BLKÖ:Pavlović, Theodor

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 388. (Quelle)
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Pavlović, Theodor (serbischer Schriftsteller, geb. zu Karlova in der Trencsiner Gespanschaft 26. Februar 1804, gest. ebenda 24. August 1854). Ein Handwerkerssohn, die unteren Schulen und das Gymnasium besuchte er zu Ober-Kikinda, Szegedin und zuletzt in Karlowitz, die philosophischen Studien hörte er zu Szegedin, die Rechte an der Akademie in Preßburg, wo er sie auch im Jahre 1825 beendete. Nun begab er sich nach Pesth und trat bei dem als serbischer und ungarischer Poet bekannten Advocaten Michael Vitkovic in die Praxis. Bei diesem lernte er den Grafen Teleki[WS 1] kennen, der P. bald so lieb gewann, daß er bis an seinen Tod in jeder nur einigermaßen wichtigen Angelegenheit seinen Rath einholte. Noch zur Zeit, als P. in Preßburg studirte, war in ihm das Nationalgefühl rege und der Gedanke wach geworden, für sein Volk, dessen verkümmerten, geistig zurückgebliebenen Zustand er bald erkannte, so viel, als es in des Einzelnen Macht steht, zu wirken. Um jene Zeit übersetzte er Wieland’s „Sympathien“ in’s Serbische und gab diese Arbeit in Pesth 1829 im Drucke heraus. Dann vollendete er die Uebersetzung von Knigge’s „Umgang mit Menschen“, welche unter dem Titel: „O obhozdenju s ljudma“ (Pesth 1831) erschien. Im Jahre 1832 wurde er Secretär der Matice serbska und im Jahre 1834 übernahm er von J. Hadžić die Redaction des „Ljetopis“. Als im Jahre 1834 der „Ljetopis“ zu erscheinen aufhörte, begann P. auf eigene Rechnung die Herausgabe des „Srbski narodni list“, d. i. Serbisches Volksblatt, führte aber auch, als der „Ljetopis“ im Jahre 1837 [389] wieder in’s Leben trat, die Redaction desselben und behielt sie bis zum Jahre 1841. Im Juli letztgenannten Jahres begründete er das neue serbische Journal: „Srbske narodne novine“, so daß zwei Jahre hindurch P. die ganze serbische Journalistik in seinen Händen hatte. Es war dieß keine kleine Arbeit, die P. auf sich genommen, und sie nahm seine Thätigkeit in fast aufreibender Weise in Anspruch, aber er brachte willig auch die größten materiellen und physischen Opfer, galt es ihm doch, den Nationalgeist zu wecken. In seinen zahllosen Artikeln wies er immer auf folgende Momente als diejenigen hin, die bei jedem erst zu cultivirenden Volke vor allem in’s Auge gefaßt werden müssen: auf die Hebung und Vergeistigung des Gottesdienstes, auf Anlegung und Verbesserung der Schulen und auf Belebung der Leselust im gemeinen Volke, in diesen „drei Momenten liegt die ganze Hoffnung der Zukunft des serbischen Volkes“. Bei der energischen Weise, mit welcher P. seine Ideen verfocht und seinem Volke immer wieder zurief, sich zu ermannen, seine und der ganzen Nation Sache nicht fallen zu lassen, fehlte es ihm nicht an Widerwärtigkeiten mannigfacher Art. Es kam so weit, daß man ihm im Jahre 1852 die Bezeichnung „srbski“ untersagte, so daß sein Blatt nunmehr bloß den Titel: „Narodne novine“ führen durfte; aber schon im nächsten Jahre bediente er sich wieder, und zwar mit ausdrücklicher Erlaubniß des Kaisers, der nationalen Bezeichnung „srbski“. Außerdem gab P. in den Jahren 1848 und 1847 mit Unterstützung mehrerer Landsleute den Almanach „Dragoljub“, d. i. Vielliebchen, heraus, der ausschließlich den Frauen gewidmet war, welche, wie die Männer durch die politischen Blätter, nun auch und zwar in der anmuthigeren Form des Almanachs für die heilige Sache der Nation gewonnen werden sollten. Im Jahre 1848 änderte P. ebenso den Titel wie den Zweck seiner Journale, und unter dem Titel: „Sveobšte jugoslavenske e srbske narodne novine“, d. i. Allgemeine südslavische und serbische Zeitung, gab er nur Ein Blatt heraus, welches die Interessen und Zwecke aller Südslaven, vornehmlich aber der Serben, gegen die stets zunehmenden Uebergriffe der Magyaren vertheidigte. Er mußte in Folge dessen in Pesth viele Ungebühr und Gehässigkeit erleiden, ließ sich aber dadurch nicht anfechten, sondern hielt fest an seiner Sache, selbst dann noch, als er unter den damaligen Zuständen seines Lebens nicht mehr sicher war. Er verließ demnach Pesth. verfiel aber, als er überall das stets wachsende Uebergewicht der Magyaren gewahrte, in Trübsinn, in welchem er ein paar Jahre zubrachte, bis er in seiner Heimat im Alter von fünfzig Jahren starb.

Pejčić k Dr. Zitije Téodora Pavlovica novinara a spisatelja srbskoga (Neusatz 1857). – Ljetopis srbskii, d. i. Serbische Chronik (Pesth, 8°.) 90. Heft [enthält den Nekrolog des Theodor Pavlović]. – Paul Jos. Šafařík’s Geschichte der südslavischen Literatur. Aus dessen handschriftlichem Nachlasse herausgegeben von Jos. Jireček (Prag 1865, Friedr. Tempsky, 8°.) III. Das serbische Schriftthum, S. 356, Nr. 259; S. 412, Nr. 617; S. 414, Nr. 626; S. 4838, Nr. 775. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 183, Nr. 4. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Tekeli.