BLKÖ:Randegger, Mayer R.

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Randa, Wilhelm
Band: 24 (1872), ab Seite: 321. (Quelle)
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Randegger, Mayer R. (gelehrter Rabbiner, geb. zu Worablingen, einer Besitzung der Grafen von Nellenburg im ehemaligen Vorderösterreich, im Jahre 1780, gest. zu Triest 3. März 1853). Seine Eltern hießen Moses und Anna, und hatten, wie dieß bei den Israeliten damals noch üblich war, keinen Zunamen; auch Mayer nahmeinen solchen erst in der Folge an. Als R. sechs Jahre alt war, verloren seine Eltern durch Raub all ihr Hab und Gut und übersiedelten in Folge dessen im Jahre 1786 von Worablingen nach Randegg, ein unweit vom Rheinfalle gelegenes Dorf, das gleichfalls zur Herrschaft Nellenburg gehörte. Der Vater war Kaufmann und in Folge seiner Geschäfte viel vom Hause abwesend. Den ersten Unterricht erhielt R. im Elternhause und durfte dann, wenn er gute Fortschritte machte, den Vater manchmal auf seinen Reisen begleiten; so kam er als Knabe nach Zürch, nach St. Gallen, Frankfurt a. M. u. a. O., und lernte den berühmten Lavater, den Geschichtsforscher Johannes von Müller u. A. persönlich kennen. Der Ausbruch der französischen Revolution blieb auch für die Gegenden, in welchen R. mit seinen Eltern wohnte, nicht ohne Folgen. Randegg wurde geplündert; es geschah dieß bald nach der Schlacht von Regensburg, als Moreau gezwungen wurde, sich zurückzuziehen. Die Eltern zogen daher, um auf neutralem Gebiete weiteren Unfällen dieser Art sich zu entziehen, nach Diesenhoffen, einem in der Schweiz, also auf neutralem Boden, gelegenen Städtchen. Hier kamen R.’s Eltern zu dem Entschlusse[WS 1], R. zum Rabbiner bilden zu lassen, und so wurde der damals noch kaum 15jährige Sohn nach Fürth bei Nürnberg geschickt, wo der Rabbiner S. Coen aus Posen die dortige israelitische Hochschule leitete. Fürth war damals für die Israeliten, was etwa Göttingen, Heidelberg, Jena für deutsche Studenten. Es war zu jener Zeit von etwa 300 Israeliten, die sich Bahur nannten, besucht. Es lehrten an der Anstalt mehrere Professoren, jeder sein eigenes Fach, es wurden strenge Prüfungen gehalten und die letzte von dem Director-Rabbiner, der den mit entsprechenden Kenntnissen Ausgestatteten das Zeugniß der Reife ertheilte, worauf diese bei irgend einem Rabbiner einen zweijährigen praktischen Cursus nahmen und dann die nächste, irgendwo erledigte Rabbinerstelle erhielten. War keine vorhanden, so kamen die Candidaten als Erzieher in angesehene reiche Israelitenfamilien. Fürth genoß zu jener Zeit einen ausgezeichneten Ruf, dessen es sich in unseren Tagen, da Israeliten auch in anderer Weise ihre gelehrte Bildung sich aneignen können, nicht mehr erfreut. R., der in der ersten Zeit mit Mangel zu kämpfen hatte, denn seine Eltern waren mittlerweile ganz verarmt, half sich durch Fleiß und Thätigkeit bald empor, er wurde Erzieher im Hause Königswarter, dann Begleiter des Sohnes des Vorstehers der Anstalt, der ihn überdieß gern als seinen Schwiegersohn gesehen hätte. Dann begab er sich nach Preßburg, um dort seine Rabbinatsstudien zu beendigen. Aber schon in einiger Zeit mußte er seiner häuslichen Verhältnisse wegen Preßburg verlassen, und um diese Zeit geschah es, daß er seinen bisher in israelitischer Weise geführten Namen Mayer, Sohn des Moses, mit dem nach dem einstigen Wohnorte seiner Eltern, Randegg, angenommenen Namen Randegger vertauschte, weil die alte israelitische Namenführung [322] durch einen Erlaß des Kaisers Joseph II. untersagt worden war. Nach manchen Kreuz- und Querfahrten, durch die damaligen kriegerischen Wirren veranlaßt, kam er endlich zu seinen Eltern, die wieder nach Randegg zurückgekehrt waren, wo er einige Monate verweilte und dann eine Erzieherstelle bei einem Glaubensgenossen in Hohenems übernahm, welche er nach anderthalb Jahren niederlegte, worauf er sich nach Triest begab. Dort versuchte er anfänglich in einem Handlungsgeschäfte thätig zu sein, kehrte aber in einiger Zeit zum Lehrerberufe zurück, indem er in einem wohlhabenden Hause eine Erzieherstelle annahm. Als in Triest eine israelitische Schule errichtet wurde, erhielt er eine Stelle an derselben und versah dieselbe bis zur Ankunft der Franzosen in Triest. Nun eröffnete er selbst eine dreiclassige Schule für die italienische, deutsche, französische und hebräische Sprache. Im Ganzen war er nahezu dreißig Jahre in Triest im bezeichneten Lehramte thätig, überdieß betraute ihn die Regierung mit dem Unterrichte der Sträflinge, auch wurde er zum Vorstande des größeren Tempels erwählt, als welcher er den Dienst des Rabbiners zu versehen hatte. Mancherlei Vexationen von Seite der Unterrichtsbehörden hatten ihm schon in früherer Zeit Unannehmlichkeiten bereitet, aber die Unbescholtenheit seines Charakters, verbunden mit der Tüchtigkeit der Leistungen in seinem Fache machten dieselben unschädlich, als sich aber im Laufe der Jahre diese Umtriebe erneuerten, entschied er sich zuletzt, Triest zu verlassen, wo er so viele Jahre gewirkt. Er ging zuerst nach Fiume, in der Absicht, dort ein Erziehungsinstitut für seine Glaubensgenossen zu errichten; als er aber daselbst zwei Jahre zugebracht, ohne seinen Plan verwirklichen zu können, begab er sich im Jahre 1839 nach Fiorenzola im Parmesanischen und übernahm daselbst die Rabbiner- und Lehrerstelle in der israelitischen Gemeinde. Nach einigen Jahren legte er altershalber sein Amt nieder und übersiedelte nach Mailand, um dort bei seiner Tochter den Rest der Tage zu verleben. Doch die Wirren des Jahres 1848 trieben ihn von dort und er begab sich im Herbste g. J. nach Triest, wo er nun eine Privat-Mädchenschule eröffnete. R. hat während der Dauer seines 73jährigen Lebens ein halbes Jahrhundert hindurch im Gebiete des Erziehungswesens für seine Glaubensgenossen das Ersprießlichste geleistet. Auch auf schriftstellerischem Gebiete ist er thätig gewesen. Er schrieb für mehrere hebräische Zeitschriften, u. a. für Cherem-Hemed, Bicuré-Itim, Colieve Izhac), fand eine eigene Lesart der Bücher Moses auf, welche ihre sinnreiche Abfassung in ein neues Licht stellte, und veröffentlichte selbstständig das Werk: „דוד צנת‎ Historisch-kritischer Versuch, die Psalmen auf David’s Zeiten zurückzuführen. Nebst einem Anhange über einige biblische poet. Stücke. Dazu auch Text der Psalmen“ (Wien 1841, 8°.). Seine Frau, eine Tochter des Kanzlers Galigo der Triester israelitischen Gemeinde, schenkte ihm eine zahlreiche Familie, von der nebst mehreren Töchtern noch zwei Söhne leben, deren Einer, F. S. C. Randegger, auch als Schriftsteller thätig ist.

Un po’ di tutto. Strenna per l’anno 1855 compilata da F. S. C. Randegger (Venedig, Naratovich, 8°.) p. 9: „Biografia del Rabbino Mayer R. Randegger“ ; – p. 19: „Frammenti del discorso funebre per la morte del Rabbino Mayer R. Randegger di S. Teglio in Fiorenzola“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Entschusse.