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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ptak, Johann
Band: 24 (1872), ab Seite: 41. (Quelle)
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Pubička, auch Pubitschka, Franz (Geschichtsforscher, geb. zu Komotau in Böhmen 19. August 1722, gest. zu Prag 5. Juni 1807). Nachdem er die unteren Schulen und das Gymnasium in Prag besucht, trat er im Jahre 1739, 17 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er sofort im Lehramte verwendet, seine theologischen Studien beendete. Er lehrte Grammatik, Dicht- und Redekunst und griechische Sprache zu Prag, Olmütz und an anderen Lehranstalten des Ordens, dessen Historiograph für die čechische Provinz [42] er seit dem Jahre 1767 war. Eine in lateinischer Sprache verfaßte Geschichte der Böhmen fand bei Fachmännern gerechte Würdigung [die bibliographischen Titel seiner Werke folgen weiter unten], noch mehr aber seine von der Jablonowski’schen Gesellschaft gekrönte Preisschrift über die älteren Wohnsitze der Slaven, die im Jahre 1771 erschien. Die Anerkennung, welche P.’s Arbeiten fanden, veranlaßten seine Freunde, ihm zuzureden, daß er, um seinen Werken einen größeren Leserkreis zu verschaffen, dieselben in’s Deutsche übertrage. Seine Freunde wurden dazu insbesondere durch die Thatsache bewogen, daß zu jener Zeit noch kein deutsches Werk über böhmische Geschichte vorhanden war. Und so entstand die Serie deutscher Geschichtswerke über Böhmen, mit welcher P. die Literatur in den Jahren 1770 bis 1802 beschenkte. Daß P., wie es bei Geschichtsforschung, wo Deutung, Auslegung immer zuletzt das subjective Ergebniß des Forschers bleiben, nicht ohne Angriffe von Seite jener blieb, die eben anderer Meinung waren als der seinigen, ist selbstverständlich, und Dobner [Bd. III, S. 331], Piter [Bd. XXII, S. 361][WS 1], Voigt waren es, die nicht immer mit Pubitschka’s Ansichten übereinstimmten, vor allen aber war es Gelasius Dobner, welcher in einer besonderen Schrift: „Examen ... quo expenduntur et profligantur dubia a P. Pubitschka S. J. adversus originem Czechorum objecta“ (Prag 1770, 4°.) Pubitschka’s historische Ansichten bekämpfte. Pubitschka hatte im J. 1788 die philosophische Doctorwürde erlangt, lebte nach Auflösung seines Ordens als Historiograph des Königreichs Böhmen in Prag, wo er mehrere Male die Decanswürde der philosophischen Facultät bekleidete und zuletzt als Senior derselben im Alter von 85 Jahren im Paulanerkloster zu Prag starb. Die Titel der von ihm veröffentlichten Werke sind in chronologischer Folge: „Oratio de S. Joanne Evangelista“ (Olmütz 1756, Fol.; neue Ausg. ebd. 1758); – „De S. Catharina“ (ebd. 1757, Fol.); – „Series chronologica rerum Slavo-Bohemicarum ab ipso inde usque Slavorum in Bohemium adventu usque ad haec nostra tempora“ (Prag 1768, 4°.; neue verm. Ausg. Wien 1769, 4°.); – „De antiquissimis sedibus Slavorum“ (Lipsiae 1771, 4°.), die oberwähnte, von der fürstl. Jablonowski’schen Gesellschaft gekrönte Preisschrift; – „De Venedis, Vinidis seu Winidis itemque de Enetis, Henetis seu Venetis veteribus“ (Olomucii 1772, 8°.); – „Unusne an duo ecclesiae Metropolitanae Prag. Canonici Joannes de Pomuk nomine Venceslai IV. Boh. regis jussu de ponte pragensi in subjectum Moldavae fluvium perturbati fuere?“ (Pragae ....); – „Ehrenrettung des h. Johannes von Nepomuk“ (Prag 1791); – „Chronologische Geschichte Böhmens unter den Slaven“. Theil I–III, IV, 1. u. 2. Abthlg., , 1. u. 2. Abthlg., VI, 1., 2. u. 3. Abthlg., zusammen 10 Bände (Prag 1770–1808, 4°., mit K. K.), wovon der 1. die Geschichte des heidnischen Böhmen, der 2. jene unter den ersten christlichen Herzogen, der 3. unter den ersten Prager Bischöfen, der 4. jene unter den ersten Königen bis zum Erlöschen der Przemysliden, der 5. die Ereignisse in Böhmen bis zum Tode des Königs Wenzel und der 6. bis zu den Zeiten des Kaisers Ferdinand II. enthält. Der Tod hinderte P. an der Vollendung seines Geschichtswerkes. Daß dasselbe, nachdem Palacky die Geschichte Böhmens schrieb, nur mehr literar-historischen [43] Werth besitzt, begreift sich von selbst.

(Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1810, S. 420. – Neue Annalen der Literatur und Kunst des österreichischen Kaiserthums (Wien, Doll, 4°.) I. Jahrg. (1807), 2. Bd., Intelligenzblatt December, Sp. 277. – Pelzel (Franz Martin), Böhmische, mährische und schlesische Gelehrte und Schriftsteller aus dem Orden der Jesuiten (Prag 1786, 8°.) S. 247. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, kl. 8°.) Bd. II, Sp. 268. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 2. Stück, S. 33. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 319. – Praha (Prager illustr Blatt, 4°.) 1868, Nr. 4, S. 55, im Aufsatze: „Čeští dějepisci“, d. i. Böhmische Geschichtsschreiber.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XXII, S. 161].