BLKÖ:Juin, Karl

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 312. (Quelle)
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Juin, Karl (dramatischer Volksdichter, geb. zu Wien 2. März 1818). Sein eigentlicher Name ist Giugno, als Possendichter ist er aber nur unter dem Pseudonym Juin aufgetreten. Sein Vater war Rauchfangkehrermeister. Der Sohn besuchte das Wiener akademische Gymnasium, lernte nebstbei moderne Sprachen und nahm, da er Talent für Musik zeigte, Unterricht im Clavierspielen und in der Compositionslehre. Nun erlernte er auch die Profession seines Vaters, und wurde 1839 Bürger und Meister in Wien. Da J. ein ganz gefälliges Compositionstalent besaß, schrieb er mehr als 100 Tanzpiecen für das Schröder’sche Orchester in Wien, wovon die meisten beifällig aufgenommen aber nie als seine Compositionen gegeben wurden. Durch seinen Meister in der Compositionslehre, den Komiker des alten Leopoldstädter Theaters, Andreas Scutta, wurde J. angeregt, sich im Dramatischen zu versuchen. Sein Erstlingswerk wurde unbedingt angenommen und zu Scutta’s Benefice, welcher die Musik dazu schrieb, am 18. Jänner 1842 unter Director Carl im alten Leopoldstädter Theater ohne Nennung des Autors aufgeführt. Die Posse hieß: „Das Glück verläßt die Seinen nie“ und fand eine so beifällige [313] Aufnahme, daß Regisseur Lang der Aufforderung des Publikums zu Folge den Namen des Verfassers kund geben mußte. Durch diesen Erfolg aufgemuntert, schrieb er die Posse: „Der Fiaker“, in welcher Scutta so gefiel, daß er mit diesem Stücke fast an allen österr. Volksbühnen gastirte. Weniger Glück hatte er mit den zwei folgenden Possen: „Die Musikantenbraut“ und „Nur nobel“, welche bald vom Repertoire verschwanden und wie es schien, ihm die Freude an weiterem Schaffen verleideten; erst eine wiederholte Aufforderung des Directors Carl im Jahre 1851 konnte ihn bestimmen, nach mehrjähriger Pause abermals zur Feder zu greifen. Er schrieb den Gelegenheitsschwank: „Die Sonnenfinsterniß“, welcher am 25. Juli 1851 im Carl-Theater aufgeführt ward und gefiel. Seit jener Zeit schrieb er theils allein, theils unter Mitarbeitung der Herren Flerx, J. P. Reinhard, Karl Haffner u. s. w. eine Menge Originalstücke und Bearbeitungen nach fremden Stoffen; welche letztere immer den hiesigen, namentlich Wiener Zuständen angepaßt wurden. Viele seiner Possen wurden Cassa- und Repertoirstücke nicht nur in Wien, sondern auch in den Provinzen der österreichischen Monarchie, in den deutschen Bundesstaaten und auch in Amerika. Das Charaktergemälde: „Das Gebet der Mutter“, wurde sogar zuerst in New-York und zwar mit großartiger Ausstattung in die Scene gesetzt. Viele seiner dramatischen Arbeiten sind in das Böhmische, Polnische, Ungarische und Serbische übertragen. Die mit einem * bezeichneten Stücke, welche alle unten mit Angabe der Bühne und der Zeit ihrer ersten Aufführung folgen, sind theils Cassastücke geworden, oder haben sich dauernd auf dem Repertoir erhalten, die mit zwei ** bezeichneten Stücke sind gedruckt (im Verlage der Wallishausser’schen Buchhandlung) erschienen.

Dramatische Arbeiten des Karl Juin. In chronologischer Folge ihrer Aufführung. 1842: „Das Glück verläßt die Seinen nie“, Posse in 3 Acten (zum ersten Male im alten Leopoldstädter Theater 18. Jänner). – *„Der Fiaker“, Posse in 2 Acten (ebd. 23. Nov.). 1843: „Die Musikantenbraut“, Posse in 3 Acten (ebd.). 1846: „Nur nobel“, Posse in 2 Acten (im Josephstädter Theater). 1851: *„Die Sonnenfinsterniß“, Posse in 2 Acten (im Carl-Theater). – „Der Dorfschulmeister oder eiserne Grundsätze“, Posse in 3 Acten (im Josephstädter Theater). – **„Ein Florentiner Strohhut“, Posse in 3 Acten (im Carl-Theater). 1852: „Buch III, Capitel I“, Lustspiel in 1 Acte (ebd.). – **„Servus Herr Stutzerl“, Posse in 1 Acte (ebd.). – *„Faschingsstücke oder tolle Streiche“, Posse in 2 Acten (ebd.). – „Ein Vagabund“, Charakterbild in 5 Acten (zu Berlin im Königsstädter Theater). – *„Des Teufels Zopf“, Posse in 3 Acten (im Carl-Theater). – **„Die Bürgermeisterwahl in Krähwinkel“, Posse in 1 Acte (ebd.). 1853: „Ein Roman in Wien oder Tandler und Marquis“ Charakterbild in 4 Acten (ebd. 11. Juni). – „Die verwandelten Weiber“, Posse in 2 Acten (im Josephstädter Theater 15. Juni). – **„Der alte Corporal“, Charakterb. in 5 Acten (ebd. 30. August). – *„Ein Stillleben auf dem Lande“, Posse in 1 Acte (ebd. 21. September). – *„Satan oder die Höllen von Paris“, Charakterb. in 5 Acten (ebd. 29. October). – **„Die Ehre des Hauses“, Schausp. in 5 Acten (im St. Petersburger Hoftheater 10. November). – „Sich in eigener Schlinge fangen“, Lustsp. in 1 Acte (im Carl-Theater 5. December). – „Die falsche Camara“, Gelegenheitsposse in 2 Acten (im Josephstädter Theater 7. Dec.). – *„E. S. S. oder Die Ausstaffirung“, Posse in 1 Acte (im Theater an der Wien 17. December). – „Eine ledige Frau“, Lustsp. in 1 Acte (in Oedenburg 19. December). 1854: „Das Mädchen aus der Waldschenke“, Posse in 3 Acten (im Josephstädter Theater 4. März). – „Ein lediger Ehemann“, Posse in 3 Acten (im Carl-Theater 10. März). – **„Ein Fuchs“, Posse in 3 Acten (ebd. 18. März). – „Der Stern des Nordens“, Schausp. in 3 Acten (im Münchener Volkstheater von Schweiger 19. Mai). – *„Die Rache der Mulattin“, Charakterb. in 4 Acten (im Josephstädter Theater 11. Juni). – „Herr [314] Ochs“, Posse in 1 Acte (im Carl-Theater 31. December). – „Fensterabenteuer“, Posse in 1 Acte (ebd. 31. December). 1855: „Schwert und Pinsel“, Gelegenheitslustsp. in 2 Acten (im Theater an der Wien 22. Februar). – *„Der Zauberteppich“, Märchen in 3 Acten (im Carl-Theater 24. Februar). – „Das Höllenroß“, Märchen in 3 Acten (im Theater an der Wien 23. Mai). – „Raps und Taps“, Posse in 1 Acte (im Carltheater 6. Juni). – „Der dämonische Stiefel“, Posse in 1 Acte (ebd. 10. Juni). – „Eine kecke Idee“, Lustsp. in 1 Acte (in Kroll’s Theater in Berlin 6. Juli). – *„Gut bürgerlich oder ein Wiener Bürger“, Lustspiel in 3 Acten (im Carl-Theater 17. November). 1856: „Wenzel Scholz und die chinesische Prinzessin“, Gelegenheitsposse in 1 Acte (ebd. 29. März). – „Mordgeschichten“, Posse in 1 Acte (ebd. 4. Mai). – *„Wien!“ Blätter der Geschichte in 9 Bildern (im Thalia-Theater in Wien 16. Mai). – „Nur vorsichtig“, Lustspiel in 1 Acte (im Wallner-Theater in Berlin 31. Mai). – *„Der Spion der großen Welt“, Schauspiel in 5 Acten (ebd. 8. Juni). – „Austoben!“ Posse in 1 Acte (im Carl-Theater 14. Juni). – „Zu viel des Guten“, Posse in 1 Acte (im Wallner-Theater in Berlin 5. Juli). – *„Verhaßt“, Posse in 3 Aufzügen (im Josephstädter Theater 26. Juli). – „Der Riederberg“, Schausp. in 3 Aufz. (ebd. 9. August). – „Die steyrischen Engländer“, Posse in 2 Aufz. (ebd. 6. October). – *„Gastrollen oder der Arzt einer Primadonna“, Lustsp. in 1 Aufz. (ebd. 23. Oct.). – „Sechs Heirathen“, Posse in 1 Aufz. (ebd. 23. October). – „Das Gebet der Mutter“, Drama in 5 Aufz. (in New-York 22. November). – „Der Frack und der Stiefel“, „William Palmer“, Intermezzo’s (in Pesth 1. December). 1857: *„Das Vorhängschloß“, Posse in 1 Aufz. (im Carl-Theater 13. April). – *„Der 13. Juni 1857, der Weltuntergang“, Gelegenheitsposse in 2 Aufz. (im Thalia-Theater in Wien am 28. Mai). – „Der Riese und der daumenlange Hansel“, Zauberspiel in 2 Aufz. (ebd. 25. Juli). – „Die Nebelbrüder“, Drama in 5 Aufz. (im Carl-Theater 4. December). 1858: „Ein toller Tag oder Noch ein Wiener Dienstbote“, Posse in 3 Aufz. (im Theater an der Wien 9. Juni). – *„Anna, Nina, Nani, Netterl“, Gelegenheitsposse in 2 Aufz. (im Carl-Theater 26. Juli). – *„Edelmann und Bettelmann“, Charakterbild in 3 Aufz. (im Thalia-Theater in Wien 27. August). – „Die Tigerin“, Vaudeville, in 2 Aufz. (im Carl-Theater 11. November). 1859: „Versorgt“, Lustspiel in 1 Aufz. (im Josephstädter Theater 26. März). – „Othellerl“, Parodie in 1 Aufz. (im Carl-Theater 4. April). – „Der musikalische Hausmeister“, Posse in 1 Aufz. (ebd. 30. April). – „Der Marktschreiber“, Posse in 1 Aufz. (ebd. 3. December). 1860: **„Der Roman eines armen jungen Mannes“. Charakterbild in 5 Aufz. (im Stadttheater in Hamburg 4. Juli). – „Der Organist“. Liederspiel in 1 Aufz. (in Preßburg 24. September). – „Er will heirathen“, Lustspiel in 1 Aufz. (im Josephstädter Theater 16. October). – „Eine Geschichte aus zwei Städten“, Schausp. in 5 Aufz. (ebd. 28. Oct.). – „Der Magnetiseur“, Intermezzo (in Varry’s Lieder-Spielhalle 1. November). 1861: „Der Rutschpeter“, Lustspiel in 1 Aufz. (in Preßburg 13. März). – *„Unsere Frau“, Posse in 1 Aufz. (im Carl-Theater 6. April). – „Eine kleine Lection“, Lustspiel in 1 Aufz. (ebd. 28. Sept.). – „Kein Platz im Gasthofe“, Operette in 1 Aufz. (ebd. 2. Dec.). 1862: „Ein Faschingsjux oder flott“, Posse in 3 Aufzügen (ebd. 18. Jänner). – „Ein ganzes Haus voll Netterln“, Posse in 1 Aufz. (Singspielhalle von Fürst in Wien 26. Juli). 1863: „Freundschaftsdienste“, Posse in 1 Aufz. (im Carl-Theater 9. Jänner). – „Die Wiener in London“, Gelegenheitsposse in 2 Bildern (ebd. 5. Februar).