Aus der Schlacht bei Sedan

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Titel: Aus der Schlacht bei Sedan
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 687–688
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1870) b 685.jpg

Das 105. Regiment im Hohlweg vor Daigny, bei Sedan.
Nach der Natur aufgenommen von unserem Specialartisten F. W. Heine.

[687] Aus der Schlacht bei Sedan. Der Maler des heutigen Bildes berichtet uns über den von ihm dargestellten Sturm der Sachsen auf das Dorf Daigny Folgendes: „Aus dem Briefe des Königs Wilhelm an die Königin Augusta sind Sie unterrichtet, daß das zwölfte (königlich sächsische) Armeecorps am 1. September früh seine Stellung den stattlichen Dörfern Daigny und Moncelle gegenüber genommen hatte, hinter denen die Hauptmacht Mac Mahon’s, welche die Festung Sedan im Rücken hatte, aufgestellt war. Wenn jener Brief ganz besonders hindeutet auf ‚die sehr tief eingeschnittenen Schluchten mit Wäldern, welche das Vordringen der Infanterie erschwerten und die Vertheidigung begünstigten‘, so bekam ich von dieser Terrain- und Vertheidigungsweise das überzeugendste Beispiel vor Augen.

Zur Erstürmung des Hohlwegs, hinter welchem wir Thurm und Häuser von Daigny hervorragen sehen, war das Regiment Nr. 105 befehligt, dessen fünfte Compagnie dabei besonders stark im Feuer war. In nächster Nähe desselben kämpften die Regimenter Nr. 103 und 104. Im Hintergrunde unseres Bildes zur Rechten sehen wir Mannschaft vom 13. Jägerbataillon über die Felder herbei eilen. Den Unseren gegenüber standen hauptsächlich Zuaven. Um sich gegen den unaufhörlichen Kugelregen derselben zu decken, suchten auch die Unsrigen Deckung, wo und wie sie dieselbe eben finden konnten, Baum, Fels, Graben, Wagen- und Geschütztrümmer, Alles mußte dazu herhalten. Den Jägern kam ein Winzerhäuschen am Berge zu statten. Hier und in der nächsten Nähe mußten sie, wie die Infanterie, in der Hohlgasse des Vordergrundes über zwei Stunden lang Stand halten, weil sie noch nicht stark genug waren, um einen Angriff auf das Dorf selbst wagen zu können.

An diesem Winzerhäuschen fiel der Hauptmann v. Welck vom 13. Jägerbataillon; und als der Premierlieutenant v. Schönberg die Meldung davon an den Major v. Golz bringen wollte, streckte auch ihn ein Schuß durch die Schläfe todt zu Boden. Beide liegen auf dem Kirchhofe zu Daigny begraben; von diesem Grabe sächsischer Helden in fremder Erde nahm ich eine Zeichnung auf.

Im Hohlweg stieß man auf einige von unsern Granaten in Brand geschossene Munitionswagen von der berühmten Kugelspritze; todte und verwundete Pferde lagen auf und neben verwundeten und todten Soldaten, und über all’ die Leichen und Trümmer drangen die Hundertfünfer hinüber zu immer neuen Angriffen auf den Feind. Nachdem sie ihn endlich aus dem Dorfe vertrieben hatten, nahm derselbe von Neuem feste Stellung auf den gegenüberliegenden Höhen ein; der Tapferkeit des Regiments Nr. 101 mußte er auch hier weichen. In diesem Gefecht fielen die Hauptleute v. Mengersen und v. Berlepsch, Secondelieutenant v. Altrock und Vicefeldwebel Battmann. Auch ihr gemeinsames Grab in Daigny nahm ich zum Andenken im Bilde mit.

[688] Gegen halb sechs kam auch ich in das eroberte Dorf, aber offenbar noch zu früh für einen friedlichen Künstler, denn plötzlich sausten unzählige Flintenkugeln mir über dem Kopfe weg; doch dauerte diese Ueberraschung nicht lange, auch die Nachzügler räumten den Ort und uns war endlich verstattet, des gewissen Sieges uns zu freuen. Die dreizehner Jäger hatten außer vielem Kriegsmaterial und Munition auch eine Mitrailleuse erbeutet, die nun einmal noch immer zu den geschätztesten Beutestücken dieses Kriegs gehören. Groß war der Sieg, aber der Verlust an deutschen Menschenleben ist nicht kleiner und dämpft die Freude, so oft man daran denkt. Nächstens mehr.“[1]


  1. Unser Künstler, Herr F. W. Heine aus Leipzig, hat, durch besondere Verhältnisse dazu bewogen, fast allen Schlachten und Gefechten des königl. sächsischen (zwölften) Armeecorps beigewohnt und war deshalb in der Lage uns mit eigenen Augen Gesehenes bildlich mitzutheilen. Das vorliegende Bild zeigt auch dem Laien, daß er hier keine zu Hause gemachte Waare, sondern die Wahrheit des Erlebten vor sich hat.