BLKÖ:Schlesinger, Nanette

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Schlesinger, Sulka
Band: 30 (1875), ab Seite: 93. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schlesinger, Nanette|30|93|}}

9. Nanette Schlesinger (geb. zu Wien im Jahre 1789, gest. ebenda 28. April 1867). Entstammt einer jüdischen, unter verschiedenen Namen noch heute blühenden Familie. Ihr Vater A. Todesco war ein geborner Preßburger. Ein Bruder ihres Vaters nahm den Familiennamen Löwy an und direct von diesem stammt der Gelehrte Hermann Löwy ab. Ein anderer Zweig dieser Familie führt den Namen Rechnitz und hat sich derselbe vornehmlich durch seinen Wohlthätigkeitssinn hervorgethan, wie dieß die namhaften Stiftungen und Legate, welche derselbe zum Besten der Preßburger Israelitengemeinde gemacht hat, bezeugen. Nanette Todesco heirathete den Israeliten Schlesinger. Seit dem Jahre 1817 etwa lebte sie in Wien, wo sie seit Jahren im Verborgenen Wohlthaten übte und nach ihrem im Alter von 78 Jahren erfolgten Tode durch ihren letzten Willen die Aufmerksamkeit aller Menschenfreunde auf sich gelenkt hat. Von den zahlreichen kleineren Summen, die für wohlthätige und fromme Zwecke bestimmt waren, zu schweigen, gedenken wir hier nur der wichtigeren Verfügungen ihres letzten Willens. So bestimmte sie 2000 fl. für die Chebra kad. (Grabmalstiftung); – 38.000 fl. und 20 Stück Actien der Triester Azienda, für das von ihrem [94] Bruder Todesco in Baden nächst Wien gestiftete Hospiz: – 3000 fl. für den Reconvalescentenfonds des israelitischen Spitals in Wien; – 5000 fl. für die israelitische Taubstummen-Anstalt in Wien; – 1000 fl. für die israel. Kleinkinder-Bewahranstalt ebenda; – 5000 fl. für die israel. Schule in Eisenstadt; – 3000 fl. für den Bikur Cholim-Verein ebenda; – 2000 fl. für das Israeliten-Spital in Preßburg; – 1000 fl. für den israelitischen Frauenverein in Wien; – 3000 fl. für die israel. Armenanstalt ebenda; – 4000 fl. für die israel. Speiseanstalt ebenda; – 1000 fl. für den israelit. Waisen-Versorgungsverein ebenda; – 3000 fl. für die barmherzigen Brüder ebenda; – 1000 fl. für zehn österreichische Krieger; – 4000 fl. für die Kinder-Bewahranstalt in Preßburg; – 1000 fl. für die Gemeinde Peruschim in Jerusalem; – 2000 fl. für den israelitischen Frauenverein in Wien; – 5000 fl. für den Handwerksverein ebenda; mit geringeren Summen, meist mit je 500 fl., wurden verschiedene israelitische Wohlthätigkeitsvereine in Wien, der Theresien Kreuzer-Verein, der israelitische Frauenverein in Preßburg, jener in Eisenstadt u. s. w. bedacht. Die Summe der für Wohlthätigkeitszwecke in Wien, Baden und Preßburg gewidmeten Beträge erreicht im Ganzen 87.000 fl., und 20 Stück Actien der Wiener Azienda, deren Werth im Testamente nicht angegeben ist, von diesen Beträgen entfallen auf die Wohlthätigkeitsanstalten in Wien und Baden allein nebst den oberwähnten Actien 66.000 fl. Obige Zahlen der von Nanette Schlesinger für wohlthätige Zwecke gewidmeten Summen sind der unten bezeichneten Quelle entnommen. Sie stimmen mit einer mir von Freundeshand gemachten Mittheilung nicht überein, sind aber unter allen Umständen hinreichend, daß der Name dieser edlen Wohlthäterin bleibender Erinnerung erhalten werde. [Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1867, Nr. 979: „Eine verschämte Reiche“; Nr. 981, in der Rubrik: „Eingesendet“.] –