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Aufruf zur Errichtung eines Denkmals auf Helgoland für Hoffmann von Fallersleben

Textdaten
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Autor: Friedrich Emil Rittershaus
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Titel: Aufruf zur Errichtung eines Denkmals auf Helgoland für Hoffmann von Fallersleben
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 797
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[797]
Aufruf
zur Errichtung eines Denkmals auf Helgoland für Hoffmann von Fallersleben, den Dichter des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles“.

Es sprach des Deutschen Kaisers Mund:
„Der letzte Fleck von deutschem Grund,
Nun zählt er zu dem deutschen Land!“ –
Er sprach’s am Helgoländer Strand.
Da stieg auf Fels und Haus und Boot
Das Banner, schwarz und weiß und roth,
Da donnerten Kanonen rings –
Und durch die deutschen Gaue ging’s:
Nun ist zum Reiche heimgebracht
Des deutschen Landes Nordlandswacht!



Wo man in deutschen Lauten spricht,
Durch jedes Herz tönt ein Gedicht,
Das Deutschland über alles preist –
Nicht immer klang’s im gleichen Geist!
Es stieg wie leises Fleh’n zu Gott,
Als Deutschlands Zwietracht aller Spott,
Und jauchzend sang’s des Volkes Schar,
Als Deutschland über alles war! –
Wo aber wuchs der Sang empor?
War’s an des Rheines Rebenflor?
War’s, wo die Donau südwärts zieht?
Erklang am Main „der Deutschen Lied“?
Vom Meer umbraust, vom Sturm umweht,
Das rechte Wort fand der Poet!
Vom Felseneiland Helgoland
Ein Dichter hat’s hinausgesandt,
Das Lied von deutscher Herrlichkeit,
Das Trost uns war in trüber Zeit,
Und heut’ in sich gesammelt hält
Das Fühlen einer deutschen Welt! –
Das Lied von deutschen Lippen stiegt,
Wo sich die Palmenkrone wiegt;
Wo über’m Eis das Nordlicht flammt,
Singt’s, wer von deutschem Blut entstammt.
Wir singen’s, wenn beim frohen Fest
Man brüderlich die Hand sich preßt,
Da steigt der Sang in hellem Chor
Gewaltig aus der Brust empor –
Eins sind wir all’ in Herz und Geist! –
Und, wenn’s im Feld zu sterben heißt,
Wo’s um die höchsten Güter geht,
Wird’s deutschen Kriegers Schlußgebet! –



Wo er es sang, was wir gefühlt,
Hoch auf dem Fels vom Meer umspült,
Da rag’ das erzgeposs’ne Haupt
Des Dichters, der da fest geglaubt
An unsres Reiches Auferstehn
Und große Fest vorausgesehn!
Deß’ Wort begeisternd uns erklang
Im deutschen Nationalgesang,
Der jenes Lied uns hat erdacht,
Sein Bildniß zier’ die Nordlandswacht!

Emil Rittershaus.

Auf dem neuen deutschen Gebietstheile Helgoland entstand am 26. August 1841 das Lied Hoffmanns von Fallersleben „Deutschland, Deutschland über alles“, das „eine Volksthümlichkeit erlangte, die bis heute ungeschmälert sich erhalten hat und sich erhalten wird, so lange der Deutsche die Liebe zum Vaterlande als Heiligstes in seiner Brust bewahrt“. Bei jeder Gelegenheit, wo des Deutschen Reiches gedacht wird, braust es begeistert und begeisternd durch die Reihen der Sänger und „nährt als deutsche Nationalhymne die Gluth vaterländischer Liebe“.

Im nächsten Jahre feiert dieses „Lied der Deutschen“ das fünfzig-jährige Jubiläum.

Was es für den deutschen Patriotismus gewirkt hat, können wir dem Dichter nicht vergelten; aber ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung vermögen wir dem echt deutschen Manne in äußerer Gestalt darzubringen, wenn wir aus dem Geburtslands des Liedes ihm ein Denkmal errichten, das an der Seemacht des geeinten Deutschen Reiches die unvertilgbare Kraft der Vaterlandsliebe hinaus in alle Welt dringen lassen soll. Gerade auf der Insel, von der Hoffmann von Fallersleben äußerte; „Helgoland muß deutsch werden,“ sollte, nachdem das Wort zur That geworden, ein Denkmal des Vaterlandes Dankbarkeit bekunden.

Am 22. September 1890 haben in Kassel deutsch gesinnte Männer und Frauen den Plan gefaßt, Sammlungen für ein solches Denkmal zu veranstalten und auszuschreiben. Dasselbe soll in einer großen Bronzebüste aus Granitblock bestehen, einfach und schlicht, aber erhaben und würdig. Mit einem hervorragenden Künstler sind Verhandlungen angeknüpft, und es ist Aussicht, daß, wenn die Sammlungen baldigst einen günstigen Erfolg zeigen, bis zum Geburtstage des herrlichen Nationalliedes die Enthüllung stattfinden kann. Die Kosten dürften sich auf ungefähr 10 000 Mark belaufen.

Unter Hinweis auf das an der Spitze stehende Gedicht eines warmen Freundes des Verewigten, das in jener Kasseler Versammlung dem begeisterten Herzen entquoll, ergeht die Bitte, allenthalben zu Gaben aufzufordern. Als besonders ersprießlich erscheint es, so oft das „deutsche Lied“ gesungen wird, in unmittelbarem Anschluß an die dadurch hervor tretende gehobene Stimmung Sammlungen zu veranstalten.

Die eingehenden Gelder wolle man an den Geheimen Regierungsrath Robert Fischer in Gera (Reuß) einsenden, der die Bewahrung derselben und öffentliche Empfangsbescheinigung in der hierzu zur Verfügung gestellten „Gartenlaube“ übernommen hat.

Anmerkung der Redaktion. Die deutschen Zeitungen werden um Nachdruck des Aufrufs und um Veranstaltung von Geldsammlungen freundlichst gebeten.