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Textdaten
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Autor: Bu.
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Titel: Arbeiterkolonien in Bayern
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aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 324
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[324] Arbeiterkolonien in Bayern. Es ist noch nicht allseitig genug gewürdigt, welche hohe Bedeutung für die socialen Reformbestrebungen den ländlichen Arbeiterkolonien zukommt. Sie steuern nicht nur dem Stromertum der Landstraße, sondern eröffnen auch dessen besserungsfähigen Elementen sowie den Entlassenen der Strafanstalten den Wiedereintritt in die Welt der ehrlichen Arbeit. Was, bei anfangs geringen Mitteln, die rastlosen Bestrebungen einer Anzahl von opferfreudigen Männern hier zu schaffen vermochten, das sieht man beim Hinblick auf die beiden Kolonien Simonshof und Herzogsägmühle in Bayern, sie befinden sich beide in bestem Gedeihen, halten Zucht und Ordnung unter ihren Gästen und haben eine gute Anzahl von Vaganten die jeder Arbeit entwöhnt waren, durch Feldarbeit, Straßen- und Wasserbau, Waldpflanzungen u. dergl. wieder zur regelmäßigen Thätigkeit gebracht, sowie ihnen Stellen bei Privaten, Anstalten und Behörden als ländliche Arbeiter verschafft. Eine weitere bedeutungsvolle Aufgabe erwächst dieser Kolonie durch den Beschluß des Ministeriums, den bedingt Verurteilten statt Verbüßung ihrer Strafe im Gefängnis einen dreimonatigen Aufenthalt dort zu gewähren, um Besserung zu beweisen. Was es für einen bisher noch nicht Bestraften heißt, statt in die verderbliche Gesellschaft des Gefängnisses zu thätigen Menschenfreunden zu kommen, braucht keiner Ausführung, er sowohl als der sonst dem demoralisierenden Landstraßenbettel Verfallene finden hier die rettende Hand, welche sie aus dem Verderben wieder emporzieht und durch ihre eigene Kraft heilt. Simonshof besteht seit 8 Jahren, Herzogsägmühle wurde vorigen Herbst eröffnet. Bei dieser Gelegenheit gab der erste Vorsitzende, der um die Gründung und Erweiterung des Unternehmens hochverdiente Dekan Kahl von München, in seiner vom echt christlichen Geist der Duldung und Nächstenliebe durchwehten Rede eine anschauliche Schilderung von den Mühen und Erfolgen, von der Freude des Gelingens und den vielen definitiven Besserungen welche durch Schreiben der dankbaren Kolonisten und ihrer Arbeitgeber bezeugt werden. Aber er stellt auch fest, daß den 8000 Mitgliedern des Vereins noch 12 000 neue beitreten müßten, wenn alles erreicht werden soll, was in der Absicht des Unternehmens liegt!

Wir geben die Bitte des verdienstvollen Mannes an unseren großen Leserkreis weiter. So mancher im liebem Vaterlande häuft im stillen sein Kapital für seine nächste Familie. Möge er, im Gedanken an die Pflichten gegen die große Menschheitsfamilie, einen kleinen Teil seiner Ueberschüsse diesen segensreichen Arbeiterkolonien geben und der besten Verwendung sicher sein! Der Rechenschaftsbericht des Vereins nebst Statuten und den sehr interessanten Ausführungen über die bisherige Entwicklung der Kolonie ist von Herrn Sekretär Eichner, München, Gabelsbergerstraße 60 II. kostenfrei zu beziehen.
Bu.