BLKÖ:Cobenzl, Johann Karl Philipp

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Clusolo, Adam von
Band: 2 (1857), ab Seite: 389. (Quelle)
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Johann Karl Philipp Graf Cobenzl in der Wikipedia
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Cobenzl auch Cobentzl, Johann Karl Philipp (Staatsmann und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Laibach 21. Juli 1712, gest. zu Brüssel 20. Jänner 1770). Betrat jung die diplomatische Laufbahn und bekleidete zur Zeit als die große Maria Theresia gegen ihre Feinde, von denen sie umgeben war, die Völker Oesterreichs aufrief, die wichtigsten Gesandtschaftsposten. C. erhielt als besonderes Zeichen des Vertrauens in der Stellung eines bevollmächtigten Ministers die Leitung der Verwaltung in den österr. Niederlanden (1753), welche unter den Befehlen des Prinzen Karl von Lothringen standen. C. war ein feiner Weltmann, der seine Zeit zwischen den Geschäften u. Vergnügungen theilte. Er arbeitete mit seltener Leichtigkeit und seine Gerechtigkeit war fast sprichwörtlich. Die Liebenswürdigkeit seines Benehmens war kein kleiner Hebel in Förderung der Staatsgeschäfte, namentlich in einem Lande, in welchem seit einem Jahrhunderte mit jedem Tage mehr die Hilfsmittel versiegten und die drei Hauptzweige der bürgerlichen Wohlfahrt: Ackerbau, Handel und Gewerbe stockten. Der neue Minister brachte in Alles neues Leben; was Colbert einst für Frankreich war, wurde C. in den Niederlanden. Die zweckmäßigsten Einrichtungen wurden mit jedem Tage getroffen. Uebelstände, welche entsprangen, da die religiösen Genossenschaften sich durch neue Erwerbungen mit jedem Tage bereicherten, beseitigte er mit einem Male durch Verbot neuer Käufe. Die Klöster, um nur ihre Capitalien nicht todt liegen zu lassen, benützten dieselben zur Herstellung ihrer Kirchen und Convente, und nahmen Künstler in Sold, welche die Kirchen mit ihren Kunstwerken schmückten. Die reichsten Abteien wurden verpflichtet, den Töchtern mittelloser Officiere Pensionen zu geben. C. war ein großer Gönner und Mäcen der Wissenschaften und Künste, er stiftete die Akademie der Wissenschaften zu Brüssel und eine unentgeltliche Zeichnungsschule ebendaselbst. Er hatte eine reiche Bibliothek kostbarer seltener Werke aus allen Wissenschaftsfächern gesammelt und als Montesquieu’s „l’esprit des lois“ erschien, begrüßte er das Werk mit den schmeichelhaftesten Worten. Montesquieu schreibt auch in seinem Briefe an Abbé de Guasco vom 26. Dec. 1753 über Cobenzl: „Quand il y aura des ministres comme lui, on pourra espérer que le goût des lettres se ranimera dans les États d’Autriche“. Die Munificenz des Grafen hatte seine Vermögensverhältnisse derart zerrüttet, daß Maria Theresia seine Schulden 2mal bezahlen und Karl von Lothringen seiner Witwe Maria Therese [390] geborne Gräfin Palfy, welche ihm 10 Söhne, darunter Joh. Ludwig Joseph (siehe den Folgenden) geboren hatte, huldvollst eine Unterstützung von Seite des Staates bieten mußte.

Es kommt auch oft die Schreibart Cobentzl, Cubencel, Cubencl vor und Baron Reiffenberg in seinem „Annuaire de l’Academie de Bruxelles“ 1835, S. 8 behauptet, Cobentzl sei die richtige Schreibart. Doch schrieben die drei Grafen selbst sich nur Cobenzl. – Reiffenberg (Frédéric August Ferdinand Thom. de), Le comte C. de Cobentzl (Brüssel 1835, 12°.). – Morelli di Schönfeld (Carlo), Istoria della Contea di Gorizia (Gorizia 1855, Paternolli, 8°.) III. Bd. S. 282 [nach diesem geboren zu Wien am 22. Juli 1712, gest. zu Brüssel 27. Jänner 1769]. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de Mr. le Dr. Hoffer (Paris 1853) IX. Bd. Sp. 936. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822 u. f., Gleditsch, 4°.) I. Sect. 18. Bd. S. 111 [nach diesem gestorben 27. Jänner 1770]. – Nach Oettinger ist C. den 2. Juli 1812 geb. – Medaille. Als Franz I. den Grafen zum Ritter des goldenen Vließes schlug, ließen die Stände von Brabant auf ihn eine Medaille prägen. Die Kopfseite zeigt Cobenzls Porträt mit der Aufschrift: Carolus C. Cobenzl Aug. In Belg. Administ. Die Reversseite zeigt ein aufgeschlagenes Buch, auf dessen Seiten die Worte stehen: Statuta Ordinis. Oberhalb steht: Gratitudo. Augustorum. Unterhalb: Ex. Decr. S. P. Q. B. 1759.