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Titel: Aus den Trauertagen in Potsdam.
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aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 451
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[451] Aus den Trauertagen in Potsdam. (Mit Illustrationen S. 444 und 445 und S. 448.) Ohne Prunk sollte noch dem eigenen Wunsch weiland Kaiser Friedrichs, des hohen Dulders, dessen Bestattung erfolgen, und wenn auch dem letzten Willen des verewigten Monarchen, so weit es möglich war, Rechnung getragen wurde, gestaltete sich doch die Trauerfeier zu einer unvergeßlichen, die Herzen im Tiefinnersten ergreifenden.

Schon Sonnabend, den 16. Juni, wurde die Leiche Kaiser Friedrichs in der Jaspisgalerie des Schlosses Friedrichskron auf dem Paradebett aufgebahrt und Tausende wallfahrteten dorthin, um den hohen Verblichenen zum letzten Male zu sehen.

Die gelben Wände des weiten Saales waren mit schwarzem Tuch ausgeschlagen, die Fenster verhängt. Die eine Wand wurde durch schwarze Draperien in einen Altar umgewandelt, über dem ein einfaches Christusbild hing. Vor den Stufen dieses Altars stand der offene Sarg. Das Haupt Kaiser Friedrichs ruhte unbedeckt auf einem weißen Atlaskissen. Die Gestalt war in den Militärmantel gehüllt; Orden schmückten die Brust, und weiter unten lag über der Leiche die purpurne Königsstandarte ausgebreitet. Zwei große Kandelaber und Kronleuchter, die vom Plafond herabhingen, warfen ein mattes Licht auf den todten Kaiser und die stumme Todtenwacht. An diesem ergreifenden Bilde zogen in stiller Andacht zahllose Leidtragende vorüber: hohe Beamte, ergraute Waffengefährten Friedrichs, trauernde Frauen – Tausende aus dem Volke, welches den volkstümlichen Kaiser so sehr geliebt.

Montag den 18. Juni standen schon am frühen Morgen ungezählte Volksmassen längs der Trauerstraße, die von Friedrichskron nach der Friedenskirche führte. Sie harrten auf den kaiserlichen Sarg und den glänzenden Trauerkondukt, welcher ihm das letzte Geleit geben sollte.

Unsere Illustration S. 444 u. 445 giebt den Augenblick wieder, in welchem der mit rothem Sammet ausgeschlagene, mit dem Ritterhelme geschmückte Sarg durch die große Flügelthür des Muschelsaales und über die Schloßterrasse nach dem Leichenwagen getragen wird.

Minister mit den Reichs- und Kroninsignien schreiten dem Sarg voran; Unteroffiziere tragen, Offiziere geleiten ihn; das Reichspanier folgt ihm nach.

In diesem Augenblicke salutirte die deutsche Armee, deren Deputationen im Schloßhofe und längs der Trauerstraße versammelt waren, ihren heimgegangenen obersten Kriegsherrn; die Truppen präsentirten; die Fahnen senkten sich; gedämpfter Trommelwirbel erscholl und sämmtliche Musikcorps fielen mit; „Jesus meine Zuversicht“ ein.

Das Gewölk, welches bis jetzt den Himmel bedeckte, zertheilte sich; lichte Sonnenstrahlen fielen auf den Trauerzug, der unter den Klängen der Trauermusik nach der Friedenskirche schritt. Die Sonne verklärte den letzten Weg Kaiser Friedrichs.