BLKÖ:Pirlinger, Joseph

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 337. (Quelle)
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Pirlinger, Joseph (Violin-Virtuos und Tonsetzer, geb. in Niederösterreich im Jahre 1726, gest. zu Wien 17. Juni 1793). Hatte frühzeitig eine vortreffliche musikalische Ausbildung erhalten und spielte die Violine mit solcher Meisterschaft, daß er sich öffentlich in Concerten hören ließ. Er machte auch Kunstreisen, auf einer derselben besuchte er Paris, wo von ihm im Jahre 1786 sechs Quartetten für Violinen, Bratsche und Baß, und dann sechs Symphonien im Stiche erschienen sind. Bald nach seiner Rückkehr nach Wien wurde er Kammermusicus des Allerh. Hofes und im Jahre 1789 zum ersten Violinisten an der Wiener Hofcapelle ernannt. Außer den bereits genannten Tonstücken erschienen von ihm noch folgende Werke im Drucke: „Divertissement pour deux Violons“ (Wien, bei Kozeluch); „Zwölf leichte Duo’s für Anfänger, auf zwei Violinen“ (ebd.). Dann gab er auch Leopold Mozart’s berühmte Violinschule unter dem Titel: „Neue vollständige [338] theoretische und praktische Violinschule für Lehrer und Lernende“, zwei Theile in 14 Heften (Wien 1800, 109 Bogen) heraus, der erste Theil enthält bloß die Theorie von Mozart im Auszuge, aber im Style neu bearbeitet; der zweite aber 18 Duette, 18 Divertimente, beide in 3 Abtheilungen, und 3 fugirte Trio’s für 2 Violinen und Baß. Viele Jahre nach seinem Tode gab die Firma Tobias Haslinger in Wien „30 (12 und 18) sehr leichte angenehme Duetten für zwei Violinen“ in drei Lieferungen heraus, wovon die ersten 12 schon früher einmal gedruckt waren. Träg in seinem Musikalien-Kataloge (Wien 1799) führt mehrere handschriftliche Werke von P. auf, und zwar: „Canon à 4“, „Duo Armonie à 4“, „18 Terzetti à duo V. et Vc.“, „Fundament der ersten oder halben Applicatur auf der Violine sammt zwölf Uebungen“. P.’s Compositionen als Unterrichtsstücke werden sehr gerühmt; seine Duetten sind im Satze wie sie sein sollen, rein zweistimmig, die Ideen faßlich und melodisch, schon ihre wiederholte Auflage nach so vielen Jahren spricht für ihren Werth.

Gerber (Ernst Ludwig). Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 720. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Frz. Köhler, gr. 8°.) S. 687.