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Andreas Hofer’s Abschied von den Seinen

Textdaten
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Autor:
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Titel: Andreas Hofer’s Abschied von den Seinen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 668–669, 676
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: zu Franz Defreggers Ölbild von Andreas Hofer’s
Blätter und Blüthen
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[668]
Die Gartenlaube (1879) b 668.jpg

Andreas Hofer’s Abschied von den Seinen.
Nach dem Oelgemälde von Franz Defregger in München.

[676] Andreas Hofer’s Abschied von den Seinen. (Zu dem Bilde auf Seite 668 bis 669.) Auf der vorjährigen Berliner Kunstausstellung erschien noch in letzter Stunde ein Bild, an welches nicht einmal die letzte Hand gelegt war und welches doch sofort das Interesse fast allein für sich in Anspruch nahm: das jüngste Werk Defregger’s, des noch jugendlichen und doch so hochbewunderten Münchener Meisters. Der Stoff des Gemäldes war wieder derjenige, welcher Defregger am geläufigsten ist: ein tirolerischer, und wohl der populärste tirolerische Stoff für ein historisches Bild: der gefeierte „Sandwirth von Passeier“ auf seinem Todesgange. Defregger ist selbst Tiroler, ein Dorfkind aus Stronach bei Lienz, und er hat das Wesen seiner Landsleute mit einer Feinfühligkeit erfaßt, wie keiner von jenen Hunderten, welche aus dem Reiche in die Berge ziehen, um, aus rein malerischem Interesse oder auch blos, weil es Mode ist, Almhütten mit Sennerinnen und Tirolerbuben zu malen. Seine malerische Vergangenheit, vom ersten Bilde „Des Försters letzte Heimkehr“ bis zu dem Hofer-Bilde, bewegt sich denn auch fast ausschließlich auf tirolerischem Boden.

Was Defregger als Maler auszeichnet, das war auch in dem Hofer-Bilde wieder klar ausgeprägt: neben der guten Piloty’schen Schulung jene Naivetät der Auffassung, welche sich von jedem theatralischen Pathos und jeder Sentimentalität fern hält, jene Begabung großer Meister, welche schlicht und wahr und doch zugleich feingeistig Empfundenes zu vollendetem Ausdruck zu bringen vermag. Unsere Leser mögen sich die Wahrheit des Gesagten einigermaßen aus der Wiedergabe des Bildes in dieser Nummer bestätigen lassen. Die ergreifende Scene selbst ist gelegentlich der fünfzigjährigen Wiederkehr von Hofer’s Todestage in der „Gartenlaube“ geschildert worden (Jahrgang 1860, Seite 126). Am 10. Februar 1810 war es, Schlag elf Uhr Vormittags, als der gefangene Löwe, von seinem Beichtiger, dem Erzpriester Manifesti, begleitet, durch das Executionscommando zum Tode geführt wurde. Bei der Porta Molina, an den Kasematten, welche so viele gefangene Tiroler bargen, empfingen ihn auf den Knieen liegend, weinend und betend eine Anzahl Landsleute, welche frei herum gehen durften. Als der Sandwirth erschien, stürzten die Getreuen zu ihm hin, warfen sich vor ihm nieder und flehten um seinen Segen; Hofer nahm erschüttert Abschied von ihnen; er bat um Verzeihung, wenn er die Schuld an ihrem Unglück trage; er ermahnte sie, getrost und standhaft und dem Vaterlande treu zu bleiben. Fünfhundert Gulden, die er bei sich trug, übergab er dem Geistlichen, um sie unter die Leute zu vertheilen. Dann ging’s hinaus, zum Tode – dem Tode der Unsterblichen.