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Textdaten
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Titel: Auf dem Pic von Teneriffa.
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[19] Auf dem Pic von Teneriffa. Den Erinnerungen und Auszeichnungen des Grafen Adolf Friedrich v. Schack „Ein halbes Jahrhundert“ (Stuttgart und Leipzig), die an stimmungsvollen und glänzend kolorirten Landschaftsbildern reich sind, entnehmen wir eine Schilderung des Pics von Teneriffa und der Besteigung desselben, die mit größerer Leichtigkeit bewerkstelligt werden kann, als diejenige gleich hoher, nördlicher gelegener Gebirgsspitzen; denn diese sind das ganze Jahr hindurch mit großen Gletschermassen und Schneefeldern überdeckt. Gleichwohl gilt die Besteigung des Donnerbergs auch den Führern für ein schwieriges Unternehmen. Nachdem die mittlere Bergzone mit ihren Lorbeer-, Kastanien- und Aepfelbäumen passirt war, ging es über Lavatrümmer weiter aufwärts, und die Retamapflanze, ein dem Pic von Teneriffa eigenthümliches Gewächs, überwucherte den Boden; hier und da flog ein kleiner Schmetterling um ihre Blüthen. Zwischen erstarrten Lavaströmen und Steinblöcken stieg der Reisende höher bergan; immer schwieriger wurde der Pfad wegen des zackigen, ringsum aufgethürmten Gesteins. Auf der Alta Vista, in einer Höhe von 10 000 Fuß, verbrachte Schack die Nacht, um mit größerer Sicherheit vor Tagesanbrach den Gipfel zu erreichen. Und in der That gelang es ihm, oben anzukommen, vor Sonnenaufgang, als noch die Nacht mit ihren Myriaden Sternen auf ihn niederschaute. „Da sah ich unten einen matten Dämmerungsschein um die Ränder der Erde spielen, die Finsterniß zerbrach nach und nach in sich selbst, blasse Strahlen zuckten durch sie hin. Noch vermochte mein Auge in der Tiefe Insel und Meer nicht zu unterscheiden; plötzlich jedoch gewahrte ich im Zwielicht neben mir einen Riesenberg, dessen Gipfel gleich hoch war wie die Spitze, auf der ich stand. Lange starrte ich nach dieser gigantischen Felsmasse und fragte sodann den Führer, welcher Berg dieses sei, da Teneriffa doch nur einen Pic habe; Cristoval aber wußte keine Antwort zu geben und blickte sprachlos nach derselben Seite wie ich hin. Allmählich dann schienen die Umrisse des Riesenbergs minder scharf zu werden; seine Wände und Zacken stürzten ein, und erst jetzt ward mir klar, der Pic habe auf eine leichte Schicht von Dünsten sein Spiegelbild geworfen; es sei eine Erscheinung gewesen wie die Fata Morgana oder das Brockengespenst. Nun brachen die Flammengeister mächtig über den Erdball herauf; der Mond ward bleicher, die letzten Sterne sanken wie blinkende Tropfen in die Wogen des steigenden Lichtes. Unten ringsum wurde der Ocean in seiner grenzenlosen Ausdehnung sichtbar; der Pic schien wie eine Klippe unmittelbar aus ihm aufzuragen; denn die Insel zu meinen Füßen verschwand beinahe. Wie ich den Blick in die Tiefe sandte, glaubte ich die Rundung der Erdkugel gewahren zu können; denn das Meer erhob sich zu allen Seiten gleich der Wölbung einer Kuppel nach der Insel zu. Erst jetzt, wo es heller und heller wurde, erkannte ich die Eilande Palma, Gran Canaria, Lanzarote und viele andere kleine Inseln; sie wurden von der Fluth des wachsenden Lichtes wie umhergewirbelt. Alles schien nur noch zu kreisen und zu wogen ... Erst da die Sonne völlig über dem Horizont stand, konnte ich ruhiger das ungeheure Bild in mich aufnehmen. Über dem Abgrund lagen einzelne Wolkenschichten, die, vom Frühglanz vergoldet, durch ihre Spalten einen Blick in das Meer hinab gewährten. Ein bleicher Streifen in fernster Ferne, aber durch das Sehrohr wohl [20] erkennbar, ließ die Küste von Afrika ahnen, nach allen Richtungen bis in endlose Weiten hin nur Meer und Himmel – und meine Seele, das Zagen der Nacht besiegend, dehnte sich aus in der hehren Fülle des Lichtes.“

†