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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 13 (1865), ab Seite: 477. (Quelle)
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Lämmel, Simon Edler von (Industrieller, geb. zu Tuschkau einem Städtchen bei Pilsen in Böhmen, 28. August 1766, gest. zu Wien 18. April 1845). Der älteste Sohn wohlhabender israelitischer Eltern, der früh einen unternehmenden kaufmännischen Sinn an den Tag legte. Im Jahre 1787, erst 21 Jahre alt, aber bereits selbstständig erklärt, übersiedelte er, nachdem er sich noch verheirathet, nach Prag, wo er ein Großhandlungsgeschäft begründete, welches noch unter seinem Sohne Leopold blüht. Durch Umsicht, einen ungewöhnlichen Unternehmungsgeist und mit Scharfsinn verbundenen raschen Ueberblick verwickelter Verhältnisse, war es ihm gelungen, seine Firma zu einer der geachtetsten und bekanntesten in der Monarchie zu erheben. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf den Handel mit Schafwolle, und gab so der Erste den Anstoß zur Hebung der Schafzucht in Böhmen und dadurch zur Wollveredlung; ertheilte den größten Heerdenbesitzern des Landes nach dieser Seite hin treffliche Rathschläge, deren Befolgung von den nützlichsten und besten Ergebnissen begleitet waren. Durch die Cultur dieses für Böhmens Industrie und Handel so wichtigen Rohproductes wurde er auch auf eine verbesserte technische Anwendung desselben geleitet, dabei bewies er ein wahrhaft humanistisches Vorgehen, indem er die ärmere Classe der Tuchmacher sehr wirksam unterstützte und Alles that, um sie auch in bedrängten Zeiten aufrecht, erwerbsam und nahrungsfähig zu erhalten. Ist schon diese eine Seite seiner Thätigkeit so geartet, daß sie ihm in einer Geschichte der österreichischen Industrie eine ehrenvolle Stelle sichert, so bildet sein Verhalten in den Kriegsjahren, in welchem er Muth und patriotische Gesinnung an den Tag legte, ein gleichfalls bleibender Erinnerung würdiges Moment. L.’s Wirksamkeit und kaufmännische Thätigkeit fällt zum großen Theile in die Zeit der französischen Kriege, in denen es von Seite des Feindes an Gewaltthaten, Erpressungen, Brandschatzungen und Beraubungen aller Art nicht fehlte. In dieser Zeit nun war es L., der zu verschiedenen Malen wichtige und nützliche Dienste leistete. Herausgeber dieses Lexikons bemerkt hier, daß er nicht etwa nach Familientraditionen, sondern nach amtlichen Acten arbeite und auch nur das Wichtigste in Umrissen berühre. So hatte L. im Jahre 1801 alle in Oberösterreich vom Feinde genommenen Aerarialeffecten, als Tabak, Salz, Schafwolle, ferner alle ärarischen Donauschiffe, im Gesammtwerthe mehrerer Millionen, durch simulirten Kauf um einen äußerst niederen Preis an sich gebracht und um denselben wieder dem Aerar zurückgegeben. Das Geschäft an und für sich war gefährlich, weil der Feind endlich das Verhältniß durchblicken, oder ihm doch dasselbe verrathen werden konnte; so wurde ihm denn auch einmal von den Franzosen das Eigenthum der angekauften ärarischen Schiffe bestritten, er sogar, falls er sie betreten sollte, mit dem Erschießen bedroht. L. jedoch hat durch muthvolles Benehmen sein Eigenthumsrecht geltend zu machen verstanden. Im [478] Jahre 1805 hat er mit einem zweiten Geschäftsfreunde im Verein von den Franzosen viele Artillerieeffecten im Schätzungswerthe von 3,183.097 fl. um den dritten Theil des Werthes, um 1,041.970 fl. für Rechnung des Aerars eingelöst. Als im Jahre 1809 die großen Contributionszahlungen an das französische Gouvernement stattfanden, hat L., um den Abzug der feindlichen Truppen aus Wien zu beschleunigen, zu wiederholten Malen große Summen, einmal auch dem Prager Münzamte zur dringenden Deckung einer Finanzanweisung 30.000 fl. in Barem unverweilt vorgestreckt. Hat nun L. bei allen diesen Gelegenheiten auch nichts verloren, sondern gewiß manchen Vortheil, wie es sich denn doch von selbst versteht, errungen, so waren es immerhin höchst gefährliche Geschäfte, zu deren Ausführung edlere als bloß kaufmännische Motive drängen müssen, und in der That wurden ihm auch in Anerkennung seines reellen Gebarens viele Belobungen und anerkennende Decrete von Seite der kais. Behörden, wie von Seite des Generalissimus Erzherzog Karl zu Theil. Se. Majestät der Kaiser verliehen ihm im Jahre 1812 den erbländischen Adelstand, die – freilich in der Gegenwart gleichgiltige – immerwährende Toleranz für sich und seine Kinder, rücksichtlich des Aufenthaltes in Wien und das Großhandlungsbefugniß daselbst. Gegenüber seiner Glaubensgemeinde war er in jenen Tagen, als noch schwerer Druck auf derselben lastete, und es nur dem Einzelnen, wie z. B. eben ihm gelang, sich durch Verdienste und patriotische Handlungen demselben zu entringen, stets bedacht. Alles, was in seinen Kräften stand, zur Erleichterung ihres Looses zu thun. So erlangte er denn auch im Jahre 1817 einen Nachlaß der böhmischen Judensteuer im Betrage von 72.000 fl. C. M. und die kaiserliche Versicherung, daß diese Steuer mit der Zeit gänzlich aufhören soll, was auch unter Kaiser Ferdinand in Erfüllung ging. Bei diesen Bestrebungen hatte er eben nur seine Glaubensbrüder und nicht etwa sich selbst im Auge; denn er zahlte, obgleich er das Großhandelsbefugniß für Wien besaß und 26 Jahre in Wien ansäßig war, der einzige unter allen dahin übersiedelten Israeliten, die böhmische Judensteuer fort. Auch war er für die sittliche Hebung seiner Glaubensbrüder bedacht; orthodoxen Vorurtheilen fremd, wirkte er ernstlich mit zur Einführung des reorganisirten Gottesdienstes bei der Wiener Gemeinde. In der Kaufmannswelt stand er wegen seiner Rechtlichkeit und gewissenhaften Erfüllung seiner Verbindlichkeiten, selbst in schweren Perioden, wie im Jahre 1826, in welchen er von großen Verlusten getroffen wurde, in großer Achtung. Von seinen Kindern haben sein Sohn Leopold [s. d. S. 475] und zwei Töchter, Franziska vermälte Edle von Salemsfeld [siehe die Quellen] und Elise vermälte Herz [s. d. Bd. VIII, S. 405], den humanen Sinn ihres Vaters durch eigene Handlungen bethätigt.

Leroux (B.), M. H. S. de Laemel (sic) banquier israelite mort à Vienne (Paris 1846, 8°.). Auszug aus dem „Nécrologe universel du XIX siècle“. – Adelstands-Diplom vom 7. Jänner 1812. – (Gräffer) Jüdischer Plutarch (Wien 1848, 8°.) Bd. I, S. 118. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Bernh. Friedr. Voigt, 8°.) XXIII. Jahrgang (1845), S. 286. – Porträt. Das Bildniß Lämmel’s befindet sich in der von seiner Tochter Elise verwitweten Herz [s. d. Bd. VIII, S. 405] gestifteten Kinderbewahr-Anstalt zu Jerusalem.