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Textdaten
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Autor: Julius Loewenberg
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Titel: August Petermann
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 697–699
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[697]
August Petermann.

„Rasch tritt der Tod den Menschen an,
Es ist ihm keine Frist gegeben;
Er stürzt ihn mitten in der Bahn,
Er reißt ihn fort vom vollen Leben.“

So ist August Petermann in Gotha im besten Mannesalter, in rüstiger Arbeitskraft, im nur sechsundfünfzigsten Altersjahre aus dem Leben geschieden. Rasch und unerwartet hat der Tod am Morgen des 25. September dem künstlerisch geschmackvollsten Kartenzeichner den Griffel entwunden, den kritischen Schriftsteller einer Zeitschrift von Weltruf, den Leiter eines Theils des größten und vortrefflichsten geographischen Instituts in Deutschland aus dem Leben dahingerafft.

Seit dem Tode Alexander von Humboldt’s und Karl Ritter’s (1859) hatte die geographische Wissenschaft in Deutschland in Oscar Peschel ihren beredtesten Lehrer und Förderer verloren – in August Petermann verlor sie in Deutschland, vielleicht in der ganzen civilisirten Welt, den internationalsten Geographen.

Petermann’s Studirstube war das Reservoir, in welches alle Ströme und Quellen der verschiedensten geographischen Studien und Forschungen zusammenflossen, um hier von ihm in Wort und Kartenbild geklärt und befruchtend wieder in alle Welt geleitet zu werden. Petermann’s Studirstube war das Centralbureau für die ersten Berichte über wissenschaftliche Reisen und geographische Entdeckungen, über geographische Forschungen und Arbeiten aller Art in den fernsten Ländern und Meeren, die von hier aus gesichtet, verarbeitet und in alle Welt weiter verbreitet wurden. Seine außerordentlich umfangreiche, sorgfältig erhaltene Korrespondenz ist für die Geschichte der geographischen Wissenschaft in den letzten Jahrzehnteten eine eigenartige, überaus reiche Quelle authentischer Mittheilungen, wie sie kein Privatmann [698] ähnlich besitzt. Petermann’s Studirstube enthielt die reichste Sammlung seltener, oft gar nicht käuflicher Kartenwerke, zahlreiche handschriftliche Skizzen und Entwürfe, die ihm von Bebörden, Autoren und Reisenden überlassen waren. So enthielt die Sammlung beispielsweise das kartographische Material über Australien in eitler Vollständigkeit, wie sie kaum in amtlichen englischen Sammlungen zum zweiten Male angetroffen werden dürfte.

August Petermann wurde am 18. April 1822 in Bleicherode bei Nordhausen am Harz geboren. Die Vermögensverhälnisse des Vaters, eines untergeordneten Gerichtsbeamten, gestatten diesem nicht, für den Unterricht seiner vier Kinder besondere Kosten zu verwenden. Erst im vierzehnten Altersjahre kam Petermann auf das Gymnasium zu Nordhausen, um vielleicht dereinst als Stipendiat Theologie zu studiren. Aber nur zwei flüchtige Jahre blieb er in der gelehrten Schule. So entbehrte der mittellose Knabe den besseren Unterricht einer höheren Schule. Ein guter Genius vergütete ihm das trübe Entbehren durch eine hohe Geistesgabe, durch ein seltenes Talent für die zeichnende Kunst. Schon seit früher Kindheit hatte der Knabe eine hervortretende Neigung zum Zeichnen, welche ihn später zur Kartographie führte.

Ein Zufall gab dem Lebenswege des sechszehnjährigen Jünglings eine glückliche Wendung.

Damals war es, daß auf Anregung Alexander von Humboldt’s mit Unterstützung König Friedrich Wilhelm’s des Dritten in Potsdam eine geographische Kunstschule eröffnet wurde. Humboldt, Ritter, Heinrich Berghaus, damals die Triumvirn der geographischen Disciplin in Berlin, hatten dieselben in fruchtbare Gährung gebracht, und Berghaus, der berühmteste Kartenzeichner jener Zeit, ward oberster Leiter der Kunstschule. Auf dem malerischen Brauhausberge gelegen, hatte die Schule in der Umgebung anmuthig-wechselnder Hügel- und Waldlandschaft, weiter schöner Havelseen die anregendsten, instructiven Vorlagen für Uebungen in der höhern Feld- und der Höhen-Meßkunst, in der graphischen Darstellung der Gewässer auf der Erdoberfläche (Hydrographie) und in der Bestimmung der Höhenverhältnisse nicht weit von einander entfernter Punkte (Nivellirung). Und hierbei sollten die Schüler vorzugsweise im Entwerfen, Construiren und Compiliren von Landkarten und selbst im Lithogrophiren und Kupferstechen geübt werden.

Die Bekanntmachungen der Eröffnung dieser Potsdamer Kunstschule und des Lehrplans hatten Ostern 1839 den Vater Petermann’s veranlaßt, dem Professor Berghaus Zeichnungen von seinem Sohne einzureichen, in denen der erfahrene Kartenzeichner das höchst beachtenswerthe Talent erkannte, und – A. Petermann wurde nicht nur Zögling der geographischen Kunstschule, sondern alsbald auch Haus- und Familiengenosse seines Lehrers, der die Arbeiten seines Schülers so zu verwerthen wußte, daß sie die für den Jüngling unerschwinglichen Unterrichtskosten mehr als vollständig deckten.

Petermann’s Fortschritte und Leistungen übertrafen alsbald die höchsten Erwartungen des Lehrers. So kam es, daß letzterer, als Humboldt ihm die Copirung und Vervollständigung seiner „Carte de l’Asie centrale“ auftrug, diese Arbeiten von Petermann ausführen ließ. Berghaus selbst berichtet hierüber in seinem Briefwechsel mit Alexander von Humboldt:

„Die schön und sauber ausgeführte Copie erntete Beifall. Ich nahm Gelegenheit, Humboldt zu erinnern, daß er unter die Karten zum Atlas seiner amerikanischen Reise die Namen der Zeichner, wie Friesen, Michaelis etc., gesetzt habe, als Anerkenntniß auch ihrer Thätigkeit an seinen Werken, und an diese Erinnerung die Bitte zu knüpfen, mit dem Anfertiger der Reinzeichnung der Carte de l’Asie centrale es ebenso halten zu wollen, was für den jungen Mann eine große Aufmunterung sein werde. Humboldt war ohne weiteres bereit, meinen Wunsch zu erfüllen; ich mußte ihm den Zeichner nennen, dessen Vor- und Zuname er sogleich aufschrieb. In dem erstern muß er mich mißverstanden haben, denn er hat auf der Karte aus August einen Karl Petermann gemacht!“

So hatte Petermann schon früh die Anerkennung Humboldt’s gefunden. Er war auch der thätigste Zeichner und Mitarbeiter an Berghaus’ berühmtem und epochemachendem physikalischen Atlas, der damals bei Perthes in Gotha erschien. Aber das Haus des väterlichen Lehrers war für ihn mehr als bloße Zeichenschule. Die reiche Bibliothek, die er unbeschränkt benutzen durfte, der lebhafte Briefverkehr Berghaus’ als Redacteur der „Annalen der Erd-, Völker- und Staatenkunde“, der damals wichtigsten geographischen Zeitschrift in Deutschland, die vielseitige, äußerst gewandte schriftstellerische Thätigkeit, die er in nächster Nähe sah und zu der er herangezogen wurde, – alles dies übte auf das Talent, die Neigung und den Fleiß des jugendlichen Geographen einen fruchtreichen, begeisternden Einfluß. Petermann hatte im Hause Berghaus’ zu Potsdam die gediegenste Schule, das vielseitige Vorbild zu dem, was er in noch ausgezeichneterem Maße werden sollte. Und derselbe gute Genius, der ihn von der Schulbank zu Nordhausen nach Potsdam geführt hatte, führte ihn auch nach sechsjährigem Aufenthalt 1844 von hier noch England.

Berghaus’ physikalischer Atlas hatte nämlich auch in England so viel Beifall gefunden, daß Keith Johnson, der Besitzer einer kartographischen Anstalt in Edinburgh, im Jahre 1844 mit Berghaus zu einer englischen Ausgabe seines Werkes in Verbindung trat. Petermann ging zur Ausführung dieser Unternehmung dorthin.

Zwei Jahre fesselten ihn die Arbeiten an dem physikalischen Atlas in Edinburgh, während welcher Zeit er auch persönlich mit dem gelehrten geographischen Fachmännern in freundschaftliche Verbindung trat.

Anfang Juni 1847 ging Petermann indeß nach London. Ueberraschend schnell wurde er hier heimisch und der Sprache vollkommen mächtig, sodaß er nicht lange nach seiner Uebersiedelung eine Reihe von geographischen Berichten schrieb, die, hauptsächlich in dem Londoner „Athenäum“, der „Times“ und in anderen Journalen und Werken erschienen, ihm einen europäischen Ruf erworben und die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf ihn hinlenkten. Gleichzeitig bearbeitete er und gab auf seine eignen Kosten heraus zwei prächtige größere Kartenblätter der britischen Inseln, die eine zur Darstellung der hydrographischen Verhältnisse (Flußgebiete, Canalnetze, einschlägige klimatische Elemente, wie Regenvertheilung), die andere zur Darstellung der statistischen Verhältnisse, beides Musterblätter in ihrer Art und noch bis heute unübertroffen. Diese Arbeiten brachten ihm sofort die höchste Anerkennung bei den ersten wissenschaftlichen Männern Londons und auch bei Behörden. Darauf folgte sein Physikalischer Atlas in sechszehn Blättern, der beim englischen Publicum sehr vielen Beifall fand, so daß er ermuthigt wurde, in London eine von ihm mit Erfolg geleitete, geographische Anstalt zu gründen. Bei solchen Leistungen kam es, daß dem deutschen Fremdling Petermann eine für einen Ausländer höchst ehrenvolle Stellung und reiche Verbindungen mit Regierungsbehörden, mit der königlichen geographischen Gesellschaft, den ersten Männern der Wissenschaft, den angesehensten Tagesblättern, Journalen und Verlagshäusern rasch zu Theil wurde.

Schon damals entbrannte seine Neigung, Entdeckungs- und Forschungsreisen zu fördern und in’s Leben zu rufen, und zwar waren es vor allen die nach Afrika und in die Polargegenden.

Petermann’s Ruf veranlaßte mehr die umsichtigen Besitzer der Buchhandlung von Perthes in Gotha, Wilhelm und Bernhard Perthes, ihn im Jahre 1854 nach Gotha zu berufen. Perthes’ geographisches Institut war schon damals das größte derartige in Deutschland. Die Arbeiten der bedeutendsten Geographen, wie die von Stiele, Berghaus, Stülpnagel, Sydow und von anderen waren schon aus demselben hervorgegangen.

Nach zehnjährigem Aufenthalte in England trat Petermann im zweiunddreißigsten Altersjahre am 1. August 1854 in das Gothaer Geographische Institut. Er kam mit fachmännischen Kenntnissen, reicher Erfahrung, einem geschärften Blick, voller Kenntniß der englischen Sprache und einem hochgeachteten Namen und fand in Gotha einen Boden, in welchem sich seine Bestrebungen schnell zu den Blüthen und Früchten entwickelten, die seinen Ruhm bei allen Culturvölkern verbreitet haben. Die in England angeknüpften Verbindungen brachten zahlreiche Briefe und Mittheilungen über die neuesten geographischen Ereignisse, und so reifte denn auch alsbald der Plan zur Herausgabe der „Mittheilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt“ etc. In dem Vorwort zum ersten Bande vom 15. Februar sagt Petermann:

„Unsere ‚Mitheilungen‘ sollen sich dadurch von allen ähnlichen Schriften unterscheiden, daß sie auf sorgfältig bearbeiteten [699] und sauber ausgeführten Karten das Endresultat neuer geographischen Forschungen zusammenfassen und graphisch veranschaulichen. Nie wird deshalb eine Nummer unsere Schrift ausgegeben werden, ohne eine oder mehrere Kartenbeilagen, und diese werden mit besonderer Rücksicht darauf entworfen werden, daß sie allen Besitzern von Stieler’s ‚Handatlas‘, Berghaus’ ‚Physikalischem Atlas’‘ und anderen aus der Anstalt hervorgegangenen Kartenwerken ein fortlaufendes leicht zugängliches Supplement in handlicher Form gewähren. Wir werden es uns angelegen sein lassen, besonders wichtige neue Entdeckungen immer sofort, oder möglichst schnell unseren Lesern vorzulegen.“

Schon nach dem Erscheinen der ersten Jahrgange sagte Sir R. Murchison, der Präsident „Geographischen Gesellschaft“ zu London, in einem seiner Jahresberichte: „Die Fortschritte der geographischen Wissenschaft werden gegenwärtig so vollständig durch die Mittheilungen von Dr. Petermann verbreitet, daß es unnöthig ist, mehr zu thun, als die Aufmerksamkeit auf diese methodische und gut illustrirte Zeitschrift hinzulenken.“ Nachdem er hierauf weitläufig auseinander gesetzt, wie der Umstand, daß die Berichte von Reisenden, welche in englischen Diensten ständen, viel eher in diese Zeitschrift, als in englischen erschienen seien, zu mannigfachen Unzufriedenheiten englischerseits geführt hätten, fährt er fort: „Indem ich also alle Eifersucht verbanne und die Ausdauer und Geschicklichkeit solcher Zeitgenossen bewundere, muß ich mit billiger Offenherzigkeit gestehen, daß die Mittheilungen einen mächtigen und heilsamen Einfluß auf den Fortschritt unserer Wissenschaft üben.“

Und fast ein Vierteljahrhundert haben die „Mittheilungen“ in den dreiundzwanzig bisher erschienenen Bänden an Gediegenheit und Interesse fort und fort zugenommen. Das Material für dieselben strömte in solcher Fülle herbei, daß dasselbe in Ergänzungshefte gebracht werden mußte, die bereits zwölf Bände füllen. Auch Brehm’s vortreffliches „Jahrbuch“ ist als selbstständiges Werk aus den „Mittheilungen“ hervorgegangen.

War Petermann’s Interesse für die beiden Probleme der geographischen Entdeckungen in Afrika und der an der Polorzone schon in England lebhaft gewesen, so wurde es alsbald auch in Gotha auf das Höchste gesteigert, und es ist sehr wesentlich sein Verdienst das Interesse für solche Unternehmungen auch in Deutschland gehoben und gestärkt und zu einem Nationalgefühl begeistert zu haben. Petermann war der geschickteste und eifrigste Agitator, Reisen im Dienste der Wissenschaft zu Stande zu bringen. In ihm vereinigte sich eine agitatorische Thätigkeit, wie sie in ganzen geographischen Gesellschaften nicht zu finden war.

Wie unermüdlich warb er bei Regierungen und Vereinen, bei Privaten und Fachleuten, wenn er einen unternehmenden und mit den nöthigen Eigenschaften eines Entdeckungsreisenden wohl ausgerüsteten Mann gefunden hatte, den es nun zu unterstützen galt! Wie ist er da umher gereist, wie viel hunderte von Briefen hat er geschrieben, bis er die Mittel zusammengebracht hatte, am seinen Schützling einen Vorstoß in das Unbekannte machen lassen zu können!

Wie er schon im England die Reisen Barth’s, Vogel’s und Overweg’s gefördert, so agitirte er in Deutschland für die Reisen des unglücklichen Moritz von Beurmann nach dem Sudan, so gab er den Anstoß dazu, daß Rohlfs nach seiner gefahrvollen marokkanischen Wanderung sich wiederholt dem Innern Afrikas und der Libyschen Küste zuwandte: so hat er für Karl Rauch’s Reisen in Südafrika das Geld zusammengebracht, und wohl mag es wenige unter den heutigen Afrikareisenden geben, welche sich nicht bei ihm Raths erholt und namhafte Hülfe gefunden haben.

Denselben Eifer widmete er den Polarunternehmungen. Die Schicksale Franklin’s, seiner Gefährten und der Franklinsucher prägten sich Petermann schon in London unauslöschlich ein.

Er stand doch mitten in der Bewegung; er zeichnete persönlich die Karten und Entwürfe, welche sich auf das damals noch kaum in seinen äußersten Umrissen bekannte Inselgewirr des arktisch-amerikanischen Archipelagus bezogen, und wie oft mag sein Stift suchend und vorweg zeichnend damals die Vollendung der Küstenlinie versucht haben, gerade so, wie er auch jetzt wieder in den letzten Jahren mit kühnem Federzug die Verlängerung Grönlands über den Nordpol hinaus vermuthet und skizzirt hat! Vor allem aber ist es Petermann’s Verdienst, daß auch Deutschland in neuester Zeit seine drei Nordfahrten zu verzeichnen hatte, unter Werner (1865), Koldewey und Hildebrandt (1868), Koldewey und Hegemann (1869 bis 1870).

Wir nahen dem Schluß, haben aber noch von denjenigen Arbeiten Petermanns zu reden, die seine zahlreichsten, und zumeist auch dem größten Kreise unserer Leser bekannt sind, von seinen Landkarten. In höherem Maße nämlich, als auf die eben geschilderte Thätigkeit Petermann’s, gründete sich sein Ruhm und sehr hohes wissenschaftliches Ansehen auf seine ausgezeichneten, umfassenden kartographischen Arbeiten. Ist schon die große Zahl derselben Epoche machend, da die dreiundzwanzig Jahrgänge und elf Ergänzungsbände der „Mittheilungen“ allein fünf- bis sechshundert einzelne Tafeln enthalten mögen, die theils von ihm selbst, zum größten Theil aber wenigstens unter seiner persönlichen Aufsicht und Leitung bearbeitet und gezeichnet, gravirt, gedruckt und colorirt worden, so ist es mehr noch die Art der Ausführung derselben.

Ganz abgesehen von der wissenschaftlichen Vortrefflichkeit der Karten, die allseitigste Anerkennung fand, sodaß beispielsweise die Regierungen der Vereinigten Staaten und der Colonie Australiens Petermann’s Landkarten ihrer Staaten und Gebiete als die zuverlässigsten und besten bezeichnet haben, zeichnen sich dieselben durch die durch und durch ästhetische Behandlung des oft recht spröden Stoffes aus. Die Blätter werden von einen seltenen künstlerischen Geschmack durchweht, der die einzeln Kartenelemente mit unübertroffener Harmonie zusammenfügt, sodaß die oft verlockend schönen Blätter immer von Neuem den Beschauer fesseln. So sind z. B. die beiden vorerwähnten Karten der britischen Inseln, die nicht nur von ihm gezeichnet, sondern auch von ihm selbst in Kupfer gestochen wurden, wahre Kunstblätter und mustergültig für jeden Fachmann. Was Wunder, daß er so zum Vorbild wurde nicht nur in seinem Vaterlande, sondern fast mehr noch überall im Auslande, wo das Interesse für Geographie und Kartographie fördernde Pflege gefunden hat.

So begann mit Petermann eine wahrhaft neue Epoche für die Kunst des Landkartenzeichnens. Perthes’ geographisches Institut wurde unter Petermann’s Leitung die hohe Schule der Kartographie im weitesten Sinne, der Zeichner und Kupferstecher, Lithographen und Drucker, sowie endlich der Coloristen, aus der eine namhafte Anzahl tüchtiger Männer hervorgegangen ist, die selbstständig in eigenen Instituten im Geiste des Lehrers Vortreffliches leisten.

Bei solchen Verdiensten konnte es nicht fehlen, daß Petermann von allen Seiten die höchste Anerkennung zu Theil wurde. Wie er in England den Ehrentitel: der Geograph der Königin (Geographer of the Queen), und von der Geographischen Gesellschaft in London die große goldene Medaille, die in der Regel nur Entdeckungreisenden für außerordentliche Erfolge gegeben wird, erhalten hatte, so ehren ihn auch überall Fürsten, Akademien, gelehrte Gesellschaften mit ihren höchsten Ehren und Würden.

Während Petermann’s Leben in Gotha wurde das Perthes’sche Institut, man kann sagen ganz Gotha, der Mittelpunkt des höchsten geographischen Interesses. Fast alle namhaften Forschungsreisenden sprachen bei Petermann vor, um ihm die Erstlinge ihrer Arbeiten darzubringen oder von ihm Informationen, Instructionen und Belehrungen vielerlei Art entgegenzunehmen.

Petermann’s Leben war ein reißender Strom rastloser Thätigkeit, außerordentlicher Erfolge. Sein Name wird wie ein elektrisches Licht fort und fort in der Geschichte der geographischen Wissenschaft leuchten. – Leider haben seiner hohen Begabung, seinen seltenen Vorzügen auch mancherlei psychische Schatten zur Seite gestanden, welche die Ursache seines jähen, verhängnißschweren Heimgangs wurden, aber die Wehmuth hierüber und die Gedanken an seine Vorzüge haben die Erinnerung an jene Schatten verlöscht.[1]

J. Loewenberg.
  1. Ein wohlgetroffenes Bildniß August Petermann’s theilte die „Gartenlaube“ ihren Lesern in Nr. 50 des Jahrgangs von 1868 mit, wo mit ihm Capitain Karl Koldewey und Obersteuermann Richard Hildebrandt in einer Gruppe als Gründer und Führer der ersten deutschen Nordpolexpedition dargestellt sind.
    D. Red.