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Aus dem Gedenkbuche der Gartenlaube (Die Gartenlaube 1860/18)

Textdaten
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Autor: V. Z.
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Titel: Aus dem Gedenkbuche der Gartenlaube (Die Gartenlaube 1860/18)
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 273
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Aus dem Gedenkbuche der Gartenlaube.

Wir streben nach Volksbildung! – Wer hat vor hundert Jahren, wo die Bildung noch ein Fremdling im deutschen Volke war, mit tieferm Blick und schärferm Urtheil den Werth der Wissenschaft höher geschätzt und den verdumpfenden Einfluß orthodoxer Weltanschauung entschiedener von sich abgewiesen, als der große König Friedrich II.? Seine unsterblichen Worte hierüber lauten wie folgt:

„Es finden sich falsche Staatsmänner, die in ihren beschränkten Begriffen, ohne in die Sache tiefer einzugehen, geglaubt haben, es sei leichter, ein unwissendes und dummes Volk, als eine gebildete Nation zu regieren. Das heißt aber wirklich stark schließen, da die Erfahrung lehrt, daß, je dümmer das Volk ist, es desto eigensinniger und hartnäckiger sei und die Schwierigkeit, dessen Eigensinn zu besiegen, weit größer als die, ein um Vernunft anzunehmen hinlänglich gebildetes Volk von einer gerechten Sache zu überzeugen!“

Wir kämpfen noch immer gegen das Vorurtheil, das den Fürsten eine übermenschliche und übernatürliche Macht andichten will, vor der die Rechte des Volkes zurückstehen müssen! – Friedrich der Große aber sprach es schon vor hundert Jahren aus: „Ein Fürst ist der erste Diener und der oberste Beamte des Staates!“

Wir suchen immer noch nach künstlichen Lösungen, um Verfassung und Landesvertretung ihre richtige Stellung im Staatsleben zu verschaffen. – Der große König aber hat vor hundert Jahren hierüber bereits das Tiefste und Wahrste in folgendcn Worten niedergelegt: „Mir scheint, daß, wenn eine Verfassung heut zu Tage als Muster der Weisheit gelten sollte, es die englische wäre. – Da ist das Parlament Schiedsrichter zwischen Volk und König; und dieser (der König) hat alle Macht Gutes, aber gar keine Böses zu thun!“

Wir streben nach Gleichheit der Rechte, nach Abschaffung der Geburts-Privilegien und nach alleiniger Geltung der geistigen Begabung! – Friedrich der Große ging uns auch mit diesem Streben voran. Er sagt hierüber: „Die Justiz, das Finanzwesen, die Politik, der Kriegerstand sind Zierden einer hohen Geburt; aber im Staate wäre Alles verloren, wenn die Geburt mehr gälte als Verdienste. Eine Regierung, die einen so irrigen, abgeschmackten Grundsatz befolgte, würde die traurigsten Folgen davon empfinden!“

Wir haben noch immer viel zu schreiben und zu lehren, um die Achtung des einen Glaubens in den Augen von Andersgläubigen zu heben und die staatlichen Bevorzugungen und Hintansetzungen in diesem Punkte zu bekämpfen. – Der große König hat das Weiseste und Wahrhafteste hierüber bereits vor Hundert Jahren erkannt und anerkannt. Er sagt hierüber: „Es gibt keine Religion, welche in Betreff der Sittenlehre von der andern sehr abwiche. Daher können sie der Regierung alle gleich sein, welche also Jedem die Freiheit läßt, auf welchem Wege es ihm beliebt in den Himmel einzugehen. Nur soll Jeder ein guter Bürger sein. Mehr verlange man von ihm nicht!“ – Ueber dasselbe Thema schreibt er an die Fürsten: „Ihr seid das Haupt der bürgerlichen Religion Eures Landes! Diese besteht in Rechtlichkeit und allen sittlichen Tugenden. Es ist Eure Pflicht sie ausüben zu lassen. Besonders Menschenliebe, welches die Haupttugend jedes denkenden Wesens ist. Die geistliche Religion überlasset dem höchsten Wesen!“ – „Die Politik eines Fürsten verlangt meiner Meinung nach, daß er den Glauben seines Volkes nicht berühre und vielmehr, so gut er kann, die Geistlichkeit seiner Staaten und seiner Unterthanen zur Sanftmuth und Duldung anleite!“

Noch immer haben wir wegen Ungleichheit der Steuern zu klagen. – Friedrich der Große aber sprach bereits hierüber: „Um solche Fehler zu vermeiden, muß der Fürst stets den Zustand des ärmeren Volkes im Auge haben und sich öfter an die Stelle der Bauern und Handwerker versetzen und zu sich selber sagen: wenn ich in der Classe der Bürger geboren wäre, deren Arme ihr Capital sind, was würde ich vom Fürsten fordern? – Was ihm da der gesunde Verstand eingibt, das ist seine Pflicht zu thun.“ – „Es gibt in den meisten Staaten Europa’s Länder, wo die Bauern an der Scholle haften, Leibeigene ihrer Edelleute sind. Das ist unter allen Verhältnissen das unglücklichste, welches die Menschen am meisten empört. – Sicherlich ist kein Mensch geboren, um der Sclave seines Nebenmenschen zu sein!
V. Z.