BLKÖ:Ruttant, Johann Eduard Graf

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 310. (Quelle)
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Ruttant, Johann Eduard Graf (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Nancy im Jahre 1737, gest. zu Wien 19. Juli 1794). Aus einer alten Lothringer Familie [311] stammend, trat R. im Jahre 1754 bei Durlach-Infanterie als Lieutenant ein und die nächsten Grade rasch überspringend, kam er bereits im Mai 1758 – damals erst 21 Jahre alt – als Hauptmann in das 30. (nicht 38., wie es bei Hirtenfeld heißt) Infanterie-Regiment Prinz De Ligne, nachmals Nugent und Martini. Bei der Belagerung von Schweidnitz, August 1762, erkämpfte er sich den Maria Theresien-Orden. Als der Feind bereits zur Berennung der Festung vorrückte, trug sich R. freiwillig zur Vertheidigung der Flesche von Jauernik an, die sich in so schlechtem Zustande befand und bei welcher täglich so viele Menschenleben geopfert wurden, daß man sie allgemein nur „die Schlachtbank“ nannte. Mit 4 Officieren und 110 Mann Besatzung, welche alle Tage mit frischen Truppen gewechselt wurden, übernahm er das Commando der Flesche, und nur die drei Commandanten, er und die Hauptleute Brady und Schröder, lösten sich täglich im Commando dieser ruhmvollen Vertheidigung ab. Am 13. August zündete eine Bombe das Pulverdepot in der Flesche an, ein Lieutenant und 20 Mann flogen in die Luft; im panischen Schrecken über dieses Ereigniß ergriff die Mannschaft die Flucht und der Feind traf bereits Anstalten, sich des Werkes zu bemächtigen. Aber Ruttant, der an diesem Tage das Commando führte, blieb, obwohl er nur mehr einen Feldwebel und 6 Mann um sich hatte, auf seinem Posten, und verstand es, mit diesen den Feind über die Flucht seiner Besatzung zu täuschen, wodurch dieser wichtige Punct gerettet wurde. Einige Tage später wurde R. selbst durch einen Granatensplitter schwer am Arm blessirt. Doch schon nach wenigen Tagen, den Arm in einer Binde tragend, setzte er seinen Dienst fort und theilte sich mit den oberwähnten Hauptleuten ferner in die Vertheidigung der Flesche. Für sein heldenmüthiges Verhalten wurde R. in der 8. Promotion (vom 21. October 1762) mit seinen beiden Waffengefährten Bernhard Freiherrn v. Brady [Bd. II, S. 107] und Gottfr. Johann Schröder mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1773 wurde R. Oberst im Regimente, im April 1783 General-Major, als welcher er im Alter von 57 Jahren starb.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 163 u. 1730.