Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Reinier
Band: 25 (1873), ab Seite: 230. (Quelle)
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Reinisch, Anton (Tiroler Landesvertheidiger, geb. zu Volders im Unterinnthale Tirols am 26. Jänner 1763, gestorben den Heldentod für sein Vaterland bei Spinges am 2. April 1797). Reinisch lebte als Sensen-Schmiedmeister zu Volders, wo er ein [231] kleines Anwesen besaß und unter dem Volke allgemein unter dem Namen „der Senseler“ bekannt war. Mit seiner Ehefrau Katharina Schuler zeugte er sieben Söhne. In den Tagen des Friedens war wenig von ihm zu hören, er ging eben seinem Geschäfte nach, das ihn und seine Familie nährte. Der Jammer des Krieges sollte den Seinen unersetzlichen Verlust, ihm aber unsterblichen Ruhm bringen. Es war im Jahre 1797, als auch das bisher von den Kriegswehen unberührt gebliebene Spinges im Pusterthale davon heimgesucht werden sollte. Durch das Mißgeschick der österreichischen Waffen auf dem Monte Corona, am Geyerberg und zu Faeda war das ganze südliche Tirol der Rache des Feindes preisgegeben. Im April g. J. hatte der französische Marschall Massena auch den Hauptpaß Ponteba genommen, und da die geschwächte österreichische Armee keinen Widerstand zu leisten im Stande war, begann sich der Feind, an 15.000 Mann stark, wie ein reißender Wildstrom herauf über das Land zu wälzen. Solche Noth riß das ganze Volk aus seiner fast hundertjährigen Ruhe. Die Allarmfeuer flammten auf allen Höhen, der Nothruf der Sturmglocke tönte von Kirchlein zu Kirchlein, von Dorf zu Dorf; Alles, Alt und Jung, griff zu den Waffen. Man vereinigte sich mit der geringen, noch im Lande vorhandenen Militärmacht, welche unter den Befehlen der Generale Kerpen und Loudon stand. Ein umfassender Angriffsplan wurde entworfen und der 2. April dazu bestimmt. Der Feind stand im Lager bei Mühlbach. Der Landesschützen-Major von von Wörndle hatte sich am 2. April schon um 3 Uhr Morgens gegen das Valserjoch in Bewegung gesetzt. Um 8 Uhr hatte der Feldwebel Schneider mit 38 Freiwilligen den Kampf eröffnet, indem er ein starkes feindliches Piket bei Meransen angegriffen, dessen Mannschaft theils getödtet, theils gefangen, theils nach Mühlbach hinabgesprengt hatte. Nun erhob sich der Feind aus seinem Lager und rückte in drei starken Colonnen heran. Bei den Spingeser Bergwiesen entspann sich das hitzigste Gefecht. Die Tiroler lichteten mit ihren sicher treffenden Kugeln bereits die Reihen der Franzosen. Nach etwa stundenlangem Gefechte begann den Landesschützen die Munition zu mangeln. Der Feind, dieß gewahrend, stürmte mit gefälltem Bajonnete in den Wald auf die Tiroler. Nun brachen diese aus dem Walde hervor und mit beispielloser Weise auf den Feind, Alles niederschlagend, was sich ihnen entgegenstellte. Während dieß auf dem linken Flügel vorging, war auf dem rechten Flügel nicht minder heiß der Kampf entbrannt. Bei dem Dorfe Spinges stand die Hauptmacht der Tiroler unter Major Wörndle. An der Kirchhofmauer ging es am blutigsten zu, die im dreimaligen Sturme vordrängenden Franzmänner wurden immer wieder zurückgeworfen. Erst als ein starkes feindliches Detachement die Tiroler im Rücken bedrohte, zogen sie sich nach dem Walde ober Spinges zurück. So stand die Sache, als eine neue, über Tausend Mann starke feindliche Colonne vordrang und ein heftiges Feuer gegen die Tiroler eröffnete. Aber diese hielten muthig Stand, stürzten sich dann plötzlich auf die Franzosen, die nicht einmal mehr Zeit gehabt hatten, zu laden und sich en masse mit den Bajonnetten gegen die andrängenden Tiroler stellten. Es schien eine Unmöglichkeit, diese zu durchbrechen. Da trat der Sensenschmiedmeister Anton Reinisch, Hauptmann der Compagnie des [232] Gerichtes Reittenberg, hervor, und groß, stark, gewandt und todeskühn, stürzte er mit einer langen zweischneidigen Sense in der emporgestreckten Rechten und dem Rufe: „Brüder, mir nach!“ mitten in die feindlichen Bajonnete und wüthete dort wie eine geborstene Granate, bis er, von eilf Stichen durchbohrt, zu Boden sank. Rund um ihn lagen die niedergemähten Feinde. Sein Heldenbeispiel entflammte die Uebrigen, die sich nun eine blutige Gasse durch den Feind bahnten, der solchem Heldenmuthe nicht längeren Widerstand leisten konnte. Die Franzosen rüsteten sich zum Rückzuge, den sie in der Nacht vom 4. auf den 5. April gegen Vintl und Brunek auch ausführten. Der fast vergessene Name des Sensenschmiedmeisters Anton Reinisch verdient aber ebenso Unsterblichkeit wie jener Arnold Winkelried’s.

Staffler (Johann Jacob), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.) Bd. I, S. 152; Bd. II, S. 614. – Bürger- und Volks-Zeitung (Bruneck, Fol.) 1864, Nr. 15, im Feuilleton: „Spinges und der 2. April 1797“.