater zu München ungeachtet, blieb er dem Leipziger Theater treu. Im Jahre 1826 wurde einer seiner liebsten Wünsche, auf dem Wiener Burgtheater zu gastiren, erfüllt. Auch hier ward ihm als Hamlet, Jaromir, Cesar, Wilnang, St. Alme und Landjunker, umgeben von dem ausgezeichnetesten Künstler-Personal Deutschlands, eine sehr günstige Aufnahme. Dies Gastspiel in Wien, wo er seine Laufbahn begonnen, war auch sein letztes Gastspiel, indem er im Jahre 1827 seinen Urlaub zu einer Reise in das Seebad Travemünde zu benutzen genöthigt war; denn leider traten schon seit dieser Zeit die Symptome der Krankheit ein, die, durch organische, nicht zu heilende Mängel herbeigeführt, die Ursache seines Todes war. Seine letzten Kunst-Ausübungen im März 1828 waren Chavigny im „Diplomat“ (übersetzt von Th. Hell) und der declamatorische Vortrag des Mosengeil’schen Gedichtes mit der Beethoven’schen Musik zu „Egmont“. Stein besaß mit allen erforderlichen Eigenschaften eines vorzüglichen Schauspielers eine lebendige Phantasie, ein reiches Gemüth, einen geläuterten Verstand und Scharfsinn. Mit diesen vereinte er das beste Herz und einen empfänglichen Sinn für alles Gute und Schöne. Beseelt von dem Triebe, sich immer mehr auszubilden, suchte er den Umgang ausgezeichneter Männer, unter denen wir Mahlmann, Müllner, Blümner, Tieck, Winkler, Kruse, Klingemann, Wendt u. A., die sich mündlich und schriftlich in der Anerkennung seines ausgezeichneten Talents vereinigt haben.

Allgemeines Theater-Lexikon ... Herausgegeben von K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig [o. J.] kl. 8°.) Bd. VII, S. 32. – Gesellschafter. [25] Redacteur und Herausgeber F. W. Gubitz, Jahrg. 1828, S. 551.