BLKÖ:Karácson, Michael

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Karacsay
Nächster>>>
Karácsonyi
Band: 10 (1863), ab Seite: 455. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Michael Karácson in Wikidata
GND-Eintrag: 101297950, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Karácson, Michael|10|455|}}

Karácson, Michael (Director der Pesther Gewerbeschule, geb. zu Darno im Pesther Comitate 1800). Einer adeligen aber armen Familie entstammend, beendete er die Mittelschulen zu Ungarisch-Altenburg und trat 1815 in den Orden der frommen Schulen, in welchem er schon im folgenden Jahre, kaum 16 Jahre alt, im Lehramte verwendet wurde. Frühzeitig auf literarischem Gebiete thätig, lenkten seine in der „Nemzeti Ujság“, d. i. Nationalzeitung, veröffentlichten Aufsätze und Gedichte die Aufmerksamkeit Stephan Kulcsár’s auf den Jüngling. Nur wenige Jahre blieb K. im Orden, schon 1819 trat er aus demselben und begab sich nach Pesth, wo er Philosophie und die Rechte beendete und zugleich literarisch thätig war. Nach beendetem Rechtsstudium erwarb er die juridische Doctorwürde und eben im Begriffe die Advocatenpraxis anzutreten, nahm er 1825 eine Erzieherstelle im Hause des Grafen Szécsen an und versah dieselbe bis zum Jahre 1836. In dieser Stellung arbeitete er vornehmlich daran, dem ganzen Erziehungswesen in Ungarn eine nationale Richtung zu geben. Zur Realisirung seiner Pläne diente ihm wesentlich seine Stellung als Abgeordneten-Stellvertreter, in welcher Eigenschaft er die Aufmerksamkeit der Stände auf dieses Moment richtete und vor Allem es als einen großen Uebelstand beklagte, daß ungeachtet der darüber bestehenden Anordnungen, die ungarische Sprache an mehreren Unterrichtsanstalten gar nicht als obligater Gegenstand gelehrt werde; worauf der Landtag sogleich die nöthigen Verfügungen traf, um der Landessprache ihr unverkümmertes Recht zu wahren. Auch bestanden zu jener Zeit in Ungarn noch keine Realschulen; nur die gewöhnlichen Facultätswissenschaften wurden gelehrt und für eine technisch-industrielle Ausbildung des Volkes waren weder Anstalten noch Lehrer vorhanden, während sich die Nothwendigkeit derselben bei dem ungeheuren Productenreichthume Ungarns immer dringender herausstellte. Da jedoch von keiner Seite etwas dafür geschah, faßte K. selbst den Entschluß, eine Gewerbsschule zu Pesth in’s Leben zu rufen. Der schöpferische Geist war nun wohl wieder da, aber die materiellen Mittel fehlten und Niemand fand sich bereit, die erforderlichen Summen vorzustrecken. Wieder sollte der Landtag Helfer in der Noth werden. K. entwarf den ganzen Plan seiner Gewerbeschulen und theilte denselben auf dem Landtage dem Grafen Stephan Széchényi mit. Der Palatin Erzherzog Joseph, als ihm der Gegenstand vorgelegt wurde, faßte großes Interesse für die Sache, deren Zweckmäßigkeit und Nutzen in die Augen sprangen, und der Landtag votirte die ansehnliche Summe von 200.000 fl. zu diesem Zwecke. Als im Jahre 1839 im Schoße [456] der Statthalterei eine besondere Unterrichtscommission geschaffen wurde, ernannte man K. zum Präsidenten derselben, und nun entfaltete er eine energische Thätigkeit, entwarf einen neuen Unterrichtsplan, stellte den Organismus der zu schaffenden Gewerbeschule fest, führte die Reformen im philosophischen und Rechtsstudium durch, welchem zufolge mehrere Gegenstände in der ungarischen Sprache gelehrt wurden u. dgl. m. Als endlich der Moment der Eröffnung der neuen Gewerbeschule herannahte, wurde er noch mit der Instandsetzung der neuen Anstalt betraut, zu ihrem Director ernannt un ihre Eröffnung am 12. November 1846, als dem Tage der 50jährigen Feier der Ernennung des Erzherzogs zum Palatin festlich begangen. Die Gewerbeschule war bei ihrer ursprünglichen Organisirung, mit dem Hinblicke auf ein aus ihr allmälig hervorgehendes polytechnisches Institut, eingerichtet, und sowohl bei dem Bau auf einen für letzteren Zweck nöthig werdenden größeren Flächenraum, wie betreffs der dann zu erweiternden inneren Einrichtung auf größere Geldmittel Bedacht genommen worden. Unter der Leitung K.’s nahm nun die Anstalt einen raschen Aufschwung und K. war eben daran, seine weiteren Pläne zur Verwirklichung in Antrag zu bringen, als die Wirren des Jahres 1848 nicht nur diese gänzlich vereitelten, sondern die noch junge Anstalt selbst empfindlich trafen. K. wurde zu Ende 1849 seiner bisherigen Directorstelle enthoben und zum Präsidenten des Richterstuhls im Pesther Comitate ernannt, worauf ihm später provisorisch das Präsidium des Criminalgerichts zugewiesen wurde.

Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1852, Gust. Heckenast, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 583.